Private Daten im Internet? Dumme Idee!

Viele kennen die Dienste, bei denen man kostenlos Dateien deponieren kann. Jeder GMX-User kann pro Postfach 1 GB an Dateien in seinem MediaCenter lagern, bei GMail lässt sich das Postfach auch ähnlich missbrauchen, und es gibt sicher noch hunderte weiterer Dienste. Nun, der Verfassungsschutz will auf diese Daten jetzt zugreifen dürfen.

Heise titelt gleich „Verfassungsschutz soll auf Computer übers Internet zugreifen dürfen„, die SPD hat es anscheinend auch so verstanden. Dem Inhalt des Heise-Artikels zufolge ist es noch nicht soweit, bisher wollen die Verfassungsschützer (warum hab ich das Gefühl, dass sie die Verfassung eher mit ihren Überwachungsmaßnahmen selbst immer mehr verletzen?) anscheinend „nur“ auf diese Online-Festplatten. (das Durchgestrichene ist so nicht korrekt, siehe Update unten) Da allerdings der Provider eh an die Daten kommt und es immer wieder Menschen gibt, denen Gesetze am A**** vorbeigehen, ist es eh keine gute Idee, seine Daten unverschlüsselt auf solchen Laufwerken zu speichern. Jetzt gibt es einen Grund mehr. Ungeeignet sind übrigens die integrierten Verschlüsselungsfunktionen vieler Programme wie Microsoft Word. WinRAR kann RAR-Archive recht gut verschlüsseln, ist aber nicht Open Source (also nicht öffentlich geprüft). An Open Source-Verschlüsselungsoftware kann ich neben TrueCrypt, was aufgrund der Container-Verschlüsselung für diesen Einsatz weniger geeignet ist, AXCrypt empfehlen. Open Source, verwendet AES, und ist sehr einfach zu bedienen. (Es wird beim hessischen Zentralabitur eingesetzt, und viele Lehrer, die zum Teil froh sind, dass sie wissen, was ein Computer ist, müssen es einsetzen können – das sollte für die Einfachheit Beweis genug sein.)

Hilft natürlich nicht gegen Gummischlauch-Kryptoanalyse – hoffentlich ist es in Deutschland noch nicht soweit gekommen.

UPDATE: Ich hab es mir jetzt nochmal vom Autor des Artikels erklären lassen: Es scheint zwar offiziell „nur“ um die Online-Festplatten zu gehen, der Gesetzesentwurf würde aber auch das Ausspionieren privater PCs erlauben. Die Verfassungsschützer dürften also legal den PC hacken, wenn der Entwurf so umgesetzt und entsprechend interpretiert würde. Ich glaube, ich würde ein paar zusätzliche Router anschaffen.

Anders, als Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf, der Erfinder dieses Unfugs, behauptet, sind nicht nur die Terroristen betroffen, sondern auch die, die zu Unrecht verdächtigt werden. Erinnert mich an den amerikanischen „Patrioten“, der die sofortige Tötung aller TerrorVERDÄCHTIGEN fordert und es wahrscheinlich (leider) auch noch ernst meint – tja, Rechtsstaat und Unschuldsvermutung sehen anders aus. Das Bild finde ich jetzt nicht mehr, leider. Bild hier.

Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendein Politiker fordert, dass TCPA eingeführt wird und die Polizei Remotezugriff auf jeden Privatrechner bekommt.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 2006-09-05 um 05:33 UTC

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