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TASER-Missbrauch in den USA

WARNUNG: Sämtliche Videos von Taser-Einsätzen sind nichts für Leute mit schwachen Nerven. Die Bezeichnungen bei Youtube sind oft äußerst unpassend, ich finde es jedenfalls (offenbar im Gegensatz zu einigen Amis) nicht besonders lustig, wenn Menschen vorsätzlich mithilfe von 50000 Volt Schmerzen zugefügt werden. Umso wichtiger ist es aber, auf diese Vorfälle aufmerksam zu machen.

Ein TASER ist eine Elektoschockwaffe, welche Elektroden verschießt und so über bis zu 5 Meter Entfernung Stromschläge verteilen kann. Die Stromschläge können über die nach dem ersten Schuss immer noch im Körper des Getroffenen steckenden Elektroden beliebig oft und lange wiederholt werden. Auf den Videos ist dies am typischen „klickenden“ Geräusch des Tasers zu erkennen. Die Stromschläge lähmen die Getroffenen und verursachen natürlich extreme Schmerzen. Offiziell sollen diese Waffen dazu dienen, die Todesfälle durch Schusswaffen zu reduzieren, allerdings auch für „pain compliance“ (frei „Bereitschaft, Anweisungen Folge zu leisten durch Schmerz“). Das klingt schon ziemlich nach Folter und übertriebener Polizeigewalt, wenn man aber sieht, wie die Dinger eingesetzt werden, stehen einem die Haare zu Berge. Ohne einer wirklichen Gefahr entgegenzustehen (passiver Widerstand), werden sie einfach ungeduldig (z. B. weil eine Frau nicht aussteigen will) und benutzen ihre Taser.

Bereits auf den Werbevideos des Herstellers (!) sind ziemlich fragwürdige Dinge zu sehen (Video 1 | Video 2)

Im ersten Video lässt sich der Fahrer nach einer Verfolgungsjagd nicht direkt festnehmen, sondern hüpft herum und bewegt sich langsam von den ca. 10 Polizisten weg. Statt einfach hinzugehen und ihn festzunehmen machen die Polizisten es sich einfach, schocken ihn mit einem Taser und packen ihn dann gemütlich ein. Das wäre vielleicht noch rechtfertigbar, auch wenn der Fahrer offenbar keine Gefahr darstellte (unbewaffnet, siehe Aussage „he is not armed“)

Im zweiten Video:

1. Ein betrunkener Autofahrer widersetzt sich der Verhaftung (rangelt mit dem Polizisten, stellt aber keine ernsthafte Gefahr dar), und während der Polizist Verstärkung ruft, geht der Betrunkene zurück zum Auto und weigert sich stehenzubleiben. Der Polizist schießt ihm daraufhin mit dem Taser in den Rücken. Während das noch vielleicht rechtfertigbar wäre (obwohl eigentlich übertrieben), sieht es bald anders aus. Nachdem der paralysierte Mann wieder einige Anweisungen nicht beachtet hat und sofort geschockt wurde, signalisiert er laut und deutlich mit einem „okay“, dass er keinen Widerstand mehr leisten wird und wie aufgefordert seine Hände hinter den Rücken tun will. Er steht dazu auf, und obwohl der Polizist drei Meter entfernt steht und somit nicht in Gefahr ist, setzt er den Taser wieder ein. Nachdem der Betroffene (nach mehreren weiteren Schocks) die nächste Anweisung, seine Hände hinter den Rücken zu legen, mit der Antwort „I can’t“ beantwortet, lässt der Polizist von ihm ab. (Der Betroffene kann sich aufgrund der Stromschläge nicht mehr ordentlich bewegen!) Teilweise scheint es aber zu Fällen zu kommen, wo die Polizisten auch dann nicht aufhören!

2. Zwei Männer müssen aus einem Pickup aussteigen, im dem offenbar eine Waffe liegt. Sie befolgen die Anweisungen, der eine gibt zu, dass gegen ihn ein Haftbefehl besteht. Nachdem sie sich wie befohlen hingekniet haben, weigert dieser sich (da der Polizist die beiden ziemlich herumkommandiert), auch noch die Hände hinter den Hals zu legen („Ich werde den ganzen Kram nicht machen“). Daraufhin wird er, obwohl er keine wirkliche Gefahr darstellt, getasert.

In weiteren Youtube-Videos sieht man, wie z. B. ein Verdächtiger nicht 100%-ig die Anweisungen befolgt und daraufhin getasert wird. (Auffällig ist, dass er erst besonders widerspenstig wird, nachdem er mit dem Taser bedroht worden ist!) Während er bereits die Hände von sich streckt und „Okay, okay okay“ ruft, löst der Polizist den Taser noch mehrmals aus. Während der Verhaftung wird er dann nochmal geschockt, schreit „No, no, no“ (ich nehme mal an, dass er nicht besonders viel Widerstand leistet), woraufhin der Polizist den Taser einige Sekunden lang betätigt. Unter Schmerzensschreien entschuldigt sich der Verhaftete daraufhin und ist ab da sehr kooperativ („anything you want“, ich mache alles was ihr wollt). Danach unterhält er sich allerdings ganz normal mit den Polizisten (die auch nicht besonders nachtragend sind, was wohl leider die Ausnahme ist!), am Ende sagt er „ich hab nichts falsch gemacht, ich entschuldige mich, ich will nicht nochmal geschockt werden“ – klingt so, wie man sich die Reaktion eines durch Folter gebrochenen Menschen vorstellt. Das war wohl aber auch noch einer der harmloseren Fälle, wo der Einsatz nicht ganz unberechtigt war, auch wenn die Polizisten sehr „großzügig“ Stromschläge verteilt haben. Es zeigt aber, welche Schmerzen Taser verursachen und dass sie sehr geeignete Foltergeräte sind (und sie werden oft auch als solche eingesetzt, weswegen der Export beschränkt ist.

