Jan Schejbal

“Es lebe die Freiheit!”

Archiv für 'Jugendschutz' Kategorie


Freunde und Helfer

Verfasst von Jan am 2007-12-04

Die Polizei sollte eigentlich die Rechte der Menschen schützen und den Menschen helfen, wo es nur geht. Leider sind in letzter Zeit gehäuft Fälle aufgetaucht, wo die Realität “etwas” anders aussah.

Fangen wir mal mit einem von der MDR-Sendung “Fakt” recherchierten Fall an. (Zu Bedenken ist, dass solche Sendungen gerne übertreiben und man sich also auch bei den öffentlich-rechtlichen nicht unbedingt auf die Neutralität der Recherche verlassen kann. Allerdings bezweifle ich, dass eine solche Sendung bedeutende Fakten dazuerfindet und sehe sie als ausreichend verlässliche Quelle an. Zur Sicherheit möchte ich aber darauf hinweisen, dass ich nur die Informationen aus dem Fakt-Beitrag verarbeitet und nicht selbst tiefgreifend recherchiert habe.)

In Bayern ist man verdächtig, wenn man sagt, dass die für den Papstbesuch ausgegebenen 40 Millionen hätten sinnvoller genutzt werden können. Wenn man sich schon so äußert, ist doch auch völlig klar, dass man das Geburtshaus des Papstes mit blauer Farbe bespritzt hat, oder? Und jemand, der so eine schreckliche Tat begeht, ist ein gemeingefährlicher Terrorist, dessen Haus sofort mit einem SEK (15 Mann in schussicheren Westen und mit MP5s) durchsucht werden muss - völlig klar, oder? Aber die eigentliche Härte kommt noch (als ob es schon nicht genug wäre, eine Familie mit einem SEK aufzumischen, nur weil der Familienvater seine weder extremistische noch sonstwie “bedenkliche” Meinung geäußert hat). Die völlig verängstigten Kinder (6 und 10 Jahre als) werden erstmal von ihren Eltern getrennt und von den Polizisten in Kampfausrüstung ausgefragt. Aber das ist immer noch nicht das Schlimmste: Als die Mutter gesagt hat, dass sie von der Situation ziemlich überfordert ist, hat der Polizist endlich mal zugegeben, wozu solche Maßnahmen wirklich dienen:

“Aus diesem Grunde machen wir das, damit die Leute von der ganzen Situation her überfordert sind und dann Sachen ausplaudern, die sie sonst nicht sagen würden.”

Die Polizei gibt also offen zu, dass sie solche Durchsuchungen mit dem Ziel durchführt, Menschen einzuschüchtern und ihrer Grundrechte (z. B. Aussageverweigerungsrecht) zu berauben. Nicht, dass diese Information was neues ist, allerdings ist es wohl das erste Mal, dass ein Polizeibeamter das zugibt.

Noch nicht genug? Na dann weiter. Nachdem die Band “Mono für alle!” für ihren Song “Amoklauf” vom BKA überwacht und fertiggemacht wurde, hat sie sich einen Anwalt genommen. Die Wohnräume dieses Anwalts wurden nun durchsucht, angeblich wegen Begünstigung in einem anderen Verfahren. Neben der naheliegenden, aber nicht nachweisbaren Vermutung, dass diese Durchsuchung eine Strafaktion für die Verteidigung der Band sein könnte, finde ich aber besonders bemerkenswert, wie die Hausdurchsuchung verlief (Quelle ist der oben verlinkte Heise-Artikel):

Nach Einschätzung des Vermieters erfolgte die Durchsuchung sehr oberflächlich. Es seien keine Gegenstände sichergestellt worden. Indes sind laut dem Anwalt Manipulationen an seinem Rechner vorgenommen worden. Diese müssten nun von einem Sachverständigen überprüft werden, weil der Computer überwiegend an den Wochenenden auch beruflich genutzt werde. Insgesamt sei der Eindruck entstanden, dass es nicht um das Auffinden von Akten, sondern um die Ausforschung seines persönlichen Lebensbereiches gegangen sei.

So sieht also ein Rechtsstaat aus.

Zum Abschluss möchte ich noch den Bericht eines Bloggers über seinen Aufenthalt in London und seine dortigen Erlebnisse mit den Sicherheitsbehörden erwähnen. Der Bericht zeigt, wie Menschen mehr Angst davor haben, von Polizisten grundlos erschossen zu werden, als vor Terrorismus. Wie “verdachtsunabhängige” Stichproben bei jedem, der fotografiert durchgeführt werden. Inklusive gründlicher Protokollierung des Aussehens, trotz dutzender Überwachungskameras übrigens. Von geheimen Verboten. (Nur mit Blitz fotografieren ist laut Schild verboten, in Wirklichkeit sind aber alle Fotos verboten und das Verbot dient dazu, dass man die Fotografierer, die ja sicher Terroranschläge vorbereiten, drankriegen kann.) Inklusive verdachtsunabhäniger Durchsuchung - sehr sinnvoll, schon allein wegen der interessanten Zufallsfunde (nach Aussage des Polizisten!). Wem das nicht gefällt, der wird festgenommen, denn verdachtsunabhängige (aka grundlose) Durchsuchungen darf die Polizei in Großbritannien immer machen. Schön, oder? Und wenn Schäuble so weitermachen kann, wird es hier bald mindestens genauso schlimm sein.

Na, immer noch nicht genug? Es ist genug für alle da:

Nachdem bekannt wurde, dass ein Amoklauf am Georg-Büchner-Gymnasium in Köln geplant gewesen war (die “Täter” hatten die Pläne längst aufgegeben) und sich einer der Amoklaufplaner nach einem Verhör das Leben genommen hatte, wurde der “Komplize” verhört. Die Eltern durften eine Hausdurchsuchung ergehen lassen - sie hatten ja auch “freiwillig” zugestimmt - es gab nämlich keinen Durchsuchungsbeschluss. Der nette Polizist hat den Eltern einfach erklärt:

Zwar gebe es noch keinen Durchsuchungsbefehl, aber der würde dann das ganze Haus betreffen, falls sich die B.s weigern sollten, die sofortige Zimmerdurchsuchung zu tolerieren.

Super - entweder ihr lasst uns freiwillig rein, und wir verwüsten nur das Zimmer von eurem Sohn, oder ihr besteht auf eurem guten Recht, und zur Strafe dafür verwüsten wir euer Haus. Soviel zum Thema “freiwillig”. Nochmal zur Erinnerung: Gegen die Eltern bestand kein Tatverdacht, und die Polizei sollte eigentlich die Bürger schützen, und nicht rechtswidrig bedrohen. Und auch wie die Durchsuchung ablief, lässt einen daran zweifeln, dass man in einem Rechtsstaat lebt. Die Polizei hat das Zimmer komplett verwüstet:

Nachdem die Spürhunde und der eigens aus Düsseldorf angeforderte Kampfmittelräumdienst Robins Zimmer „durchsucht“ haben, ist es unbewohnbar. Sogar die Deckenverkleidung und der Fußboden sind herausgerissen.

Ach ja, stille und ausgeglichene Menschen, die gerne Lesen und Heavy Metal hören, sollten sich in Acht nehmen - denn sie passen in das klassische Raster eines potentiellen Amokläufers. Interessant, dass von “Killerspielen” nicht die Rede ist, dafür aber vom Lesen. Es ist wohl populärer, zu behaupten, dass die bösen “Killerspiele” an einem Amoklauf schuld seien, als solche Behauptungen über die guten Bücher von Plato oder Nietzsche aufzustellen. (Das war übrigens die Lieblingslektüre von Sturmgeist89 (siehe hier unten links) aka NaturalSelector89 aka Pekka-Eric Auvinen - dem Amokläufer, der im November 2007 in der Jookla-Schule in Tuusula, Finnland acht Menschen tötete. Freundlicherweise hat die Welt bei ihrer Übersetzung übrigens den Bücherteil weggelassen!)

Veröffentlicht in Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Jugendschutz, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Unfair, Unsinn, Überwachungsstaat | Getaggt: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar »

Übersetzungshilfe

Verfasst von Jan am 2007-10-15

Immer wieder fallen mir blumige, unsinnige Formulierungen in Nachrichtenartikeln auf, die sehr schlechte Dinge schönreden wollen:

So forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, dass Schäuble noch mit seinem Bundestrojaner warten soll: “[Es] müsste zunächst eine intensive Aufklärung der Bevölkerung erfolgen, um eine breit angelegte Willensbildung zu ermöglichen.” - übersetzt in Klartext: “Wir müssen noch abwarten, bis wir durch Propaganda die Massen ausreichend beeinflusst haben, und wir sowas problemlos durchbekommen.”

Oder Johannes Singhammer (CSU, was sonst bei so einem Vorschlag), fordert für mehr Jugendschutz “das Internet stärker in den Schutzumfang einzubeziehen” -hier ist die Übersetzung nicht ganz klar: entweder “Ich habe keine Ahnung vom Internet” oder “Wir müssen das Internet zensieren”, wobei letzteres auch aus ersterem entstehen kann. Beide Optionen sind ähnlich wahrscheinlich - CSU-Leute haben meist keine Ahnung vom Internet - außer “das ist neu und (daher) böse”, und für ihr “Demokratieverständnis” (”Wer braucht sowas wie Demokratie?”) sind sie ebenfalls hinreichend bekannt.

