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Archive for 2006-06-19

Flug ins Ungewisse

Was zur Hölle ist das hier? Dieser Link erklärt es – bitte zuerst lesen!

Im Transportflugzeug. Nur Motorenlärm als akkustischer Hintergrund. Ein Soldat wacht während des langen Fluges auf, öffnet die Seitentür und entleert seine Blase in den ruhigen Ozean, den man aus der Tür sieht. Die Soldaten, die die Kiste bewachen, bedenken ihn mit einem kritischen Blick. Er zuckt mit den Schultern, sagt noch „What?“, knöpft die Hose wieder zu, schließt die Tür und setzt sich hin. Er zieht einen portablen GPS-Empfänger aus einer der vielen Taschen seiner schussicheren Weste. Zoom auf das Display des Geräts, auf dem steht: „No Signal“.

Ansicht von der Seite. Links im Bild ist der Soldat, der an der Wand des Flugzeugs sitzt, die Beine ausgestreckt. Das GPS hält er mit der linken Hand vor sich. Links an ihm vorbei sieht man unscharf die wachen Soldaten, die die geheimnisvolle Kiste bewachen. Der Soldate klopft leicht auf das Gerät, in der Hoffnung, Empfang zu bekommen, schüttelt den Kopf, schaltet es und packt es wieder weg. Er macht es sich gemütlich und schließt die Augen. Die Kamera fokussiert auf die Soldaten, die die Kiste bewachen, sodass diese nun scharf zu sehen sind. Sie grinsen.

Weiche Überblendung. Langsame, einschläfernde Musik. Die Kamera kreist langsam um die Flugzeuge (ein Transporter, vier Kampfjets als Eskorte und ein Tankflugzeug, welches gerade den Transporter betankt). Weiche Überblendung: Das innere des Flugzeugs. Die Soldaten vorne bei der Kiste haben Spielkarten ausgepackt und spielen, die Kiste als Tisch nutzend. Mehrere sehr langsame Überblendungen, bei der sich die Kameraposition nur minimal ändert (sodass man sieht dass überhaupt übergeblendet wurde), um die lange Zeit, die vergeht, darzustellen. Das Flugzeug neigt sich nach vorne und setzt zur Landung an. Einer der kartenspielenden Soldaten packt die Karten zusammen, der andere dreht sich zu den schlafenden Soldaten und schreit: „Hey! Guys! Wake up! We are going to land soon! Wake up!“, woraufhin einige der Schlafenden aufwachen, sich aufrappeln und die anderen aufwecken. Die Musik wird ausgeblendet. Harter Cut: Kamera unter dem Flugzeug. Das Fahrwerk ist ausgefahren, das Flugzeug fliegt über hohes Gras, sinkt und nähert sich der Landebahn. Es setzt auf, die Reifen rauchen und quietschen, und bremst ab. Die Kamera „löst sich vom Flugzeug“, d. h., sie bremst schneller als das Flugzeug und bleibt bald stehen, während das Flugzeug sich noch ein Stück entfernt und zur Ruhe kommt. Mehrere dutzend Soldaten stürmen aus den Gebäuden neben der Landebahn, sichern die Umgebung und zeigen den Soldaten den Weg zu den Chinook-Transporthhubschraubern. Die Soldaten aus dem hinteren Teil steigen in einen, die zwei aus dem vorderen Teil nehmen die Kiste und laden sie in den anderen, wo schon ein paar andere Soldaten sitzen. Dabei macht die Kamera einen Schwenk über die Basis. Irgendjemand mit einem Camcorder wird gerade von zwei Soldaten gegriffen und trotz seiner heftigen Gegenwehr gewaltsam die Treppe zu einem unterirdischen Bunker heruntergeschubst. Die Hubschrauber lassen die Motoren an, man hört lauten Motorenlärm. Man sieht, wie der Bunkereingang von drei schnell aufeinanderfolgenden Blitzen erleuchtet wird. Die Helikopter schließen die Heckklappen. Sechs Apache-Helikopter fliegen an und nehmen Formationsposition um die zwei Transporthelikopter ein. Militärische Musik. Die Transporthelikopter heben ein paar Meter vom Boden ab. Aus dem Bunkereingang tragen zwei Soldaten einen schwarzen Leichensack. Die Helikopter fliegen los, begleitet von vier F-16 Kampfjets.

