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Wahlstatistiken, nicht anonym – dank Wahlcomputern?

Wozu sich Wahlcomputer noch einsetzen lassen, hat Venezuela eindrucksvoll gezeigt. Vermutlich mithilfe von Wahlcomputern wurde das Wahlgeheimnis nicht nur völlig abgeschafft, sondern auch direkt eine Datenbank über die Wahlentscheidungen aller Wähler angelegt, sodass Chavez weiß, wer ihn abwählen wollte. Ergänzung: Soweit ich weiß wurde die Liste noch ergänzt mit der Liste der Teilnehmer an der Petition für einen Rücktritt, enthält aber auch das Abstimmungsverhalten bei angeblich geheimen Wahlen. In der direkten Datenbank konnte ich diese Angaben nicht finden, allerdings gibt es noch eine große, offenbar in meiner Version defekte Datenbankdatei. UPDATE: Ich habe keine verlässliche Quelle dafür gefunden, dass außer der Unterschriftenliste bei der Petition, die Chavez‘ Rücktritt forderte, auch noch die Wahlergebnisse von Wahlcomputern verwendet wurden – damit ist die Vermutung zwar noch nicht widerlegt, aber von einer gesicherten Annahme kann man nicht mehr sprechen. Es bleibt auf jeden Fall trotzdem eine komplette Liste mit Adressen und IDs politischer Gegner, und die Befürchtung in der Bevölkerung, dass Wahlcomputer für die Erstellung solcher Listen eingesetzt werden (dazu siehe unten). Und damit der Spaß vollkommen ist, ist diese Datenbank inzwischen auch in diverse Filesharingnetze gelangt, ist also völlig öffentlich. Wie so eine Datenbank missbraucht werden kann und in diesem Fall auch wurde, ist ja wohl offensichtlich:

Many people have complained about the existence of a list, compiled by chavista assemblyman Luis Tascon with a group of collaborators, that is widely utilised by government officials at all institutional levels to deny passports, contracts, IDs, employments, benefits, etc.

Immerhin haben die Schlägertrupps jetzt eine äußerst hochwertige Liste aller Personen, die „überzeugt“ werden müssen, das nächste Mal „richtig“ zu wählen. Mit Adressen. Übrigens gibt es in der Datenbank ein Ja/Nein-Datenfeld „Oppositor“ (frei übersetzt: politischer Gegner) damit man Personen der „falschen“ Meinung richtig schnell findet.

Die Screenshots lassen einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Wenn einfach dagegen protestiert wird, dass alle Bürger mit Identifikationsnummern versehen werden sollen, ist das ein abstraktes, unverständliches Etwas, was einen nicht unbedingt wirklich stört. Wenn man sowas aber mal im Einsatz sieht („Hiermit authorisiere ich Herrn Luis Tascón Gutierréz, Identifikationsnummer 9.239.964, …“), in Verbindung mit derartig großen Zahlen, begreift man erst, was so ein System bedeutet. Vor allem, wenn irgendwann eine Liste „unerwünschter“ Personen angelegt wird, die bei jeder Gelegenheit anhand ihrer Nummer schikaniert werden. Am Beunruhigendsten finde ich: Wenn so eine Datenbank in 10 Jahren in Deutschland erstellt wird, werden Fotos und Fingerabdrücke auch gleich mit dabei sein.

Das Ganze soll übrigens mit der Verfassung und den sonstigen Gesetzen Venezuelas völlig konform sein. Es ist nicht schwer, auch die besten und demokratischsten Gesetze durch „richtige“ Auslegung weit genug zu dehnen, um fast jeden Unsinn zu legitimieren, undemokratische oder nicht gegen sowas gesicherte Gesetze machen es nur leichter und unauffälliger. Offiziell dient die Datensammlung übrigens unter anderem dazu, den Zugang zu Informationen zu demokratisieren und Wahlbetrug zu vermeiden! (Jeder Wähler soll überprüfen können, ob nicht jemand in seinem Namen unterschrieben hat – dafür würde aber auch die Identifikationsnummer allein reichen.)

