Killerspiele nein, echtes Töten ja?

Nach Ansicht der Regierung sollen sogenannte „Killerspiele“ verboten werden oder zumindest Jugendlichen der Zugang dazu stark erschwert werden. Das Ganze geschieht (angeblich), um zu verhindern, dass Jugendliche irgendwann Amok laufen.

17-jährige Jugendliche sollen also auf keinen Fall solche Spiele spielen dürfen/können. Nach § 5 Abs. 1a WPflG können Jugendliche ab 17 Jahren jedoch auf eigenen Wunsch hin bereits zum Grundwehrdienst herangezogen werden. Während 17 Jahre alte Jugendliche also noch nicht sämtliche Computerspiele, in denen die Tötung von Menschen dargestellt wird, kaufen und spielen dürfen, können sie sich durchaus bereits vom Staat (!) dazu ausbilden lassen, in der Realität auf echte Menschen zu schießen.

Und im Gegensatz zu „Killerspielen“, die oft durchaus auch eine von Gewalt abschreckende Wirkung haben können (Krieg wird in vielen Kriegsspielen wie z. B. „Call of Duty“ äußerst negativ dargestellt), werden Jugendliche bei der Bundeswehr gezielt darauf trainiert, auf Menschen zu schießen, mit dem Ziel, diese zu töten, und dabei eventuell vorhandene Hemmungen zu überwinden. Sie bekommen echte Waffen und Munition in die Hand gedrückt, lernen damit umzugehen. Somit sind sie, im Gegensatz zu Computerspielern, durchaus in der Lage, eine echte Waffe zu bedienen und damit jemanden zu treffen. Zudem wird es sicherlich leichter sein, beim Wehrdienst inklusive Waffe zu verschwinden und am nächsten Morgen an der alten Schule aufzutauchen, als sich zunächst eine Waffe anderswoher besorgen zu müssen (auch wenn es natürlich nicht besonders einfach sein wird). Auf der einen Seite hat man also angeblich Angst vor Killerspielen, die die Jugendlichen verrohen lassen, und auf der anderen Seite versucht man genau das zu erreichen. Ich liebe es, wenn die Politik konsequent und vernünftig handelt…


Nebenbei noch zur leidigen „Killerspiel-Thematik“ allgemein: Ich habe, auch als ich noch nicht 18 war, sowohl diverse Arten von sogenannten „Killerspielen“ gespielt, von Counterstrike über America’s Army bis zu einem Spiel, dessen Namen ich hier nicht erwähnen werde. (Ist in Deutschland indiziert, und im Gegensatz zu z. B. UT2003 meiner meiner Meinung nach ist dies zumindest sehr gut nachvollziehbar! In einigen anderen Ländern ist sogar der bloße Besitz verboten.) Ich bezweifle, dass eines der Spiele irgendeinen negativen Einfluss auf mich hatte. Ich habe bisher nie den Wunsch verspürt, mir eine oder mehrere Waffen zu schnappen, durch (m)eine Schule zu laufen und dabei möglichst viele unschuldige Menschen mehr oder weniger grundlos zu töten oder zu verletzen. Ich habe auch bereits mit einer echten Waffe geschossen – und zwar natürlich auf einem Schießstand unter Anleitung. Machen mich diese Dinge zum potentiellen Amokläufer? Ich bezweifel das sehr. Aber dafür kann ich den Unterschied zwischen dem Schießen in Computerspielen und dem Schießen mit einer echten Waffe beurteilen. In einem Spiel kann man nicht schießen lernen, Punkt. In den kritisierten Spielen wird meist mit einem Fadenkreuz in der Mitte des Bildschirms gezielt, nur sehr selten über Kimme und Korn. Selbst in letzterem Fall sind Kimme und Korn bereits gerade ausgerichtet, mit einer Mausbewegung richtet man nur die Waffe auf ein Ziel. Mit der Realität hat dies nahezu nichts zu tun. Ein Amokläufer kann definitiv nicht „den Amoklauf am Bildschirm trainieren“, wie es von den Medien gerne dargestellt wird. Außerdem kann er keine Waffe aus dem Bildschirm ziehen, er muss sie erst einmal bekommen. Dafür kann eine gewalttätige Person durchaus mehr als andere dazu tendieren, derartige Spiele zu spielen. Da hier die Tendenz zur Gewalt allerdings die Ursache für das Spielen solcher Spiele ist, und nicht umgekehrt, wie es gerne behauptet wird, wird ein Verbot der Spiele nichts bringen. (Selbst wenn es wirksam wäre, was es nicht ist, da diese Spiele über das Internet leicht zu beschaffen sind.) Zudem wird einigen Menschen vieleicht die Möglichkeit genommen, ihre Gewalt virtuell auszuleben, statt sie in der Realität umzusetzen (wobei ich nicht beurteilen kann, ob dies wirklich häufig der Fall ist oder ob es nur eine Behauptung der Fans solcher Spiele ist).