Veröffentlicht in Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Statische Tags, Verbraucherrechte, Zensur, Überwachungsstaat | Getaggt: , , , , , , , | Keine Kommentare »

Arcor-Team weiß nicht, ob sie zensieren

Verfasst von Jan am 2007-09-11

BITTE DAS UPDATE WEITER UNTEN BEACHTEN!

Ich habe mehrfach bei verschiedenen Arcor-Hotlinenummern (die aber wohl alle am Ende im gleichen Callcenter landeten) angerufen, und gefragt, ob die Behauptung, gewisse Pornoseiten seien gesperrt, stimmen würde. Vorgestern gab es noch ein “Nicht dass ich wüsste, ich muss mal nachfragen”, heute gab es einmal ein klares “Nein” und einmal ein klares “Ja”.

Auf die Frage, was die Sperrung denn solle, bekam ich die Antwort, dass man solche Seiten doch nicht besuchen solle (!), die Sperrung einem also herzlich egal sein kann. Hinweis: Bei den Pornoseiten wird beanstandet, dass sie keine ordentliche Altersüberprüfung haben, d. h. es wird mit dem Jugendschutz argumentiert, es spricht aber nichts dagegen, dass Volljährige diese Seiten besuchen.

Ich bin nicht bei Arcor, daher könnte es mir ja eigentlich egal sein. Aber ich mag keine Internetzensur, ich habe die Auswüchse selbiger drei Jahre lang erleben dürfen (und dabei ziemlich viel über Netzwerke, TCP/IP, Tunnel und VPN gelernt *g*). INTERNETZENSUR IST SCHEISSE!

Jedenfalls ist nach Aussage von Heise (und das glaube ich mindestens solange anstandslos, bis Arcor in irgendwas Zitierbarem - im Gegensatz zu den Lügen an der Hotline - das Gegenteil offiziell behauptet) Arcor nicht zu dieser Maßnahme verpflichtet gewesen, Hervorhebung von mir:

Anlass für die Sperre war laut Arcor der Eingang einer Aufforderung zur Sperrung der betreffenden Inhalte. “Bis zur Klärung der Rechtsbewertung ist Arcor dieser Aufforderung freiwillig gefolgt. Die entsprechenden Seiten sind daher vorläufig aus dem Arcor-Netz nicht erreichbar”

Sofern Heise also nicht Quellen erfindet, hat Arcor das Heise gegenüber sogar bestätigt. Zusammengefasst: Nur weil ein paar Firmen (die in Konkurrenz zu den Angeboten stehen) das so wollen, sperrt Arcor die Seiten. Und zwar, wenn man dem Gulli-Forum glauben will, nicht per DNS (trivial zu umgehen, keine Technik nötig), sondern per Sperrung der IP (mithilfe von Proxies etc. immer noch leicht zu umgehen, erfordert aber etwas Wissen und Aufwand). Die Frage, die ich mir und der Hotline stelle: Wer entscheidet, was böse ist? Wenn die Regierung oder eine Firma unangenehme Kritik nicht mag, wird die dann auch freiwillig gesperrt? Die Dame, die mir das mit dem “dann sollten Sie diese Seiten eben nicht besuchen” (sinngemäß) sagte, hatte darauf leider nichts zu erwidern.

Anzumerken ist noch, dass Arcor offenbar eine eigene Pornoseite betreibt…

Wer wissen will, ob es stimmt, oder einfach nur seine Meinung dazu äußern will, kann ja bei Arcor nachfragen (Fragen kostet hier wirklich nichts, dank 0800-er Nummer):

Auf der Hauptseite ist 0800 1070333 als Beratungsnummer angegeben, 0800-10 70 990 ist die Interessenten-Hotline (im Pressebereich angegeben, sodass ich es zunächst für die Pressenummer hielt, die lautet aber 069 / 2169-3212 - nur für Journalisten, mal sehen, ob Blogger für die auch Journalisten sind)

Die Dame an der Hotline, die auch in der Lage war, Informationen zu geben, hat gesagt, dass wohl schon mehrere Leute angerufen haben und dass ihr deswegen die Information gegeben wurde, dass das mit der Sperre stimmt und Arcor dazu verpflichtet sei und dass sie nicht mehr sagen könne. Vielleicht haben andere mehr Glück mit der Hotline, vielleicht kommt jemand ja an offizielle Presseaussagen, oder zumindest wird erklärt, warum das keine Zensur ist, wenn man auf Wunsch einer Firma freiwillig Seiten sperrt und wieso man davon ausgehen soll, dass nicht auf Wunsch von Firmen und Regierung auch Kritik gesperrt wird. (Laut Golem behauptet Arcor nämlich, dass sie diese Seiten zwar sperren, aber nieee zensieren würden)

Hoffentlich merkt Arcor schon anhand des gestiegenen Gesprächsaufkommens, dass Internetzensur nicht gut ist.

UPDATE: Ich bin bei der Pressestelle durchgekommen. Obwohl Blogger nicht als Journalisten angesehen werden und man ihnen normalerweise keine Auskünfte erteilt, da sie im Gegensatz zu richtigen Journalisten nicht professionell geschult und an journalistische Regeln gebunden sind (durchaus nachvollziehbar, auch wenn ich mir mit der Behauptung, Blogger seinen nicht an bestimmte journalistische Vorschriften gebunden, leider nicht sicher bin), habe ich eine Auskunft erhalten. Die Konkurrenz der gesperrten Seiten hat offenbar eine einstweilige Verfügung (gegenüber einer anderen Firma, nicht Arcor), in welcher festgestellt wird, dass die entsprechenden Seiten nach deutschem Recht illegal sind. Dazu gibt es noch Rechtsgutachten, die das bestätigen, und diese Dinge wurden Arcor mit einer Aufforderung zur Sperrung vorgelegt. Das “freiwillig” in der Heise-Nachricht kommt daher, dass Arcor keine Unterlassungserklärung abgegeben hat, sondern ohne Anerkennung einer Rechtspflicht die Seiten gesperrt hat. Dies ist laut Pressestelle nach einer Einzelfallprüfung passiert. Ich gehe davon aus, das Arcor so einfach einen Prozess vermeiden wollte, den sie wahrscheinlich verloren hätten, was für ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen verständlich ist. Faktisch hat Arcor also freiwillig gesperrt, hätte Arcor es allerdings nicht getan, wäre vermutlich (und der Fall scheint recht klar zu sein) eine Sperrung nach gerichtlicher Anordnung erfolgt.

Damit wäre die Frage der Freiwilligkeit geklärt. Was passiert, wenn weitere solche Sperrwünsche kommen, wurde mir nicht gesagt, allerdings unter Verweis auf die in diesem Fall wohl erfolgte Einzelfallprüfung. Insbesondere fraglich ist also, was passiert, wenn weniger klare Fälle, eventuell mit “optimierten” Rechtsgutachten, auftauchen. Korrekt wäre eigentlich nur, wenn Arcor erst sperren würde, wenn richterlich festgestellt wird, dass sie dazu verpflichtet sind. Allerdings ist das natürlich mit Kosten versehen, die Arcor verständlicherweise nicht auf sich nehmen will.

Diese Informationen ändern nichts daran, dass die H0tline ahnungslos war (obwohl Arcor anscheinend Informationen rausgegeben hat, denn eine Mitarbeiterin wusste Bescheid, also hat es wohl bei der Verteilung gehapert), auch noch mindestens zwei Tage nach der Sperrung habe ich die Auskunft erhalten, es gäbe keine Sperrung, und die Auskunft, dann solle man solche Seiten eben nicht besuchen, finde ich auch eine ziemliche Frechheit. Auch hätte Arcor eigentlich eine öffentliche Stellungnahme abgeben können und sollen. Beim geringsten Zweifel sollten Provider bis zur Klärung keine Sperrungen vornehmen. Außerdem würde es mich interessieren, warum Arcor bisher offenbar der einzige Provider zu sein scheint, der eine solche Sperre besitzt.

Die US-Pornoseite (nennen wir sie mal “geschlechtsverkehr” punkt kommerziell) scheint übrigens aus Deutschland eh nur auf ein “Suchmaschinenportal” (=reine Werbeseite ohne Pornos) umzuleiten (getestet mit 1&1):

Trying 209.200.50.196…
Connected to sex.com.
Escape character is ‘^]’.
GET / HTTP/1.0

HTTP/1.1 302 Found
Date: Mon, 10 Sep 2007 20:08:12 GMT
Server: Apache/1.3.33 (Unix) PHP/5.2.0 mod_ssl/2.8.22 OpenSSL/0.9.7e
X-Powered-By: PHP/5.2.0
Location: /searchgo.php
Connection: close
Content-Type: text/html

Connection closed by foreign host

Von einer vermutlichen US-IP:

Status: 200 OK

Cache-Control: private, no-cache, must-revalidate
Connection: Keep-Alive
Date: Mon, 10 Sep 2007 20:05:39 GMT
Pragma: no-cache
Server: Oversee Webserver v1.3.18
Content-Type: text/html
Expires: Mon, 26 Jul 1997 05:00:00 GMT
Client-Date: Mon, 10 Sep 2007 20:05:39 GMT
Client-Response-Num: 1
Keep-Alive: timeout=15, max=100
P3P: policyref=”http://searchportal.information.com/w3c/p3p.xml”, CP=”NOI DSP COR ADMa OUR NOR STA”
Set-Cookie: [schnipp]

Die Seite hat offenbar was mit diesem Suchmaschinenportal zu tun (siehe P3P: policyref), wird aber in Amiland von einem anderen Webserver (Oversee Webserver) als in Deutschland (Apache) ausgeliefert. Entweder gezielte Zensur durch zahlreiche Provider, oder ein simpler Loadbalancer, der nicht rentable “Kunden” aussperrt und auf einen extra zum Rausschmeißen gedachten Server leitet. (Für Deutsche gibt es vielleicht nicht genug Werbevergütung, um die Bandbreite zu bezahlen.) Glaubt was ihr wollt, ich wollte diese Diskussion mit ein paar Fakten ergänzen, ich hänge derzeit sehr stark der Theorie 2 (Loadbalancer) an, bis ich Gegenindizien sehe.