Der Soldat mit dem GPS-Gerät sitzt an der rechten Seitenwand des Helikopters und holt sein Gerät wieder aus seinem Rucksack. Die anderen Soldaten schauen betont von ihm weg. Wieder Zoom auf das Gerät, wieder: „No Signal“. Er zeigt es dem Soldaten neben ihm, und erklärt: „This one has an extremely sensitive antenna. It gets a perfect signal even under the heavy roof of hangars, so it should receive at least something here. This is weird!“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Shut the fuck up, turn that thingy off and throw it away. If you are not told the destination, you should not know it. And believe me or not, it is better for you not to know anything you shouldn’t.“, wird er von dem rechts von ihm sitzenden Soldaten angeschnauzt. Er macht ein verärgertes Gesicht, packt das GPS-Gerät weg, zieht aber dafür sein Handy hervor. Er achtet darauf, dass der Soldat, der ihn gerade angeschnauzt hatte, nichts davon mitbekommt. Andere sehen es jedoch und weisen diesen mit einem seitlichen Kopfnicken darauf hin, woraufhin er es dem Soldaten aus der Hand reißt und durch das Flugzeug wirft und ihn wieder anschnauzt: „Have you been told to pack you GPS and your mobile? I believe not. And if someone with more experience tells you something, you should listen. Believe me; it is for your own good. I will not tell you why, because otherwise you will puke over an even bigger area than you are going to do anyway.“

Einige Soldaten lachten verlegen, doch der wütende Soldat machte mit einem scharfen Blick in die Runde sofort klar, dass Gelächter fehl am Platz ist. Stattdessen fängt er an, Tüten zu verteilen. „You all know what they are good to. Feel free to use them, you will feel better afterwards. I vomited all the time on my first mission too.“ Einige lassen sich das nicht zweimal sagen. Alle schwiegen, man hört nur den Motorlärm. Weiche langsame Überblendung auf das mit dem Display nach oben auf dem Boden liegende Handy, welches keinen Empfang hat.

Weiche Überblendung: Außenansicht der Formation mit den zwei Transporthelikoptern und den sechs Begleit-Apaches. Unter den Helikoptern: Wald, in der Ferne Felder und ein Dorf. Ruhige Hintergrundmusik. Ein Funkspruch ist zu hören: „Shadow flight, return to base“, gefolgt von der Antwort: „Roger That. Shadow flight returning to base. You heared him, lets go.“, woraufhin die Apache-Helikopter abdrehen und verschwinden.

Weiche Überblendung: Im Inneren des zweiten Helikopters (der mit den vielen Soldaten) stellt der Soldat, der schon oft mit seinen Geräten negativ aufgefallen war, dumme Fragen: „Do you know what the hell this is all about? I think they change the flight plan soon and send us directly into a big fat steaming pile of shit.“, worauf der inzwischen sehr genervte, anscheinend ranghöhere Soldat, der ihn schon die letzten Male zurechtgewiesen hat, ihn mit ruhiger, freundlicher Stimme anspricht: „Either, you shut the fuck up at once, or I go to the pilot (er zeigt mit dem Zeigefinger der rechten Hand nach vorne zum Cockpit), tell him to open the cargo door (er zieht die rechte Hand zurück und zeigt mit dem Zeigefinger der linken zur Ladeluke hinten), and help you do a parachute jump without a parachute. (Er klappt den Zeigefinger der linken Hand ein, klappt den Daumen hoch, und dreht seine Hand, sodass der Daumen in Flugrichtung nach hinten und nach unten zeigt) Is that clear?“. Der Angeschnauzte stammelt etwas unverständliches, worauf er sich noch ein lautes „Is that clear?“ einfängt, was er dann mit „Yes, Sir“ beantwortet. Keiner spricht, Motorenlärm ist zu hören. Die Soldaten sitzen regungslos da. Nach ca. 5 Sekunden: Harter cut zur nächsten Szene.

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Jugendschutz hat zwei Gesichter

2006-06-19 1 Kommentar

Jugendschutz ist wichtig. So wichtig, dass das Grundgesetz explizit eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zum Zweck des Jugendschutzes erlaubt. Und Niedersachsens Innenminister will jetzt deswegen auch die Herstellung und Verbreitung von "bösen Killerspielen" verbieten. (via heute.de) Eine genaue Definition fehlt allerdings. Killerspiele lassen sich nicht verbieten. Bei einem Verbot werden sie eben aus dem Internet heruntergeladen. Das Verbot kann sie sogar noch interessanter machen.

Nochmal zur Klarstellung: Die Spiele sollen nicht erst ab 18, sondern GAR NICHT erlaubt sein. Also auch nicht für Erwachsene!

Als Grund wird wieder mal die Gefahr von Amokläufen genannt, die angeblich von solchen Computerspielen verursacht werden. Bewiesen ist dies nicht. Im Internet kursieren Parodien, die z. B. den Verbot von Wasser oder Brot fordern: "100% (99%) der Amokläufer trinken (essen) Wasser (Brot). Verbietet Wasser (Brot)!". Die Sinnhaftigkeit dieser Versuche dürfte mit den diversen Vorstößen der Politiker übereinstimmen.