Die Präsentation, mit der für die Wahlcomputer geworben wird, sieht aus wie von Grundschülern gemacht (unscharfe Logos, dutzende verschiedener Schriften – größtenteils wohl versehentlich, massig Clip-Arts, vermutlich alle Animationen die Powerpoint zu bieten hat, usw.) und ist überall mit dem Logo der Kampange versehen, mit der direkt für den Machterhalt von Chavez geworben wird – eine recht klare Aussage über die Neutralität der Verantwortlichen. Die Wahlcomputer hatten eine „voter-verified paper audit trail“, d. h. zu jeder Stimme gab es einen gedruckten Zettel, den der Wähler prüfen konnte. Das erschwert Wahlbetrug immens (ohne diese Maßnahme reicht eine manipulierte Software, was äußerst einfach ist) – die Wahl wird quasi auf eine Papierwahl zurückgeführt. Wenn die Papierstimmen dann auch wirklich gezählt werden, ist jeder Vorteil der Computerwahl verloren – aber auch die meisten Nachteile verschwinden. Betrogen wurde in Venezuela (EDIT: ob da betrogen wurde, weiß ich nicht) wird bei dieser Methode dann eben nach dem klassischen Schema, die Urnen mit den Zetteln wurden werden dabei dann verschwunden, ausgetauscht oder falsch gezählt. Zahlreiche „fortschrittliche“ Länder der 1. Welt, die Wahlcomputer einsetzen oder einsetzen wollen, verzichten übrigens auf Papier-Protokolle.

UPDATE: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Artikel so eine Aufmerksamkeit erregt, weswegen ich mir nicht besonders viel Mühe gegeben habe, alle Quellen zu verifizieren und anzugeben (da ich noch anderes zu tun habe und Quellen zu dem Thema schon schwer genug zu finden sind). Übrigens ist das Ganze wohl schon ein paar Jahre her, es ist nur erst jetzt hier in Deutschland bekannt geworden. Auf das Thema gestoßen bin ich über einen Hinweis in Fefes Blog. Dort gibt es einen Link auf eine Seite, die einen Überblick über die Liste und die dazugehörige Software gibt. Im eDonkey-Netz gibt es einige Archive, die die Datenbank enthalten. Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass es mindestens die auf den Referendumsunterschriften basierende Liste gibt. In den Kommentaren zu einem Artikel, der die paper-trails lobt, steht:

by Anonymous Coward on Nov 28th, 2006 @ 6:46pm

I’m sorry, but as a Venezuelan I would like to express a completely opposite point of view.

[…]

In our last elections, our Referendum, where we voted ‚Yes‘ or ‚No‘ if we wanted the candidate to leave, we also had a paper trail. BUT, some of the boxes ‚magically‘ disappeared when they were brought back to our capital city. And the rest, even though we asked that they would be fully counted, to verify the results, not a single box was opened.

Another thing I would like to mention, and I would like you to keep in mind the right to a secret vote. Here, in Venezuela, you can buy a Data-DVD called ‚Maisanta‘. This is a database containing most of the voter’s Name, I.D. and who they voted for in this election. Something similar also ocurred in the previous election, although the database wasn’t ‚leaked‘ as far as this one.

Die letzten zwei Sätze behaupten, dass die Ergebnisse mehrerer Wahlen in der Datenbank enthalten sind. Von verschwundenen Wahlurnen ist übrigens auch die Rede. Ja, dabei handelt es sich nur um einen unverifizierten anonymen Kommentar. Da ich trotz Suche keine weiteren brauchbaren Quellen gefunden habe, kann ich nur sagen, dass es zumindest nicht belegt ist, dass Wahldaten genutzt wurden, man davon also nicht definitiv davon ausgehen kann. Ein brauchbarer Beweis wäre wohl eine Kopie der Datenbank, die diese Angaben enthält. Es kann durchaus sein, dass ich mich geirrt habe, da ich – nach Lektüre des Artikels auf Fefes Blog davon ausgehend, dass die Daten von Wahlcomputern standen – übersehen hab, dass das nicht wirklich durch auch nur halbwegs verlässliche Quellen belegt ist. Die Überschrift hat deswegen ein Fragezeichen bekommen und ich habe den ersten Absatz ergänzt.

