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Die Musikindustrie frisst ihre Kinder

2006-06-29 4 Kommentare

Musiker können sich der GEMA anschließen. Dann bekommen sie Geld, wenn jemand ihre Stücke aufführt, sendet etc. Allerdings gibt es ein Problem: Die Künstler verlieren einen großen Teil der Rechte an allen eigenen Stücken – denn man kann nicht für jedes Stück einzeln, sondern nur für alle eigenen Werke gleichzeitig einen GEMA-(Knebel-)Vertrag abschließen.

Aber die GEMA ist ja nett. Sie hat eine neue Regelung eingeführt. Bis auf Weiteres dürfen Künstler, wenn sie ihre eigenen Stücke per Streaming verfügbar machen, dies kostenfrei tun! Hört ihr das? Künstler müssen für die Verbreitung der eigenen Stücke keine Lizenzgebühren mehr zahlen! Hurra! Hallo? Eigentlich sollte sowas doch selbstverständlich sein, und zwar für alle Aufführungs- und Verbreitungsarten. Die „gnädige“ Ausnahme gilt aber nur für Streaming, nicht für z. B. mp3-Download.

Wenn ein Künstler also bei der GEMA ist, muss er für seine eigenen Stücke Lizenzgebühren zahlen. Aber er bekommt sie natürlich zurück – allerdings nach Abzug eines Anteils für die GEMA! Hier sieht man wieder einmal, dass der Feinde der Künstler eben nicht die Masse der bösen Raubkopierer, sondern die Musikindustrie selbst ist! [Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.]

Aus dem GEMA-Vertrag zum Thema Kündigungsfristen:

Der Vertrag wird mit Wirkung vom [Platz für Datum] zunächst für die Dauer von sechs Jahren geschlossen.
Falls der Vertrag nicht ein Jahr vor Ablauf schriftlich gekündigt wird, verlängert er sich jeweils um sechs Jahre.

Die Liste der an die GEMA abgetretenen Rechte zitier ich hier nicht: Sie passt nicht auf eine DIN A4-Seite.

Die Nachricht, über die ich an das Thema gekommen bin: Neue GEMA-Regelung für eigene Musik – Golem.de

UPDATE: Damit Künstler ihre eigene Musik nun kostenlos verbreiten dürfen, übernimmt laut Golem. de eine Musikplattform die GEMA-Kosten unter bestimmten Bedingungen. (Kein Link zur Seite, da sie anscheinend nicht funktioniert, vieleicht überlastet) Ziemlich pervers, dass so was nötig ist, oder? Eine gute Idee ist es aber, ich hoffe nur, dass die Plattform die Künstler nicht ausnutzen wird (selbst großen Profit machen und nix abgeben, zu viele Rechte fordern etc.)

Der Wahnsinn geht weiter

Golem berichtet: Urheberrechtsreform: „Zweiter Korb“ in Nachteulen-Lesung – Allerdings werden dabei die wichtigen Punkte weggelassen:

Der zweite Korb hat gute und schlechte Seiten, zwei behandle ich hier:
Einmal wird die Urheberrechtsabgabe stark eingeschränkt und nur noch auf Geräte, die in nennenswertem Umfang zum Kopieren genutzt werden, erhoben. Dies ist allerdings recht schwammig, sodass es nicht wie geplant weniger, sondern mehr Streit geben dürfte, und die Abgaben eventuell noch auf mehr Sachen als heute erhoben werden könnten (wenn auch sicher einige wegfallen werden). Dafür wurde aber eine Höchstgrenze von 5% des Preises festgelegt, sodass der Wahnsinn wenigstens eingeschränkt wird.

Der schlimme Punkt ist aber, dass das Recht auf Privatkopien endgültig ausgehebelt wird: Der erste Korb sorgt bereits dafür, dass ein Kopierschutz Privatkopien illegal macht, im zweiten Korb soll nun beschlossen werden, dass die Hersteller kopiergeschützten Materials keine Privatkopien ermöglichen bzw. zur Verfügung stellen müssen. Das dürfte den Wahnsinn fördern.

