Ein Computer ist nicht öffentlich

Viele Menschen haben keine Ahnung von zahlreichen modernen Technologien. Dagegen ist auch eigentlich nichts einzuwenden. Allerdings haben auch viele Politiker und Richter in diesem Bereich keine Ahnung. Auch das wäre nicht schlimm, wenn diese ahnungslosen Politiker nicht gerne völlig unpassende Dinge miteinander vergleichen , diese Vergleiche einfach so schlucken, realitätsfremde Gesetze oder Urteile beschließen oder auf ähnliche Art und Weise Schaden anrichten würden. Um dies zu vermeiden, möchte ich hier eine Liste von Vergleichen aufstellen, wie bestimmte neue Technologien einzuordnen sind. Sie sollen helfen zu erklären, wie neue Technologien behandelt werden sollen oder mit was man sie gleichsetzen sollte oder könnte. Dafür bitte ich meine Leser um Hilfe: Wer Ideen hat, was in die Liste rein soll, einen Kommentar, Verbesserungsvorschlag, eine Einschränkung, eine Ergänzung oder sonst etwas zur Liste zu sagen hat, möge bitte die Kommentarfunktion nutzen. Insbesondere Kommentare, ob die Vergleiche passend sind, sind sehr willkommen! (Ebenfalls wäre ich dankbar für den Link zu der Webseite, die diverse Unsinnsurteile sammelt, wie z. B. das, in dem ein Richter allen Ernstes behauptet, dass FTP-Server grundsätzlich dem illegalen Datenaustausch dienen würden.)

E-Mail

E-Mails könnten vergleichbar mit Briefen oder Postkarten oder aber Faxen sein: Während sie übertragen werden, dürften Faxe der passendste Vergleich sein, da es sich auch um ein elektronisches, ungesichertes Übertragungsmedium handelt, welches zweifellos dem Fernmeldegeheimnis unterliegt. Während die Mails beim Provider liegen, sollten sie wie Briefe oder Postkarten behandelt werden, die in einem Postfach bei der Post liegen (so sieht es technisch gesehen auch aus), sinnvoller wäre es allerdings eventuell, sie wie Sendungen im eigenen Briefkasten zu behandeln (sofern es überhaupt einen Unterschied macht.) Während Mails zwar gerne mit Postkarten verglichen werden, da sie quasi „offen“ sind, wäre eventuell der Vergleich mit Briefen sinnvoller: Postkarten gehen grundsätzlich durch Menschenhände und eine Möglichkeit zur Einsichtnahme ist üblich. Mails gehen hingegen ausschließlich durch Mailsysteme, und eine Einsichtnahme ist kaum möglich. Eine weitere Vergleichsmöglichkeit wären Telegramme: Sie ähneln E-Mail, da sie elektronisch und unsicher übertragen werden und mehrere Schritte gehen. Allerdings sind sie heute kaum noch bekannt, und im Gegensatz zu Mails wird davon ausgegangen, dass fremde Menschen (z. B. Annahmestelle/Boten) den Telegrammtext zur Kenntnis nehmen. E-Mails auf der Festplatte eines Computers sollten genauso behandelt werden wie Briefe oder Postkarten in einer Schublade.

Der Computer(inhalt) und Datenträger

Eigentlich ist es recht einfach, wie der Computerinhalt zu behandeln ist. Genauso wie das Vorhandensein eines Fensters die Wohnung nicht zum öffentlichen Raum macht, macht ein Internetanschluss den Computer nicht zum Teil des Internets in dem Sinn, wie Politiker das gerne verstehen würden. (Natürlich ist ein Computer technisch gesehen „Teil“ des Internets, da er eine IP-Adresse zugewiesen bekommt, um kommunizieren zu können.) Dennoch sind die auf dem Computer gespeicherten Daten und der Computer als solches nicht als Teil des Internets anzusehen, da die Daten normalerweise nicht aus dem Internet erreicht werden können. Ein Telefon/Handy ist auch Teil des Telefonnetzes, und dennoch würde wohl kaum jemand den Inhalt des Telefonspeichers zum Telefonnetz zählen, und dieser Vergleich ist ja wohl recht direkt und eindeutig passend. Der Computer steht in der Wohnung, und die Daten darauf stehen in der Wohnung, und nicht im Internet. Ein Computer und damit auch der gesamte Festplatteninhalt gehört somit zur Wohnung wie ein Aktenschrank mit Akten drin. Ein Laptop in einer Laptoptasche unterwegs ist wie ein Aktenkoffer. Die völlig absurde und lächerliche Idee, ein Internetanschluss mache einen Rechner zum Teil des Internet, zeigt, wie wenig Ahnung Politiker vom Internet haben und wie leicht sie auf falsche Behauptungen reinfallen (ersteres ist nicht zu beanstanden, letzteres schon). Datenträger sind ebenso zu behandeln wie Aktenordner.

