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Archive for März 2007

Langsam wirds zu viel

2007-03-31 6 Kommentare

Langsam wird es echt zu viel, was in der Welt an Unsinn abläuft. Ich kommentiere alles nur kurz, da ich nicht die Zeit und Lust habe, ausführliche Artikel zu verfassen und anderswo schon oft alles Wichtige gesagt wurde. Wer mehr wissen will, kann die verlinkten Artikel lesen. Wer Fragen an mich hat, mehr wissen will, etwas ergänzen möchte etc.: Unten ist ein anmeldefreies Kommentarfeld.

Schäuble hat die Anti-Terror-Datei aktiviert. Damit können alle Sicherheitsbehörden auf die Daten von „Terrorverdächtigen“ zugreifen. Dinge wie Persönlichkeitsrecht, Datenschutz und Privatsphäre interessieren Schäuble dabei natürlich nicht. Es würde mich interessieren, ob er wirklich mit guten Absichten handelt und denkt, für die Sicherheit in einem Rechtsstaat sei die langsame Abschaffung rechtsstaatlicher Grundsätze hilfreich, oder ob er plant, so früher oder später ihm unliebsame Meinungen mit Polizeistaatsmethoden auszuschalten. Zitat aus der oben verlinkten Heisemeldung:

In einem ersten Schritt sind in der […] Anti-Terrordatei die so genannten Grunddaten islamistischer Terrorverdächtiger enthalten. Dies sind Informationen wie Namen, Geschlecht, Geburtsdatum und ­ort, Staatsangehörigkeiten, besondere körperliche Merkmale, Lichtbilder oder die „Fallgruppe“. In letzterer ist auszuführen, ob es sich etwa um ein Mitglied oder einen Unterstützer einer terroristischen Vereinigung, extremistischen Gruppierung mit Hilfsleistung für eine solche, einen Ausübenden, Unterstützer, Vorbereiter oder Befürworter terroristischer Gewalt wie Hassprediger oder eine Kontaktperson handelt. Dabei müssten „tatsächliche Anhaltspunkte“ vorliegen, dass Berührungspunkte zum Terrorismus vorhanden seien, betonte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Der Bäcker, bei dem sich ein Verdächtiger Brötchen hole, dürfe etwa nicht gespeichert werden.

In einem ersten Schritt? Aha, mehr ist also geplant. Unter „Hassprediger“ könnte man auch jeden auftauchen lassen, dessen Meinung Schäuble nicht passt. Der Bäcker darf vieleicht nicht gespeichert werden, aber ob das so funktionieren wird? In bereits existierenden Dateien (z. B. Gewalttäter Sport in Deutschland, No-Fly-List in den USA) stecken bereits ziemlich viele vollkommen Unschuldige ohne Bezug zu Terror und Gewalt – es würde mich wundern, wenn es hier anders sein wird. Außerdem könnte jeder, der drinsteht, nicht als „verdächtig“, sondern als „ziemlich sicher schuldig“ gelten – eine Aufhebung einer weiteren rechtsstaatlichen Grundlage, der Unschuldsvermutung. Insbesondere im Zusammenhang mit der Aufnahme von Leuten, die leichte Verdachtsmomente bieten (z. B. „Ist Muslim“) wird das wohl sehr unschöne Folgen haben. In den USA sieht man sie bereits: Viele Unschuldige werden in ihrem Leben eingeschränkt, weil wieder mal was schiefgelaufen ist.

ERGÄNZUNG: Ich hatte noch ein wichtiges Zitat vergessen. (Aus dem Heise-Artikel)

So betonte [Schäuble], dass „ein Höchstmaß an Datenschutz gesichert“ und der Datenschutz „kein Feigenblatt, sondern ein Maßanzug“ für die Anti-Terrordatei sei.

Den Eindruck habe ich zwar auch, nur verstehe ich „Maßanzug“ anders. Ich verstehe auch nicht ganz, wieso sich die Anti-Terror-Datei unter dem „Feigenblatt“ des Datenschutzes verstecken sollte, denn mit Datenschutz hat sie ja nicht wirklich was zu tun. Mit dem „Maßanzug“ kann ich aber zustimmen: Die Datenschutz-Gesetzgebung wurde wirklich „maßgeschneidert“: Wo sie störte, wurde eine Ausnahme für die Anti-Terror-Datei geschaffen. So hat Schäuble das wohl nicht gemeint. Ob er sich verplappert hat?

Das US-Department of Homeland Security (die Antiterrrorbehörde) fordert den Generalschlüssel für das Domain Name System und somit für das Internet. Dazu ist etwas Hintergrundwissen nötig. Gibt man z. B. „www.google.de“ in den Webbrowser ein, muss der Computer zuerst die IP-Adresse (vergleichbar mit einer Telefonnummer) des Servers, der die Website http://www.google.de beinhaltet, herausfinden. Dazu fragt er einen sogenannten DNS-Server „Welche IP hat http://www.google.de?“. Dieser Server holt sich die Antwort vom zentralen Server und beantwortet die Frage (stark vereinfacht) „Die IP ist 209.85.135.104“. Dann verbindet sich der eigene Rechner zu dieser IP und sendet den Befehl „Website schicken“, woraufhin der Google-Server die Website an den anfragenden Rechner schickt und dieser die Seite anzeigt. Wenn nun der DNS-Server eine andere IP liefern würde, würde der Computer nicht bei Google, sondern z. B. bei der US-Regierung nachfragen und könnte eine gefälschte Website geliefert bekommen. Um Manipulationen zu verhindern, sollen nun die DNS-Daten mit einem Schlüssel gesichert werden – und diesen Generalschlüssel will die US-Regierung, die somit zur Regierung des weltweiten Internets würde.

Die geplante EU-Verfassung soll Widersprüche zum Grundgesetz beinhalten (und könnte es eventuell so aushebeln). Insbesondere haben sich die Lobbyisten der Contentindustrie dort ausgetobt und wollen das geistige Eigentum eingetragen haben (d. h. das Urheberrecht soll in der Verfassung verankert werden) und vor allem dieses geistige Eigentum keiner Sozialbindung unterwerfen. Das Grundgesetz hingegen fordert, dass Eigentum im Sinne der Allgemeinheit genutzt wird. Weitere Elemente des Grundgesetzes stehen auch im Widerspruch mit der EU-Verfassung, die offenbar auch eine Schwächung der für die Demokratie wichtigen Gewaltenteilung enthält. Eventuell wird diese Verfassung dann von deutschen Politikern dazu missbraucht, das Grundgesetz außer Kraft zu setzen: Die EU-Verfassung steht ja darüber. Schlimmstenfalls könnte so das Bundesverfassungsgericht (im Moment meiner Meinung nach das einzige Organ, was den Rechtsstaat aufrecht erhält) entmachtet werden. Hoffentlich komme ich hier dann noch raus, bevor die Mauer gebaut wird. (Die Taktik, unvertretbare Dinge zunächst auf EU-Ebene durchzusetzen, wo sie nicht auffallen und somit niemand was dagegen unternimmt, scheint recht beliebt zu sein, siehe z. B. Vorratsdatenspeicherung und Urheberrecht)

Schäuble will dem BKA umfassende Überwachungsrechte einräumen – die Mautdaten sollen so nun zur Strafverfolgung genutzt werden (was im Mautgesetz explizit ausgeschlossen ist, um die Maut datenschutzkonform zu machen). Weiterhin sollen die Berechtigungen zum Abhören von Telekommunikation und Wohnungen ausgeweitet und eine Onlinedurchsuchung von privaten Computern (ohne Wissen des Besitzers – ein elementarer Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen!) erlaubt werden. Toll.

Wenigstens gegen die Herausgabe von eigentlich besonders geschützten Verbindungsdaten an Privatunternehmen – ohne Überprüfung durch einen Richter – und somit die teilweise Aufhebung des Fernmeldegeheimnisses protestiert jetzt wenigstens ein halbwegs einflussreicher Verband, nämlich der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco. Für einen Rechtsstaat allerdings ist es eine Schande, dass solche Ideen überhaupt in Erwägung gezogen werden. Aber die Regierung legt wohl eh keinen großen Wert darauf, den Rechtsstaat aufrechtzuerhalten.

Die Tendenz zur Überwachungsgesellschaft wird auch von den Datenschützern kritisiert.

