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Antwort des NDR zum „Killerspiele“-Beitrag

2007-03-16 8 Kommentare

Die NDR-Sendung „Panorama“ hat einen hetzerischen und teilweise sachlich falschen Beitrag über gewalttätige Computerspiele gesendet. Dieser verstößt nicht nur gegen journalistische Grundregeln, sondern auch gegen die Leitlinien des NDR. Daher habe ich eine Programmbeschwerde geschrieben, und zwar einmal an den Vorsitzenden des Programmausschusses, Ulf Birch (dieser Brief war unzustellbar), einmal an den Intendanten Jobst Plog und einmal an den Vorsitzenden des Rundfunkrates, Dr. Volker Müller. Zuerst bekam ich nur eine Antwort von letzterer Person – mein Brief wurde an den Intendanten weitergeleitet, ich würde eine Antwort innerhalb von 4 Wochen bekommen. Falls mich die Antwort nicht zufrieden stellen würde, könne ich mich wieder beim Rundfunkrat beschweren (und genau das werde ich auch machen).

Vor einigen Tagen kam dann eine Antwort, die ich niemandem vorenthalten will. Einerseits steht Aussage gegen Aussage, die Redaktion behauptet, einige der Szenen seien wirklich Mitschnitte aus dem CoD-Spiel der eingeladenen Spieler, während diese das Gegenteil behaupten. Allerdings sieht man deutlich, dass das Panorama-Team nicht einsehen will, einen Fehler gemacht zu haben, und statt sich zu entschuldigen den Beitrag rechtfertigt. Zudem wird bereits im ersten Absatz deutlich, dass es sich vermutlich bei der Antwort um einen Standardbrief handelt (wenn jemand das Teil auch bekommen hat, bitte Kommentar hinterlassen!)

Dass das Ziel von „Deathmatches“ das Töten möglichst vieler Gegener sei, habe ich nicht angezweifelt, allerdings besteht Call of Duty (CoD) nicht nur aus Deathmatches, und somit ist das Töten möglichst vieler Menschen nicht Spielziel von CoD. Darauf geht die Antwort leider nicht ein.

Ich glaube gerne, dass in der Spielsession auf Gegner geschossen wurde (ach nee, bei einem Egoshooter). Ich glaube auch, dass auf bereits Getroffene geschossen wurde (1. getroffen heißt nicht tot oder kampfunfähig 2. Tote und Lebende kann man bei CoD oft nicht sicher unterscheiden) – ich bezweifle aber, dass das so exzessiv geschah wie gezeigt. Die gezeigte „Freude nach dem Treffer“ war laut dem gezeigten Spieler etwas anderes – auf diesen Vorwurf geht die Redaktion nicht ein.

Es wird betont, dass „beide Positionen gehört wurden“ und auf gegenteilige Vorwürfe geht die Antwort nicht ein – dabei ist das das zentrale Thema meines Briefes.

Die „Tatsache“, dass viele Nazis das Spiel spielen würden, scheint auch umstritten zu sein, das Spiel soll bei Nazis wohl nicht so beliebt sein, wie es Panorama gerne hätte, es soll sogar extrem unbeliebt sein, da Deutschland den Krieg verliert und der Krieg und die Nazis alles andere als positiv dargestellt werden (darauf geht die Redaktion auch nicht ein).

Der Vorwurf, der Pan-Amp-Vertreter sei parteiisch, wird „entkräftet“, indem er als Experte für Internetsicherheit dargestellt wird. Das mag zwar stimmen, aber er ist dadurch noch lange kein Experte für „Killerspiele“ – und erst recht nicht unparteiisch, sein wirtschaftliches Interesse dürfte wohl klar sein. (siehe meinen ursprünglichen Beitrag)

Beit der Sex-Szene in GTA San Andreas soll übrigens darauf hingewiesen worden sein, dass dies nur durch Modifikationen möglich ist. Das wurde jedoch alles andere als deutlich:

„Was es nicht an der Ladentheke zu kaufen gibt, holen sich selbst Kinder problemlos aus dem Internet, wie dieses Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.“

Da der Sex-Teil von GTA allerdings kein Spiel ist, klingt es eher so, als ob Jugendliche sich die Originalversion mit Sexszene per illegalem eMule- oder Bittorrent-Download „aus dem Internet holen“ würden. Meiner Meinung nach versucht die Panorama-Redaktion nur, sich herauszureden. Im Brief wird behauptet, man könne Frauen entkleiden, herumkommandieren und es gäbe gewalttätige sexuelle Handlungen. Die Möglichkeit, Frauen herumzukommandieren, wird als Vergewaltigung gesehen – meiner Meinung nach ein weiterer Versuch, die Wortwahl zu Rechtfertigen, um sich bloß nicht entschuldigen zu müssen. Beim HotCoffe-Mod gibt es auch SM-Szenen, diese sind aber immer einvernehmlich. Spielziel ist Sex so oder so nicht. Eine andere, „härtere“ Modifikation konnte ich nicht wirklich finden, und sie scheint auch keinen anderen Spielern bekannt zu sein. (Es soll eine Herumkommandier-Mod – aber auch nur ohne Vergewaltigung oder Sex als Spielziel – geben, allerdings ist diese bestenfalls Beta und kaum bekannt.) Falls Panorama solches Material wirklich hat, sind sie vermutlich die einzigen. Leicht verfügbar ist es jedenfalls nicht.