UPDATE 2: Die Sperre ist auch noch gründlich schief gegangen, denn auf einer der gesperrten IPs lagen noch ein paar Millionen anderer Websites (wobei es mich sehr wundert, dass irgendein Loadbalancer ne bekannte Pornoseite und dann noch weitere Millionen an Websites verkraftet). Die Sperre wurde deswegen wieder aufgehoben. Die kaputte Schäuble-Website funktioniert seit kurzem auch wieder, es wird schon spekuliert, ob es da einen Zusammenhang gibt.

UPDATE 3: Telepolis hat einen schönen Artikel zu dem Thema produziert

Veröffentlicht in Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Lobbyismus, Newskommentare, Piraten, Statische Tags, Verbraucherrechte, Zensur | 3 Kommentare »

Mischmasch 11 - mal etwas Abwechslung

Verfasst von Jan am 2007-08-15

Der Mischmasch der vergangenen anderthalb Wochen ist diesmal etwas anders als das, was sonst kommt: fast nichts mit Überwachung in Deutschland!

Das liegt aber nicht daran, dass es nichts zu berichten gäbe, sondern weil die “normalen” Medien das ordentlich abgedeckt haben. Mein Blog ist keine Linkliste, interessante News zum Thema Überwachung findet man z. B. in der neuen Telepolis-Kategorie “Stasi 2.0″.

Die sich in Deutschland langsam anbahnende Tendenz zu Überwachungsstaat ist nichts gegen das, was in China läuft, da wird der Überwachungsstaat nämlich schlagartig eingeführt, was in Deutschland dank Demokratie nicht so einfach geht. Und so leid es mir für die Chinesen tut, deren Diktatur wohl dadurch noch deutlich unangenehmer wird, ich denke, für Deutschland wird es gut sein. Denn sobald die Leute hier sehen, wie die Überwachung in China benutzt wird, werden sie vielleicht merken, dass so etwas nicht wünschenswert ist und auch Leute, die (außer politischer Meinung) nichts zu verbergen haben, in Schwierigkeiten geraten können.

Wirklich beunruhigend finde ich allerdings die Forderung von Söder (CSU) “In bayerische Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher.” - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen (oder auch besser nicht, wenn man gut gegessen hat…): In einem säkulären Staat fordert ein Politiker offen und ohne von den Medien dafür massiv angegriffen zu werden, dass in Schulen Symbole des Christentums erwünscht und Symbole des Islams unerwünscht sein sollen! Eine solche Einstellung sollte eigentlich direkt dazu führen, dass das Verfassungsgericht fragt, ob die Partei dahintersteht - tut sie es nicht, muss sie jeden ausschließen, der solche verfassungsfeindlichen Äußerungen produziert, andernfalls stimmt sie zu und hat diese Äußerungen zu verantworten - und das müsste dann mit einem Verbotsverfahren enden, eindeutiger geht es nun wirklich nicht. Nicht viel besser ist natürlich Karin Wolffs (CDU) Forderung, im hessischen Biologieunterricht in Zukunft Kreationsmus zu unterrichten.

Die CDU will Gewaltvideos zurückverfolgen können. Klingt erstmal gut. Aber wenn Gewaltvideos zurückverfolgt werden können, können natürlich auch andere Videos zurückverfolgt werden können, z. B. solche mit politischen Äußerungen. Oder auch Gewaltvideos, die zu Recht aufgenommen und verbreitet werden: Fotohandy-Aufnahmen von polizeilichen Gewaltexzessen. Und solche Sachen sollten nicht zurückverfolgbar sein - mal abgesehen davon, das zusätzliche Überwachung und Repression auch noch aus anderen Gründen nicht wünschenswert ist.

Eine ziemlich direkte Zensurbestrebung ist auch darin zu sehen, dass auch Internetfernsehprogramme von den Landesmedienanstalten genehmigt werden müssen. Darin sehe ich ein ziemlich direkten Verstoß gegen die Meinungsfreiheit. Denn außer durch Genehmigungspflicht für Meinungsäußerungen (was verfassungswidrig wäre) kann man solche Regulierungen nur begründen, wenn es um normales Fernsehen geht: Da sind nämlich die Frequenzen begrenzt, und deswegen kann nicht jedem erlaubt werden, sein Fernsehprogramm zu betreiben, sondern es muss eine Auswahl getroffen werden. Im Internet hingegen gibt es keine Frequenzen. Es können beliebig viele “Fernsehsender” gleichzeitig “senden”. Entweder die verfassungswidrige Einschränkung der Meinungsfreiheit ist also gewünscht, oder auf die Dummheit von Politikern und sonstigen Entscheidern zurückzuführen.

Und zu guter Letzt möchte ich hier noch zur Unterstützung für den hessischen Landesverband der Piratenpartei aufrufen: Es werden noch dringend Unterstützungsunterschriften gebraucht, um bei der Landtagswahl antreten zu können. Hessische Wahlberechtige können und sollten sich einfach ein Formular ausdrucken, unterschreiben und einschicken.

Veröffentlicht in Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Statische Tags, Unsinn, Zensur, Überwachungsstaat | Keine Kommentare »

Mischmasch 4 - Wahlcomputer, Killerspiele und viel Urheberrecht

Verfasst von Jan am 2007-05-13

In den USA startet langsam die Einsicht, dass Wahlcomputer zumindest ohne nachzählbare Papierversion keine gute Idee sind. Schade, dass Deutschland den teuren Fehler nachmachen will und erst selbst negative Erfahrungen sammeln muss, statt die Gelegenheit zu nutzen, von den Fehlern der USA zu lernen. Ich hoffe nur, dass das Gesetz in den USA vollständig beschlossen und umgesetzt wird.

Um eine Versachlichung der “Killerspiel”-Debatte zu erreichen, gibt es jetzt in Celle eine wirklich geniale Idee - eine LAN-Party für Eltern. Geniale Idee, nur befürchte ich, dass gerade die verbohrtesten Eltern, die es wirklich nötig hätten, sich weigern, hinzugehen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Eltern mit den Spielen nicht klarkommen und sie deswegen ablehnen. Aber trotzdem ist die Idee natürlich zu begrüßen und sie wird helfen, die Debatte in vernünftige Bahnen zu lenken - was auch die Aussagen der Eltern nach dem Spiel belegen. Die Innenminister einiger Länder, diesmal ist übrigens auch Hessen dabei, versuchen wieder einmal, diesmal auf Basis einer Studie, in der eine Person (Pfeiffer - er hat glaub ich auch noch ein wirtschaftliches Interesse daran) die Altersgrenzen zu lasch findet (seine Kollegen lehnen es ab), Killerspiele zu verbieten, auch wenn klar ist, dass es sinnlos ist. Hoffentlich wirds wieder nix.

Mit sinnlosem Gerede versucht die Contentindustrie Lobbyarbeit zu betreiben und zwar in der Schweiz Kopierschutz durchzusetzen, in Deutschland die Privatkopie noch mehr einzuschränken und die Schutzfrist weiter auszudehnen. Laut Golem besteht die Schutzfrist derzeit 50 Jahre nach Veröffentlichung (ich dachte, es seien sogar 70 Jahre nach Tod des Urhebers) - beides ist abartig lang. Nebenbei wollen sie noch die Strafverfolgung ausdehnen (ja, ja, die Bezeichnung “Raubkopierer” wird wohl bald richtig sein, wenn es so weiter geht, zumindest vom Strafmaß und der Verfolgung her…) Eigentlich nix neues. Hoffentlich klappt es diesmal nicht, aber ich bezweifle, dass unsere Volksvertreter endlich mal ihren Job machen und das Volk vertreten…

Die Musikindustrie versucht auch allen Ernstes zu behaupten, dass Kopierschutz für den Konsumenten gut ist, weil so neue Vertriebswege erst möglich werden (Aufwachen: Der Internet-Vertrieb funktioniert seit fast 10 Jahren ohne Kopierschutz einwandfrei, die Bezahl-Angebote mit Kopierschutz werden vieleicht gerade wegen des Kopierschutzes abgelehnt!).

Und weil es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass DRM (offiziell: Digital Rights Management) eher weniger mit dem Vergeben, sondern dem Wegnehmen von Rechten zu tun hat und deswegen gerne als Digital Restrictions Management bezeichnet wird, will die Contentindustrie den Begriff jetzt ändern. Bereits der Begriff DRM wurde als Heuchelei empfunden, aber der neue Begriff ist blanker Hohn: DCE - “Digital Consumer Enablement”. Digitale Befähigung der Nutze, würde das wohl übersetzt heißen. Bei DRM geht es aber darum, irgendwelche Dinge einzuschränken - wenn es um “Befähigung” gehen würde, dann würde man einfach die Daten in mehreren Formaten, darunter auch einigen offenen, liefern, und die Kunden wüssten schon was damit anzufangen. Die Contentindustrie hat also wohl doch nichts gelernt, wo es doch in letzter Zeit eher schien, dass sich eine Abkehr von DRM und ähnlichem Unsinn anbahnt. Aus dem oben verlinkten Golem-Artikel:

Bisher würde HBO laut Zitter keine Filme in hoher Auflösung vermarkten, da es an passenden Kopierschutztechnologien bei den Verbrauchern mangeln würde. Schuld daran sei nicht etwa, dass es solche Technik nicht geben würde. Schuld sei vielmehr die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC), die das Abschalten der analogen Ausgänge bisher verbieten würde, um die Verbraucher zu schützen, die sich Set-Top-Boxen ohne DRM gekauft haben.

