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Bankwerbung mit Kontobewegungen

Vor wenigen Tagen erhielt ich ein Werbeschreiben von der Postbank. Es war an mich persönlich adressiert, was eigentlich kein Wunder ist, da ich dort Kunde bin. Daher hätte ich das Schreiben normalerweise nach kurzer Begutachtung und Feststellung, dass das beworbene Produkt uninteressant ist, in den Papierkorb befördert – wäre mir nicht ein bestimmter Punkt darin aufgefallen: Es wird offensichtlich auf Geldeingänge auf meinem Konto hingewiesen („Glückwunsch – das erste eigene Geld ist da!“). Ich bezweifle, dass diese Formulierung in standardmäßig verschickten Werbeschreiben üblich ist (UPDATE: wohl doch, siehe unten), zumal dieses Schreiben zeitlich in Zusammenhang mit meinem ersten Gehaltseingang steht. Daraus schließe ich, dass die Postbank entweder diese Information von irgendeiner externen Quelle bekommen hat (die Verzögerung von ca. 1,5 Monaten zwischen Gehaltseingang und Werbung spricht auch dafür), oder aber die Informationen über Kontobewegungen ausgewertet und zu Werbezwecken genutzt werden. Auch wenn ich das bereits nicht besonders gut finde, könnte das rein rechtlich völlig in Ordnung sein. Wenn die Daten allerdings aus einer solchen Auswertung stammen, wundert mich eines – wie bereits erwähnt, war die Werbung für mich relativ uninteressant. Das lag daran, dass ich bereits genau das beworbene Konto habe, und dort auch das Geld eingegangen ist. Da Werbung per Post mit Druck- und Transportkosten verbunden ist, nehme ich an, dass eigentlich das System, welches die Werbung produziert, schlau genug gebaut sein sollte, dass bei Geldeingängen auf ein „Postbank Giro start direkt“-Konto keine „Nutzen Sie jetzt unser Postbank Giro start direkt“-Werbung verschickt wird. Daher habe ich den Verdacht, dass diese Daten eventuell auch auf anderen Wegen in das Werbesystem gekommen sein könnten, die Frage ist nur, woher (das würde nämlich bedeuten, dass jemand derartige Daten zu Werbezwecken vermarktet).

Ich habe mal den Datenschutzbeauftragten der Postbank angeschrieben, da die 24/7-Hotline (guter Service, dass es überhaupt sowas gibt, manchmal erledige ich solche Dinge etwas – spät) zur Nachtzeit („Guten Morgen“) wohl recht ahnungslos ist (dass sie mir nichts über die Werbung sagen konnte, ok, aber keine Ahnung, ob die Postbank einen Datenschutzbeauftragten hat ist schon ein starkes Stück!) und die Mitarbeiterin auch nicht besonders freundlich war und meine Bedenken total fehl am Platz fand – ist doch keine große Sache, ist doch völlig in Ordnung, sie sieht meine Gehaltseingänge ja auch, ich solle mich mal nicht so anstellen, ich würde in meinem Leben noch genug Werbung bekommen, wo ich nicht weiß woher die Daten sind (ehrlich gesagt, das hier ist die erste Werbung, wo etwas über meine Kontobewegungen (!) drinstand, und bei normaler Werbung habe ich bisher einen recht guten Überblick über die Datenquellen)

Und bevor sich jemand fragt, warum ich über diesen Mangel an Datenschutz meckere und eben diese Daten dann sogar öffentlich mache: Die konkrete Tatsache, dass ich Gehalt erhalten habe, bedarf meiner Meinung nach derzeit keines besonderen Schutzes, und außerdem ist es meine bewusste und gezielte Entscheidung. Es beunruhigt mich aber allgemein, wenn Kontobewegungen zu Werbezwecken ausgewertet werden.

UPDATE: Der „zentrale Datenschutz“ der Postbank hat auf meine (per unauthentifizierter E-Mail gesendete) Anfrage per Brief geantwortet (sinnvoll, damit nicht jemand an meine Daten kommt, eine Mail ist leicht gefälscht und meine Adresse dort wohl nicht hinterlegt). Es ist wohl tatsächlich so (wie Arne vermutet hat, siehe Kommentare), dass diese Briefe an alle Kunden einer vorab definierten Altersgruppe geschickt wurden. Der Postbank würde ich trotzdem nahelegen, das System so zu optimieren, dass keine Werbung für genau das Konto verschickt wird, welches der Kunde hat. Ich nehme an, fast jeder in der entsprechenden Altersgruppe für „erste Einkünfte“ wird das beworbene Produkt (kostenloses Jugendgirokonto…) haben, wenn er Postbank-Kunde ist, und andere Leute sollten die Werbung nicht bekommen. Ich werde sicherheitshalber bei Gelegenheit mal nachfragen, ob die Postbank wirklich nur an Kunden Werbung schickt – eventuell könnte dieser konkrete Datensatz nämlich auch über den Adresssammel- und Handelsdienst der Post an die Postbank gekommen sein, auch wenn ich nicht davon ausgehe.

  1. Arne
    2007-09-24 um 10:41 UTC

    Ich habe die gleiche Werbung bekommen und verdiene noch kein Geld. Ich denke mal eher, dass das eine generelle Werbung ist und die mit dem Spruch einfach hoffen ein paar Zufallstreffer zu landen.

  2. Jan
    2007-10-10 um 23:01 UTC

    Du hast wohl recht, Update eingefügt

  3. Kurt
    2007-10-13 um 13:39 UTC

    Die Vorgehensweise der Banken scheint in Mode zu kommen. Ich habe sofort nach Erhalt unseres ersten Kindergeldes Post von meiner Bank erhalten: „Aufgrund der Höhe Ihres Kindergeldes…folgendes Angebot von uns“.

    Der Datenschutzbeauftragte meiner (noch) Bank findet das in Ordnung und verweist auf §28 des Bundesdatenschutzgesetzes. Dort sind zur Werbung aber nur allgemeine Daten (Geschlecht, Geburtsjahr, etc) erlaubt. So wie es bei dir anscheinend angewendet wurde.

    Jetzt prüft ein Datenschutzbeauftragter unseres Bundeslandes, ob das rechtlich OK ist. Es kann ja nicht sein, dass die Texte der Zahlungseingänge der Kunden einer Bank für Werbung gefiltert werden! Als nächstes bekomme ich ne Risiko-Lebensversicherung angeboten, wenn ich als Privatpatient häufig Arztrechnungen bezahle?

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