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Kulturelle Missverständnisse

2006-09-10 1 Kommentar

Als die Archäologen sich zum ersten Mal die Satellitenbilder ansahen, konnten sie ihren Augen nicht trauen. Aus der Epoche waren keine derartigen Bauwerke bekannt. Die Menschen der damaligen Zeit legten üblicherweise keinen großen Wert auf gigantische Bauten, und das meiste aus ihrer Zeit war verlorengegangen, weil sie ihre Informationen nicht dauerhaft speicherten. Warum sie dies taten, war unbekannt, sie schienen eine sehr weit entwickelte Kultur gewesen zu sein, doch dies war längst Vergangenheit. Die Städte waren zerfallen, von den Straßen konnte man kaum noch Spuren finden. Aber diese Einrichtung war anders. Sie war aus massivem, festem Stein. Es war die einzige auf der ganzen Welt. Auf den Steinen waren in einer antiken Sprache Botschaften eingemeißelt, die die Jahrtausende überdauert hatten – leider konnte sie niemand übersetzen. Es waren auch Bilder eingemeißelt, anscheinend ein Versuch, primitiven Kulturen eine Botschaft zu übermitteln. Sie zeigten die schmerzverzerrten Gesichter von Menschen. Vermutlich handelte es sich um einen Versuch, jeden abzuschrecken und eine rituelle Stätte oder etwas ähnliches zu schützen. So wenig Wert die damaligen Menschen – vor über 5000 Jahren – auf dauerhafte Monumente legten, dies musste etwas einzigartiges sein. Hinter einer Wand aus gigantischen Blöcken fanden sich Massen an Geröll, offenbar ein Versuch, die Gegend unwirtlich und unbewohnbar zu machen und jede nachfolgende Generation davon abzuhalten, die rituelle Stätte zu betreten. Die Grabungen wurden jedoch mit modernster Technologie fortgesetzt, und inzwischen konnte der Großteil des Gerölls beseitigt werden. Darunter befand sich eine massive Platte aus hartem, schwarzen Gestein, welche sich in der Sonne aufheizte und den Aufenthalt dort nahezu unmöglich machte. Ein derart großes, ausgeklügeltes und aufwändiges System, Eindringlinge fernzuhalten, ist in der Geschichte einzigartig. Durch Sprengungen war es jedoch möglich, die massive Platte zu durchbrechen. Während dieser Arbeiten wurden sowohl weitere Steintafeln, anscheinend mit Drohungen, entdeckt. Tausende identische Tafeln waren im gesamten Gebiet verstreut. Ein verschütteter Schacht wurde entdeckt und ausgegraben. In einer großen Tiefe wurde eine Kammer entdeckt, die mehrere große, metallische Objekte enthielt, deren Zweck bis heute unbekannt ist. Einige der Objekte sind warm, die Ursache für dieses Phänomän ist unbekannt. Die Kammer wurde vor 15 Jahren zuerst für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und stellt heute den zentralen Teil des Antikermuseums da. Es wird gemutmaßt, dass die Antiker hier eine zentrale Stätte ihrer Kultur hinterlassen haben. Einige der eiförmigen Gebilde wurden unter großen Anstrengungen an die Oberfläche geholt und mit großem Aufwand geöffnet. In ihrem Inneren befand sich, geschützt und gepolsert, ein unbekanntes Material, welches jedoch keine besonderen Eigenschaften zu haben scheint. Vermutlich hatte diese Stätte eine rituelle Bedeutung, die uns für immer verschlossen bleiben wird. Die Kammer kann täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang besichtigt werden. Wir weisen Sie darauf hin, dass von einigen Personen am Eingang oft verbreitete Behauptungen, die Kammer sei gefährlich und jeder, der sie betritt, würde sterben, keine wissenschaftliche Grundlage haben. Es handelt sich hierbei um die Verschwörungstheorien von leichtgläubigen Personen, die anscheinend auf die Behauptungen der Antiker, die Eindringlige fernhalten sollten, hereingefallen sind.