OK - warum nicht ohne Kopierschutz? Selbst mit Kopierschutz wird irgendwer - auch wenn dafür Spezialhardware nötig ist - eine hochauflösende, kopierschutzfreie Kopie erstellen und in Peer-to-Peer-Netzen anbieten. Und auch wenn vieleicht die Nutzer bereit wären, einen angemessenen Preis für einen guten Film in einer benutzbaren Version zu zahlen, selbst wenn sie die 20 GB über ein Peer-to-Peer-Netz laden könnten - sie werden kaum bereit sein, einen überhöhten Preis (wie ihn die Filmindustrie verlangen wird) für einen schlechten Film in einem unbrauchbaren, weil DRM-verseuchten Format zu zahlen. Und da es reicht, wenn der Schutz insgesamt einmal geknackt wird, wird der Film so oder so - kopierschutzfrei - illegal erhältlich sein. Die idiotischen Versuche der Contentindustrie beweisen jedenfalls, dass das teilweise (und viel zu schwache) DRM-Verbot dringend nötig ist.

Veröffentlicht in Bittorrent, DRM, Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Kopierschutz, Lobbyismus, Newskommentare, Piraten, Politik, Privatkopie, Statische Tags, Unfair, Unsinn, Urheberrecht, Verbraucherrechte | 1 Kommentar »

ENDLICH BEWIESEN: Killerspiele schützen vor Amokläufen

Verfasst von Jan am 2007-05-12

Beim Amokläufer aus Blacksburg, Virginia wurden keine Computerspiele gefunden, also auch keine “Killerspiele” und kein “Counterstrike”. In den letzten fünf Jahren gab es laut Wikipedia noch zwei weitere bekannte, größere Amokläufe (Erfurt und Emsdetten) - bei den Tätern dieser Amokläufe wurde “Counter-Strike” gefunden. Von den Amokläufern der größeren und bekannteren Amokläufe der letzten 5 Jahre hatten also 66,7% dieses Spiel auf dem Computer. Dieser Beitrag wartete lange auf seine Veröffentlichung, weil mir Zahlen mit einer zitierfähigen Quelle gefehlt haben. Ich habe schon überlegt, den Entwurf zu löschen und die Idee zu vergessen, aber Pfeiffer, ein erbitterter Killerspielgegner, hat nun glücklicherweise gesagt:

von 14- bis 15-jährigen Jungen hatten 82 Prozent Erfahrungen mit Spielen, die keine Jugendfreigabe erhalten haben

Diese Zahlen habe ich nicht erfunden, sie stammen sogar von einem Gegner der Killerspiele! (Klar werden sie übertrieben sein - aber wenn ich die Zahlen von Pfeiffer nutzen kann, um seine eigene Position zu widerlegen, hat er zwei Möglichkeiten: gearscht sein oder behaupten, dass er die Zahlen geschönt hat) Man kann also recht sicher davon ausgehen, dass in der typischen Altersklasse von Amokläufern über 80% der männlichen Jugendlichen “Killerspiele” besitzen (zu Bedenken ist, dass der Begriff “Killerspiel” weiter gefasst ist als “Spiel ohne Jugendfreigabe” - nach Meinung der CSU würde vermutlich sogar Age of Empires darunter fallen)

Damit steht fest: Über 80% der nicht Amok gelaufenen normalen männlichen Jugendlichen im Alter von 18-23 Jahren (übliches Alter von Amokläufern) haben Killerspiele. Unter den Amokläufern lag dieser Anteil bei unter 70%. Somit ist klar: “Killerspiele” verhindern Amokläufe!

Natürlich ist die obige Begründung völliger Unfung. Aus drei Fällen kann man absolut keine brauchbaren statistischen Schlüsse ziehen, und es dürften noch andere Fehler drin sein. Aber genauso ist es völliger Unsinn zu behaupten, dass “Killerspiele” Amokläufe fördern, und mit genauso “sinnvollen” und “korrekten” Methoden wie oben gezeigt argumentieren Killerspielgegner.

Veröffentlicht in Jugendschutz, Newskommentare, Piraten, Politik, Sonstiges, Statische Tags, Unsinn, Zensur | 5 Kommentare »

Mischmasch 3

Verfasst von Jan am 2007-04-20

Die geplante Urheberrechtsnovelle ist völlig übertrieben und wurde quasi von dem Lobbyisten der Contentindustrie geschrieben, worüber ich bereits geschrieben habe. Nun laufen zum Glück sowohl reihenweise NGOs als auch Professoren dagegen Sturm. Die Novelle würde nämlich nicht nur große Teile der Bevölkerung kriminalisieren, sondern auch die Wissenschaft behindern, da Bibliotheken nicht mehr effektiv arbeiten könnten und selbst vergriffene Werke nicht kopiert werden dürften. Die NGOs fordern insbesondere, nur “wiederholte und in großer Zahl durchgeführte Rechtsverletzungen” mit denen ein “direkter kommerzieller Vorteil” erzielt werde, zu bestrafen, um zu verhindern, dass Privatpersonen kriminalisiert werden.

Die CDU zeigt sich offen als verfassungsfeindlich, indem sie sich hinter Schäuble stellt und die vollständige Umsetzung seiner kranken Ideen fordert. Ich hatte vor, einen offenen Brief zu schreiben und um eine Stellungnahme zu bitten - das kann ich mir jetzt wohl sparen.

Die EU will neue Maximalgrößen für Handgepäck in Flugzeugen einführen - natürlich zur Terrorabwehr. Dazu im oben verlinkten Spiegel-Artikel:

EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot erklärte, die Vor- und Nachteile der neuen Regeln für die Luftsicherheit und den Komfort der Passagiere müssten noch genauer untersucht werden.

Meine Meinung dazu: Der Vorteil ist nicht vorhanden, der Nachteil ist, dass es massig Probleme und unnötigen Ärger geben wird, und besonders komfortabel stell ich es mir nicht vor, mein Handgepäck wegwerfen zu müssen. Ich sehe auch nicht, was diese Größenlimits bringen sollen: Moderne Sprengstoffe sind sehr effektiv - wenige hundert Gramm dürften mehr als genug sein (also z. B. 3 Tafeln Semtex-Schokolade oder ein C4-Notebookakku). Alternativ könnten sich Terroristen den Sprengstoff implantieren oder sonstige Wege finden - wer ein Flugzeug wirklich sprengen will, schafft es auch. Solche Beschränkungen schüren also nur die Terrorangst und erwecken den Eindruck, dass “etwas getan wird” (wie auch z. B. jemand, der einen ausgeschalteten Metalldetektor vor Westminster Abbey in den Rucksack jedes Besuchers steckt, ohne hineinzuschauen - selbst erlebt!). Auf diese Art von Sicherheit kann ich gerne verzichten.

Der Amokläufer von Virginia hatte weder Killer- noch sonstige Computerspiele - ich hoffe, damit wird der Unsinn, dass Killerspiele Amokläufe fördern, endlich weniger oft behauptet. Übrigens ist es nicht verwunderlich, dass bei Gewalttätern oft solche Spiele gefunden werden - wer zu echter Gewalt neigt, hat wohl auch wenig gegen virtuelle Gewalt. Der Umkehrschluss ist aber trotzdem nicht zulässig. Nur weil die Straße nass wird, wenn Fritzchen aus dem Fenster pinkelt, bedeutet eine nasse Straße noch nicht, dass Fritzchen aus dem Fenster gepinkelt hat - es könnte auch einfach jemand einen Eimer Wasser ausgekippt haben.

Heise/Telepolis zeigt auch, was für dreiste Lügen Zypries bezüglich der Vorratsdatenspeicherung verbreitet und befürchtet, dass Schäubles übertriebene Ideen eventuell nur dazu dienen, angebliche “Kompromisse” durchzusetzen.

Veröffentlicht in Bittorrent, Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Lobbyismus, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Privatkopie, Statische Tags, Unfair, Unsinn, Urheberrecht, Überwachungsstaat | Keine Kommentare »

Langsam wirds zu viel

Verfasst von Jan am 2007-03-31

Langsam wird es echt zu viel, was in der Welt an Unsinn abläuft. Ich kommentiere alles nur kurz, da ich nicht die Zeit und Lust habe, ausführliche Artikel zu verfassen und anderswo schon oft alles Wichtige gesagt wurde. Wer mehr wissen will, kann die verlinkten Artikel lesen. Wer Fragen an mich hat, mehr wissen will, etwas ergänzen möchte etc.: Unten ist ein anmeldefreies Kommentarfeld.