„Online-Festplatten“

Online-Datenspeicher sind mit Schließfächern oder angemieteten Lagerräumen vergleichbar, der Transfer sollte bereits jetzt unter das Fernmeldegeheimnis fallen.

Verschlüsselung

Verschlüsselte Daten, egal ob bei der Lagerung oder Übertragung, sollten so behandelt werden, als ob sie sich in einem großen, festen Safe befänden. (Auch wenn die Post wohl ungern Briefe ausliefern würde, die von mehreren Zentimetern Stahl umgeben sind – das Internet machts möglich ;-) )

Schlussfolgerungen

Online-Durchsuchungen sind genauso „zulässig“ wie Hausdurchsuchungen. Somit ist sowohl das Wissen des Betroffenen nötig als auch ein Gerichtsbeschluss als auch die Anwesenheit von Zeugen. Da ersteres nicht geplant, zweiteres unerwünscht und letzteres unmöglich ist (eine Kontrolle ist in keiner Weise möglich), sind Online-Durchsuchungen verfassungswidriger Unfug.

ERGÄNZUNG zu Online-Durchsuchungen: Da die Online-Durchsuchungen im Verborgenen stattfinden würden, sind sie eher mit geheimen konspirativen Wohnungsdurchsuchungen zu vergleichen, wie sie die Stasi durchgeführt hat und wie sie aus gutem Grund in Deutschland verboten sind.

NEUE ERGÄNZUNG: Ich hab jetzt was zum NRW-Trojaner geschrieben.

Wie es bei anderen Dingen (Durchsuchen von Mails in Postfächern oder Daten in Onlinespeichern) aussieht, weiß ich nicht, da ich die Vorschriften für Postfächer und Mietlagerräume nicht kenne.

  1. Christian K.
    2007-06-24 um 11:03 UTC

    Genauso wie das Vorhandensein eines Fensters die Wohnung nicht zum öffentlichen Raum macht, macht ein Internetanschluss den Computer nicht zum Teil des Internets.

    Das sehe ich anders. Das Internet ist ein großes, öffentliches Netzwerk, an dem viele Computer angeschlossen sind. Das Internet besteht also aus vielen angeschlossenen Computern. Jeder Teilnehmer der einen Computer in ein Netz hängt, macht diese Maschine zum Bestandteil dieses Netzes.

    Zwar sind die Rechner des Internets kein öffentliches Eigentum, doch bieten sie häufig Dienste der Öffentlichkeit an. Natürlich sehe ich es auch als Unrechtmäßigkeit an, wenn Person_A den Rechner von Person_B ohne dessen Zustimmung/Kenntnisnahme manipuliert, so dass diese Maschine nun einen (weiteren) Dienst öffentlich anbietet.

    Auch meiner Meinung nach müsste der Computer eines Internet-Teilnehmers durch eine Art Hausrecht geschützt sein. Trotzdem sehe ich jede an ein Netzwerk angeschlossene Maschine auch als ein Bestandteil dieses Netzes.

  2. Jan
    2007-06-24 um 22:50 UTC

    Normale Endbenutzerrechner bieten im Internet keinerlei Dienste an. Technisch gesehen ist ein PC natürlich „Teil“ des Internets, genauso aber, wie Telefone Teil des Telefonnetzes und alle elektrischen Geräte Teil des Stromnetzes sind. Meine obige Formulierung ist somit zumindest mal unklar gewesen, ich habe sie daher jetzt ergänzt. Danke für den Hinweis!

  1. 2007-06-25 um 08:15 UTC
  2. 2007-07-28 um 21:42 UTC
  3. 2007-08-15 um 19:14 UTC
  4. 2007-09-20 um 12:51 UTC
  5. 2007-10-12 um 00:32 UTC

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