Diese Geschichte basiert auf einer Begebenheit, die in einigen Jahrtausenden wirklich passieren könnte. Mehr Informationen finden sich hier.

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Kategorien:Geschichten

Archäologie andersrum

Was würden heutige Archäologen machen, wenn sie eine seltsame, einem unbekannten Zweck dienende Stätte von gigantischen Ausmaßen entdecken, versehen mit gigantischen Steinen und vielen identischen Tafeln in unverständlicher Sprache? Und wenn sie dann auch noch merken würden, dass von dort aus Tunnel in die Tiefe führen? Genau. Sie würden dort graben, und je besser geschützt die Stelle wäre, desto eher würde das die Forscher motivieren, genauer nachzuschauen. Wenn dann tief unter dieser Stelle große, metallische, aus unerklärlichen Gründen warme Metallobjekte gefunden würden, würde man versuchen, sie aufzubekommen. Je schwerer das wäre, desto eher würde man es versuchen. Wenn die Archäologen die Tafeln halbwegs verstehen würden, und darauf Hinweise zu finden wären wie „Hier gibt es nichts zu finden, geht weg, hier nicht graben, hier wartet der Tod auf euch, ihr könnt die Gefahr nur nicht sehen, sie ist da!“ würden die Hinweise wohl als Versuch, Plünderer von einer rituellen Stätte abzuhalten abgetan und die Grabungen fortgesetzt oder gar noch beschleunigt. Warum sollten andere Leute in der Zukunft sich anders verhalten?

Dieses Problem haben US-Wissenschaftler nun. Man stelle sich vor, man hat einen großen Haufen Atommüll. Atommüll hat die dumme Eigenschaft, eine sehr große, ähm, Haltbarkeitsdauer zu haben, die die Lebensdauer von Zivilisationenen deutlich überschreitet. Man will diesen Atommüll nun verbuddeln, allerdings ist man so nett und denkt daran, wie man sicherstellen kann, dass spätere Zivilisationen keinen Schaden davontragen, z. B. wenn Archäologen den Müll wieder ausbuddeln und sich wundern, was das für ein komisches Zeug ist.

Die vorgeschlagene Lösung kann man bei „Wired News“ oder direkt bei der US-Atombehörde nachlesen: Es wird eine monumentale Anlage gebaut, die auf die Gefahr hinweisen soll. Und meiner Meinung nach liegt genau darin ein Problem: Je besser geschützt die Müllfässer wären, desto eher würde das die Forscher motivieren, sie aufzubekommen. Falls sie eine seltsame Strahlung feststellen könnten, aber ihre Gefährlichkeit nicht kennen würden, würde das wohl auch als Motivation dienen.

Ich denke aber, dass eine recht gute Chance besteht, dass spätere Zivilisationen durchaus wissen werden, was Atommüll und Radioaktivität sind, und vor allem, dass man einen weiten Bogen drum machen sollte, denn entweder das Wissen wird überliefert, weil unsere Zivilisation nicht völlig untergeht, oder aber unsere Nachfolger werden wissen, dass sie den Verlust unserer Zivilisation einem Atomkrieg zu verdanken haben (Radioaktiver Fallout überall dürfte da als Erinnerungshilfe dienen). Am sinnvollsten hielte ich es übrigens immer noch, den Atommüll wie geplant tief zu vergraben, aber die Hinweise darauf ebenfalls (nur wenige bis ein paar dutzend Meter über dem Müll), sodass die Gefahr, dass überhaupt etwas entdeckt wird, stark reduziert wird.

Vieleicht schreibe ich zur Belustigung der Leser noch eine Sci-Fi-Geschichte, in der ein zukünftiger Archäologe den Atommüll ausgräbt. Bis dahin kann ich nur empfehlen, meine Geschichte „Homo Sapiens“ zu lesen.

UPDATE: Die Geschichte ist jetzt hier zu lesen.

Kategorien:Newskommentare