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Archive for 2006-06-14

Auch Gerichte können vernünftig sein

Auch wenn viele Gerichte negativ aufgefallen sind, in dem sie völlig realitätsfremde Urteile zu Internetthemen produzierten (z. B. Heise wurde verpflichtet, das Forum zu moderieren), scheint es Ausnahmen zu geben, siehe diese Golem-Nachricht:

OLG Düsseldorf: Keine Überwachungspflicht für Forenbetreiber – Golem.de

Hoffentlich werden auch in Zukunft bei solchen Fällen Richter eingesetzt, die Ahnung von der Materie haben und einfach nur verrückte Urteile verhindern. Beruhigend ist auch, dass diese Entscheidung von einem Oberlandesgericht stand, während das umstrittene Heise-Urteil von einem Landgericht beschlossen wurde. Leider hatte auch in dem aktuellen Fall ein LG in der Vorinstanz eine Überwachungspflicht bejaht. Ich denke, das ganze wäre vergleichbar damit, wenn man einen Supermarkt dafür bestraft, dass am Kunden-Info-Brett, wo Kunden Angebote anpinnen können, von einem Unbekannten Beleidigungen angepinnt wurden und nicht ständig eine Wache daneben stand, um solche Zettel sofort zu entfernen, und nicht erst, wenn sich Kunden an der Kasse darüber beschweren.

Mögen in Zukunft solche Urteile nicht erst in höheren Instanzen vernünftig ausfallen.

Kategorien:Newskommentare

Normal oder böse?

Skype bietet Internettelefonie. Gegen Gebühr auch zu Festnetzanschlüssen. Die Gebühren müssen im Voraus bezahlt werden (prepaid), also ähnlich wie bei Prepaid-Handys. Nun führt Skype eine neue, unangenehme Eigenschaft ein: Tätigt der Kunde ein halbes Jahr lang keine kostenpflichtigen Telefonate, verfällt das Guthaben. Darüber regen sich, wie Golem berichtet, anscheinend viele Benutzer auf, sie sehen das als unfair.

Allerdings bin ich hier ausnahmsweise anderer Meinung: Die meckernden Benutzer mögen sich doch bitte Callingcards oder Prepaid-Karten für Handys anschauen. Callingcards verfallen oft nach einer bestimmten Zeit (egal ob man sie nutzt) oder es wird gar eine tägliche Grundgebühr berechnet (manchmal abhängig davon, ob die Karte genutzt wurde), die das Guthaben auch langsam auffrisst. (Wobei „langsam“ relativ ist, ein halbes Jahr dauert es wohl nur selten…) Bei Handy-Prepaidkarten müssen die Karten meist regelmäßig aufgeladen werden. Bei o2 kostet die Karte so nur einen Euro pro Jahr, da man nur einmal Jählich aufladen muss und per Überweisung auch Beträge unter 10 EUR aufladen kann. Andere Karten hingegen müssen oft jedes halbe Jahr mindestens mit 10 oder 15 EUR aufgeladen werden. Sonderlich lautstarke Beschwerden habe ich noch nicht gehört, obwohl dies verständlich wäre: Für Prepaid-Karten wird oft mit „Ohne Grundgebühr und Mindestumsatz“ geworben – die regelmäßige Aufladung ist aber nichts anderes.

Skype verlangt hier also von den Benutzern, dass sie einmal alle 6 Monate ein mindestens fünfsekündiges Telefonat führen. Das dürfte wohl kaum einen zweistelligen CENTbetrag kosten! Ich finde diese Methode äußerst fair und hoffe, dass es dabei bleibt, auch wenn ich bisher Skype nicht nutze. Ungenutzes Guthaben dauerhaft aufzubewahren, dürfte für die Firma wirklich unzumutbar sein.

Ein Kritikpunkt jedoch bleibt. Die Benutzer werden nicht ausreichend über den Verfall benachrichtigt. Meiner Meinung nach sollte die Benachrichtigung nicht nur per e-Mail erfolgen (da Mails oft wegen Spam- oder Phishingverdacht ungelesen verschwinden), sondern auch, wenn man sich bei Skype einloggt. Außerdem sollte klar und deutlich beim Kauf von Guthaben darauf hingewiesen werden. Um zu vermeiden, dass große Guthaben beim Kunden verloren gehen, weil dieser vergessen hat, sie zu nutzen, könnte man außerdem statt einem vollständigen Verfall einen Abzug von 10-20 Dollar (jedes halbe Jahr bei völliger Nichtnutzung) einführen. Dies würde zwar den Gewinn von Skype durch verfallendes Guthaben reduzieren, allerdings scheint das eh nicht das Ziel der Regelung zu sein – dafür ist sie viel zu fair!