Die Zuordnung einer abgegebenen Stimme zu einem Wähler könnte z. B. geschehen, indem der Wahlcomputer die Stimme nochmal irgendwohin spiegelt und der Wahlbeamte die Identifikationsnummer des Wählers vorher irgendwo eingegeben/ausgewählt hat, z. B. im Rahmen der Überprüfung, ob der Wähler nicht schon gewählt hat. Die Fingerabdruck-Scanner, die diese Überprüfung sicherer machen sollten, wurden aus Angst vor einem solchen Angriff schließlich um- oder abgebaut. Aufgrund der mangelnden Überprüfbarkeit von Wahlcomputern können solche Angriffe nie zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Außerdem habe ich irgendwo (ich weiß dass das keine gute Quellenangabe ist, hat jemand einen Link?) gelesen, dass ein Fehler in den Wahlcomputern behoben wurde, der sich auf das Wahlgeheimnis ausgewirkt hat, sodass klar sein dürfte, dass sowas möglich ist. Offenbar sind Befürchtungen bezüglich des Wahlgeheimnisses (insbesondere aufgrund der aus den Referendumsunterschriften entstandenen „Schikanierlisten“) in der Bevölkerung verbreitet – allein das reicht aus, um das Ergebniss zu beeinflussen (wenn man nicht weiß, ob man beobachtet wird, geht man teilweise sicherheitshalber davon aus, dass es der Fall ist, und traut sich nicht, seine Meinung zu äußern).

Noch ein Hinweis am Rande: An der Diskussion/Schlammschlacht, ob in Venezuela eine Demokratie oder eine Diktatur herrscht bzw. ob die Wahlen tatsächlich gefälscht wurden oder nicht möchte ich mich nicht beteiligen, da solche Sachen wohl nie abschließend geklärt werden können und nur zu ewig langen Flamewars führen. Hier geht es nur um das Beispiel für die „kreative“ Nutzung von Bevölkerungsdatenbanken, ID-Nummern und evtl. Wahlcomputern.

Informationen/Quellen etc. sind immer willkommen!

  1. 2007-11-15 um 18:36 UTC

    ich fürchte, die namen, die da im umlauf sind, sind nicht mithilfe von wahlcomputern erstellte namenslisten, sondern listen eines referendums gegen chavez, so wie es sie hier in deutschland auch gibt – öffentlich zugänglich.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Ch%C3%A1vez#Das_Referendum

    diese listen mit namen und adressen und allem pipapo gibt es auch in jeden eckladen in venezuela zu kaufen. in einer politischen situation wie in venezuela ein heikles ding …