Schäuble hat die Anti-Terror-Datei aktiviert. Damit können alle Sicherheitsbehörden auf die Daten von “Terrorverdächtigen” zugreifen. Dinge wie Persönlichkeitsrecht, Datenschutz und Privatsphäre interessieren Schäuble dabei natürlich nicht. Es würde mich interessieren, ob er wirklich mit guten Absichten handelt und denkt, für die Sicherheit in einem Rechtsstaat sei die langsame Abschaffung rechtsstaatlicher Grundsätze hilfreich, oder ob er plant, so früher oder später ihm unliebsame Meinungen mit Polizeistaatsmethoden auszuschalten. Zitat aus der oben verlinkten Heisemeldung:

In einem ersten Schritt sind in der [...] Anti-Terrordatei die so genannten Grunddaten islamistischer Terrorverdächtiger enthalten. Dies sind Informationen wie Namen, Geschlecht, Geburtsdatum und ­ort, Staatsangehörigkeiten, besondere körperliche Merkmale, Lichtbilder oder die “Fallgruppe”. In letzterer ist auszuführen, ob es sich etwa um ein Mitglied oder einen Unterstützer einer terroristischen Vereinigung, extremistischen Gruppierung mit Hilfsleistung für eine solche, einen Ausübenden, Unterstützer, Vorbereiter oder Befürworter terroristischer Gewalt wie Hassprediger oder eine Kontaktperson handelt. Dabei müssten “tatsächliche Anhaltspunkte” vorliegen, dass Berührungspunkte zum Terrorismus vorhanden seien, betonte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Der Bäcker, bei dem sich ein Verdächtiger Brötchen hole, dürfe etwa nicht gespeichert werden.

In einem ersten Schritt? Aha, mehr ist also geplant. Unter “Hassprediger” könnte man auch jeden auftauchen lassen, dessen Meinung Schäuble nicht passt. Der Bäcker darf vieleicht nicht gespeichert werden, aber ob das so funktionieren wird? In bereits existierenden Dateien (z. B. Gewalttäter Sport in Deutschland, No-Fly-List in den USA) stecken bereits ziemlich viele vollkommen Unschuldige ohne Bezug zu Terror und Gewalt - es würde mich wundern, wenn es hier anders sein wird. Außerdem könnte jeder, der drinsteht, nicht als “verdächtig”, sondern als “ziemlich sicher schuldig” gelten - eine Aufhebung einer weiteren rechtsstaatlichen Grundlage, der Unschuldsvermutung. Insbesondere im Zusammenhang mit der Aufnahme von Leuten, die leichte Verdachtsmomente bieten (z. B. “Ist Muslim”) wird das wohl sehr unschöne Folgen haben. In den USA sieht man sie bereits: Viele Unschuldige werden in ihrem Leben eingeschränkt, weil wieder mal was schiefgelaufen ist.

ERGÄNZUNG: Ich hatte noch ein wichtiges Zitat vergessen. (Aus dem Heise-Artikel)

So betonte [Schäuble], dass “ein Höchstmaß an Datenschutz gesichert” und der Datenschutz “kein Feigenblatt, sondern ein Maßanzug” für die Anti-Terrordatei sei.

Den Eindruck habe ich zwar auch, nur verstehe ich “Maßanzug” anders. Ich verstehe auch nicht ganz, wieso sich die Anti-Terror-Datei unter dem “Feigenblatt” des Datenschutzes verstecken sollte, denn mit Datenschutz hat sie ja nicht wirklich was zu tun. Mit dem “Maßanzug” kann ich aber zustimmen: Die Datenschutz-Gesetzgebung wurde wirklich “maßgeschneidert”: Wo sie störte, wurde eine Ausnahme für die Anti-Terror-Datei geschaffen. So hat Schäuble das wohl nicht gemeint. Ob er sich verplappert hat?

Das US-Department of Homeland Security (die Antiterrrorbehörde) fordert den Generalschlüssel für das Domain Name System und somit für das Internet. Dazu ist etwas Hintergrundwissen nötig. Gibt man z. B. “www.google.de” in den Webbrowser ein, muss der Computer zuerst die IP-Adresse (vergleichbar mit einer Telefonnummer) des Servers, der die Website www.google.de beinhaltet, herausfinden. Dazu fragt er einen sogenannten DNS-Server “Welche IP hat www.google.de?”. Dieser Server holt sich die Antwort vom zentralen Server und beantwortet die Frage (stark vereinfacht) “Die IP ist 209.85.135.104″. Dann verbindet sich der eigene Rechner zu dieser IP und sendet den Befehl “Website schicken”, woraufhin der Google-Server die Website an den anfragenden Rechner schickt und dieser die Seite anzeigt. Wenn nun der DNS-Server eine andere IP liefern würde, würde der Computer nicht bei Google, sondern z. B. bei der US-Regierung nachfragen und könnte eine gefälschte Website geliefert bekommen. Um Manipulationen zu verhindern, sollen nun die DNS-Daten mit einem Schlüssel gesichert werden - und diesen Generalschlüssel will die US-Regierung, die somit zur Regierung des weltweiten Internets würde.

Die geplante EU-Verfassung soll Widersprüche zum Grundgesetz beinhalten (und könnte es eventuell so aushebeln). Insbesondere haben sich die Lobbyisten der Contentindustrie dort ausgetobt und wollen das geistige Eigentum eingetragen haben (d. h. das Urheberrecht soll in der Verfassung verankert werden) und vor allem dieses geistige Eigentum keiner Sozialbindung unterwerfen. Das Grundgesetz hingegen fordert, dass Eigentum im Sinne der Allgemeinheit genutzt wird. Weitere Elemente des Grundgesetzes stehen auch im Widerspruch mit der EU-Verfassung, die offenbar auch eine Schwächung der für die Demokratie wichtigen Gewaltenteilung enthält. Eventuell wird diese Verfassung dann von deutschen Politikern dazu missbraucht, das Grundgesetz außer Kraft zu setzen: Die EU-Verfassung steht ja darüber. Schlimmstenfalls könnte so das Bundesverfassungsgericht (im Moment meiner Meinung nach das einzige Organ, was den Rechtsstaat aufrecht erhält) entmachtet werden. Hoffentlich komme ich hier dann noch raus, bevor die Mauer gebaut wird. (Die Taktik, unvertretbare Dinge zunächst auf EU-Ebene durchzusetzen, wo sie nicht auffallen und somit niemand was dagegen unternimmt, scheint recht beliebt zu sein, siehe z. B. Vorratsdatenspeicherung und Urheberrecht)

Schäuble will dem BKA umfassende Überwachungsrechte einräumen - die Mautdaten sollen so nun zur Strafverfolgung genutzt werden (was im Mautgesetz explizit ausgeschlossen ist, um die Maut datenschutzkonform zu machen). Weiterhin sollen die Berechtigungen zum Abhören von Telekommunikation und Wohnungen ausgeweitet und eine Onlinedurchsuchung von privaten Computern (ohne Wissen des Besitzers - ein elementarer Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen!) erlaubt werden. Toll.

Wenigstens gegen die Herausgabe von eigentlich besonders geschützten Verbindungsdaten an Privatunternehmen - ohne Überprüfung durch einen Richter - und somit die teilweise Aufhebung des Fernmeldegeheimnisses protestiert jetzt wenigstens ein halbwegs einflussreicher Verband, nämlich der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco. Für einen Rechtsstaat allerdings ist es eine Schande, dass solche Ideen überhaupt in Erwägung gezogen werden. Aber die Regierung legt wohl eh keinen großen Wert darauf, den Rechtsstaat aufrechtzuerhalten.

Die Tendenz zur Überwachungsgesellschaft wird auch von den Datenschützern kritisiert.

Ausnahmsweise nicht Deutschland betreffend, aber auch unschön, ist die Sperrung aller SMS-Dienste in Kambodscha. Ich kenne den genauen Hintergrund nicht, aber offiziell geschieht dies, um eine Beeinflussung der Wähler kurz vor der Wahl und das Organisieren von “Unruhen” zu erschweren. Ob damit allerdings nicht eher auch demokratische Proteste gemeint sind, weiß ich nicht. Jedenfalls ist eine derartige Sperre meiner Meinung nach definitiv ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Zypries will möglichst schnell das Patentsystem reformieren - das Drängen auf Schnelligkeit ist oft ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt (nicht umsonst betonen Betrüger oft die Dringlichkeit des Geschäftes). Und auch hier gibt es (natürlich gerne unter den Teppich gekehrte) Bedenken: Eventuell könnten Softwarepatente so durch die Hintertür eingeführt werden. Was daran schlimm ist? Wenn es einen nicht stört, dass nur noch Microsoft-Produkte den Doppelklick benutzen könnten und jeder Softwareentwickler ständig von irgendwem verklagt werden würde, dann nichts.

Die CDU Sachsen will “Killerspiele” verbieten - und dazu technische Filter einsetzen. Auf gut deutsch: Das Internet zensieren (ein bei der CDU und CSU sehr beliebtes Vorhaben). Natürlich im Namen des Jugendschutzes. Meiner Meinung nach müsste der Jugendschutz eher inzwischen abgeschafft werden - so sinnvoll und teilweise nötig er auch ist, das Missbrauchspotential ist einfach zu groß. Solche Filter haben übrigens den Nachteil, dass auch Erwachsene behindert werden und sofern sie automatisch arbeiten, sie ziemlich viele harmlose Inhalte filtern, um einen Teil der unerwünschten Inhalte zu erwischen. Beruhigend ist höchstens, dass solche Filter leicht zu umgehen sind. Dennoch hat in einer Demokratie nichts zensiert zu werden.