UPDATE:
Ich habe heute (2007-02-19) über Abgeordnetenwatch.de (super Idee mit der Website, übrigens!) an Frau Bär, eine CSU-Abgeordnete, die im Ausschuss für Neue Medien sitzt, eine auf diesem Text basierte Frage gestellt, und veröffentliche diese hier:

Sehr geehrte Frau Bär,
können Sie mir bitte erklären, warum sogenannte „Killerspiele“ erst ab 18 Jahren oder gar nicht verfügbar sein sollen (zumal diese sogenannten „Killerspiele“ sicherlich nicht dazu führen, dass die Spieler mit echten Waffen umgehen können), dafür Jugendliche aber nach § 5 Abs. 1a des Wehrpflichtgesetzes bereits mit 17 Jahren zum Grundwehrdienst können, wo sie lernen, mit echten Waffen zielgenau auf Menschen zu schießen, ihnen Waffen und scharfe Munition, oft ohne ausreichende Aufsicht, ausgehändigt werden, ihre Hemmung, auf Menschen zu schießen, gezielt gesenkt wird und das alles auch noch durch den Staat gefördert wird?

Ich habe nichts gegen die Bundeswehr und bin nicht der Meinung, dass Jugendliche durch die Grundausbildung gewalttätig werden. Mich wundert nur dieser offensichtliche Widerspruch, denn in einem Spiel kann man nicht schießen lernen. In den kritisierten Spielen wird meist mit einem Fadenkreuz in der Mitte des Bildschirms gezielt, nur sehr selten über Kimme und Korn. Selbst in letzterem Fall sind Kimme und Korn bereits gerade ausgerichtet, mit einer Mausbewegung richtet man nur die Waffe auf ein Ziel. Mit der Realität hat dies nahezu nichts zu tun. Ein Amokläufer kann definitiv nicht “den Amoklauf am Bildschirm trainieren”, wie es von den Medien gerne dargestellt wird. Außerdem kann er keine Waffe aus dem Bildschirm ziehen, er muss sie erst einmal bekommen.

Zudem möchte ich Sie fragen, wie Sie verhindern wollen, dass gewalttätige Computerspiele von Jugendlichen aus dem Internet heruntergeladen werden. Eine Zensur des Internets ist in einer Demokratie weder erwünscht noch möglich. Ich befürchte, dass ein Verbot in Deutschland nur dazu führen würde, dass die Jugendlichen kostenlos die brutalere englische Version herunterladen und die Hersteller nichts dagegen unternehmen werden, da ihnen noch nicht einmal Gewinne entgehen. Wie sehen Sie das?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

mit freundlichen Grüßen
Jan Schejbal

  1. Christian
    2007-02-19 um 14:34 UTC

    Das man während einer Grundausbildung mit der Waffe verschwinden kann, ist schon sehr übertrieben dargestellt. Zumal die Waffe oder besser gesagt die Punktwaffe erst an der Stadion ausgehändigt wird. Mit dem Magazin das man durch die Munischlampe empfängt, nachzählt und mit „richtig übernommen“ quitiert.

    Da beim Schützen u.A. das Sicherheitspersonal steht und sofort einen umschlagen kann, wirkt zusätzlich noch als Sicherheitsmaßnahme….

    Richtig einfach eine Waffe zu entwenden wirds aber in der Stammeinheit wo die Sicherheitsbestimmungen nicht mehr so im detail beachtet werden (meine Erfahrung).

    Im übrigen bin ich aber deiner Meinung, psychisch labile Menschen denen alles egal ab einem bestimmten Punkt der Depressionen ist und anderen die Schuld an ihren Problemen zuweisen. Sind die Gefahr, nicht die Spieler.

    Beachter man die Statistik alleine an CS Spielern im Vergleich zu der Anzahl an Amokläufer wirk diese These der Politik wie ein schlechter Scherz. Im übrigen tendiere ich eher zu negativen Effekten wenn diese Spiele nicht mehr existieren. Zum einen wirtschaftliche Aspekte in der Spielebranche als auch die Wirkung auf die Spieler selbst die nun mehr ihren Ärger nicht mehr kanalisieren können….Ein andere Kehrseite der Medaillie ist die Ankurpelung des Schwarzmarktes eben durch diese Verbote.

