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Die Musikindustrie frisst ihre Kinder

Musiker können sich der GEMA anschließen. Dann bekommen sie Geld, wenn jemand ihre Stücke aufführt, sendet etc. Allerdings gibt es ein Problem: Die Künstler verlieren einen großen Teil der Rechte an allen eigenen Stücken – denn man kann nicht für jedes Stück einzeln, sondern nur für alle eigenen Werke gleichzeitig einen GEMA-(Knebel-)Vertrag abschließen.

Aber die GEMA ist ja nett. Sie hat eine neue Regelung eingeführt. Bis auf Weiteres dürfen Künstler, wenn sie ihre eigenen Stücke per Streaming verfügbar machen, dies kostenfrei tun! Hört ihr das? Künstler müssen für die Verbreitung der eigenen Stücke keine Lizenzgebühren mehr zahlen! Hurra! Hallo? Eigentlich sollte sowas doch selbstverständlich sein, und zwar für alle Aufführungs- und Verbreitungsarten. Die „gnädige“ Ausnahme gilt aber nur für Streaming, nicht für z. B. mp3-Download.

Wenn ein Künstler also bei der GEMA ist, muss er für seine eigenen Stücke Lizenzgebühren zahlen. Aber er bekommt sie natürlich zurück – allerdings nach Abzug eines Anteils für die GEMA! Hier sieht man wieder einmal, dass der Feinde der Künstler eben nicht die Masse der bösen Raubkopierer, sondern die Musikindustrie selbst ist! [Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.]

Aus dem GEMA-Vertrag zum Thema Kündigungsfristen:

Der Vertrag wird mit Wirkung vom [Platz für Datum] zunächst für die Dauer von sechs Jahren geschlossen.
Falls der Vertrag nicht ein Jahr vor Ablauf schriftlich gekündigt wird, verlängert er sich jeweils um sechs Jahre.

Die Liste der an die GEMA abgetretenen Rechte zitier ich hier nicht: Sie passt nicht auf eine DIN A4-Seite.

Die Nachricht, über die ich an das Thema gekommen bin: Neue GEMA-Regelung für eigene Musik – Golem.de

UPDATE: Damit Künstler ihre eigene Musik nun kostenlos verbreiten dürfen, übernimmt laut Golem. de eine Musikplattform die GEMA-Kosten unter bestimmten Bedingungen. (Kein Link zur Seite, da sie anscheinend nicht funktioniert, vieleicht überlastet) Ziemlich pervers, dass so was nötig ist, oder? Eine gute Idee ist es aber, ich hoffe nur, dass die Plattform die Künstler nicht ausnutzen wird (selbst großen Profit machen und nix abgeben, zu viele Rechte fordern etc.)

  1. j. (Independent Labelmanager)
    2006-07-07 um 17:17 UTC

    Richtig! Deshalb schlage ich jedem Künstler, der keine Chartsmusik machen will nicht Mitglied bei der Gemazu werden. Ganz einfach :)
    Ich hasse die Gema. Wir haben immer nur Ärger mit denen. Sie wollen generell immer Geld sehen. Manchmal vermuten die einfach, dass bestimmte Künstler in ihrem scheiß Verein sind und verklagen dich, obwohl es sich vor Gericht (falls sich über haupt jemand außer uns gegen die Gema erdreist zu wehren) oft die Klagen der Gema zurückgewiesen werden.
    Die Gema muss beweisen und nicht „annehmen“ dass jeder Musikproduzent in Deutschland bei ihnen Mitglied ist !
    ciao J.

  2. Komponist
    2006-07-29 um 01:18 UTC

    Ich rate allen Betroffenen, sich mit der Geschichte der GEMaund ihrer Vorläuferorganisation, der STAGMA, gegründet am 11.08.1933 (!), zu befassen. Da wird einiges deutlich, warum es dieses Monstrum gibt…

  3. skywalker
    2009-03-28 um 08:17 UTC

    wenn du die GEMA und ihre dummheit hasst, leg sie doch einfach mal ein paar Wochen/ monate lahm. das ist ziemlich einfach und wird dir eine menge spass bereiten. gemäß § 10 des Urh WG sind die GEMA-Mitarbeiter VERPFLICHTET dir auskunft zu erteilen, welcher Song und welcher Interpret von der GEMA vertreten wird und welcher nicht. stell deine anfrage in vorbereitung auf eine MÖGLICHE ÖFFENTLICHE party. du möchtest natürlich nur sicher gehen, dass alles korrekt ist. die anfrage stellst du, weil die GEMA recherche auf der website leider nur auszüge anbietet. du möchtest nämlich aufgrund der GEMA Auskunft entscheiden, welche songs du spielen wirst und welche nicht. ;) dann sendest du eine 20 seitenlange titel und interpretenliste, am besten auf karopapier ausgedruckt per post, an die bezirksdirektion, die für deinen wohnort zuständig ist oder für geizige: eine mail mit dem anhang als unveränderbares pdf. so müssen die damen und herren nämlich alle songs u.s.w. von hand in ihren rechner hauen. und bei tausenden von titeln kann das dauern…. diesen tipp gibst du noch allen deinen freunden und die ihren freunden und dann kümmert sich da bald keiner mehr um was anderes. als mögliche titellisten eignen sich die playlists von internetradios übrigens. aber wichtig!! es muss per post oder wenigstens als unveränderbare pdf versendet werden.

  4. Jan
    2009-03-28 um 14:17 UTC

    Mal abgesehen davon, dass ich von derartigen DDoS-Aktionen generell nicht viel halte: Ich halte es auch nicht unbedingt für sinnvoll, die GEMA „lahmzulegen“, einen gewissen Sinn hat sie schon. Sie erleichtert es, Rechte für die Verwendung von Musik zu kaufen, die man sonst mühsam mit jedem einzelnen Künster verhandeln müsste. Und ich gehe davon aus, wenn die Kosten steigen, wird die GEMA halt ihre Abzocke weiter erhöhen, um ihren Gewinn zu sichern. Im Endeffekt könnte es also sein, dass man mit so einer Aktion primär das Geld der Künstler verbrennt.

    Und noch ein technischer Hinweis: Aus einem „unveränderbaren“ PDF kann man immer noch Sachen rauskopieren. Bei „geschützten“ PDFs wo das gesperrt ist braucht man halt 5 Minuten um eine Software zu finden die das ignoriert. Für Briefe gibt es Texterkennung (OCR).

    Aber generell danke für die Info, dass man diese Auskunft anfordern kann. Sollte ich mal wieder hören, dass jemand eine öffentliche Party etc. macht und von der GEMA belästigt wird (Stichwort „GEMA-Vermutung“) und nur GEMA-freie Musik spielen will, dann sehe ich es als durchaus legitim, denen ein Fax mit der (echten) Liste zu schicken mit der Bitte zu bestätigen dass davon nix GEMA-belastet ist. (Fax ist mit Festnetzflat auch kostenlos, geht dank Fritzbox bequem ohne Papierversion vom Rechner aus und könnte etwas dringlicher bearbeitet werde als Post oder Mails.)

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