Kinder sind besonders anfällig für Beeinflussung. Daher muss insbesondere der Schulunterricht neutral sein. Die Musikindustrie weiß das allerdings und bemüht sich deshalb, allen Kindern zu erklären, warum Urheberrecht ganz toll sei und die Musikindustrie die Künster schützt und fördert etc. (In Wirklichkeit nimmt die Musikindustrie Künstler oft ziemlich aus.) Wie neutral die zu diesem Zweck verschickten Materialien sind, kann man sich vorstellen. FairSharing warnt zwar davor, aber bringen wird es wohl nichts. Falls jemand von einem Fall erfährt, wo Material von Lobbyisten in der Schule verwendet wird: Bitte Protestbriefe an Lehrer, Schulleiter und Kultusministerium schicken und den Fall öffentlich machen. Der Musikindustrie ist ihr Ansehen relativ egal, aber hoffentlich hilft es, wenn bekannt wird, mit was für schmutzigen Methoden solche Firmen arbeiten. Die Atomlobby hat übrigens auch “Infomaterialien” zur Atomkraft herausgegeben. Als ich sie bekommen hab, was ich in der 13. Klasse, wurde auf die Quelle hingewiesen und war schon für solche Sachen sensibilisiert - dennoch fielen mir viele der versteckten Manipulationen beim ersten Hinsehen nicht auf. Scheinbar neutral versucht die Broschüre, Werbung für Atomkraft zu machen, und dürfte sehr gut manipulieren. (Hinweis: Ich bin nicht prinzipiell gegen Atomkraft. Alternative Energiequellen sind nötig, aber Atomkraft ist immer noch teilweise besser als fossile Brennstoffe.)

Zum Schluss noch ein paar Kleinigkeiten zum US-Urheberrecht und seinen Auswüchsen: US-Schüler verklagen einen Anti-Plagiats-Dienst, weil dieser ihre Arbeiten speichert, und nachdem Viacom Google wegen Urheberrechtsverletzungen auf Youtube verklagt hat, wirft der Anwalt von Google Viacom schon fast Terrorismus vor:

Viacoms Klage ist ein Angriff auf die Art, wie Menschen im Web kommunizieren – und auf die Plattformen, die es ihnen erlauben, sich das Internet zu Eigen zu machen.

Veröffentlicht in Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Lobbyismus, Microsoft, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Privatkopie, Statische Tags, USA, Unfair, Unsinn, Urheberrecht, Verbraucherrechte, Zensur | 6 Kommentare »

Pan-Amp-Werbung

Verfasst von Jan am 2007-03-21

Inzwischen drängt sich mir der Verdacht auf, PanAmp würde die Presse gezielt dazu missbrauchen, um Werbung für sich zu machen. Zunächst einmal bietet diese Firma Internetfilterlösungen an (also Zensurhilfsmittel), und preist diese natürlich als super toll und zuverlässig an. Ich kann allerdings versichern, dass kein Filter in der Lage ist, Internetinhalte auch nur halbwegs wirksam zu filtern (zumindest nicht ohne die Nutzbarkeit des Internets stark einzuschränken - klar, wenn man einfach alles sperrt erwischt es auch die Seiten, die man sperren wollte).

Dafür taucht PanAmp nicht nur in der “Killerspiele”-Reportage als “neutraler” Experte auf, sondern will jetzt - natürlich besonders Öffentlichkeitswirksam - festgestellt haben, dass die aktuellen Terrordrohungen gegen Deutschland aus Erfurt stammen. Wer sich halbwegs mit dem Internet auskennt, weiß, dass solche Aussagen immer mit großer Vorsicht zu genießen sind, denn zunächst einmal dürften die “Ermittler” der Firma nur eine IP haben. Diese kann dann - wenn der Provider mitspielt - einem Anschluss zugeordnet werden, ohne diese Kooperation kann man nur auf den Provider und eventuell auch auf eine Region oder einen Einwahlknoten schließen. Selbst wenn man aber weiß, von welchem Anschluss aus das Video ins Internet gestellt wurde, weiß man meist erst einmal rein gar nichts. An einem Anschluss kann nämlich ein WLAN-Router hängen, an dem irgendjemand sich per Laptop einloggt und dann das Video hochlädt. Oder aber auch ein ganz normaler Windows-Rechner eines Unschuldigen, der nur die übliche Ladung Viren enthält und als Weiterleitungsstation missbraucht wurde. Oder es kann sich um einen Node eines Anonymisierungsnetzwerkes handeln.

Es gibt natürlich auch Server, die mit einer statischen IP arbeiten, da weiß man dann, wo der Server steht und auf wessen Namen er angemeldet ist. Man weiß nicht, ob der Server ein Node eines Anonymisierungsnetzes ist, der freiwillig Daten weiterleitet, ob er gecrackt und missbraucht wurde oder ob er eventuell wirklich den Terroristen gehört.

In beiden Fällen kann ein halbwegs mit dem Internet vertrauter Ermittler die nötige Arbeit allein übernehmen, bis eine Adresse feststeht, bei der man eine Hausdurchsuchung machen kann. PanAmp ist dafür nicht nötig. Nach der Hausdurchsuchung weiß man dann eventuell mehr (also in den meisten Fällen genau soviel, dass man gerade das Haus einer ahnungslosen, unschuldigen Familie mit virenverseuchtem Rechner durchwühlt hat).

Natürlich kann es sein, dass PanAmp eine geniale Methode entwickelt hat, um genauere Informationen zu bekommen, z. B. könnten sie nach der Art des Bundestrojaners in die Rechner eindringen und versuchen, weitere Informationen zu finden. Das könnte jedoch auch ziemlich nach hinten losgehen (da Beweise beschädigt werden könnten und es vermutlich strafbar wäre) und erfordert recht umfangreiche Kenntnisse, und zwar aus einem anderen Bereich als dem Geschäftsbereich von PanAmp, die sich schließlich mit Filtersystemen beschäftigt.

Eventuell hat PanAmp Zugriff auf einen der Server (die Pressemitteilungen legen dies nahe), auf dem das Material zwischengelagert wurde, und kam somit an mehr Logs und IPs. Die Pressemitteilung ist jedoch so oberflächlich, dass eine genaue Überprüfung, was überhaupt (angeblich) geschafft wurde, nicht möglich ist. Natürlich könnte es auch sein, dass der ganze Kram frei erfunden ist, aber ich glaube nicht, dass jemand so weit gehen würde.

Zudem will PanAmp wissen, dass das Video in Erfurt bearbeitet wurde. Sicher ist es möglich, dass irgendwelche Metadaten übrig geblieben sind, die verräterische Hinweise enthalten. Sicher ist es möglich, dass PanAmp den Rechner gehackt hat, auf dem die Videos bearbeitet wurde. Beides halte ich allerdings für unwahrscheinlich, genauso wie ich es für unwahrscheinlich halte, dass PanAmp irgendwelche fundierten Informationen darüber hat, wo das Video genau bearbeitet wurde. Und laut einer Welt.de-Meldung bin ich nicht der Einzige, der diesen Verdacht hat - Zitat aus der verlinkten Meldung:

Der Sprecher des Bundesinneministeriums, Stefan Kaller, bezweifelte den Wahrheitsgehalt der Äußerungen von Pan Amp.„Es gibt nach wie vor keine Hinweise auf Ort oder Urheberschaft.“ Es sei „mit Sicherheit nicht“ die thüringische Hauptstadt gewesen, sagte Kaller. „Allenfalls war ein dortiger Rechner im technischen Sinne Durchgangsstation einer Nachricht, ohne dass jemand dort aktiv mitgearbeitet hätte.“ Die Behörden wüssten nach wie vor nicht, „wo diese Nachricht originär geschaffen wurde“.

Ich habe daher den Verdacht, dass hier nur versucht wird, PanAmp als genialen Retter der Welt darzustellen und vor allem durch ständige Erwähnungen bekannt zu machen, und dabei gleichzeitig noch die Angst vor der Bedrohung aus dem Internet zu schüren, gegen die PanAmp praktischerweise gleich die Gegenmittel anbietet. Es scheint überhaupt die Taktik von PanAmp zu sein, derartige “spektakuläre” Ermittlungsergebnisse, die auch noch aufgeblasen werden (z. B. wird der Ausschluss von Suchmaschinen per Robots.txt oder Metatag als “spezielle Programmierung” bezeichnet, um zu suggerieren, dass die Server, die PanAmp aufgedeckt haben soll, besonders gut gesichert waren) zu verkünden und so bekannt zu werden. Zudem scheint PanAmp nicht direkt mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten, sondern ihnen immer nur die Ergebnisse zu liefern. Die Pressemitteilungen enthalten natürlich immer Werbung für PanAmp.

Es gibt noch mehr Fälle, wo PanAmp auf diese und ähnliche Art Werbung machte, siehe z. B. hier, hier und vor allem hier. Insbesondere der zweite Link kommt mir interessant vor, dort beschwert PanAmp sich über die leichte Verfügbarkeit von Bombenbauanleitungen im Internet. Ich weiß nicht, was PanAmp da gefunden hat, und es gibt sicher auch irgendwo im Netz echte Bombenbauanleitungen (übrigens in Bibliotheken sicherlich auch in den ganzen Chemiebüchern). Aber die Liste scheint einfach nur Auszüge aus dem “Anarchists Cookbook” bzw. den gleichnamigen und ähnlichen Internetdokumenten zu beinhalten, die tatsächlich sehr leicht überall zu finden sind. Sollte irgendjemand diese Anleitungen befolgen, kann man davon ausgehen, bald einen Möchtegern-Terroristen weniger zu haben - denn diese Anleitungen sind größtenteils lebensgefährlich falsch. Eine ernstzunehmende Gefahr, für die PanAmp sie hält, sind sie also nicht, mal abgesehen davon, dass vieles von dem Wissen, welches dort steht, auch zum Grundwissen von Chemiestudenten gehört. Und weder das Chemiestudium noch Chemiebücher sind verboten oder gelten als Verbotswürdig.

