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Atombombe in Tschechien

Die meisten dürften diese Fernsehsendungen kennen, die täglich eine Stunde lang nur Bilder von irgendwelchen Ski- und Bergregionen zeigen, inklusive Wetterdaten. Langweilig? Normalerweise schon. Hier mal ein Beispiel einer solchen Sendung in der nicht langweiligen Variante. Das Video hat zwar eine miese Bildquali, dafür ist die „passende“ Musik gut zu hören. Diese Sendung ist wirklich so ausgestrahlt worden.

Ein paar Hacker hatten sich offenbar einen „Spaß“ erlaubt, sie sind wohl ins Gebäude mit der Kamera eingebrochen, haben etwas Videomaterial mitgeschnitten, bearbeitet und wieder eingespeist. Und da die ganze Sendung vollautomatisch und live ist, lief es dann auch so im Fernsehen. Der Fernsehsender war not amused über eine zwar etwas kleine, ansonsten aber recht realistische Atombombenexplosion mitten im Skigebiet, inklusive Atomblitz, -pilz und EMP-Störungen. Mehr Details gibt es bei Heise und Heise Security.

Die Hacker haben auf ihrer Myspace-Seite ein Bekennerschreiben veröffentlicht, welches ich übersetzt habe, da wohl nur wenige Menschen Tschechisch können:

Wir sind keine terroristische oder politische Gruppe, der Zweck ist es nicht irgendwie der Gesellschaft Angst zu machen oder sie zu manipulieren, wie wir dies tagtäglich sowohl in der realen als auch in der medialen Welt erleben. Ob es nun politische Interessen, oder die Interessen des Marktes, von Firmen, überstaatlichen Organizationen sind, sie Manipulieren die Gesellschaft, drücken ihre Produkte und Ideen auf allen möglichen Wegen in das Bewusstsein des Bürgers. Eine feine Störung dieses Systems, ein Appell an den reinen Verstand des Menschen, seine Unbeeinflussbarket, schadet unserer Meinung nach nie, auch nicht in einem demokratischen Land. Daher hackte die Künstlergruppe Ztohoven vor einigen Jahren den öffentlichen Raum der Hauptstadt Prag, stellte sowohl den Raum der Werbung im Prinzip als auch den Raum konkreter Werbung als solcher in Frage. Am 17.06.2007 griff sie den Raum der Medien an, den Raum des Fernsehens. Sie störte ihn, stellte seine Wahrheit, Glaubwürdigkeit in Frage. Sie machte auf die mögliche Verwechselung des medialen Bildes der Welt mit der Welt an sich, der realen Welt, aufmerksam. Ist alles, was wir täglich auf den Bildschirmen der Fernseher sehen, die Wahrheit, die Realität? Ist alles, was uns von den Medien, Zeitungen, dem Fernsehen, dem Internet als Wahrheit vorgelegt wird wirklich die Wahrheit? Diesen Gedanken soll unser Projekt einführen, daran erinnern. Wir glauben, dass auch der freie Raum des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eine solche Aktion und damit auch seine eigene Infragestellung erträgt, ein Appell für die Zukunft und eine Erinnerung an die Medien, weiterhin die Wahrheit zu präsentieren, sein wird. Vielen Dank für die freien Medien, freien Raum für die Gesellschaft.

Die obige Übersetzung ist möglichst wörtlich. Das „erleben“ im ersten Satz würde genauer übersetzt werden mit „Wie wir Zeuge dessen werden“, das hat aber im Deutschen nicht gepasst. In Satz zwei wäre statt „sie manipulieren die Gesellschaft“ genauer „sie manipulieren mit der Gesellschaft“, doch die erste Übersetzung trifft den Sinn und ist im Deutschen richtiger. Das „stören“ in Satz 3 müsste wörtlich als „anstören“ übersetzt werden, aber dem entsprechenden tschechischen Wort entspricht das Wort „stören“ noch am Besten von allen existierenden Worten. Die Übersetzung „hacken“ ist eine direkte Übersetzung eines leicht umgangssprachlichen Wortes. Die genaue Übersetzung wäre „rammen“. Der „Raum“ könnte auch mit „Bereich“ oder noch besser „Sphäre“ übersetzt werden. „In Frage stellen“ ist die beste Übersetzung die mir einfiel, das Wort bedeutet eigentlich „in Zweifel ziehen“, „Zweifelhaft machen“. „Frei“ ist im Sinne von Freiheit zu verstehen. Die teils unübliche Ausdrucksweise (fehlendes „und“ etc.) ist im Originaltext vorhanden, wurde durch die Übersetzung aber eventuell leicht verstärkt.

Der Name der Gruppe „ztohoven“ dürfte sich von den Worten „z toho ven“ (raus daraus) ableiten, theoretisch wäre allerdings, wenn man einen Buchstaben verändert, auch „sto hoven“ (100 Stück Scheiße) denkbar. Die Website ztohoven.com lenkt zur Zeit auf ein Myspace-Profil der Gruppe um, welches auch obige Ankündigung enthält, die alte Website ist leider nicht bei Archive.org oder Google Cache gespeichert.

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