  2. Jan
    2007-11-16 um 04:39 UTC

    @sapere aude: siehe Ergänzung

  3. 2007-11-16 um 17:47 UTC

    Referendumslisten, öffentliche Zugänglichkeit, Sammeln von Daten über Personen das ist eine Sache. Die Gefahren stellst Du dar und da sind wir sicherlich einer Meinung.
    Wie sieht es aber damit aus:
    Wozu sich Wahlcomputer noch einsetzen lassen, hat Venezuela eindrucksvoll gezeigt. Vermutlich mithilfe von Wahlcomputern wurde das Wahlgeheimnis nicht nur völlig abgeschafft, sondern auch direkt eine Datenbank über die Wahlentscheidungen aller Wähler angelegt, sodass Chavez weiß, wer ihn abwählen wollte.
    Ich lehne Wahlcomputer ab, hauptsächlich aus Gründen einer möglichen Manipulierbarkeit bei der Auswertung, Du stellst hier eine völlig neue Dimension dar. Du unterstellst, dass via Wahlcomputer jede Stimme einem bestimmten Wähler zugeordnet wurde. Bin eine IT Laie – wie soll das funktionieren?
    und noch zum Verfahren mit dem Papierstreifenausdruck: Wozu dienen diese Ausdrucke, die vom Wähler kontrolliert wurden und dann in eine Urne wanderten. Sie dienen der Kontrolle, zum Beispiel der Kontrolle durch Wahlbeobachter. Anhand dieser Ausdrucke lässt sich nachweisen ob eine Manipulation, via Programmierung stattgefunden hat. Im Zweifelsfalle könnte man alle Stimmzettel so nachzählen. Diese Streifen wurden nachgezählt, nicht alle aber eine angemessen große Stichprobe. Sie wurden nachgezählt von Mitarbeitern der Jimmy Carter Centers, von Wahlbeobachtern der OAS und EU. Es war nicht bekannt wo nachgezählt wurde, die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip kurz vor Ende der Abstimmung. Die Abweichungen zwischen dem Gesamtergebnis über alle Wahlstationen und den von Hand ausgezählten Stimmen waren marginal.
    Aleksander Boyd ist nicht der Erste der im Zusammenhang mit dem Referendum einen Wahlbetrug konstruieren wollte. Renommiertere haben dieses auch schon versucht, beschränkten sich aber im Wesentlichen auf die Entwicklung von Modellen nach denen ein Wahlbetrug hätte funktionieren können.
    Die Frage des Wahlbetruges ist damit vom Tisch es sei man wollte Jimmy Carter als Betrüger bezeichnen. Es bleibt die Frage nach dem Bruch des Wahlgeheimnisses, wie funktioniert die eindeutige Zuordnung einer abgegebenen Stimme zu einem Wähler? Auch mit Blick auf die Datensammelwut bei uns.

  4. 2007-11-16 um 18:35 UTC

    sorry, aber ich fürchte, dass es sich bei den daten einfach nicht um daten offizieller wahlen handelt. ich habe meine infos direkt aus venezuela, was nicht heißt, dass dass ich sie direkt von chavez habe :o)

    chaves ist ein extrem bedenklicher populist, der seine macht lediglich auf dem öl und der armut großer teile der bevölkerung aufbaut. aber wahlen mußte er bisher offenbar noch nicht manipulieren … auch nicht mit elekronischen prangern.

    aber ich kann ja nochmal nachfragen. vielleicht irre ICH ja …

  5. Jan
    2007-11-17 um 04:57 UTC

    Ich habe eine Ergänzung in den Artikel geschrieben, der insbesondere die Frage, wie/ob Wähler und Stimmen einander zugeordnet werden können, klären sollte. Ob wirklich Daten von Wahlcomputern geflossen, kann derzeit wohl weder ausgeschlossen noch belegt werden.

    @sapere aude: Deine Informationen sind immer herzlich willkommen, wenn ich einen Fehler gemacht habe, bin ich gerne bereit, ihn richtig zu stellen.

  6. 2007-11-17 um 09:14 UTC

    Erst mal danke für die Auskünfte, es überzeugt mich nicht aber das ist mein Problem. Was ich jetzt sage, ist sicherlich gemein, aber so sehe ich es: Die Zweckdienlichkeit bleibt erhalten, etwas mehr könnte, eventuell möglich … Egal, nicht mein Bier.

    – damit ist die Vermutung zwar noch nicht widerlegt, aber von einer gesicherten Annahme kann man nicht mehr sprechen.

    und deshalb halten wir sie erst mal aufrecht oder wie soll ich das verstehen.