Bei meiner Recherche bin ich außerdem auf ein anderes interessantes Detail gestoßen: Eine Spam-Beschwerde in einer Newsgroup, laut der über die Server der Sicherheitsfirma Spam verschickt worden sein soll. Die Beschwerde ist zwar jetzt schon über fünf Jahre alt, aber meiner Meinung nach trotzdem für eine Sicherheitsfirma kein gutes Zeichen. Der aktuelle Mailserver von Panamp scheint aber in keiner Blacklist zu sein, das Problem wurde also behoben.

Die einzigen sonstigen Hinweise über PanAmp, die ich auf die schnelle finden konnte, waren die Firmenwebsite, die Werbe-Pressemitteilungen und daraus resultierende Artikel, und die Kritik an dieser Werbepraxis…

UPDATE: Wer mehr wissen will, kann hier bei Telepolis nachlesen. PanAmp bzw Weingarten scheint übrigens der “Hausexperte” von Panorama zu sein, der immer gefragt wird, wenn es um das Internet geht. Super -Panorama sollte sich mal ihre eigenen Beiträge anschauen. Und die “Erkentniss” von PanAmp sind teilweise auch interessant. Die Entdeckung, dass die Videos in Deutschland gespeichert wurden, ist offenbar entstanden, nachdem der Hoster das entdeckt und veröffentlicht hat…

Veröffentlicht in Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Lobbyismus, Newskommentare, Piraten, Politik, Polizeistaat, Statische Tags, Unsinn, Verbraucherrechte, Zensur, Überwachungsstaat | 6 Kommentare »

“Killlerspiele”-Beitrag von Panorama: Programmbeschwerde, Runde 2

Verfasst von Jan am 2007-03-20

Heute habe ich den versprochenen Brief abgeschickt, in dem ich den Vorsitzenden des NDR-Rundfunkrates bitte, sich um die bereits erwähnte Panorama-Sendung zu kümmern. Der Brief steht hier als PDF zur Verfügung. Außerdem habe ich eine Antwort des Indendanten bekommen: Sie stimmt fast wörtlich mit dem Brief der Panorama-Redaktion überein.

In den Kommentaren zu meinem letzten Beitrag zu dem Thema findet sich auch ein Link zu einem Board, wo eine ausführlichere Antwort zu finden ist, aus der wohl viele Textbausteine stammen, die in der Antwort an mich auftauchen.

Veröffentlicht in Jugendschutz, Piraten, Sonstiges, Statische Tags, Unsinn | Keine Kommentare »

Antwort des NDR zum “Killerspiele”-Beitrag

Verfasst von Jan am 2007-03-16

Die NDR-Sendung “Panorama” hat einen hetzerischen und teilweise sachlich falschen Beitrag über gewalttätige Computerspiele gesendet. Dieser verstößt nicht nur gegen journalistische Grundregeln, sondern auch gegen die Leitlinien des NDR. Daher habe ich eine Programmbeschwerde geschrieben, und zwar einmal an den Vorsitzenden des Programmausschusses, Ulf Birch (dieser Brief war unzustellbar), einmal an den Intendanten Jobst Plog und einmal an den Vorsitzenden des Rundfunkrates, Dr. Volker Müller. Zuerst bekam ich nur eine Antwort von letzterer Person - mein Brief wurde an den Intendanten weitergeleitet, ich würde eine Antwort innerhalb von 4 Wochen bekommen. Falls mich die Antwort nicht zufrieden stellen würde, könne ich mich wieder beim Rundfunkrat beschweren (und genau das werde ich auch machen).

Vor einigen Tagen kam dann eine Antwort, die ich niemandem vorenthalten will. Einerseits steht Aussage gegen Aussage, die Redaktion behauptet, einige der Szenen seien wirklich Mitschnitte aus dem CoD-Spiel der eingeladenen Spieler, während diese das Gegenteil behaupten. Allerdings sieht man deutlich, dass das Panorama-Team nicht einsehen will, einen Fehler gemacht zu haben, und statt sich zu entschuldigen den Beitrag rechtfertigt. Zudem wird bereits im ersten Absatz deutlich, dass es sich vermutlich bei der Antwort um einen Standardbrief handelt (wenn jemand das Teil auch bekommen hat, bitte Kommentar hinterlassen!)

Dass das Ziel von “Deathmatches” das Töten möglichst vieler Gegener sei, habe ich nicht angezweifelt, allerdings besteht Call of Duty (CoD) nicht nur aus Deathmatches, und somit ist das Töten möglichst vieler Menschen nicht Spielziel von CoD. Darauf geht die Antwort leider nicht ein.

Ich glaube gerne, dass in der Spielsession auf Gegner geschossen wurde (ach nee, bei einem Egoshooter). Ich glaube auch, dass auf bereits Getroffene geschossen wurde (1. getroffen heißt nicht tot oder kampfunfähig 2. Tote und Lebende kann man bei CoD oft nicht sicher unterscheiden) - ich bezweifle aber, dass das so exzessiv geschah wie gezeigt. Die gezeigte “Freude nach dem Treffer” war laut dem gezeigten Spieler etwas anderes - auf diesen Vorwurf geht die Redaktion nicht ein.

Es wird betont, dass “beide Positionen gehört wurden” und auf gegenteilige Vorwürfe geht die Antwort nicht ein - dabei ist das das zentrale Thema meines Briefes.

Die “Tatsache”, dass viele Nazis das Spiel spielen würden, scheint auch umstritten zu sein, das Spiel soll bei Nazis wohl nicht so beliebt sein, wie es Panorama gerne hätte, es soll sogar extrem unbeliebt sein, da Deutschland den Krieg verliert und der Krieg und die Nazis alles andere als positiv dargestellt werden (darauf geht die Redaktion auch nicht ein).

Der Vorwurf, der Pan-Amp-Vertreter sei parteiisch, wird “entkräftet”, indem er als Experte für Internetsicherheit dargestellt wird. Das mag zwar stimmen, aber er ist dadurch noch lange kein Experte für “Killerspiele” - und erst recht nicht unparteiisch, sein wirtschaftliches Interesse dürfte wohl klar sein. (siehe meinen ursprünglichen Beitrag)

Beit der Sex-Szene in GTA San Andreas soll übrigens darauf hingewiesen worden sein, dass dies nur durch Modifikationen möglich ist. Das wurde jedoch alles andere als deutlich:

“Was es nicht an der Ladentheke zu kaufen gibt, holen sich selbst Kinder problemlos aus dem Internet, wie dieses Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.”

Da der Sex-Teil von GTA allerdings kein Spiel ist, klingt es eher so, als ob Jugendliche sich die Originalversion mit Sexszene per illegalem eMule- oder Bittorrent-Download “aus dem Internet holen” würden. Meiner Meinung nach versucht die Panorama-Redaktion nur, sich herauszureden. Im Brief wird behauptet, man könne Frauen entkleiden, herumkommandieren und es gäbe gewalttätige sexuelle Handlungen. Die Möglichkeit, Frauen herumzukommandieren, wird als Vergewaltigung gesehen - meiner Meinung nach ein weiterer Versuch, die Wortwahl zu Rechtfertigen, um sich bloß nicht entschuldigen zu müssen. Beim HotCoffe-Mod gibt es auch SM-Szenen, diese sind aber immer einvernehmlich. Spielziel ist Sex so oder so nicht. Eine andere, “härtere” Modifikation konnte ich nicht wirklich finden, und sie scheint auch keinen anderen Spielern bekannt zu sein. (Es soll eine Herumkommandier-Mod - aber auch nur ohne Vergewaltigung oder Sex als Spielziel - geben, allerdings ist diese bestenfalls Beta und kaum bekannt.) Falls Panorama solches Material wirklich hat, sind sie vermutlich die einzigen. Leicht verfügbar ist es jedenfalls nicht.

Natürlich hat die Panorama-Redaktion nicht behauptet, Spieler solcher Spiele würden zu Amokläufern. Sie hat es nur suggeriert. Die Verbotsdebatte, um die es gehen soll, wurde eher weniger dargestellt, obwohl dies laut der Antwort (Seite 5) das Ziel der Sendung gewesen sein soll. Zur Darstellung der Debatte hätten auch Gegenargumente in angemessem Umfang gehört (immerhin endete die Debatte in einer Ablehnung eines Verbotes).

Kurz: Die Redaktion versucht sich herauszureden, geht auf viele der Vorwürfe nicht ein und redet viel um den heißen Brei herum. Es wird weitergehen!

Zum krönenden Abschluss wird noch behauptet, dass das Thema sehr emotional geladen sei. Damit wird zwar nicht direkt gesagt, aber doch angedeutet, dass meine Beschwerde unsachlich sei. Ich sehe das “etwas” anders - ich meine nämlich, dass diese Behauptung eher auf die Panorama-Sendung zutrifft. Ich möchte jedoch jedem ermöglichen, sich seine eigene Meinung zu bilden, denn (offenbar im Gegensatz zur Panorama-Redaktion) sehe ich durchaus ein, dass ich Fehler machen kann. Daher gibt es sowohl meinen Brief (der abgeschickte Brief war natürlich auch unterschrieben) als auch die Antwort darauf hier im Wortlaut, und den Panoramabeitrag gibt es übrigens auch online.