Ausnahmsweise nicht Deutschland betreffend, aber auch unschön, ist die Sperrung aller SMS-Dienste in Kambodscha. Ich kenne den genauen Hintergrund nicht, aber offiziell geschieht dies, um eine Beeinflussung der Wähler kurz vor der Wahl und das Organisieren von „Unruhen“ zu erschweren. Ob damit allerdings nicht eher auch demokratische Proteste gemeint sind, weiß ich nicht. Jedenfalls ist eine derartige Sperre meiner Meinung nach definitiv ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Zypries will möglichst schnell das Patentsystem reformieren – das Drängen auf Schnelligkeit ist oft ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt (nicht umsonst betonen Betrüger oft die Dringlichkeit des Geschäftes). Und auch hier gibt es (natürlich gerne unter den Teppich gekehrte) Bedenken: Eventuell könnten Softwarepatente so durch die Hintertür eingeführt werden. Was daran schlimm ist? Wenn es einen nicht stört, dass nur noch Microsoft-Produkte den Doppelklick benutzen könnten und jeder Softwareentwickler ständig von irgendwem verklagt werden würde, dann nichts.

Die CDU Sachsen will „Killerspiele“ verbieten – und dazu technische Filter einsetzen. Auf gut deutsch: Das Internet zensieren (ein bei der CDU und CSU sehr beliebtes Vorhaben). Natürlich im Namen des Jugendschutzes. Meiner Meinung nach müsste der Jugendschutz eher inzwischen abgeschafft werden – so sinnvoll und teilweise nötig er auch ist, das Missbrauchspotential ist einfach zu groß. Solche Filter haben übrigens den Nachteil, dass auch Erwachsene behindert werden und sofern sie automatisch arbeiten, sie ziemlich viele harmlose Inhalte filtern, um einen Teil der unerwünschten Inhalte zu erwischen. Beruhigend ist höchstens, dass solche Filter leicht zu umgehen sind. Dennoch hat in einer Demokratie nichts zensiert zu werden.

Kinder sind besonders anfällig für Beeinflussung. Daher muss insbesondere der Schulunterricht neutral sein. Die Musikindustrie weiß das allerdings und bemüht sich deshalb, allen Kindern zu erklären, warum Urheberrecht ganz toll sei und die Musikindustrie die Künster schützt und fördert etc. (In Wirklichkeit nimmt die Musikindustrie Künstler oft ziemlich aus.) Wie neutral die zu diesem Zweck verschickten Materialien sind, kann man sich vorstellen. FairSharing warnt zwar davor, aber bringen wird es wohl nichts. Falls jemand von einem Fall erfährt, wo Material von Lobbyisten in der Schule verwendet wird: Bitte Protestbriefe an Lehrer, Schulleiter und Kultusministerium schicken und den Fall öffentlich machen. Der Musikindustrie ist ihr Ansehen relativ egal, aber hoffentlich hilft es, wenn bekannt wird, mit was für schmutzigen Methoden solche Firmen arbeiten. Die Atomlobby hat übrigens auch „Infomaterialien“ zur Atomkraft herausgegeben. Als ich sie bekommen hab, was ich in der 13. Klasse, wurde auf die Quelle hingewiesen und war schon für solche Sachen sensibilisiert – dennoch fielen mir viele der versteckten Manipulationen beim ersten Hinsehen nicht auf. Scheinbar neutral versucht die Broschüre, Werbung für Atomkraft zu machen, und dürfte sehr gut manipulieren. (Hinweis: Ich bin nicht prinzipiell gegen Atomkraft. Alternative Energiequellen sind nötig, aber Atomkraft ist immer noch teilweise besser als fossile Brennstoffe.)

Zum Schluss noch ein paar Kleinigkeiten zum US-Urheberrecht und seinen Auswüchsen: US-Schüler verklagen einen Anti-Plagiats-Dienst, weil dieser ihre Arbeiten speichert, und nachdem Viacom Google wegen Urheberrechtsverletzungen auf Youtube verklagt hat, wirft der Anwalt von Google Viacom schon fast Terrorismus vor:

Viacoms Klage ist ein Angriff auf die Art, wie Menschen im Web kommunizieren – und auf die Plattformen, die es ihnen erlauben, sich das Internet zu Eigen zu machen.

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Wen beutet die GEMA eigentlich NICHT aus?

