Howto: Kinderpornographie im Internet melden

Für Eilige: Hier klicken, um zur Liste der Beschwerdestellen zu springen.

Obwohl ich das Internet schon sehr lange sehr intensiv nutze, ist mir dort noch nie Kinderpornographie begegnet. Soweit ich weiß nichtmal in Form von SPAM-Betreffzeilen, die allerdings durchaus gelegentlich auf Jugendpornographie hinweisen.

Dennoch stellt sich die Frage: Was, wenn man doch mal auf sowas stoßen sollte? Eigentlich wäre es ja sinnvoll, so etwas zu melden, nur wohin? Die staatlichen Ermittlungsbehörden haben oft genug unter Beweis gestellt, dass sie nicht der geeignete Ansprechpartner sind. Es soll sogar zu Verfahren gegen Zufallsfinder, die kinderpornographisches Material gemeldet haben, gekommen sein. Daraufhin wurde mit „Netz gegen Kinderporno“ eine private Initiative gegründet, welche Beschwerden anonym weiterleitete. Diese wurde inzwischen wieder geschlossen, und zwar auf die Versicherung der Landeskriminalämter hin, gegen Zufallsfinder keine Verfahren mehr einzuleiten. Seitdem fordert die Seite dazu auf, Kinderpornographie wieder den Behörden zu melden.

Das BKA hat allerdings deutlich gemacht, dass deutschen Ermittlungsbehörden nicht zu trauen ist: Es überwacht(e) systematisch seine Fahndungsseiten, in der Hoffnung, die Gesuchten würden diese Seite auch aufrufen. Wenn man sich also beim BKA über aktuelle Fahndungen informiert hat, konnte man in Verdacht geraten. Damit hat das BKA sämtliches Vertrauen verspielt und deutlich gemacht, dass es keine Hilfe von Bürgern wünscht. Dazu kann ich auch die Kommentare zu einem Blogpost von Lawblogger Udo Vetter empfehlen. Nr. 4 berichtet davon, dass das BKA sich im Jahr 2000 nicht um Missbrauchsbeschwerden kümmern konnte, weil es ja über 70 Mails am Tag bekam und das zu viel Arbeit sei. Nr. 88 weist darauf hin, dass er nach einer angeblich anonymen Onlineanzeige bei der Polizei eine Zeugenvorladung bekommen hat. Das sind nur unverifizierte anonyme Kommentare, aber dieser Artikel des AK Zensur macht deutlich, dass der Kampf gegen Kinderpornographie beim BKA auf dem Dienstweg versandet. Es mag sein, dass die Landeskriminalämter da besser sind – aber bei Servern im Ausland werden die wohl erst recht nichts machen können.

Man sollte bedenken, dass es hier auch um Opferschutz geht. Wenn man also die Kooperation mit den Behörden aufgrund ihrer Praktiken einstellt, schadet man nicht wirklich der Behörde, sondern vor allem den Opfern. Da die Behörden aber eh nicht wirksam eingreifen, muss man einen sinnvolleren Weg finden. Davon abgesehen ist die Gefahr, durch die Behörden in irgendeiner Form belästigt zu werden, einfach zu groß, man muss auch an den Selbstschutz denken. Von einer Meldung an deutsche Behörden kann ich daher leider nur abraten. Stattdessen kann man sich an unabhängige Beschwerdestellen wenden, welche wohl etwas effektiver arbeiten. Drei davon möchte ich hier aufführen:

naiin (No Abuse in Internet) ist ein Verein, welcher eine eigene Beschwerdestelle betreibt. Anonymität wird zugesichert, die Angabe von Namen und/oder E-Mail-Adresse ist freiwillig. Das Webformular ist Anonymizer-freundlich (ein Schritt, kein CAPTCHA, kein JavaScript).

Die „Internet-Beschwerdestelle“ wird gemeinsam von eco (Verband deutscher Internetprovider) und fsm (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) betrieben. Insbesondere durch die Beteiligung von eco können in Deutschland gehostete illegale Inhalte gut bekämpft werden. Für ausländische Inhalte übernimmt die Internet-Beschwerdestelle die Weiterleitung über INHOPE. Die Internet-Beschwerdestelle bietet ein Webformular für die Meldung und fordert für die Meldung von Kinderpornographie keine persönlichen Angaben (ggf. muss JavaScript deaktiviert oder gültig aussehende Daten angegeben werden, für alle anderen Meldungen müssen Name und E-Mail angegeben werden). Das Formular scheint Anonymizer-freundlich (d.h. ohne Captcha, sollte ohne JavaScript funktionieren, nur ein Schritt) zu sein.