    Für mich selbst waren Egoshooter nur zum Abreagieren sprich Ärger ablassen. Deshalb habe ich auch keinen einzigen Egoshooter jemals durchgespielt. Weils mir ab einem bestimmten Punkt einfach zu nervig wurde.

    Das ganze Streben in der Politik ist ohnehin lächerlich. Sie machen sich die Sache einfach zu einfach wie in vielen anderen Bereichen…Damals wurden auch Bildungssystem durch Experten genannt die uns in ein paar Jahren einholen werden, wenn nichts getan wird. Ernst genommen hats keiner, dafür gibts ja jetzt Studiengebühren. Die „verheizt“ werden sollen.

    Langsam schreit es nach einer Revolte gegen das System. Inkompetenz darf nicht regieren !

  2. Jan
    2007-02-19 um 16:28 UTC

    Sorry, ich meinte natürlich nicht während der Grundausbildung, sondern während des restlichen Grundwehrdienstes. Zu bedenken ist dabei ja auch noch, dass es einem Amokläufer egal sein dürfte, ob es noch jemand anderes tötet, um in Ruhe mit der Waffe abhauen zu können (z. B. bei einer Nachtwache).

  3. Christian
    2007-02-19 um 17:20 UTC

    Da gebe ich dir vollkommen recht….

    Meiner Meinung nach sollten sich die Politiker erstmal mit der Thematik beschäftigen, anstatt sich Gedanken über Dinge zu machen die ausserhalb ihrer Generation stattfinden.

    Das einzige was die Politik im Hinblick auf Amokläufer tun kann, ist es Früherkennungssysteme zu entwickeln an Schulen, gezielte Aufklärung.

    Eine Politik wird dann Opfer von Revolutionen, wenn diese anfängt über die Allgemeinheit Verbote auszusprechen was gut für Jemanden ist oder nicht oder anfängt Überwachungsprogramme ins Leben zu rufen (siehe Polizeitrojanerthematik)

    Denn dann werden die demokatrischen Grundpfeiler verletzt und es zeichnet sich „willkür“ ab.

  4. frank
    2007-02-24 um 18:26 UTC

    Das ist doch zu viel, wenn du von Politikern verlangst, dass sie sich mit einem/dem Thema auseinandersetzen!!elf Im Ernst, ich glaub nicht, dass gerade die Altersklasse, die in der Politik an den entsprechenden Stellen vertreten ist, für so etwas Verständnis aufbringen kann. Ausserdem geht’s doch im Endeffekt sowieso nur um die Wählerstimmen, und da ist die Jugend schon zahlentechnisch unterlegen.
    Bei deinem Vergleich von Alter des fps-Spielers und Alter des BW-Rekruten darfst du auch nicht vergessen, dass einer beim Spielen nur für die eigene Unterhaltung/Spannung sorgst, der Rekrut aber für den Staat schiessen lernt (und möglicherweise später jemanden erschiesst). Ergo, wenn schon, dann doch bitte nur für den Staat. Ich erwarte gar nicht mehr, dass Politiker in dieser Beziehung eine sachliche und faire Diskussion führen. Das haben die schon bei weniger brisanten Themen nicht gemacht. Ich verleg mich eher darauf, nach den Sendungen von zdf.reporter und panorama zum Thema, TV abzulehnen und meinen Informationsbedarf andernorts zu decken. Danke für den Artikel (und den anderen).

  5. Christian
    2007-02-26 um 21:02 UTC

    Das ist aber das Kernproblem, wenn sich die Politiker sich nicht mit einer Thematik „richtig“ auseinandersetzen, exisitert keine handlungsfähige Legislative bzw. Exekutive.

    Es ist klar das sich die Menschen nicht in allen Belangen auskennen können, aber dafür scharen die Politiker Herrscharen an Experten und Wirtschaftsweißen um sich.

    Schlimm ist nur das heutzutage eine Hetzpresse exisitert und sich alles nur um Einschaltquoten dreht? Vielleicht auch eines der wichtigen Gründe weshalb ich meinen Mediumkonsum nur auf wenige Serien, Nachrichtensendungen beschränke.

    Die ältere Generation kann dies nicht mehr nachvollziehen, daher sollten auch zu einem Teil Jungpolitiker im Landtag/Bundestag vertreten sein. Es sei denn das Ziel der Politiker ist es den Generationenvertrag noch mehr im wanken zu sehen durch vermehrte Abwanderung junger Leute.

