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Offener Brief an Google / Open Letter to Google

(English version below)

Folgenden offenen Brief möchte ich nach dem AOL-Suchdaten-Skandal an Google richten. Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen, wer sich dem Brief anschließen möchte, möge einen Kommentar oder ein Trackback hinterlassen.

Sehr geehrtes Google-Team,

die Katastrope, die AOL mit den Daten ihrer Suchanfragen „gelungen“ ist, dürfte Ihnen ja bekannt sein. Der einzige Weg, so etwas sicher zu vermeiden, ist es, solche Daten nicht zu speichern. Die US-Regierung hat ebenfalls die Herausgabe von Suchdaten gefordert. Wo keine Suchdaten sind, können keine gestohlen, veröffentlicht, herausgegeben oder beschlagnahmt werden. Ich bitte Sie daher: Sammeln Sie bitte keine derartigen Daten. Vernichten Sie bitte alle derartige Daten, die Sie bereits gesammelt haben. Der mögliche Nutzen, den solche Daten sicherlich bergen, ist das Risiko nicht wert. (Etwas anderes ist es, wenn Benutzer z. B. die personalisierte Suche benutzen wollen. Dann sollten aber nur die Daten der Benutzer, die diese Funktion verwenden, gesammelt werden, und auch da nur die absolut notwendige Menge.)

Eine wirkliche Anonymisierung der Daten z. B. durch Zusammenfassen, vollständiges Entkoppeln von Benutzer-IDs etc. wäre denkbar, nur selten gesuchte (und für die Analyse daher vermutlich unwichtige Begriffe) sollten nur sehr kurz gespeichert werden, um Suchen nach Sozialversicherungsnummern und ähnlichem nicht zu speichern, da Identitätsdiebstahl ein äußerst ernstzunehmendes Risiko ist.

mit freundlichen Grüßen

Jan Schejbal


[eng]I intend to send the following open letter to Google. Suggestions are highly welcome, if you want to support this letter, leave a comment or trackback.Dear Google-Team,the messup AOL managed to make with their search log data is probably known to you. The only way to safely avoid such things is not to collect such data. The US government also demanded the release of search data to them. If there are no search data, none can be stolen, published, leaked, given away or be seized. Therefore I am asking you: Please do not collect such data. Destroy all such data you have already collected. The possible advantage such data can provide is not worth the risk. (It is something different if users want to use the personalized search or similar features. However, then only data from users using these features should be collected, and also here only the absolutely necessary amount.)

A real anonymization of the data, for example by aggregation, completely removing any kind of user ID or similar measures would also be possible, terms that are searched for only very few times (and are therefor probably worthless for analysis anyway) should be discarded after a short time to avoid storing searches containing social security numbers and similar things. (Identity theft is a big risk.)

with best regards

Jan Schejbal

Kategorien:Sonstiges
  1. kunde
    2006-08-08 um 17:18 UTC

    Hallo,

    ich finde die idee ansich nicht schlecht, ich glaube nur nicht daran das sich Google durch einen Brief bewegen lässt die Daten nicht mehr zu Speichern! Meiner Meinung nach zieht Google einen nutzen daraus die Daten zu Speichern und auszuwerten.
    Dennoch viel Erfolg.
    Gruß
    kunde

  2. Jan
    2006-08-08 um 17:37 UTC

    wenn sich genug Leute dem Brief anschließen würden, dann könnte Google vieleicht auch überlegen, ob es vieleicht doch nicht eine gute Idee wäre. Gegen die Daten wo die Benutzerspalte ganz fehlt (man also nicht feststellen kann, welche Suchanfragen von einem Benutzer kommen) wäre deutlich weniger einzuwenden, allerdings dürften da auch versehentlich eingegebene Passwörter etc. drinstehen. Deswegen könnte man die (eh wertlosen) Einträge, nach denen in einem Monat weniger als n mal gesucht wurde, löschen. Das dann zu speichern fände ich akzeptabel, und Google hätte immer noch einen Großteil des Nutzens daraus.

  3. kunde
    2006-08-08 um 17:48 UTC

    Ich habe deinen Eintrag bei mir Veröffentlicht (siehe Trackback) und hoffe das du Erfolg hast und wir bald die Zustimmung von Google hier lesen :-)
    kunde

  4. hanna
    2006-08-09 um 15:57 UTC

    Jan, sag‘ mal, bist Du Mitglied im CCC?

