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Jugendschutz hat zwei Gesichter

Jugendschutz ist wichtig. So wichtig, dass das Grundgesetz explizit eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zum Zweck des Jugendschutzes erlaubt. Und Niedersachsens Innenminister will jetzt deswegen auch die Herstellung und Verbreitung von "bösen Killerspielen" verbieten. (via heute.de) Eine genaue Definition fehlt allerdings. Killerspiele lassen sich nicht verbieten. Bei einem Verbot werden sie eben aus dem Internet heruntergeladen. Das Verbot kann sie sogar noch interessanter machen.

Nochmal zur Klarstellung: Die Spiele sollen nicht erst ab 18, sondern GAR NICHT erlaubt sein. Also auch nicht für Erwachsene!

Als Grund wird wieder mal die Gefahr von Amokläufen genannt, die angeblich von solchen Computerspielen verursacht werden. Bewiesen ist dies nicht. Im Internet kursieren Parodien, die z. B. den Verbot von Wasser oder Brot fordern: "100% (99%) der Amokläufer trinken (essen) Wasser (Brot). Verbietet Wasser (Brot)!". Die Sinnhaftigkeit dieser Versuche dürfte mit den diversen Vorstößen der Politiker übereinstimmen.

Viel interessanter ist jedoch, wie "Jugendschutz" auch aussehen kann. Normalerweise steht es jedem frei, ob er ein brutales Killerspiel spielt. Wenn er es nicht tut, drohen ihm meist keine größeren Probleme. Anders sieht es in der Schule aus. Wenn ein Schüler sich weigert, eine Lektüre zu lesen, bekommt er schlechte Noten, Strafarbeiten und was weiß ich. Was hat das damit zu tun? Ganz einfach:

Der Hessische Lehrplan schlägt als Lektüre für den Englischunterricht der 12. Klasse das Buch "The Buddha of Suburbia" von Hanif Kureishi vor. Wenn ein Lehrer dieses Buch wählt, müssen die Schüler es lesen, ob sie es wollen oder nicht. Kein USK-Aufkleber warnt davor, dass das Buch möglicherweise für einige Jugendliche unangenehme sexuelle Szenen enthält. Was, ungeeignete Schulbuchinhalte? JA!

Ich werde hier einige der Inhalte zitieren. Dies ist nach deutschem Recht anscheinend zulässig, da das Buch auch frei verkäuflich ist. (Urheberrechtlich ist es aufgrund des Zitatrechts eh kein Problem.) Leser, denen sexuelle Inhalte unangenehm sein könnten, mögen bitte hier aufhören zu lesen. Ich bin so fair und gebe eine Vorwarnung.
Im Buch versuchen Hunde, Geschlechtsverkehr mit Menschen zu betreiben, eine Frau bittet jemanden:

"I want you to put some ice up my cunt."

(Meine Übersetzung: "Ich möchte, dass du mir etwas Eis in die Möse schiebst" – die Übersetzung mag nicht wörtlich mit der offiziellen Übersetzung übereinstimmen, aber das Wort "Möse" wird dort benutzt!)

Aber erst nachdem ein Mann einem anderen "seinen Schwanz zwischen die sprechenden Lippen geschoben hat". ("Inserting his cock between my speaking lips")

Später lässt sich noch jemand eine Kerze in seinen Hintern schieben.

Ich werde die Liste nicht fortsetzen, aber es gibt noch deutlich mehr solcher Stellen. Ich bin nicht der Meinung, dass es ein allzu Problem darstellt, Jugendliche mit solchen Büchern zu konfrontieren. Allerdings bin ich der Meinung, dass es eben nicht korrekt ist, sie dazu zu zwingen, wie es in der Schule geschiet. Vor allem nicht, wenn man bei Filmen und Spielen versucht, den Zugang dazu zu erschweren bzw. zu verhindern – selbst wenn die Jugendlichen das Spiel spielen wollen und sich zutrauen, davon keine seelischen Schäden davonzutragen.

Sicher ist es ein Unterschied, ob man so etwas liest oder es in einem Film sieht. Wenn das Buch Originalgetreu verfilmt würde, müsste der Film eigentlich mindestens ab 18 sein, wenn nicht indiziert. Ein Spiel wäre sogar ziemlich sicher auf dem Index. Das Buch ist jedoch in Buchhandlungen für jeden, auch Kinder unter 12 Jahren, frei verfügbar. Damit habe ich kein allzu großes Problem. Aber damit, dass man dazu von staatlicher Seite gezwungen werden kann, so etwas zu lesen, habe ich ein Problem. Also: Die Jugendschützer sollen erst mal zur Ruhe kommen und aufhören, ständig die Spiele zu kritisieren, wenn es viel Schlimmeres gibt.

  1. Murdurah
    2006-12-27 um 22:45 UTC

    HAHA
    Das Buch lesen wir gerade… ist wohl ganz nach dem geschmack des lehrers :D
    es ist teilweise so geschmackslos dass das es zum lachen ist: wird da tatsächlich jemand mit nem dildo erschlagen – rein zufällig…

    aber noch ein anderer punkt der die CS-Verbote betrifft:
    wieso verbietet man eigentlich den islam nicht…
    …ich meine wieviele bombeläscher sind denn da bitteschön unterwegs!
    eindeutig: sie müssen alle therapiert wenn nicht einfach verboten werden. ODER?!

    BULLSHIT IS GOING ON

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