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Archive for 2006-05-13

Ach wie schön der neue Kopierschutz doch ist

Die Industrie hat beschlossen, dass sie die totale Kontrolle über ihre Inhalte will. Wäre ja noch schöner, wenn der legitime Käufer sich nicht besonders teure Hardware kaufen müsste, nur damit er die Materialien ansehen kann. Oder gar Privatkopien machen könnte. Schrecklich. Wozu das führt, kann man hier lesen.

Es sah so aus, dass der Plan aufgehen würde – alle Hersteller haben mitgemacht, Microsoft will in sein Betriebssystem ein DRM einbauen, böse von offener Software besessene Leute, die womöglich auch noch Linux einsetzen, haben Pech gehabt. Raubkopierer auch (theoretisch).

Was will man mehr? Vieleicht seine Filme ohne Einschränkungen betrachten können? Wen interessiert das schon, schließlich gehen der armen Medienindustrie Milliarden durch Raubkopierer verloren (man muss sich nur die P2P-Netze anschauen, und jeder illegale Download bedeutet einen gekauften Film weniger – ist doch klar, oder?) und man muss sich dagegen wehren. Natürlich leidet das Recht auf Privatkopie darunter, aber das will die Musik- und Filmindustrie ja eh abschaffen.

Aber Moment – vieleicht wollen ja Linux-User auch Filme schauen? Gekaufte Filme – und zwar ohne sich dabei strafbar zu machen? Vieleicht werden weniger Menschen die Player kaufen, die sich weigern, die Filme auf dem eigenen Fernseher abzuspielen, weil der keine Maßnahmen zum Schutz gegen Raubkopien unterstützt? Vieleicht ist ja eh klar, dass bald "illegale" Player rauskommen, denen das ganze eh egal ist? Nun, so früh hätte selbst ich keinen erwartet – und erst recht keinen, mit Zustimmung der Industrie von einem der stärksten Vertreter von DRM. Unglaublich? Aber wahr: Hochauflösende DVDs: Sony und Microsoft unterlaufen Kopierschutz – Netzwelt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

DANKE MS! Endlich mal was vernünftiges. Jetzt wird das ganze System vermutlich eh nix mehr wert sein, und vieleicht verstehen die Publisher, dass die Verluste durch Kunden, die sich lieber den Film saugen um alles damit machen zu können, höher sind, als der Gewinn durch Kunden, die sich wegen des Kopierschutzes den Film kaufen, weil sie ihn nicht kopieren können. Die kaufen sich den nämlich dann meist einfach nicht. Entweder sie ziehen ihn trotzdem und lachen über den wirkungslosen Kopierschutz, oder sie können sich den tatsächlich nicht ziehen – dann verzichten sie eben drauf. Ehrlich gesagt: Sind für eine DVD 25 € nicht ein wenig viel verlangt? Vor allem, wenn man noch bei der Werbung am Anfang nicht wegschalten kann?

Außerdem sieht man ja, wie schlecht es der Industrie geht. Ständig gehen Firmen pleite, weil ihr Film nicht gekauft, sondern kopiert wurde. Nein? Ach. Ist es vieleicht eher so, dass es den Firmen immer noch gut geht, obwohl – vor allem in der Musikbranche scheint dies der Fall zu sein – die Produkte immer schlechter werden. Einmal sah ich ein Plakat für einen Film namens "Daniel der Zauberer" mit der Überschrift "Scheißfilme bleiben Scheißfilme" – eine wunderbare Parodie auf die miserble Qualität der Produkte. Bis ich sah, dass es den Film wirklich gibt.

Wie war das noch mal mit den Wahlen?

Wahlen sind wichtig. In einer Demokratie wird durch Wahlen die Meinung des Volkes vertreten. Daher sind demokratische Staaten meist darum bemüht, Wahlen vor Fälschung zu schützen. Es gelten hohe Sicherheitsstandards z. B. in Bezug auf gegenseitige Kontrolle bei der Auszählung.

Aber Wahlen auszuzählen ist natürlich mit Aufwand verbunden. Und das ganze mit den Wahlzetteln ist ja auch irgendwie veraltet, oder? In der heutigen Zeit könnte man das doch vieeel besser lösen. Wofür haben wir Computer? Computer sind unbestechlich, machen keine Fehler, können Millionen von Stimmen auf einmal auswerten. Sie machen nur das, was man ihnen sagt. Außerdem ist die Wahl ja auch vollkommen anonym: Die Stimmen lassen sich nicht einmal mit den aufwändigsten Techniken auch nur annähernd Wählern zuordnen (wie es eventuell bei Wahlen anhand der Form der Kreuze oder gar Fingerabdrücke/DNA-Spuren auf dem Wahlzettel möglich sein könnte). Also warum sollte man keine elektronischen Wahlmaschinen einsetzen?

DARUM: heise online – Computer-Experte weist schwerwiegende Sicherheitsmängel bei Diebold-Wahlmaschinen nach

Computer sind deutlich weniger transparent. Eine Wahl kann im Nachhinein kaum kontrolliert werden. Fälschungen hinterlassen überhaupt keine Spuren. Und Computer machen nur, was man ihnen sagt – egal wer er ihnen sagt.

Ich halte nicht den Einsatz von Wahlmaschinen allgemein für inakzeptabel. Sie wären sicher gut geeignet für erste Hochrechnungen, auch zur Kontrolle der Ergebnisse. Allerdings wird die Gefahr einer Manipulation immer so groß sein, dass man auf ein sogenanntes "paper trail", also eine weitere Aufzeichnung auf Papier (die der Wähler auch sehen und somit überprüfen kann) nie verzichten sollte. Wenn dann wieder Zweifel bei einer Wahl auftreten sollten, ließen sich die elektronischen Ergebnisse durch eine manuelle Nachzählung überprüfen. Zum Vorteil aller – wenn das Originalergebnis sich als falsch erweist, wird es korrigiert, sodass das Demokratieprinzip eingehalten wird. Wenn es sich als richtig erweist, muss sich der Sieger deutlich weniger Vorwürfe anhören, die Wahl gefälscht zu haben, das Vertrauen und damit seine Unterstützung steigt.

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