Wenn Skype richtig gnädig sein möchte, könnte es auch ermöglicht werden, das Skype-Guthaben im Login-Bereich zu verlängern – Knopf drücken, CAPTCHA (Bild mit abzutippender Zahl, um automatische Benutzung zu verhindern) lösen, fertig. So müsste sich keiner beschweren, dass er gezwungen wird, jedes halbe Jahr einen wenige Cent kostenden Anruf zu tätigen, und Guthaben von total inaktiven Benutzern würden auch verschwinden. Allerdings würde es sicher einige User geben, die das Guthaben immer wieder verlängern, Skype aber wirklich nicht nutzen. Diese Funktion wäre also vermutlich zuviel verlangt (mal abgesehen davon, dass sie in meinen Augen unnötig ist).

Ich würde den sich beschwerenden Usern ein Angebot machen: Jeder, der keinen Guthabenverfall will, kann im Login-Bereich ein Kästchen ankreuzen: „Ich möchte keinen Guthaben-Verfall. Mir ist bekannt, dass diese Funktion bedeutet, dass mindestens 10 Dollar pro halbem Jahr aufgeladen werden müssen, da ansonsten bei Nichtnutzung über ein halbes Jahr hinweg eine Servicegebür von 5 Dollar pro Monat erhoben wird, wie es im Prepaid-Geschäft üblich ist. Ihnen steht es frei, diese Option nicht zu wählen. Dann verfällt Ihr Guthaben, wenn sie es ein halbes Jahr überhaupt nicht Nutzen. (Als Nutzung gilt bereits ein beliebiges kurzes (über 5 sek) kostenpflichtiges Telefonat, welches sie meist weniger als 10 Cent kostet.) Wenn Sie diese Option nicht in Anspruch nehem möchten, beschweren Sie sich aber bitte nicht über den Guthabenverfall.“ Das dürfte den Querulanten zeigen, über was für eine faire Regelung sie sich eigentlich beschweren.

Kategorien:Newskommentare

Größenwahn pur

2006-06-14 2 Kommentare

Microsoft ist der Meinung, dass sie das Internet in der Hand haben: Wie Golem und ein Blog von Microsoft berichten, wird der Vista-Beta-Download deswegen nur so langsam ermöglicht, weil es sonst „ernste Konsequenzen“ für das Internet als solches hätte.

Das soll vermutlich bedeuten, dass nach Meinung Microsofts das Interesse so groß ist, dass die Bandbreite das Internet überlasten würde. Kommt mir ein wenig übertrieben vor. Das Internet ist SEHR robust, und ich denke, bevor irgendwelche Backbones in die Knie gehen, verabschiedet sich der Server von Microsoft. Vermutlich will Microsoft nur durch künstliche Verknappung und die Erweckung des Eindrucks, das Interesse wäre unvorstellbar gigantisch, Werbung für Vista machen.

Allerdings könnte Microsoft natürlich unter einem anderen Gesichtspunkt Recht haben: Je mehr von diesen Vista-Betas in Umlauf gelangen, desto größer wird die windowstypische Wurmwelle. Und DIE kann gefährlich werden…

Wenn Microsoft Angst hat, dass Leute sich die falsche Version holen, dann sollen sie doch einfach die MD5 und/oder SHA1-Hashes (Prüfsummen) veröffentlichen. Wenn ihr Server den Ansturm nicht aushält, können sie einen Bittorrent-Tracker aufsetzen. Die Argumente von Microsoft kommen mir daher nicht besonders ehrlich vor. Aber ich hab auch nichts anderes erwartet.

Andere teilen übrigens meine Meinung…

Update: Andere haben das mit dem Tracker für MS kostenlos übernommen. Wie zu erwarten war, hat Microsoft, statt sich für die kostenlose Promotion zu bedanken und eine Kooperation anzubieten, eine Abmahnung geschickt. Typisch für große Firmen, wenn es um den Umgang mit modernen Dingen geht…

UPDATE: Laut dieser Seite scheint MS klargestellt zu haben, dass die Abmahnung nicht bösartig gemeint war, sondern reine Routine, indem sie die Abmahnugn nochmal feierlich überreicht haben – diesmal aber eingerahmt und verbunden mit freundlichen Worten. Ich bin froh, dass MS doch vernünftig ist und auf einen gut gemeinten Versuch nicht wie auf richtige, böswillig verbreitete Raubkopien reagiert. Schade nur, dass es erst auf öffentlichen Druck und nicht direkt klargestellt wurde.

UPDATE 2: MS hat die Downloads nun eingestellt. (Golem berichtet)