Viel interessanter ist jedoch, wie "Jugendschutz" auch aussehen kann. Normalerweise steht es jedem frei, ob er ein brutales Killerspiel spielt. Wenn er es nicht tut, drohen ihm meist keine größeren Probleme. Anders sieht es in der Schule aus. Wenn ein Schüler sich weigert, eine Lektüre zu lesen, bekommt er schlechte Noten, Strafarbeiten und was weiß ich. Was hat das damit zu tun? Ganz einfach:

Der Hessische Lehrplan schlägt als Lektüre für den Englischunterricht der 12. Klasse das Buch "The Buddha of Suburbia" von Hanif Kureishi vor. Wenn ein Lehrer dieses Buch wählt, müssen die Schüler es lesen, ob sie es wollen oder nicht. Kein USK-Aufkleber warnt davor, dass das Buch möglicherweise für einige Jugendliche unangenehme sexuelle Szenen enthält. Was, ungeeignete Schulbuchinhalte? JA!

Ich werde hier einige der Inhalte zitieren. Dies ist nach deutschem Recht anscheinend zulässig, da das Buch auch frei verkäuflich ist. (Urheberrechtlich ist es aufgrund des Zitatrechts eh kein Problem.) Leser, denen sexuelle Inhalte unangenehm sein könnten, mögen bitte hier aufhören zu lesen. Ich bin so fair und gebe eine Vorwarnung.
Im Buch versuchen Hunde, Geschlechtsverkehr mit Menschen zu betreiben, eine Frau bittet jemanden:

"I want you to put some ice up my cunt."

(Meine Übersetzung: "Ich möchte, dass du mir etwas Eis in die Möse schiebst" – die Übersetzung mag nicht wörtlich mit der offiziellen Übersetzung übereinstimmen, aber das Wort "Möse" wird dort benutzt!)

Aber erst nachdem ein Mann einem anderen "seinen Schwanz zwischen die sprechenden Lippen geschoben hat". ("Inserting his cock between my speaking lips")

Später lässt sich noch jemand eine Kerze in seinen Hintern schieben.

Ich werde die Liste nicht fortsetzen, aber es gibt noch deutlich mehr solcher Stellen. Ich bin nicht der Meinung, dass es ein allzu Problem darstellt, Jugendliche mit solchen Büchern zu konfrontieren. Allerdings bin ich der Meinung, dass es eben nicht korrekt ist, sie dazu zu zwingen, wie es in der Schule geschiet. Vor allem nicht, wenn man bei Filmen und Spielen versucht, den Zugang dazu zu erschweren bzw. zu verhindern – selbst wenn die Jugendlichen das Spiel spielen wollen und sich zutrauen, davon keine seelischen Schäden davonzutragen.

Sicher ist es ein Unterschied, ob man so etwas liest oder es in einem Film sieht. Wenn das Buch Originalgetreu verfilmt würde, müsste der Film eigentlich mindestens ab 18 sein, wenn nicht indiziert. Ein Spiel wäre sogar ziemlich sicher auf dem Index. Das Buch ist jedoch in Buchhandlungen für jeden, auch Kinder unter 12 Jahren, frei verfügbar. Damit habe ich kein allzu großes Problem. Aber damit, dass man dazu von staatlicher Seite gezwungen werden kann, so etwas zu lesen, habe ich ein Problem. Also: Die Jugendschützer sollen erst mal zur Ruhe kommen und aufhören, ständig die Spiele zu kritisieren, wenn es viel Schlimmeres gibt.

Alle wollen was ändern…

Alle wollen das Urheberrecht ändern. Die Konsumenten fordern endlich ein weniger restriktives Urheberrecht, der Musikindustrie ist es bei weitem noch nicht restriktiv genug. Und die Künstler? Na, die werden doch sicher auf Seiten der Musikindustrie sein, oder? Pustekuchen!

Viele Künstler werden durch das Urheberrecht selbst behindert und setzen sich daher für eine Lockerung ein. Das momentane Urheberrecht erschwert die Erstellung abgeleiteter Werke, und wo das Urheberrecht das nicht tut, tun das DRM und andere Kopierschutzmaßnahmen. Daher fordern viele Künstler in Kanada nun ein weniger restriktives Urheberrecht, insbesondere sind sie gegen DRM und für freieren Zugang zu Werken. Jetzt kommt die Musikindustrie langsam in Schwierigkeiten, denn bisher hat sie behauptet, dass sie die Forderungen nach Einschränkungen im Urheberrecht zum Schutz der Künstler und nicht nur für ihre eigenen Gewinne fordert.

via Golem.de