  6. thsm1l3y
    2007-02-27 um 10:31 UTC

    Ich denke, die Politiker haben nicht die Lust sich mehr mit diesen Themen auseinanderzusetzen, als irgend nötig. Die Politik hat nach dem Amoklauf nach einer guten Ausrede gesucht und sie (leider) in den sog. „Killerspielen“ gefunden.

    Das keiner der Politiker auch nur ansatzweise weiss, wie ein solches Spiel aussieht, geschweige denn, worum es tatsächlich geht (nämlich nicht um das „vergewaltigen von Frauen“ oder „das Töten möglichst vieler Gegner“) ist anzunehmen.

    Die unparteiischen und gut recherchierten, sachlichen Berichterstattungen tuen ihr übriges, um die Teile der Bevölkerung, die sich mit der Materie nicht auskennt, vollends zu verblenden.

    Ich hoffe, dass dieser „Hexenwahn“ bzw. „Killerspielwahn“ bald ein Ende hat und dass die Politiker einsehen, dass sie den Bogen um ein Vielfaches überspannt haben. Nur fällt das Glauben an den „Verstand im Politiker“ mittlerweile sehr schwer.

  7. thsm1l3y
    2007-02-27 um 10:32 UTC

    Die unparteiischen und gut recherchierten, sachlichen Berichterstattungen tuen ihr übriges, um die Teile der Bevölkerung, die sich mit der Materie nicht auskennt, vollends zu verblenden.

    Errata: Dieser Teil ist selbstverständlich als Ironie aufzufassen.

  8. Nico
    2007-03-03 um 09:22 UTC

    Eine gute analyse, ich bin froh wenn ich nicht nur schlechtes über „killerspiele“ höre, da ich auch zu den sogenannten „Killer-spiel“ spielern gehöre, ich finde es schade wenn die Medien schwachsinn schreiben (Ich hatte noch nie das bedürfnis jemanden zu töten bzw. zu verletzen)und verrückte die einfach töteten gab es auch schon vor „Killerspielen“.

  9. Gonz
    2007-03-15 um 00:52 UTC

    Guten Tag
    Herr Schejbal hatt sehr gute Arbeit geleistet. Nur gib es doch schon zig Sendungen in denen die Killerspiele(lach) zitiert worden sind zum teil auch gegen das Gesetz. Ich frage mich was wohl mit unserer Gemeinschaft wird wenn alles gegen die Politik läuft. Mir hatt es den anschein (in sicht der jugendlichen) das der staat alles vergeigt und nicht richtig macht. Was passiert mit uns wenn wir keinen Respekt mehr vor der Politik und dem demokratischen Deutschland haben? Anarchie? Ich weis es nicht aber in den letzten Jahren sind die meisten meiner Freunde nichtmehr zum Wählen gegangen was schonmal einige Stimmen verschenkt. Egoshooter hin oder her. Es gab auch schon gewalt bevor es überhaupt Computer und Konsolen gab. Und warum die härtesten Drogen im supermarkt stehen und warum man für 0,2 gramm Marihuana 650 € löhnen muss kann ich der Politik auch nicht nachvollziehen den auf Alkohol wird man denk ich schneller Agressiv( auch wen man der friedlichste Mensch ist) als auf Marihuana. Skateboarder sind auch Terroristen den sie machen die obstacles kaputt. Man müsste über die Perspektiven der Jugendlichen und Kinder sprechen und sie ihnen nicht wegnehmen (Skateboarden-Verboten,Ballspielen-Verboten-Schilder). Die Jugend versaut weil die Eltern in der teuren Welt Geld ranschaffen müssen während die Kinder vor der Glotze sitzen und MortalCombat kucken. Die Eltern haben auch das Geld für Kindertagesstätten nicht deshalb steigt auch die Gewalt an Schulen, wie man in letzter zeit aus medien erfassen konnte. Wohl oder Übel schnitzen wir unser Schicksal so zusammen wie wir uns es nicht vorgestellt haben. Deshalb bringt ein Verbot solcher spiele nichts da sonst auch wieder eine Perspektive von teambereitschaft und zusammenhalt (worum es in den spielen haupsächlich geht) fehlt. Bis mal einer in den Bundestag fliegt.
    Guten Tag

  10. nobert
    2008-09-08 um 18:38 UTC

    ich finde das das blödsinn ist…es gibt auch leute die 40 sind die leute töten und welche die 17 sind…

  1. 2007-02-23 um 11:48 UTC

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