Natürlich hat die Panorama-Redaktion nicht behauptet, Spieler solcher Spiele würden zu Amokläufern. Sie hat es nur suggeriert. Die Verbotsdebatte, um die es gehen soll, wurde eher weniger dargestellt, obwohl dies laut der Antwort (Seite 5) das Ziel der Sendung gewesen sein soll. Zur Darstellung der Debatte hätten auch Gegenargumente in angemessem Umfang gehört (immerhin endete die Debatte in einer Ablehnung eines Verbotes).

Kurz: Die Redaktion versucht sich herauszureden, geht auf viele der Vorwürfe nicht ein und redet viel um den heißen Brei herum. Es wird weitergehen!

Zum krönenden Abschluss wird noch behauptet, dass das Thema sehr emotional geladen sei. Damit wird zwar nicht direkt gesagt, aber doch angedeutet, dass meine Beschwerde unsachlich sei. Ich sehe das „etwas“ anders – ich meine nämlich, dass diese Behauptung eher auf die Panorama-Sendung zutrifft. Ich möchte jedoch jedem ermöglichen, sich seine eigene Meinung zu bilden, denn (offenbar im Gegensatz zur Panorama-Redaktion) sehe ich durchaus ein, dass ich Fehler machen kann. Daher gibt es sowohl meinen Brief (der abgeschickte Brief war natürlich auch unterschrieben) als auch die Antwort darauf hier im Wortlaut, und den Panoramabeitrag gibt es übrigens auch online.

Leider ist die letzte Gelegenheit, noch eine Gegendarstellung zu erzwingen, zur Sendung am 5. April, allerspätestens vieleicht noch am 26. April, und die interviewten Spieler sind nicht zu erreichen, und ich hab zu wenig Zeit, da ich im Moment Abiturprüfungen habe. Ich hoffe, dass der Rundfunkrat doch noch etwas unternimmt. Einen weiteren Brief bekommt er im Verlauf der nächsten Woche. Dieser wird größtenteils auf diesem Text basieren, Verbesserungs-/Ergänzungsvorschläge sind also willkommen.

Ergänzung: Ist es eigentlich normal, dass Briefumschläge mit Tesafilm zugeklebt sind?

Mischmasch

2007-03-16 1 Kommentar

Ich habe weder Zeit noch Lust, alles zu kommentieren, was mich aufregt. Das übernehmen aber teilweise zum Glück bereits andere Medien, deswegen nutze ich heute nur eine der Errungenschaften des Internets, nämlich Links, und schreibe nur wenig.

USA zeigten, das sie kein Rechtsstaat sind – Prozess ohne Anwalt und Öffentlichkeit mit Geständnis unter Folter

Dem Kommentar dazu kann ich größtenteils zustimmen, nur dem Teil, wo die USA als demokratischer Rechtsstaat statt einer Bananerepublik bezeichnet wird leider nicht mehr ganz, ebenso wie der Annahme, dass die Protokolle wahrscheinlich echt seien. Ich halte eine Fälschung durchaus für möglich, wenn auch nicht für sicher.

Die Auswüchse von DRM: „Wenn sie heute diesen HD-DVD-Player kaufen, bekommen sie sogar das erste Update umsonst. Dann müssen sie erst in 3 Jahren nochmal zahlen, um ihn benutzen zu können“

Um Kopien zu verhindern, setzt die Contentindustrie auf DRM – das sind Systeme, die den rechtmäßigen Besitzer einschränken (z. B. das Überspringen von Werbung auf gekauften DVDs verhindern) und teils erwünschte, teils unerwünschte Nebenwirkungen haben. So funktionieren technisch perfekte Geräte nicht, weil sie den Inhalt nicht dagegen schützen, falls jemand mit Elektronik und Lötkolben das Video kopieren will, Hardware wird teurer und Software langsamer. Der Kunde ist König? Nee, Feind. Oder eben wie hier – der Kunde zahlt den Kopierschutz. Weil die Contentindustrie ihre Verschlüsselungsschlüssel wechselt, muss der Kunde eben nicht nur nervige, sondern auch noch kostenpflichtige Updates machen. Wenn die Kunden sowas mit sich machen lassen, werden sie wohl auch eine Kopfklammer akzeptieren, die sie zum Fernsehen aufsetzen müssen – um das Abfilmen mit Kameras zu verhindern. Ich hoffe jedenfalls, dass keiner sich sowas gefallen lässt, diese Idiotie öffentlich bekannt wird und die neuen Player und Disks in den Läden liegenbleiben. Hoffentlich geht mindestens ein Konzern als abschreckendes Beispiel dran pleite.

Außerdem gibt es gegen die Vorratsdatenspeicherung jetzt eine Demo.