2007-03-27 2 Kommentare

Die GEMA soll eigentlich helfen, die Urheberrechte der Künstler durchzusetzen und ihnen eine angemessene Vergütung zukommen zu lassen. Sie ist auch recht praktisch, da man z. B. bei öffentlichen Vorführungen nur an die GEMA die Gebühr entrichten muss und sich sparen kann, mit den Künstlern zu verhandeln.

Allerdings kassiert die GEMA kräftig mit, wenn irgendwas verkauft wird, was eventuell zur Speicherung oder Vervielfältigung von GEMA-Musik genutzt werden könnte. So fallen z. B. 17,4 Cent je DVD-Rohling an, für eine Spindel mit 50 Rohlingen (Preis: ca. 25 EUR) gehen also 8,70 EUR an die GEMA. Über ein Drittel des Verkaufspreises von DVD-Rohlingen gehen also an die GEMA – egal wofür die Disks genutzt werden. (Quelle – keine Ahnung ob sich seitdem was geändert hat, ich hab nichts dazu gefunden und gehe nicht davon aus.) Dennoch wird das Recht auf Privatkopie immer mehr faktisch abgeschafft. Meiner Meinung nach muss entweder die Abgabe vollkommen fallen, oder ein Recht auf Privatkopie muss gesetzlich geschützt sein, was ein Verbot von jeglichen Kopierschutzmaßnahmen bedeuten würde. Ähnliche Abgaben gibt es quasi für alles, womit man kopieren kann (auch PCs), teilweise gehen diese an andere Verwertungsgesellschaften (z. B. VG Wort bei Kopierern etc.) – DVD-Brenner bringen der GEMA nochmal 9,20 EUR pro Stück (bei günstigen Modellen also 25% des Ladenpreises!), MP3-Player sind soweit ich weiß auch betroffen, bei Festplatten weiß ich es nicht, Camcorder könnten auch betroffen sein. Die GEMA zockt also bei Hardware ziemlich ab und nimmt die Medienhersteller bzw. die Käufer (und somit wohl einen Großteil der Bevölkerung) ziemlich aus.

Weiterhin fordert die GEMA z. B. von Rapidshare, das Sharen von GEMA-Musik zu verhindern. Da dies technisch nur mit ziemlichem Aufwand möglich ist, bedroht die GEMA somit die Existenz von Filehostern und ähnlichen Diensten. Zudem versucht sie anscheinend oft mal Geld einzutreiben, wo ihr keines zusteht, und glänzt dabei mit peinlichstem Unwissen im Bereich Urheberrecht. Außerdem muss offenbar nicht die GEMA beweisen, dass ihr das Geld zusteht, sondern die angeschriebenen Blogger müssen beweisen, dass sie nicht zahlungspflichtig sind – tolle Umkehrung der Beweislast. (Das ist ungefähr so, wie wenn ich eine Firma gründe, wild Rechnungen verschicke und jeder mir beweisen muss, dass die Rechnung falsch ist, und sonst zahlen muss.)

Aber auch die Künstler sind nicht unbedingt zufrieden: Ein mit der GEMA geschlossener Vertrag läuft mindestens sechs Jahre und betrifft alle Werke eines Künstlers – d. h., herauskommen ist recht schwer. Die Künstler treten alle Verwertungsrechte an die GEMA ab, und müssen dafür zahlen, wenn sie ihre eigene Musik aufführen oder auf ihrer Website für die Fans kostenlos zum Download anbieten wollen! Natürlich bekommen sie das Geld zurück, da sie ja schließlich die Urheber sind – abzüglich dem, was die GEMA behält! (Die Angaben über die Höhe dieser Abgaben schwanken zwischen 15% und 50%.) Zudem sollen sich laut Wikipedia 20% aller Mitglieder von der GEMA nicht in zufriedenstellender Weise vertreten fühlen. Ein interessanter Beitrag dazu findet sich hier.

Nun zum Anlass für diesen Artikel und dem Grund für die Überschrift: Die Angestellten der GEMA veranstalten Warnstreiks, da sie offenbar unter Tariflohn bezahlt werden – auch da scheint die GEMA also nicht sonderlich fair zu sein.

Da fällt mir nur die Frage aus der Überschrift ein: Wen beutet die GEMA eigentlich NICHT aus?

