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Archäologie andersrum

Was würden heutige Archäologen machen, wenn sie eine seltsame, einem unbekannten Zweck dienende Stätte von gigantischen Ausmaßen entdecken, versehen mit gigantischen Steinen und vielen identischen Tafeln in unverständlicher Sprache? Und wenn sie dann auch noch merken würden, dass von dort aus Tunnel in die Tiefe führen? Genau. Sie würden dort graben, und je besser geschützt die Stelle wäre, desto eher würde das die Forscher motivieren, genauer nachzuschauen. Wenn dann tief unter dieser Stelle große, metallische, aus unerklärlichen Gründen warme Metallobjekte gefunden würden, würde man versuchen, sie aufzubekommen. Je schwerer das wäre, desto eher würde man es versuchen. Wenn die Archäologen die Tafeln halbwegs verstehen würden, und darauf Hinweise zu finden wären wie „Hier gibt es nichts zu finden, geht weg, hier nicht graben, hier wartet der Tod auf euch, ihr könnt die Gefahr nur nicht sehen, sie ist da!“ würden die Hinweise wohl als Versuch, Plünderer von einer rituellen Stätte abzuhalten abgetan und die Grabungen fortgesetzt oder gar noch beschleunigt. Warum sollten andere Leute in der Zukunft sich anders verhalten?

Dieses Problem haben US-Wissenschaftler nun. Man stelle sich vor, man hat einen großen Haufen Atommüll. Atommüll hat die dumme Eigenschaft, eine sehr große, ähm, Haltbarkeitsdauer zu haben, die die Lebensdauer von Zivilisationenen deutlich überschreitet. Man will diesen Atommüll nun verbuddeln, allerdings ist man so nett und denkt daran, wie man sicherstellen kann, dass spätere Zivilisationen keinen Schaden davontragen, z. B. wenn Archäologen den Müll wieder ausbuddeln und sich wundern, was das für ein komisches Zeug ist.

Die vorgeschlagene Lösung kann man bei „Wired News“ oder direkt bei der US-Atombehörde nachlesen: Es wird eine monumentale Anlage gebaut, die auf die Gefahr hinweisen soll. Und meiner Meinung nach liegt genau darin ein Problem: Je besser geschützt die Müllfässer wären, desto eher würde das die Forscher motivieren, sie aufzubekommen. Falls sie eine seltsame Strahlung feststellen könnten, aber ihre Gefährlichkeit nicht kennen würden, würde das wohl auch als Motivation dienen.

Ich denke aber, dass eine recht gute Chance besteht, dass spätere Zivilisationen durchaus wissen werden, was Atommüll und Radioaktivität sind, und vor allem, dass man einen weiten Bogen drum machen sollte, denn entweder das Wissen wird überliefert, weil unsere Zivilisation nicht völlig untergeht, oder aber unsere Nachfolger werden wissen, dass sie den Verlust unserer Zivilisation einem Atomkrieg zu verdanken haben (Radioaktiver Fallout überall dürfte da als Erinnerungshilfe dienen). Am sinnvollsten hielte ich es übrigens immer noch, den Atommüll wie geplant tief zu vergraben, aber die Hinweise darauf ebenfalls (nur wenige bis ein paar dutzend Meter über dem Müll), sodass die Gefahr, dass überhaupt etwas entdeckt wird, stark reduziert wird.

Vieleicht schreibe ich zur Belustigung der Leser noch eine Sci-Fi-Geschichte, in der ein zukünftiger Archäologe den Atommüll ausgräbt. Bis dahin kann ich nur empfehlen, meine Geschichte „Homo Sapiens“ zu lesen.

UPDATE: Die Geschichte ist jetzt hier zu lesen.

Kategorien:Newskommentare
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