  5. Jan
    2006-08-09 um 20:12 UTC

    nee, noch nicht, kann aber noch werden.

  6. 2006-08-15 um 14:19 UTC

    Also aus Sicht von Google klingt das sicher so als wolle man sie dazu auffordern die Firma zu schliessen, immerhin ist es zentraler Teil dieser Firma soviele Daten wie nur irgend möglich über seine Nutzer zu sammeln. Google Analytics, Google Browser Sync, Google Mail, Google Desktop Search… Alle diese Dienste werten erstmal primär nur aus was der User macht und wie er die Dienste nutzt um mindestens mal die bereits vorhandenen Dienste, sowie auch alle neuen, entsprechend anzupassen. Es hat doch auch seinen Grund das das alles umsonst ist, es lohnt sich eben auf andere Weise diese Dienste zu betreiben.

    Der einzige Grund, aus dem Google eventuell etwas gegen das enorme Missbrauchspotential machen würde, dass mit solchen Datenfluten zwangsläufig immer einhergeht, ist das das Vertrauen der User in deren Dienste immer weiter sinken würde, denn ob eventuell mal negative Folgen für Einzelne entstehen kümmert doch keinen. Die wirtschaftlichen Interessen gehen da einfach vor, auch wenn die Firma eventuell nicht „böse“ ist. Und gerade Angebote wie Gmail haben einen viel zu hohen Convenience Faktor, als dass Leute so ohne weiteres darauf verzichten würden. Ausserdem, normalerweise erfährt doch auch niemand, wenn seine Mails auf den Google Servern von „neugierigen Dritten“ gelesen werden. Wie will man sowas merken? Die eigenen Mails sind doch irgendwo in den USA auf einem Computer gespeichert.

    Da ist es sinnvoller selbst Hand anzulegen und dafür zu sorgen, dass man z.B. Google von sich aus gleich so wenig Daten wie möglich übergibt. Was man denen erst gar nicht gibt, kann dann auch später nicht wie ein Bumerang zurückkommen. Firefox User können etwa diese Extension einsetzen:

    http://www.customizegoogle.com/

    damit kann man ein paar nette Privacy Optionen benutzen. Jeder der im Browser Cookies erlaubt hat, bekommt welche von Google die alle seine Suchanfragen dem gleichen User zuordnen, womit ganz „nette“ Profile möglich werden. Das kann man hier einfach abschalten. Jede Suche ist dann so als sei es ein anderer User – deutlich weniger bedenklich. Auch die Auswertung durch Google Analytics kann man leicht abstellen. Normal wertet der Dienst ja alles aus was man auf einer Seite anklickt.

    Und nicht zuletzt würde ich mal sagen sollte man endlich damit anfangen auch verstärkt andere Dienste zu benutzen. Andere Suchmaschinen wie

    http://clusty.com/

    etwa haben oft sogar bessere Treffer als Google, weil die als nicht-Marktführer spürbar weniger mit Werbung überflutet sind. Wer kennt es nicht, dass bei Google erstmal 2 Seiten nur Ebay Links als Treffer zurückkommen?

  7. Jan
    2006-08-16 um 01:24 UTC

    Danke für den Hinweis auf customizegoogle, habe ich vergessen zu empfehlen, setze ich aber ein. Google hat sich leider schon geäußert, dass sie weitermachen wollen mit der Sammelei, also lass ich das mit dem Brief – wirklich viel Zustimmung hat er ja auch nicht grad bekommen.

  8. geezus
    2006-08-16 um 11:24 UTC

    Sinnloses Unterfangen. Google lebt von der Suchemaschine und davon die Daten entsprechend zu analysieren und zu nutzen (werbung, Businessintelligence, Service improvment etc.). Uber die Verwendung der Daten mach Google auch kein Geheimnis, man braucht nur mal die T&C’s zu lesen.

    Es macht also wenig Sinn Google zu bitten keine Daten mehr zu speichern.

    Wer Angst um seine Daten hat, sollte entsprechende Dienste eben nicht ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen nutzen.

  1. 2006-08-08 um 12:18 UTC
  2. 2006-08-08 um 17:26 UTC

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