    „ob die Wahlen tatsächlich gefälscht wurden oder nicht möchte ich mich nicht beteiligen, da solche Sachen wohl nie abschließend geklärt werden können und nur zu ewig langen Flamewars führen.“

    genau dieses machst Du, den Verweis auf das Monitoring durch das Carter Center hab ich schon in meinem vorherigen Kommentar gebracht. Dadurch, dass Du diese Quelle anscheinend nicht nutzt aus welchen Gründen auch immer, wiederholst Du den Vorwurf der Wahlfälschung, wenn auch indirekt, damit wird nicht nur das Ergebnis 2004 diskreditiert sondern im gleichen Atemzug das Monitoring. Das Carter Center ist weltweit die Nummer Eins was Zuverlässigkeit und Vertrauen in Wahlüberwachung betrifft, wenn hier Unseriösität unterstellt wird, können wir Wahlmonitoring insgesamt einstellen und Wahlen in bestimmten Ländern ebenfalls. Wenn das Leute wie Boyd machen, dann ist das eine Sache wenn Du das machst ist es eine andere, Dein Anspruch ist doch sicherlich Lichtjahre von einem Boyd entfernt zumindest haben Deine bisherigen Artikel diesen Eindruck vermittelt und belegt. Bisher. Also warum nicht völlig neu schreiben, das Grundproblem existiert ja weiter ist aber ohne den Bezug zu Chavez vielleicht nicht ganz so sexy.

    Sorry, nicht Deine Meisterstück aber wenn’s denn hilft. Schönen Tag.

  7. 2007-11-17 um 09:44 UTC

    Nachtrag: War wohl im vorherigen Kommentar etwas hart, zumindest was die Formulierung betrifft, werde mich die Tage noch mal ausführlicher damit beschäftigen.

    Schönes Wochenende.

  8. 2007-11-17 um 17:54 UTC

    Nur noch ein paar Fragen. Deine Angaben beruhen auf der verlinkten website vcrisis wenn ich das jetzt richtig verstanden habe. Hältst Du diese website für vertrauenswürdig, ich will Dich nicht reinlegen aber der Herr ist ein ausgesprochener Bewunderer nicht nur von Dschingis Khan sondern vor allem auch von Pinochet, gut das muss ja nicht unbedingt heißen, dass alles grundsätzlich falsch ist was er so von sich gibt aber für mich ist die Site nicht vertrauenswürdig, allerdings ist der Herr mir schon auch länger „bekannt“. Deshalb einige weitere Fragen: Bist Du selbst in der Datenbank gewesen, wenn ja wie komm ich da rein? Ist verifizierbar, dass es sich um besagte Listen basierend auf den Unterschriften für das Referendum handelt?

  9. Jan
    2007-11-17 um 20:25 UTC

    @Balou:
    Zu deinem Vorwurf, dass ich die Behauptung erstmal aufrecht erhalte, obwohl ich sage, dass sie nicht belegt ist – ich habe den entsprechenden Teil des Postings durchgestrichen, um eben zu zeigen, dass ich sie NICHT aufrecht erhalte, bis die Sache geklärt ist. Löschen möchte ich den Teil nicht, da ich zu meinen Fehlern stehe und der Meinung bin, dass solche Sachen nicht gelöscht werden sollten (damit nachvollziehbar bleibt, was da stand), und weil das Ganze noch nicht komplett geklärt ist (ich will wissen, was in dieser defekten 1 GB großen Datenbank ist) und durchaus noch Belege auftauchen könnten, dass Wahldaten erfasst wurden.

    Zu der Wahlfälschung: Auch das hatte ich korrigiert – den Vorwurf der Wahlfälschung gestrichen und gesagt, dass ich nicht weiß, was der Fall ist. Dabei habe ich noch übersehen (jetzt korrigiert), dass auch später noch einmal im Text stand, dass Wahlurnen vertauscht WURDEN. Die Wahl gilt teilweise immer noch als umstritten, das Auswärtige Amt sagt:

    OAS und Carter-Zentrum fanden keine überzeugenden Belege für den von der Opposition behaupteten Wahlbetrug. Die EU hatte allerdings bereits im Vorfeld von einer Wahlbeobachtung Abstand genommen, nachdem die venezolanische Regierung nicht die dafür üblichen Mindeststandards gewähren wollte.