Insgesamt weiß ich also nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass die Lesung stattfindet, wenn alle eh schlafen und es durchwinken: So verpennt die Industrie vieleicht die sinnvolle Beschränkung derUrheberrechtsabgabe, allerdings kommt vermutlich so auch die endgültige Abschaffung (es ist praktisch nichts anderes) der Privatkopie durch. (Wobei die Lobbyisten vermutlich mehr Druck machen würde, also könnte die späte Zeit sogar dem Wohl der Verbraucher dienen) Egal wie es ist: Demokratie sollte nicht mit solch schmutzigen Tricks arbeiten (müssen).
Hier [PDF] kann es nachlesen (Justizministerium).

Kostenloses jetzt kostenlos – freie mp3-Encoder

2006-06-29 2 Kommentare

Wie Golem.de berichtet, gibt es jetzt zu Nero kostenlos ein Tool zur Erstellung und vermutlich auch Wiedergabe von mp3-Dateien dazu. Eigentlich nichts besonderes. (Edit: Anscheinend habe ich mich vertan, siehe Kommentare) Allerdings hat das Tool bisher Geld gekostet, und nicht zu knapp: 20 oder 35 EUR, je nachdem, ob man die Boxed oder die Online-Version kauft. Und das allein reicht nicht: es handelt sich nur um ein Plugin für Nero, nicht um ein alleine lauffähiges Programm.

Dabei gibt so was etwas ähnliches auch kostenlos in ziemlich guter Qualität: Das Programm heißt CDex, ist Open Source und bei Sourceforge frei erhältlich. Und es kann nicht nur mp3s von CDs oder WAV-Dateien erzeugen, andere Formate werden auch unterstützt. Und in der aktuellen Version scheinen sogar die Encoder dabei zu sein (die musste man sich früher einzeln besorgen), sodass die bei Open-Source-Software oft leider nötige Frickelei sogar entfällt! Der Funktionsumfang ist auch ordentlich: ID3-Tags, unterstützt CD-Datenbanken etc. Da fehlt nichts!

Und bevor jemand so eine Nummer bei Videoencodern abzieht: Benutzbare sind wegen Google-Spamern kaum zu finden, und wenn man welche findet, dann kosten sie Geld. Aber auch dafür gibt es Open Source: MediaCoder

Zum Abspielen kann man z. B. den ebenfalls freien VLC Player nehmen.

Wer Audio direkt von der Soundkarte (Line-In, Mikro, Telefonleitung über Voicemodem) aufnehmen und komprimiert speichern will (also direkt komprimiert speichern, nicht erst als WAV aufnehmen und dann komprimieren), kann sich per Mail (siehe Impressum) oder Kommentar an mich wenden, ich hab da auch ein wenig (auch freie) Software, muss die aber noch zusammensuchen.

All diese Programme sind einfach zu installieren und zu benutzen – auch wenn sie meist mehr Optionen als nötig bieten – die kommerziellen Programme sind einfacher, weil sie im Funktionsumfang beschnitten sind. Diese Programme sind noch recht einfach: VLC bietet eine einfache und eine erweiterte Oberfläche, CDex ist bis auf die Konfiguration, die man nicht machen muss, aber kann, recht simpel, und MediaCoder ist so simpel wie möglich, aber dennoch recht kompliziert: Man muss einen Codec und ein Containerformat wählen, und das ist recht kompliziert – man muss eben Ahnung davon haben. Aber wer die nicht hat, kann den Encoder vom Windows Media Player oder Movie Maker (beides bei Win XP dabei) nehmen, der ist einfach und für kleinere Fälle ausreichend. Wer mehr machen will, braucht eben Ahnung.

(An die Entwickler von „Frickelware“: Wenn normale Benutzer ein Programm nutzen sollen, kann man nicht von ihnen erwarten, dass sie sich die Teile einzeln von 5 Seiten holen und dann zusammenbauen. Die wollen einen EXE-Installer, Doppelklick und fertig. Wenn aus rechtlichen Gründen die Dateien nicht dabei sein können, entweder den Installer von irgendjemandem in einem Land, wo es kein Problem ist, hosten lassen oder die Dateien von einem „harmlosen“ Installer automatisch laden lassen. Alles andere schadet dem Ansehen von Open Source und Linux – was viele einfach gleichsetzen -, weil die enttäuschten Benutzer dann sagen, dass das Zeug nur was für Freaks ist.)