INHOPE ist ein Verband, der international Beschwerdestellen koordiniert. Auf der Meldeseite finden sich Links zu den einzelnen nationalen Meldestellen. Die meisten Meldestellen bieten eine mehr oder weniger vollständig übersetzte englische Version an, fast immer kann die Meldung anonym abgegeben werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann gängige Anonymisierungsdienste wie TOR oder JAP/JonDo nutzen, um die Beschwerde anonym abzuschicken.

Die Existenz und Funktionsweise (nichtstaatliche Organisationen, die die Provider kontaktieren) dieser Beschwerdestellen und ihre Effizienz im Vergleich zu BKA und Co. zeigen übrigens, dass ein staatliches Eingreifen im Internet weder nötig noch sinnvoll ist. Sollte jemand über Erfahrungen mit den Beschwerdestellen oder Ermittlungsbehörden (im Hinblick auf illegale Internetinhalte) verfügen, bitte über die Kommentarfunktion hier posten!

Man sollte niemals gezielt nach solchen Inhalten suchen, da man sich dabei sehr schnell strafbar machen kann. Der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, welcher auf eigene Faust Ermittlungen anstellte, darf hier als abschreckendes Beispiel dienen – selbst wenn er freigesprochen werden sollte, ist sein Leben gründlich zerstört worden. Bei Zufallsfunden gilt: Auch offizielle Stellen weisen darauf hin, das man entsprechende Inhalte unverzüglich löschen sollte, um sich nicht strafbar zu machen. Also an sich selbst denken und unabhängig davon, ob man dadurch Beweise vernichtet, aufräumen. Cache und History entsorgen, entsprechende E-Mails löschen und Papierkorb leeren (falls man weiß wie, ggf. vorher die Header an die Beschwerdestelle schicken). (Für paranoide Fortgeschrittene: E-Mail-Ordner komprimieren, freien Speicherplatz überschreiben.) Selbst wenn man meint, per WHOIS oder ähnliches Details herausfinden zu können (z. B. um gleich den richtigen Provider zu kontaktieren), würde ich das lieber lassen, ehe man noch mehr Logeinträge irgendwo hinterlässt. Sollen sich die entsprechenden Stellen die Arbeit machen.

SICHERHEITSHALBER DER HINWEIS: Das Kommentarfeld unten ist KEINE Beschwerdestelle und nicht dazu geeignet, Meldungen abzugeben! Ich will hier keine Links auf Kinderpornographie haben, die Beschwerdestellen sind oben verlinkt.

  1. 2009-08-17 um 08:52 UTC

    Herzlichen Dank für diesen konstruktiven Beitrag, zu dem ich gerne einen Link setze!

    Bei den Entwicklungen der letzten Jahre und bei dem schauderhaften Wahlkampf, mit dem sich die etablierten Parteien so gut blamieren, wie sie nur können, bleibt den Überzeugungswählern und den Protestwählern am 27. September 2009 die gute Chance, die PiratenPartei zu wählen, denn die Partei der Vernunft tritt erst in 2013 an.

    Wer einen Polizeivollzugsbeamten sofort vom Dienst suspendieren kann, weil auf seiner Festplatte Fotos von Kindern gefunden wurden, der sollte auch imstande sein, per Telefax oder per E-Mail einen Webspace-Provider um Deaktivierung eines Accounts zu bitten, der strafrechtlich verbotenes Material vorhält. Wobei ich den Verdacht hege, daß es sich um Beweismaterial handelt und daraus eine Meldung konstruiert wurde, die jederzeit ohne Gesichtsverlust widerrufen werden kann. Die Stimmung in diesem unserem Lande ist auf einem Tiefpunkt!

    Die IP einer Internetadresse wird mir im FireFox mit einem kleinen Tool angezeigt. Zum Beispiel für
    https://janschejbal.wordpress.com/2009/08/17/howto-kinderpornographie-im-internet-melden/
    76.74.255.123,76.74.254.123,74.200.243.251,74.200.243.253,72.233.2.58,72.233.2.59

    Der zweite Klick bringt mich nach http://whois.domaintools.com/72.233.2.58 und dort sehe ich
    OrgAbuseHandle: LAT-ARIN
    OrgAbuseName: LT Abuse Team
    OrgAbusePhone: +1-972-398-7998
    OrgAbuseEmail: abuse at layeredtech com

    Das dauert keine 10 Sekunden! Liebe Leute! Die Kripo muß so tun, als sei sie blöd! Das ist politisch gewollt! Die Ermittlungsbeamten selbst haben fast alle einen dicken Hals vor Zorn – bis auf die parteipolitisch verblendeten versteht sich!