Musikindustrie (RIAA) unter der Gürtellinie

2007-03-25 1 Kommentar

Die Musikindustrie verklagt gerne mal jemanden, der angeblich und den eigenen Beweisen zufolge in Peer-to-Peer-Netzen illegal urheberrechtlich geschützte Werke verbreitet hat. Da die einzigen „Beweise“ von der Musikindustrie stammen, sind diese oft zweifelhaft. Dies ist der Musikindustrie jedoch relativ egal, da die Betroffenen meist auf eine „freiwillige“ Einigung eingehen und es somit nicht dazu kommt, dass ein Richter entscheiden muss/kann und die „Beweise“ ablehnen könnte. Dummerweise scheinen die „Beweise“ wohl teilweise fehlerhaft zu sein, denn teilweise waren die Beklagten tot, hatten keinen Computer, konnten mit selbigem nicht wirklich umgehen etc. Eines der Opfer hat zurückgeschlagen und die RIAA (also die US-Musikindustrie) mit einer Gegenklage erfreut. Die RIAA ist bereits dafür bekannt, dass sie recht skrupellos vorgeht (ein Todesfall in der Familie ist ja noch lange kein Grund, mit dem Klagen aufzuhören – auch nicht, wenn der Tote der Urheberrechtsverletzer war).

Nun geht der Fall in eine weitere Runde: Die RIAA fordert, dass die zehnjährige Tochter der wehrhaften Beklagten vor Gericht als Zeugin gehört wird, und zwar nicht schonend per Videokonferenz oder Telefon, nein, direkt im Gerichtssaal. Insbesondere letztere Forderung weckt in mir den Verdacht, dass die RIAA sich einfach nur mit Mafia-Methoden rächen will, weil ihr Opfer sich auch noch gewehrt hat, und dazu auch noch ein zehnjähriges Mädchen benutzt. Ich hoffe, dass das eine Gegenklage setzt (ich wette, das US-Recht hält da ein paar nette Dinge bereit, auf die sehr hohe Strafen stehen), und ich hoffe, dass der Fall sehr öffentlich wird – und dass jemand von den Verantwortlichen in den Knast wandert, falls sich herausstellt, dass es sich wirklich um eine Abschreckungstaktik gehandelt hat. Bei diesem Verhalten fallen nicht nur mir, sondern offenbar auch den Teilnehmern im zugehörigen Heise-Forum primär Stichworte wie Kindesmisshandlung, Erpressung, Mafia etc. ein.

Der Fall liegt offenbar übrigens schon ca. 3 Jahre zurück – da wird sich die Zeugin sicher an seeehr viel erinnern. Das Vorgehen der RIAA ist zwar unter aller Sau, aber offenbar nichts neues: Wenn die Eltern nicht drangekriegt werden können, dann eben die Kinder.

Hoffentlich verreckt die Musikindustrie an ihrem Verhalten.

Pan-Amp-Werbung

2007-03-21 6 Kommentare

Inzwischen drängt sich mir der Verdacht auf, PanAmp würde die Presse gezielt dazu missbrauchen, um Werbung für sich zu machen. Zunächst einmal bietet diese Firma Internetfilterlösungen an (also Zensurhilfsmittel), und preist diese natürlich als super toll und zuverlässig an. Ich kann allerdings versichern, dass kein Filter in der Lage ist, Internetinhalte auch nur halbwegs wirksam zu filtern (zumindest nicht ohne die Nutzbarkeit des Internets stark einzuschränken – klar, wenn man einfach alles sperrt erwischt es auch die Seiten, die man sperren wollte).

Dafür taucht PanAmp nicht nur in der „Killerspiele“-Reportage als „neutraler“ Experte auf, sondern will jetzt – natürlich besonders Öffentlichkeitswirksam – festgestellt haben, dass die aktuellen Terrordrohungen gegen Deutschland aus Erfurt stammen. Wer sich halbwegs mit dem Internet auskennt, weiß, dass solche Aussagen immer mit großer Vorsicht zu genießen sind, denn zunächst einmal dürften die „Ermittler“ der Firma nur eine IP haben. Diese kann dann – wenn der Provider mitspielt – einem Anschluss zugeordnet werden, ohne diese Kooperation kann man nur auf den Provider und eventuell auch auf eine Region oder einen Einwahlknoten schließen. Selbst wenn man aber weiß, von welchem Anschluss aus das Video ins Internet gestellt wurde, weiß man meist erst einmal rein gar nichts. An einem Anschluss kann nämlich ein WLAN-Router hängen, an dem irgendjemand sich per Laptop einloggt und dann das Video hochlädt. Oder aber auch ein ganz normaler Windows-Rechner eines Unschuldigen, der nur die übliche Ladung Viren enthält und als Weiterleitungsstation missbraucht wurde. Oder es kann sich um einen Node eines Anonymisierungsnetzwerkes handeln.