Leider ist die letzte Gelegenheit, noch eine Gegendarstellung zu erzwingen, zur Sendung am 5. April, allerspätestens vieleicht noch am 26. April, und die interviewten Spieler sind nicht zu erreichen, und ich hab zu wenig Zeit, da ich im Moment Abiturprüfungen habe. Ich hoffe, dass der Rundfunkrat doch noch etwas unternimmt. Einen weiteren Brief bekommt er im Verlauf der nächsten Woche. Dieser wird größtenteils auf diesem Text basieren, Verbesserungs-/Ergänzungsvorschläge sind also willkommen.

Ergänzung: Ist es eigentlich normal, dass Briefumschläge mit Tesafilm zugeklebt sind?

Veröffentlicht in Internet, Jugendschutz, Statische Tags, Unsinn, Zensur | 8 Kommentare »

Analyse des Panorama-Beitrags gegen “Killerspiele”

Verfasst von Jan am 2007-02-23

Die NDR/ARD-Sendung Panorama hat am 22.02.2007 noch einen weiteren hetzenden und parteiischen Beitrag gegen sogenannte “Killerspiele” gesendet. Dieser Artikel befasst sich mit der Analyse des Beitrags, nicht mit der “Killerspiel”-Thematik an sich. Zu dem Thema schreibe ich vieleicht später mehr, kurz gesagt halte ich die Verbotsdebatte und den bayrischen Gesetzesvorschlag (den ich auch analysiert habe und der deutlich mehr besagt als nur ein Verbot von “Killerspielen”) für übertrieben und nicht mit den Grundgesetz vereinbar.

Einen Videostream mit dem Originalbeitrag kann man sich hier anschauen, die Kurzbeschreibung der Sendung hier. Der Beitrag strotzt nur von Voreingenommenheit, aber auch grundsätzlichen sachlichen Fehlern - einige davon sind Ungenauigkeiten, andere sind schlichtweg Lügen, die nach einer Gegendarstellung schreien (ich werde mich bemühen, dafür zu sorgen, dass eine entsprechende Gegendarstellung gesendet wird/werden muss).

Der Unsinn fängt bereits in der Kurzbeschreibung der Sendung an: Sehen wir von der Behauptung “Sie kämpfen auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs, mit Original-Waffen und in Wehrmachtsuniform” (aus dem 2. Weltkrieg) verwendet werden, die insoweit unwahr ist, als es sich nur um eine Simulation und somit nicht um Originalwaffen handeln kann, erst einmal ab, denn sie wird korrekt relativiert “Sie kämpfen virtuell”. Unschön, eher für die Bild-Zeitung als für eine seriöse Sendung passend, aber so etwas muss man wohl hinnehmen. Die Behauptung (Hervorhebung von mir):

Das Spiel “Call of Duty” ist eins von vielen brutalen Computerspielen, die nur ein Ziel haben: Das Töten von möglichst vielen Gegnern.

ist jedoch sachlich falsch. In Call of Duty muss man meist Missionen erfüllen, die Anzahl getöteter Gegner ist dabei nebensächlich. Eine Ausnahme bildet der Deathmatch-Modus, dieser ist jedoch nur ein Teil des Spiels und die Behauptung, das Töten möglichst vieler Gegner sei das einzige Ziel, ist somit eindeutig falsch.

Es folgt die Passage:

Im Bundesrat haben vor wenigen Tagen einige Bundesländer einen Antrag auf Verbot solcher Spiele gestellt.

Soweit ich weiß waren “einige” hier genau zwei, nämlich Bayern und Niedersachsen. Sie sind damit außerdem auf erheblichen Widerstand gestoßen, siehe heute.de. Es kann sein, dass ein anderer Antrag gemeint ist, aber soweit ich weiß gibt es nur diesen einen, der ein Verbot fordert. Eine Durchsetzung der bisherigen Jugendschutzbestimmungen (also kein Verkauf an Jugendliche unter der jeweiligen Altersgrenze) ist kein Verbot und auch nicht sehr umstritten und meiner Meinung nach auch teilweise sinnvoll. Das erwähnte Verbot bezieht sich auf ein - meiner Meinung nach verfassugnswidriges - Herstellungs-, Verbreitungs- und Besitzverbot - auch für Erwachsene! Panorama beschwert sich auch noch, dass noch kaum Spiele verboten wurden:

Doch die Bundesjustizministerin Zypries hält die bisherigen Gesetze für ausreichend - auch wenn damit bislang kaum ein Spiel verboten wurde.

Seltsam aber auch: “Ab 18″ bedeutet nämlich nicht “Verboten”. Ein Abgabeverbot an Jugendliche (so wirkungslos es sein mag) ist eine Maßnahme des Jugendschutzes, und dieses wurde oft genug ausgesprochen. Soweit ich weiß fallen alle Spiele, die als Beispiele gezeigt wurden, in diese Kategorie. Ein generelles Verbot hingegen ist ein Eingriff in die Kunstfreiheit, der -zu Recht - sehr strengen Richtlinien unterliegt, schließlich ist die Kunstfreiheit ein grundgesetzlich geschütztes Grundrecht.

Soviel zur Kurzbeschreibung des Beitrags!

Hier geht es weiter zum restlichen Text

Veröffentlicht in Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Lobbyismus, Newskommentare, Piraten, Politik, Statische Tags, Unsinn, Zensur | 105 Kommentare »

Killerspiele nein, echtes Töten ja?

Verfasst von Jan am 2007-02-18

Nach Ansicht der Regierung sollen sogenannte “Killerspiele” verboten werden oder zumindest Jugendlichen der Zugang dazu stark erschwert werden. Das Ganze geschieht (angeblich), um zu verhindern, dass Jugendliche irgendwann Amok laufen.

17-jährige Jugendliche sollen also auf keinen Fall solche Spiele spielen dürfen/können. Nach § 5 Abs. 1a WPflG können Jugendliche ab 17 Jahren jedoch auf eigenen Wunsch hin bereits zum Grundwehrdienst herangezogen werden. Während 17 Jahre alte Jugendliche also noch nicht sämtliche Computerspiele, in denen die Tötung von Menschen dargestellt wird, kaufen und spielen dürfen, können sie sich durchaus bereits vom Staat (!) dazu ausbilden lassen, in der Realität auf echte Menschen zu schießen.

Und im Gegensatz zu “Killerspielen”, die oft durchaus auch eine von Gewalt abschreckende Wirkung haben können (Krieg wird in vielen Kriegsspielen wie z. B. “Call of Duty” äußerst negativ dargestellt), werden Jugendliche bei der Bundeswehr gezielt darauf trainiert, auf Menschen zu schießen, mit dem Ziel, diese zu töten, und dabei eventuell vorhandene Hemmungen zu überwinden. Sie bekommen echte Waffen und Munition in die Hand gedrückt, lernen damit umzugehen. Somit sind sie, im Gegensatz zu Computerspielern, durchaus in der Lage, eine echte Waffe zu bedienen und damit jemanden zu treffen. Zudem wird es sicherlich leichter sein, beim Wehrdienst inklusive Waffe zu verschwinden und am nächsten Morgen an der alten Schule aufzutauchen, als sich zunächst eine Waffe anderswoher besorgen zu müssen (auch wenn es natürlich nicht besonders einfach sein wird). Auf der einen Seite hat man also angeblich Angst vor Killerspielen, die die Jugendlichen verrohen lassen, und auf der anderen Seite versucht man genau das zu erreichen. Ich liebe es, wenn die Politik konsequent und vernünftig handelt…
Weitere Gedanken zu den sogenannten Killerspielen

Veröffentlicht in Demokratie, Grundrechte, Internet, Jugendschutz, Piraten, Politik, Sonstiges, Statische Tags, Unsinn | 10 Kommentare »

Nehmt Abschied, Brüder, Jugendschutz…

Verfasst von Jan am 2007-02-10

Der Freistaat Bayern (also die CSU bzw. Stoiber) hat vor ca. einer Woche einen “Gesetzesantrag” gestellt, der “den Jugendschutz verbessern”, also die sogenannten “Killerspiele” verbieten soll. (Update: Dieser wird jetzt im Bundesrat diskutiert) Ich habe diesen nun analysiert. Vorweg: Das Strategiespiel Age of Empires würde vermutlich indiziert werden und einen Fünfzehnjährigen an einer kostenpflichtigen PONG-Konsole spielen zu lassen könnte bis zu einer halben Million Euro kosten. Meine Kritik hier zunächst in einer “kurzen” Zusammenfassung (so kurz es geht, ohne den Inhalt zu zerlegen), ich bitte aber darum, die vollständige Version trotzdem zu lesen!

  • Amokläufe werden als Begründung benutzt, um das Gesetz zu rechtfertigen, ohne Beweise dafür zu bringen, dass “Killerspiele” diese (mit)verursacht haben. Dabei werden Halbwahrheiten und manipulative Formulierungen und Strukturen eingesetzt.
  • Die Wirkungslosigkeit des bisherigen Jugendschutzes wird zwar eingesehen aber nicht darauf zurückgeführt, dass die Probleme anderswo liegen und somit durch mehr Einsc