Archiv

Archive for 2007-10-01

Richtig kommunizieren am Arsch der Welt

2007-10-01 2 Kommentare

Immer mehr Mails mit Reiseberichten von ehemaligen Mitschülern, die in die weite Welt gereist sind, trudeln ein. Und da ich der Meinung bin, dass jeder seinen Mitmenschen helfen sollte, wie er kann, versuche ich, meinen Beitrag zu leisten. Wie bekannt ist, liegt meine Stärke im IT-Bereich, und daher bezieht sich meine Hilfe auch darauf. Dieser Eintrag ist primär für diese erwähnten Mitschüler gedacht, aber vielleicht hilft er auch anderen, deswegen schreibe ich ihn hier öffentlich hin.

Zunächst einmal möchten viele darüber berichten, wie es ihnen geht, was sie erlebt haben etc. – das geht entweder per e-Mail (siehe Richtig Mailen), Mailingliste (dazu muss jemand einen Server einrichten – was aber kein Problem sein sollte) oder Blog. Ein Blog ist meist öffentlich, aber auch sehr bequem. Es ist genauso einfach wie Mails schreiben (wenn nicht einfacher), und bei den zahlreichen Blog-Anbietern ist ein kostenloses Blog schnell erstellt. WordPress.com kann ich empfehlen (dort liegt auch dieses Blog, Nachteile sind, dass man das Design nicht völlig frei anpassen kann, man keine Werbung auf dem Blog platzieren kann und soweit ich weiß die Option „Blog nur für bestimmte Personen“ nur bis zu einer bestimmten Anzahl kostenlos ist), andere Anbieter (wie blogger.com) habe ich nicht ausprobiert. Blogs können auch kennwortgeschützt werden. Sie eignen sich aber primär zum völlig öffentlichen Berichten, und haben den Vorteil, dass sie sehr übersichtliche Archivfunktionen und die von Kennern geschätzten RSS-Feeds haben, die einen genauso zuverlässig, aber deutlich übersichtlicher und bequemer über neue Einträge informieren.

Gute Reiseführer (die meist auch etwas über Kommunikationsmöglichkeiten schreiben) bietet meist Wikitravel, manchmal lohnt es sich, verschiedensprachige Versionen zu lesen, da einige Informationen nur in manchen Sprachen vorliegen, und meist gibt es Reiseführer für große Städte, für Gegenden und für ganze Länder. Alles passende könnte man mal lesen, wenn man Zeit hat.

Notruf von Handies ist meist die Nummer 112 – funktioniert auch ohne SIM-Karte.


Telefonieren über das Internet ist eine sehr günstige Möglichkeit, von Deutschland aus angerufen zu werden und nach Deutschland zu telefonieren. Vorraussetzung ist Breitband-Internetzugang (alles was schneller als ISDN ist sollte reichen, mit einer guten Konfiguration könnte sogar ISDN gehen), vorzugsweise mit einer Flatrate. Bei Volumentarifen ist zu beachten, dass pro Minute etwa 1 MB an Daten anfällt. Auf einem an diesen Internetzugang angeschlossenen Computer muss eine Software installiert werden, es wird ein funktionierendes Headset benötigt.

Dann kann man sich z. B. bei Sipgate einen kostenlosen „Telefonanschluss“ holen. Einfach auf den Link klicken, deutsche Ortsnetzvorwahl (des Netzes, wo die deutsche Meldeadresse liegt, also zuhause) eingeben (z. b. 069 für Frankfurt). „Sipgate basic“ auswählen (kostenlos). Wenn man will, kann man jetzt für ca. 9 EUR im Monat eine Flatrate bestellen, mit der dann Telefonate ins deutsche Festnetz (und noch in die Festnetze einiger anderer Länder) abgedeckt sind, würde ich aber nicht machen (kann man nachholen, wenn alles funktioniert). Nach der Wahl der Telefonnummer (darauf achten, dass es auch eine Ortsnetznummer und keine 0180x-Nummer ist) muss man dann die Adresse bestätigen. Entweder kostenlos und sofort über eine Schufa-Überprüfung (sofern man noch unter der Heimatadresse gemeldet ist), oder über Fax/Post (Post könnte auf PostIdent hinauslaufen, also besser Fax, das können dann wahrschenlich einfach Angehörige zurückschicken). Ohne Guthaben (Sipgate hat ein Prepaid-Modell) kann man zunächst nur angerufen werden (es sei denn, man hat die Flat, außerdem sind Gespräche von Sipgate zu Sipgate kostenlos und daher immer möglich).

Aber: man erhält eine deutsche Festnetznummer, unter der man weltweit erreichbar ist, und der Anrufer zahlt nur einen Anruf nach Deutschland (also gar nichts, wenn er eine entsprechende Flatrate hat). Dazu muss man die Sipgate-Software herunterladen und installieren, diese ist bereits vorkonfiguriert, auch das Kennwort ist fest in der Installationsdatei eingebaut, sodass fast nichts eingestellt werden muss. Personal Firewalls (Firewallprogramme) müssen natürlich richtig eingestellt werden, Router sollten kein Problem sein (wenn doch, kann ich helfen).

Solange die Software läuft, sollte man dann unter der deutschen Festnetznummer erreichbar sein, und man zahlt nur die Internetverbindung (dafür gibt es Flatrates) und der Anrufer zahlt eine innerdeutsche Verbindung. Wenn irgendwas schiefgeht, kann es auch sein, dass Sprache nur in eine Richtung übertragen werden kann, das liegt meist an Routern/Firewalls (wenn das Headset richtig eingestellt ist und funktioniert).

Werbeanzeigen

Geschickte Argumentationen

2007-10-01 6 Kommentare

Mir ist gerade eine sehr geschickte, ziemlich unfaire Argumentationsweise aufgefallen. Es geht darum, dass Unternehmen in Berlin dazu gezwungen werden sollen, Wasser von der Stadt zu kaufen statt es selbst zu fördern (das ist für das Verständnis der Sache wichtig, aber nebensächlich, es geht um die Art, wie argumentiert wird). Es geht um diesen Artikel im Tagesspiegel. Zitat:

Das Verbot der Eigenförderung von Wasser gefährde besonders bei metallverarbeitenden Betrieben und der Lebensmittelindustrie die Wettbewerbsfähigkeit und damit letztlich auch Arbeitsplätze, sagte Eder. Für alle auf das Produktionsmittel Wasser angewiesenen Unternehmen sei der Anschluss- und Benutzungszwang Gift. Zudem verwies der IHK-Hauptgeschäftsführer darauf, dass ein Anschluss- und Benutzungszwang seiner Ansicht nach Wettbewerb verhindert.

Mit der Wahlmöglichkeit zwischen öffentlicher oder eigener Wasserversorgung hätten die Unternehmen bisher die Chance, in Berlin auch wasserintensive Produktionsstätten anzusiedeln. „Die IHK befürchtet, dass solche Betriebe mittelfristig schließen oder ganze Produktionszweige eingestellt werden“, erklärte Eder.

Natürlich spart die Eigenförderung Kosten (welchen Einfluss sie auf das Grundwasser hat, ist aber natürlich wieder fraglich) – und es scheint zunächst nachvollziehbar, dass mehr Kosten weniger Arbeitsplätze bedeuten (können) – wieder einmal das beliebte Spiel „entweder ihr sorgt auf Kosten der öffentlichen Kassen dafür, dass wir geringere Kosten haben, oder wir hauen ab und ihr habt mehr Arbeitslose“. So weit, so schlecht, eben die üblichen Erpressungsversuche, denen meiner Meinung nach aus Prinzip nie nachgegeben werden sollte – oft ist der einzige „Schaden“, der durch Einschränkungen entsteht, dass nur ein hoher statt einem abartig hohem Profit erwirtschaftet werden kann, insbesondere meist wenn bestimmte Arten von Lobbyisten solche Forderungen von sich geben.

Weiter geht es aber mit einem entscheidenden Fehler:

Ohnehin würden von den in Berlin verbrauchten rund 200 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr nur gut ein Prozent von Unternehmen selbst gefördert.

Das Argument „ist ja nicht so schlimm, also könnt ihr auch zu unserem Gunsten entscheiden“ ist alt, oft und sehr nervig. Und es gibt ein sehr schönes Gegenargument: „Ok, wenn es so egal ist, dann kann es euch doch egal sein“. Außerdem werden auch die ganzen Behauptungen oben relativiert: So viele Unternehmen/Arbeitsplätze werden dann wohl doch nicht betroffen sein. Entweder hier wird mit falschen/geschönten Zahlen argumentiert, oder die obigen Aussagen sind dreiste Lügen. Immer schön, wenn man die Zahlen, mit denen ein Gegner argumentiert, gegen ihn verwenden kann – die kann er nämlich (selbst wenn sie es sind) nicht so leicht für Unsinn erklären.

Das Sahnehäubchen kommt aber noch:

Die Schließung wasserintensiver Betriebe führe auch zwangsläufig zu einer Verteuerung des Trinkwassers in Berlin, ergänzte Eder. Das liege daran, dass ein rückläufiger Wasserverbrauch die ohnehin schon sehr hohen Betriebskosten der Wasserbetriebe weiter steigen lasse.

Ein Argument, was ohne näheres Nachdenken vielleicht akzeptiert wird und so die Position der Industrie stärkt – obwohl es ziemlich offensichtlicher Unsinn ist, wenn man darüber nachdenkt: Eine solche Regelung betrifft nur Betriebe, die Wasser selbst fördern. Wenn die deswegen zumachen, werden sie also weniger Wasser selbst fördern, aber nicht weniger Wasser von den Wasserversorgern kaufen, da sie ja eh selbst fördern. Auf die Wasserpreise hat es also keinen negativen Einfluss, im Gegenteil: Einige der Unternehmen werden „in den sauren Apfel beißen“ (siehe oben) und somit wird der Wasserverbrauch aus den Netzen der Versorger sogar steigen. Wasserintensive Betriebe, die ihr Wasser von den städtischen Wasserbetrieben beziehen, stört die Regelung eh nicht (sie kaufen ihr Wasser ja, statt es zu fördern), im Gegenteil, wenn ein höherer Verbrauch die Betriebskosten senkt und somit auch den Wasserpreis, profitieren sie sogar.

Wenn man die zunächst überzeugend klingende Argumentation konsequent weiterdenkt, sieht man schnell, dass – sofern nicht massiv Lügen eingebaut sind, was ich vermute – der Großteil der Betriebe von einer solchen Regelung eher profitieren würde und somit die IHK gegen die Betriebe argumentieren würde. Unwahrscheinlich? Ja – und daran sieht man, dass die Argumentation nur mit Scheinargumenten erfolgt (allerdings leider sehr geschickt).

Eine solche Praxis ist wohl leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Hier ist sie mir aufgefallen und kam mit besonders geschickt vor. Es ist jedoch wohl nur ein Teil der Spitze eines riesigen Eisbergs.