Es gibt natürlich auch Server, die mit einer statischen IP arbeiten, da weiß man dann, wo der Server steht und auf wessen Namen er angemeldet ist. Man weiß nicht, ob der Server ein Node eines Anonymisierungsnetzes ist, der freiwillig Daten weiterleitet, ob er gecrackt und missbraucht wurde oder ob er eventuell wirklich den Terroristen gehört.

In beiden Fällen kann ein halbwegs mit dem Internet vertrauter Ermittler die nötige Arbeit allein übernehmen, bis eine Adresse feststeht, bei der man eine Hausdurchsuchung machen kann. PanAmp ist dafür nicht nötig. Nach der Hausdurchsuchung weiß man dann eventuell mehr (also in den meisten Fällen genau soviel, dass man gerade das Haus einer ahnungslosen, unschuldigen Familie mit virenverseuchtem Rechner durchwühlt hat).

Natürlich kann es sein, dass PanAmp eine geniale Methode entwickelt hat, um genauere Informationen zu bekommen, z. B. könnten sie nach der Art des Bundestrojaners in die Rechner eindringen und versuchen, weitere Informationen zu finden. Das könnte jedoch auch ziemlich nach hinten losgehen (da Beweise beschädigt werden könnten und es vermutlich strafbar wäre) und erfordert recht umfangreiche Kenntnisse, und zwar aus einem anderen Bereich als dem Geschäftsbereich von PanAmp, die sich schließlich mit Filtersystemen beschäftigt.

Eventuell hat PanAmp Zugriff auf einen der Server (die Pressemitteilungen legen dies nahe), auf dem das Material zwischengelagert wurde, und kam somit an mehr Logs und IPs. Die Pressemitteilung ist jedoch so oberflächlich, dass eine genaue Überprüfung, was überhaupt (angeblich) geschafft wurde, nicht möglich ist. Natürlich könnte es auch sein, dass der ganze Kram frei erfunden ist, aber ich glaube nicht, dass jemand so weit gehen würde.

Zudem will PanAmp wissen, dass das Video in Erfurt bearbeitet wurde. Sicher ist es möglich, dass irgendwelche Metadaten übrig geblieben sind, die verräterische Hinweise enthalten. Sicher ist es möglich, dass PanAmp den Rechner gehackt hat, auf dem die Videos bearbeitet wurde. Beides halte ich allerdings für unwahrscheinlich, genauso wie ich es für unwahrscheinlich halte, dass PanAmp irgendwelche fundierten Informationen darüber hat, wo das Video genau bearbeitet wurde. Und laut einer Welt.de-Meldung bin ich nicht der Einzige, der diesen Verdacht hat – Zitat aus der verlinkten Meldung:

Der Sprecher des Bundesinneministeriums, Stefan Kaller, bezweifelte den Wahrheitsgehalt der Äußerungen von Pan Amp.„Es gibt nach wie vor keine Hinweise auf Ort oder Urheberschaft.“ Es sei „mit Sicherheit nicht“ die thüringische Hauptstadt gewesen, sagte Kaller. „Allenfalls war ein dortiger Rechner im technischen Sinne Durchgangsstation einer Nachricht, ohne dass jemand dort aktiv mitgearbeitet hätte.“ Die Behörden wüssten nach wie vor nicht, „wo diese Nachricht originär geschaffen wurde“.

Ich habe daher den Verdacht, dass hier nur versucht wird, PanAmp als genialen Retter der Welt darzustellen und vor allem durch ständige Erwähnungen bekannt zu machen, und dabei gleichzeitig noch die Angst vor der Bedrohung aus dem Internet zu schüren, gegen die PanAmp praktischerweise gleich die Gegenmittel anbietet. Es scheint überhaupt die Taktik von PanAmp zu sein, derartige „spektakuläre“ Ermittlungsergebnisse, die auch noch aufgeblasen werden (z. B. wird der Ausschluss von Suchmaschinen per Robots.txt oder Metatag als „spezielle Programmierung“ bezeichnet, um zu suggerieren, dass die Server, die PanAmp aufgedeckt haben soll, besonders gut gesichert waren) zu verkünden und so bekannt zu werden. Zudem scheint PanAmp nicht direkt mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten, sondern ihnen immer nur die Ergebnisse zu liefern. Die Pressemitteilungen enthalten natürlich immer Werbung für PanAmp.