    Ich will nicht darüber diskutieren, ob es Wahlfälschung gab. Das bedeutet, das ich mich da raushalte und auch keine Gegenquellen angebe, weil das auf eine Schlammschlacht hinausläuft auf die ich keine Lust habe. Es ist umstritten, und ich halte mich da raus.

    Komplett ersetzen werde ich den Artikel nicht, da ich erstens zu den Fehlern darin stehe und zweitens der Hauptteil nach wie vor stimmt. Die „Lista de Tascon“ ist auf jeden Fall ausreichend belegt, Quellen siehe englische Wikipedia.

    Die auf den Screenshots gezeigte Software existiert und ist über eMule zu beziehen. Das Archiv enthält die Liste des Tascon, die aus den Petitionsunterschriften stammt und neben Name, Adresse, ID-Nummer, „Opositor“ etc. noch zahlreiche andere Felder enthält, sowie eine 1 GB große Datenbank, die allerdings in dem Archiv welches ich habe defekt ist. Es soll mehrere Versionen von verschiedenen Zeitpunkten geben.

    Die Angaben auf der vcrisis-Seite sind also meiner Meinung nach zumimdest im Großen und Ganzen hinreichend belegt, und die Liste spricht schon in gewisser Weise für sich – es sind WEIT mehr Informationen drin als für eine Überprüfung durch die Wähler (den angeblichen Zweck) nötig.

  10. 2007-11-17 um 21:35 UTC

    Vielen Dank für Deine Auskünfte, hast mir weitergeholfen. Dank auch für den wikipedia link. Die Frage inwieweit diese Liste entsprechend Deiner oder besser Boyds Annahmen verwendet werden wir wohl kaum klären. Die Tatsache dass es sich dabei um einen Skandal handelt ist ebenfalls unstrittig und auch in Deutschland sind Äußerungen dazu nicht neu, allerdings eher ganz allgemein und nicht in der dargestellten – und korrigierten – Form. Was vcrisis betrifft, keine weitere Wertung von meiner Seite, der Mann spricht für sich. Ich für meine Person werde mal versuchen für mich persönlich Licht in die Sache zu bringen, jenseits von Boyd, den so genannten Oppositions- oder den Staatsmedien in Venezuela. Leider ist im verlinkten wikipedia Artikel der letzte Link auf die Geschehnisse und ihre eventuellen Folgen von 2006. da müsste sich eigentlich was getan haben zumal für Herbst 2006, laut wikipedia, eine Gerichtsentscheidung anstand.

    Zum Wahlbetrug auch wenn es Dich nicht interessiert aber vielleicht interessiert es andere Leser Deiner Site. Aus dem Text des Auswärtigen Amts lässt sich keine Wahlfälschung schließen, aber es wird auf die Schwierigkeiten im Vorfeld hingewiesen. Dazu im Abschlußbericht des Carter Centers:

    Continuous efforts to restrict the activities of international observers by some CNE directors forced Carter Center staff to spend considerable time in the lead-up to the election working with CNE directors, including the head of the commission, Oscar Battaglini, and the CNE president, Francisco Carrasquero, to come to agreement on the observation conditions acceptable for the Center.
    The European Union declined the invitation to observe the recall referendum, explaining they did not have sufficient time to mount an observation mission.

    Der Bericht zeichnet ein klares Bild von den Abläufen, den Schwierigkeiten und den Unzulänglichkeiten, beginnend bei der Einleitung bis zum abschließenden Bericht und der Auswertung. Der Bericht weist ebenfalls auf die Vorwürfe von Wahlfälschung hin und untersucht diese. Ist interessant zu lesen und liefert eine Menge Einblicke, vielleicht auch Einsichten.

    Carter Center / Venezuela 2004

  1. 2007-11-15 um 06:32 UTC
  2. 2007-11-15 um 10:56 UTC
  3. 2007-11-15 um 16:54 UTC
  4. 2007-11-16 um 14:23 UTC
  5. 2007-11-16 um 20:37 UTC
  6. 2007-11-17 um 11:41 UTC
  7. 2007-11-30 um 19:34 UTC

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