    Hans Kolpak
    bloggt mit Links alles, was recht ist
    und kommentiert zu recht Alles, was link ist.

  2. 2009-08-17 um 11:17 UTC

    Guckst du, wenn du meldest KiPo, dann BKA kommt ssu dir, weil du hast dann KiPo auf Computer in Cache. Is gute Fahndunkserfolg, weil de nix können fassen Leute in Ausland. Deswegen du willkommene Fang, weissu?
    1. gut fur Statistik
    2. du Straftäter, weil was suchst du KiPo?
    B(K)eAmte sind bequem, weissu.

  3. NDM
    2009-08-17 um 11:24 UTC

    Eine weitere mögliche Beschwerdestelle:

    http://www.jugendschutz.net/hotline/index.html

  4. Jan
    2009-08-17 um 14:22 UTC

    @4 (NDM): jugendschutz.net scheint mir etwas seltsam zu sein, siehe diesen Beitrag im Blog von Assoziations-Blaster. Die kümmen sich scheinbar eher um „normalen Jugendschutz“, also das Durchsetzen der übertriebenen Jugendschutzregelungen in Deutschland, also um das Belästigen von Spieleseitenbetreibern etc. Und natürlich um fleißige Öffentlichkeitsarbeit.

    @3 (Der Moslem): Auch wenn dein Kommentar stark nach Troll riecht – deswegen nicht an das BKA melden, sondern an die Meldestellen die die Meldungen dann anonymisiert weiterreichen. Und wenn man denen nicht trauen will, kann man TOR einsetzen. Dann weiß nichtmal die Beschwerdestelle, wer das meldet.

  5. Anonym
    2009-08-19 um 02:06 UTC

    gebe „Der Moslem“ recht.

    Irgendetwas stimmt da nicht …

  6. 2010-08-22 um 07:23 UTC

    1.bitte keine übertriebene scheu beim melden – davon leben die vergewaltiger und konsumenten von filmisch dokumentierten vergewaltigungen

    1a. es gibt noch mehr meldestellen- einige davon habe ich in meinem in punkt 4. verlinkten blogartikel aufgelistet

    2. so langsam wird deutlich warum seit jahren weiterhin kinder, jugendliche und erwachsene sexuell ausgebeutet werden können

    3. traurig daß z.B. jugendschutz.net mit einem simplem return chkFormular () auskommt

    4. das ganze ist aber noch viel komplexer und füllt bestimmt viele regale,
    eine ahnung davon bekommt wer meinen über mehrere jahre immer wieder veränderten und ergänzten blogartikel http://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2009/04/13/zensur-und-jugendschutz-und-bitte-teilen-sie-mir-ihre-kritik-nicht-telepathisch-mit-sondern-in-form-eines-kommentars-oder-einer-mail-oder-eines-telefonanrufs-oder-ekiga-skype-jabber-danke/
    liest

    • 2012-05-14 um 21:23 UTC

      Wenn ich mich damit in die Nesseln setze, überlege ich es mir zweimal irgendwas zu melden.

  7. 2012-05-14 um 21:22 UTC

    > Diese wurde inzwischen wieder _geschlossen_, und zwar auf die Versicherung der Landeskriminalämter hin, gegen Zufallsfinder keine Verfahren mehr einzuleiten.

    Ich glaube du meinst hier „geöffnet“.

    • Jan
      2012-05-23 um 09:57 UTC

      Nein, ich meine geschlossen – weil sie nicht mehr nötig sei, dank der Zusicherung sollte man direkt melden können…

      • 2012-05-23 um 12:59 UTC

        Ich wollte nur auf den Rechschreibfehler hinweisen.

  1. 2009-08-17 um 03:44 UTC
  2. 2009-08-17 um 18:37 UTC
  3. 2009-08-17 um 19:26 UTC
  4. 2009-08-17 um 19:35 UTC
  5. 2009-08-30 um 21:31 UTC

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