Es gibt noch mehr Fälle, wo PanAmp auf diese und ähnliche Art Werbung machte, siehe z. B. hier, hier und vor allem hier. Insbesondere der zweite Link kommt mir interessant vor, dort beschwert PanAmp sich über die leichte Verfügbarkeit von Bombenbauanleitungen im Internet. Ich weiß nicht, was PanAmp da gefunden hat, und es gibt sicher auch irgendwo im Netz echte Bombenbauanleitungen (übrigens in Bibliotheken sicherlich auch in den ganzen Chemiebüchern). Aber die Liste scheint einfach nur Auszüge aus dem „Anarchists Cookbook“ bzw. den gleichnamigen und ähnlichen Internetdokumenten zu beinhalten, die tatsächlich sehr leicht überall zu finden sind. Sollte irgendjemand diese Anleitungen befolgen, kann man davon ausgehen, bald einen Möchtegern-Terroristen weniger zu haben – denn diese Anleitungen sind größtenteils lebensgefährlich falsch. Eine ernstzunehmende Gefahr, für die PanAmp sie hält, sind sie also nicht, mal abgesehen davon, dass vieles von dem Wissen, welches dort steht, auch zum Grundwissen von Chemiestudenten gehört. Und weder das Chemiestudium noch Chemiebücher sind verboten oder gelten als Verbotswürdig.

Bei meiner Recherche bin ich außerdem auf ein anderes interessantes Detail gestoßen: Eine Spam-Beschwerde in einer Newsgroup, laut der über die Server der Sicherheitsfirma Spam verschickt worden sein soll. Die Beschwerde ist zwar jetzt schon über fünf Jahre alt, aber meiner Meinung nach trotzdem für eine Sicherheitsfirma kein gutes Zeichen. Der aktuelle Mailserver von Panamp scheint aber in keiner Blacklist zu sein, das Problem wurde also behoben.

Die einzigen sonstigen Hinweise über PanAmp, die ich auf die schnelle finden konnte, waren die Firmenwebsite, die Werbe-Pressemitteilungen und daraus resultierende Artikel, und die Kritik an dieser Werbepraxis…

UPDATE: Wer mehr wissen will, kann hier bei Telepolis nachlesen. PanAmp bzw Weingarten scheint übrigens der „Hausexperte“ von Panorama zu sein, der immer gefragt wird, wenn es um das Internet geht. Super -Panorama sollte sich mal ihre eigenen Beiträge anschauen. Und die „Erkentniss“ von PanAmp sind teilweise auch interessant. Die Entdeckung, dass die Videos in Deutschland gespeichert wurden, ist offenbar entstanden, nachdem der Hoster das entdeckt und veröffentlicht hat…

Der Bundestrojaner ist unbeliebt

2007-03-20 2 Kommentare

Als „Bundestrojaner“ werden die Pläne bezeichnet, private Computer ohne Wissen der Besitzer durch den Einsatz von Trojanern zu durchsuchen. (Mehr dazu bei der Wikipeida) Natürlich dürfte das verfassungswidrig sein, aber das stört ja mal wieder keinen von der Regierung oder Polizei, die halten am Vorhaben fest. Deswegen gibt es jetzt Protest dagegen: Ein schönes Trojanisches Pferd als Symbol für den Bundestrojaner, einmal aus Holz und Schwarz-Rot-Gold angemalt, einmal aus jeder Menge Elektroschrott, sollte nun den Verantwortlichen überreicht werden.

Die Holzversion wollte der CCC (Chaos Computer Club) an den NRW-Verfassungsschutz, der in der Hinsicht besonders aktiv ist, vergeben, und zwar am Cebit-Stand des Verfassungschutzes. Wie der CCC-Meldung zu entnehmen ist, wollte diesen Negativpreis jedoch keiner entgehennehmen und so war der Stand zum Zeitpunkt der „Preisverleihung“ verlassen. Über diese Aktion berichtete auch Golem.