Am schockierendsten ist aber das Video, wo die Campuspolizei einer Uni wiederholt einen nur noch um Gnade flehenden Studenten schockt. Wie man sieht, hält sich der Filmende meist verdeckt, da er Angst hat, ebenfalls angegriffen zu werden. (Wohl nicht ganz unberechtigt, Zeugen, die nach der Dienstnummer fragen, werden damit bedroht.) Da sieht man, welche Gefahren neben dem offensichtlichen Missbrauch auch noch drohen: Durch Einschüchterung wird die Meinungsfreiheit und öffentliche Kontrolle der Polizei eingeschränkt, was sowohl mehr Missbrauch möglich macht als auch ein polizeistaatliches Klima der Repression schafft.

Ich hoffe, jetzt ist klar, dass, obwohl Taser für die Polizeit erstmal oft eine gute Idee zu sein scheinen, dies nicht immer der Fall ist. Insbesondere müsste ein Taser-Einsatz genauso streng wie ein Schusswaffeeinsatz reglementiert und überwacht werden, und es müsste wenigstens genausoviel Stress und Papierkram nach dem Einsatz geben. Das könnte den Missbrauch vermeiden helfen. Allerdings wäre es wohl sicherer, Taser überhaupt nicht oder wenn dann nur wenigen Mitgliedern von Spezialeinheiten zur Verfügung zu stellen.

Ein Taser darf nur ein Mittel letzter Wahl sein, direkt vor dem Schusswaffeneinsatz, und nicht wie offensichtlich in den USA „Universalwerkzeug“ und Mittel erster Wahl. Folter ist wirksam, ja. Das macht sie aber nicht besser oder weniger menschenunwürdig.

UPDATE: Telepolis hat einen Artikel darüber veröffentlicht, wie diese Taser gerne als Strafmaßnahme zum Foltern von unbequemen Menschen verwendet werden.

  1. 2007-08-27 um 08:27 UTC

    zu den videos: krass!
    ich bin froh dass diese dinger hier nicht im einsatz sind, ooooder?

    die „offiziellen herstellervideos“ könnten genausogut von mtv / jackass etc. sein …

  2. Jan
    2007-08-27 um 21:09 UTC

    Sie sind bzw. waren definitiv hier im Einsatz (zum Glück aber nicht weit verbreitet, vermutlich nur SEK oder so), wurden/werden gerne benutzt, um Selbstmörder z. B. von einem Sprung abzuhalten. Sind jetzt vieleicht nicht mehr so beliebt, seit ein Polizist damit auf einen Selbstmörder schoss, der schon überredet war. Die Batterie war leer, der Mantel des Selbstmörders dick, somit wurde der Selbstmörder nicht gelähmt, sondern nur gereizt, lief zurück zum Balkon und sprang (Quelle).

  3. 2007-09-02 um 08:12 UTC

    Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten…

  4. 2007-09-20 um 21:48 UTC

    Vor allem: das ist nicht das erste mal. Sicherheitskräfte die Elektroschockwaffe verwenden und…bringen jemandem um.

    hier das schlimmste video den ich je gesehen hab, nichts für schwachen nerven.
    http://angelsmagazine.blog.de/2007/09/20/usa_polizei_darf_toten_schock_video~3012756

  5. Thomas
    2007-10-09 um 22:33 UTC

    Moin zusammen,

    zum einen möchte ich sagen, dass diese Waffe eine Möglichkeit ist, unberechenbare Verdächtige aus der Distanz ohne Schusswaffengebrauch „zur Ruhe“ zu bringen. Des Weiteren fällt mir bei der Sichtung des Materials die Degeneration der amerikanischen Bevölkerung auf. ich denke, dass es da ein starkes Verhärten aller Fronten gab. Solche Szenen wären in good old germany allesamt eine Titelseite wert. Aber jedes Land bekommt eine Regierung, die es verdient; auch Amerikanistan.

    Mfg
    Tom

    PS. Sollte dem geneigten Leser ein gewisses Maß an Antiamerikanismus auffallen, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass dieses kein Irrtum sein könnte.

  6. 2007-11-16 um 00:40 UTC

    Da kann man hier echt froh sein das man in Deutschland lebt!

  7. marc
    2007-11-28 um 15:39 UTC

    Traurige Welt!

    Die USA ist als moderne Halbdiktatur schlechtes Vorbild, Guantanamo lässt grüßen.
    Aber auch Pseudodemokratien, wie Österreich und Schweiz greifen zur Folterwaffe.
    Um heute Polizist zu werden benötigt man offensichtlich keinerlei soziale Kompetenz,
    sondern man muss ein Arschloch ein, dann macht man steile Karriere.
    Ich fordere lebenslängliche Haft für die Taser-Mörder.

    Mfg Marc

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