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Analyse des Panorama-Beitrags gegen „Killerspiele“

2007-02-23 107 Kommentare

Die NDR/ARD-Sendung Panorama hat am 22.02.2007 noch einen weiteren hetzenden und parteiischen Beitrag gegen sogenannte „Killerspiele“ gesendet. Dieser Artikel befasst sich mit der Analyse des Beitrags, nicht mit der „Killerspiel“-Thematik an sich. Zu dem Thema schreibe ich vieleicht später mehr, kurz gesagt halte ich die Verbotsdebatte und den bayrischen Gesetzesvorschlag (den ich auch analysiert habe und der deutlich mehr besagt als nur ein Verbot von „Killerspielen“) für übertrieben und nicht mit den Grundgesetz vereinbar.

Einen Videostream mit dem Originalbeitrag kann man sich hier anschauen (neuer Link – Zeiten leider verschoben, zu den hier angegebenen Zeiten +30 sek. rechnen), die Kurzbeschreibung der Sendung hier. Der Beitrag strotzt nur von Voreingenommenheit, aber auch grundsätzlichen sachlichen Fehlern – einige davon sind Ungenauigkeiten, andere sind schlichtweg Lügen, die nach einer Gegendarstellung schreien (ich werde mich bemühen, dafür zu sorgen, dass eine entsprechende Gegendarstellung gesendet wird/werden muss).

Der Unsinn fängt bereits in der Kurzbeschreibung der Sendung an: Sehen wir von der Behauptung „Sie kämpfen auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs, mit Original-Waffen und in Wehrmachtsuniform“ (aus dem 2. Weltkrieg) verwendet werden, die insoweit unwahr ist, als es sich nur um eine Simulation und somit nicht um Originalwaffen handeln kann, erst einmal ab, denn sie wird korrekt relativiert „Sie kämpfen virtuell“. Unschön, eher für die Bild-Zeitung als für eine seriöse Sendung passend, aber so etwas muss man wohl hinnehmen. Die Behauptung (Hervorhebung von mir):

Das Spiel „Call of Duty“ ist eins von vielen brutalen Computerspielen, die nur ein Ziel haben: Das Töten von möglichst vielen Gegnern.

ist jedoch sachlich falsch. In Call of Duty muss man meist Missionen erfüllen, die Anzahl getöteter Gegner ist dabei nebensächlich. Eine Ausnahme bildet der Deathmatch-Modus, dieser ist jedoch nur ein Teil des Spiels und die Behauptung, das Töten möglichst vieler Gegner sei das einzige Ziel, ist somit eindeutig falsch.

Es folgt die Passage:

Im Bundesrat haben vor wenigen Tagen einige Bundesländer einen Antrag auf Verbot solcher Spiele gestellt.

Soweit ich weiß waren „einige“ hier genau zwei, nämlich Bayern und Niedersachsen. Sie sind damit außerdem auf erheblichen Widerstand gestoßen, siehe heute.de. Es kann sein, dass ein anderer Antrag gemeint ist, aber soweit ich weiß gibt es nur diesen einen, der ein Verbot fordert. Eine Durchsetzung der bisherigen Jugendschutzbestimmungen (also kein Verkauf an Jugendliche unter der jeweiligen Altersgrenze) ist kein Verbot und auch nicht sehr umstritten und meiner Meinung nach auch teilweise sinnvoll. Das erwähnte Verbot bezieht sich auf ein – meiner Meinung nach verfassugnswidriges – Herstellungs-, Verbreitungs- und Besitzverbot – auch für Erwachsene! Panorama beschwert sich auch noch, dass noch kaum Spiele verboten wurden:

Doch die Bundesjustizministerin Zypries hält die bisherigen Gesetze für ausreichend – auch wenn damit bislang kaum ein Spiel verboten wurde.

Seltsam aber auch: „Ab 18“ bedeutet nämlich nicht „Verboten“. Ein Abgabeverbot an Jugendliche (so wirkungslos es sein mag) ist eine Maßnahme des Jugendschutzes, und dieses wurde oft genug ausgesprochen. Soweit ich weiß fallen alle Spiele, die als Beispiele gezeigt wurden, in diese Kategorie. Ein generelles Verbot hingegen ist ein Eingriff in die Kunstfreiheit, der -zu Recht – sehr strengen Richtlinien unterliegt, schließlich ist die Kunstfreiheit ein grundgesetzlich geschütztes Grundrecht.

Soviel zur Kurzbeschreibung des Beitrags!

Hier geht es weiter zum restlichen Text

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