Die Elektoschrott-Version ging hingegen von der Piratenpartei Bayern an Beckstein, einen der stärksten Befürworter dieses Vorhabens. Dazu gibt es die News und Bilder der bayrischen Piraten sowie einen Gulli- und einen Indymedia-Bericht. Auch hier wurde das freundliche Geschenk nicht angenommen.

Fazit: Der Bundestrojaner ist äußerst unbeliebt, auch bei den Verantwortlichen…

Über Staatsgewalt, Demokratien und Diktaturen

2007-03-20 7 Kommentare

Ich stelle in folgendem Text die Eigenschaften von Diktaturen und Demokratien heraus, mit einem besonderen Blickpunkt auf die Rolle der Staatsgewalt und die Folgen davon für heutige Demokratien.
Dieser Beitrag stellt meine persönliche Meinung dar. Sie kann fehlerhafte Schlüsse enthalten, vollkommener Unsinn sein und sie enthält auf jeden Fall kontroverse Thesen. Aber es ärgert mich einfach, Dinge, die ich mir im Vorschulalter schon gedacht habe, als oberste Weisheit gelehrter Personen in irgendwelchen Büchern zu finden. Damit will ich nicht behaupten, dass ich besonders geniale Ideen gehabt hätte, im Gegenteil: ich finde die Ideen alles andere als besonders anspruchsvoll und herausragend und es wundert mich, dass sowas als die oberste Weisheit angesehen wird. Und da dachte ich mir, warum nicht, ich kann derartige Texte auch verfassen. Warum ich den Text schreibe? Ich weiß es nicht wirklich – ich hab einfach Lust darauf! Es ist nichts besonderes. Es ist einfach logisch. Vieleicht wird das hier ja in 50 Jahren in irgendwelchen Schulbüchern als „geniale“ Staatstheorie bzw. Demokratiebegründung stehen (oder sie tut es bereits, und ich habe sie bloß bisher nicht gesehen). Ich bitte jedoch um eines: Den Text bitte ganz oder gar nicht lesen. Wer nur Teile liest, wird eventuell der Meinung sein, ich würde genau das Gegenteil von dem behaupten, was wirklich im Text steht. (Tipp: Wer denkt, ich würde eine Diktatur fordern, hat den Text nicht komplett gelesen oder überhaupt nicht verstanden)

Zum Text

Ködern und verarschen

Laut Heise will die Bundesregierung den Datenschutz stärken – und ihn gleichzeitig schwächen: Gegenüber der Wirtschaft sollen längst nötige stärkere Kontollinstanzen eingerichtet werden, die Bürger sollen endlich weitergehende Auskunftsansprüche erhalten etc. – kurz: der Datenschutz in der Wirtschaft soll gestärkt werden. Wäre eigentlich schön, oder?

Leider werden diese durchaus nötigen und längst überfälligen Maßnahmen zusammen im Paket präsentiert mit einer nahezu vollständigen Aufhebung des Datenschutzes gegenüber dem Staat. Grob gesagt sollen sämtliche Datenschutzregeln (und die dazugehörigen Auskunftsrechte) nämlich nicht gelten, wenn die Interessen der „nationalen Sicherheit“ (ein schön schwammiger und für alles missbrauchbarer Begriff, der abgewandelt als „Staatssicherheit“ – kurz StaSi – bereits in der DDR benutzt wurde) verletzt würden. Der Datenaustausch zwischen Staaten soll auch erleichtert werden, kurz gesagt: Der Staat soll alles dürfen.

Ich habe hier den Verdacht, dass den Datenschützern hier ein eigentlich inakzeptabler Entwurf verpackt in einigen positiven Sachen „verfüttert“ werden soll, genauso wie man einem Hund die Medizin in ein Leckerli einpackt. Ich hoffe nur, dass kein Datenschützer darauf reinfällt und diese „Verbesserung“ auch noch befürwortet (nach dem Motto „Der Staat ist ja gut, der darf das ruhig“). Meiner Meinung nach müssen die Datenschützer hier die getrennte Behandlung der Maßnahmen fordern und entsprechend die Datenschutzverbesserungen in der Wirtschaft begrüßen und die Abschaffung des Datenschutzes staatlicherseits ablehnen.

Eine ähnliche Taktik scheint mir übrigens auch bei diesen Plänen vorzuliegen.