Startseite > Überwachungsstaat, Datenschutz, Demokratie, Grundrechte, Internet, Newskommentare, Piraten, Politik, Sonstiges > Warum Onlinedurchsuchungen nicht zulässig sind

Warum Onlinedurchsuchungen nicht zulässig sind

Anlass für diesen Artikel ist ein Artikel der FAZ, in dem erklärt wird, warum wir die Onlinedurchsuchung brauchen und wie toll sie doch ist.

Die Ermittler dürfen – unter Einhaltung gewisser Grundsätze, die die Rechtsstaatlichkeit garantieren sollen – Telefongespräche genauso wie E-Mails, VoIP-Gespräche etc. abhören. Bring aber nix, wenn nur unverständlicher Datenmüll übertragen wird, weil die Gespräche verschlüsselt sind. Dazu bräuchte man den Schlüssel.

Ja, durch einen Trojaner könnte man den Schlüssel bekommen. Bei verschlüsselten Dateien gibt es übrigens auch ein sehr wirksames Verfahren, mit welchem sich nahezu alle Verschlüsselungssysteme knacken lassen. Die professionelle Bezeichnung nennt sich „Gummischlauch-Kryptoanalyse“. Es funktioniert folgendermaßen:

Ein Gummischlauch wird kräftig und häufig auf die Fußsohlen desjenigen angewendet, der den Schlüssel bzw das Kennwort kennt, bis der Schlüssel des Kryptosystems entdeckt wird – ein Prozess, der überraschend wenig Zeit in Anspruch nehmen kann und relativ wenig Rechenaufwand erfordert

Modernere Varianten setzen unter anderem Elektoschocks oder Wasser ein. Vulgär wird dieses Verfahren auch als „Folter“ bezeichnet.

Und Folter ist, wie im Gäfgen-Prozess eindeutig festgestellt wurde, unzulässig, selbst wenn dadurch Menschenleben gerettet werden. Dieses Verbot stellt eine anerkannte, unter keinen Umständen zu überschreitende Grenze dar. Und genau so eine Grenze sollten eigentlich auch andere Grundrechte darstellen. Nur wurde z. B. das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung durch die Möglichkeit zur normalen Hausdurchsuchung schon eingeschränkt. Daher ist es nicht so eindeutig, dass Stasi-artige konspirative Online-Durchsuchungen unzulässig sind. Und deswegen kann Schäuble seinen Dünnpfiff mit Rückendeckung der CDU ablassen, ohne dass ein Verbotsverfahren eingeleitet wird (was allerdings dringend nötig wäre)

Übrigens finde ich es besonders toll, dass in dem Artikel noch darauf hingeweisen wird, dass in den USA die Online-Durchsuchungen super laufen. Folter gedeiht dort nämlich auch prächtig.

Zusätzlich dazu würde eine Online-Durchsuchung den rechtsstaatlichen Grundsatz, dass niemand sich selbst belasten müsse, umgehen, da dadurch gewissermaßen die Herausgabe von Kennwörtern bewirkt würde – etwas, was man von einem verhafteten Verdächtigen niemals verlangen kann.

Schäuble hat sich übrigens darüber aufgeregt, dass ihm abwechselnd vorgeworfen werde, dass er geisteskrank sei und die Verfassung abschaffen wolle. Ich tue das nicht. Ich werfe ihm diese Dinge nicht abwechselnd vor, sondern gleichzeitig.

  1. 2007-09-21 um 00:44 UTC

    Daß man sich nicht selbst belasten muß, ist mit dem neuen BKA-Gesetz allerdings auch vorbei.

  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: