Offener Brief an die Internet-Werbebranche

In einem Spiegel-Online-Artikel ist das Geheule über Werbeblocker groß. Zum Schluss wird gefragt: „Wann schalten Sie ihren Werbeblocker ab?

Diese Frage kann und möchte ich in diesem offenen Brief an die Werbebranche und auch an die Werbe-Publisher gerne beantworten: Sobald Werbung wieder aufhört, extrem nervig, ablenkend und schädlich zu sein, und in meiner Privatsphäre zu schnüffeln.

Das bedeutet, und ich betone das meiste mehrfach, weil es einigen Werbefritzen sonst wohl nicht in den Kopf geht:

  • Keine Animationen. Gar keine. Dezente Animationen wären zwar OK, aber weil ich bezweifle, dass Werbefritzen da irgendwelche Maße kennen, lieber erstmal gar keine.
  • Kein Sound. NEIN. GAR KEINER. NIE! Denkt nicht mal dran.
  • Kein Flash für Werbung. GAR KEINS. Nein. Überhaupt nicht. Auch nicht für irgendwas ganz tolles. NEIN! Flash ist ein weiteres Einfallstor für Viren und frisst Speicher und CPU-Ressourcen, zumindest wenn es schlecht programmiert ist. Und weil eine einzige kaputte Flashwerbung in einem von 20 Browser-Tabs reicht, um meinen CPU-Lüfter anzuwerfen, gehe ich das Risiko nicht ein, diese Werbung suchen zu müssen. Alles zu blockieren ist viel einfacher. Mal abgesehen davon, sobald die Werbung sich nicht mehr bewegt und keinen Lärm mehr macht (siehe oben), braucht ihr Flash gar nicht mehr.
  • Keine Werbung, die sich über Inhalt legt. Keine Pop-Ups. Nein, auch keine Pop-Unders. Nein, auch keine Werbung die sich erst über den Inhalt legt wenn man sie versehentlich mit der Maus berührt.
  • Keine Schnüffelei. Die Werbung hat keine Cookies zu setzen, zumindest solange sie nicht angeklickt wird. GAR KEINE. NEIN. WIRKLICH NICHT. Die Zugriffe haben nicht protokolliert zu werden. Wenn man unbedingt Doppelaufrufe vermeiden will, dann von mir aus die IP speichern, aber nur für max. 24h und ohne Info, was für Seiten besucht wurden. Am Besten liefert ihr die Werbung von eurer eigenen Seite statt von irgendwelchen Werbeverteilnetzwerken aus.
  • Keine Viren. Es muss sichergestellt sein, dass keine Viren mit der Werbung ausgeliefert werden, was bereits mehrfach passiert ist. D.h. keine iframes, kein vom Werbekunden bereitgestelltes Javascript. Die Bilder (sind ja jetzt nicht animierte, statische Bilder, also ist das richtig einfach) müssen vom Werbeanbieter immer umgerechnet werden, um Exploits zu verhindern. Das bedeutet: die Bilder werden dekomprimiert (in ein Bitmap-artiges Format) und dann mit vertrauenswürdiger Software wieder in PNG oder JPG gewandelt.

Wenn eine Website sich verpflichtet, all diese Punkte einzuhalten, bin ich bereit, diese Seite in die Whitelist meines Werbeblockers einzutragen. Ich bin sogar bereit, euch ein Angebot zu machen: Ich erstelle eine öffentliche Adblock-Whitelist. Diese kann jeder Adblock-Nutzer installieren, und sie schaltet Adblock auf allen Seiten ab, die darauf eingetragen sind. Eingetragen werden aber nur Seiten, die sich an die Grundregeln halten.

Und um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ganz ausschalten werde ich meinen Werbeblocker erst, wenn alle Webseitenbetreiber wieder gelernt haben, dass die Werbung fair bleiben muss.

Fasst euch an die eigene Nase. Überlegt, warum die Leute Werbeblocker einsetzen. Die immense Mühe, einen ordentlichen Blocker zu entwickeln und diese wunderbaren Sperrlisten zu pflegen, macht man sich nicht aus Langeweile, sondern weil einem die Werbung massiv auf den Sack geht. Ich hoffe, dass die entgangenen Einnahmen durch die Werbeblockernutzer groß und schmerzhaft genug werden, dass ihr merkt, dass das ganze Geblinke sich nicht gelohnt hat. Das Vertrauen der Besucher wiederzugewinnen wird allerdings ein schwerer Schritt – wer den Adblocker einmal drin hat, behält ihn in der Regel auch. Ihr seid selbst dran schuld. Lernt aus euren Fehlern. Noch ist Zeit. Noch hat nicht jeder einen Adblocker installiert.

Mir ist bewusst, dass nicht jede Werbefirma jede der hier genannten Todsünden begangen hat. Auf jeder größeren Website habe ich aber zumindest einige davon gesehen. Einige schwarze Schafe in der Werbebranche genügen, um auch den anderen das Geschäft zu verderben, weil Adblocker unausweichlich werden. Deswegen spreche ich hier immer euch als die gesamte Werbebranche an.

Zuerst gab es normale Werbung, das war ok. Dann habt ihr Popups eingeführt. Die haben die User genervt. Also gab es Popupblocker. Statt den Fehler einzusehen, habt ihr angefangen, Popupblocker zu umgehen oder User mit Blockern auszusperren. Also wurden die Blocker strenger und besser getarnt.

Die Nutzer haben die Werbung irgendwann nicht mehr genug wahrgenommen. Also habt ihr animierte Werbung eingeführt. Das ging, solange die Animationen sich in Maßen gehalten haben. Irgendwann wurde es lästig. Die Nutzer haben gelernt, alles, was blinkt, als unwichtig anzusehen, trotzdem lenkte es ab. Weil ihr nicht mehr genug Aufmerksamkeit bekamt, habt ihr lärmende Werbung und Werbung die aus ihrem Rahmen über den Inhalt ragt erfunden. Das überschritt dann doch jede Toleranzschwelle, also gab es Werbeblocker. Statt einzusehen, dass ihr den User nervt, und faire Werbung einzuführen, habt ihr immer weiter gemacht.

Die Krönung waren die Layer-Ads. Darauf ausgelegt, möglichst schwer sperrbar zu sein, hinterließen sie bei Adblock-Nutzern anfänglich unbenutzbare Webseiten und nervten jeden Besucher. Am Anfang konnte man sie direkt wegklicken. Das taten logischerweise die meisten – wenn ich einen Artikel lesen will, und irgendwas stellt sich davor, dann schau ich mir das gar nicht erst an. Genauso, wie man eine Fliege, die sich einem aufs Mittagessen setzen will, sofort verscheucht. Ihr habt also nur noch genervt, ohne euer Ziel zu erreichen. Statt aufzuhören, habt ihr die Layer immer nerviger gemacht – die Schließen-Schaltfläche wurde erst später eingeblendet, die Werbung ging immer in einem Pop-Under auf etc. Damit habt ihr es endgültig geschafft, für ausreichend viele Leute ein ausreichend großer Schmerz im Arsch zu werden. Also wurden die Adblocker angepasst und eure Werbung endgültig darin versenkt.

Die ganze Zeit über hatte Google Textwerbung – und blieb zumindest von meinem Werbeblocker verschont. Sie waren die einzigen, die es halbwegs verstanden, dass mit nicht nerviger Werbung ein gutes Geschäft zu machen ist. Dann hat Google angefangen immer mehr zu schnüffeln – und schwupps war deren Werbung auch im Blocker verschwunden.

Ihr könnt natürlich auch in den Krieg gegen das Netz ziehen, anfangen, Adblocker zu erkennen und die Leute aussperren. Ihr werdet verlieren. Das Netz kann die Tarnung schneller anpassen als ihr die Erkennung. Wenn es sein muss, innerhalb von Minuten. Ihr könnt euren Inhalt auch hinter Paywalls verstecken. Vielleicht werden euch die wenigen, die ihn trotzdem lesen, sogar so viel einbringen wie die Werbung euch eingebraucht hat. Aber viel wahrscheinlicher werdet ihr in der Bedeutungslosigkeit versinken. Niemand wird euch mehr verlinken, wenn seine Leser eure Artikel nicht abrufen können. Der böse raubkopierende Feind Google wird euch nicht mehr finden, und mit ihm 50% eurer Besucher.

Ihr könnt nicht ohne die Nutzer. Behandelt sie fair, und sie werden euch fair behandeln. Versucht nicht, in einen Krieg zu ziehen, ihr werdet ihn verlieren. Ihr habt die Wahl – ihr könnt darauf verzichten, die Aufmerksamkeit der User mit Gewalt an euch zu reißen, und nur noch normale, faire Werbung schalten. (Da ihr inzwischen verlernt habt, was das ist, schaut nochmal nach oben, da steht es.) Oder ihr könnt weiterhin versuchen zu nerven. Dann werden wir eure Werbung eben gar nicht mehr sehen. Auch gut. Wie man im Netz so schön sagt:
You choose.

  1. 2010-03-22 um 14:45 UTC

    100% Zustimmung. Ohne wenn und aber. Ohne Adblock zu surfen käme mir inzwischen nicht mehr in den Sinn, jeder (immer seltener werdende) Versuch bestätigt und bestärkt mich in dieser Haltung. Über User wie mich zu jammern ist schlicht der Gipfel kompletter Merkbefreiung der Content-Lieferanten. Leider glaube ich nicht, dass sich daran jemals etwas ändern wird. Schade drum, dezente Werbung, die mich weder anblinkt noch anschreit oder mich sonstwie vom Inhalt der Seite ablenkt, würde ich ja akzeptieren.

  2. 2010-03-22 um 15:11 UTC

    Hallo,
    > Ihr könnt nicht ohne die Nutzer.
    > Behandelt sie fair, und sie werden euch fair behandeln.
    Insgesamt sagt der Artikel genau das, was auch ich empfinde.
    Mir geht es auch so und wenn „Die“ dann anfangen sich nur zu
    loben, anstatt mir brauchbare infos, mit einem Wort oder Satz,
    schmackhaft zu machen… bin ich schon weg.
    Ob diese bejammernswerten Gestalten das wohl begreifen?
    Dass das I-Net nicht als Muellhalde gedacht war. Begreifen, dass der
    gemeine User sich nicht gern zwingen, kontrollieren und bevormunden
    laesst. Und im Uebrigen wer braucht Deren „Informationen“ schon?
    Vor allem wenn „man“ mitbekommen hat, zu was Politik, Wirtschaft und
    Medienindustrie faehig waere, wenn sie duerften, unkontrolliert bzw.
    unbeobachtet oder unkritisiert. Am Schluss wusste eh keiner was, wollte nie eine Mauer errichten und hatte uns lieb! Also hol ich mir meine Infos lieber aus Foren, Blogs und Heimatseiten die mir nicht versuchen „Irgendwas“ unterzujubeln… mich nicht in die Irre fuehren
    wollen. Ganz ehrlich ich lebe auch ohne so genannte Werbung.
    Freundlichen Gruss vom
    Zipf

  3. Tom
    2010-03-22 um 15:27 UTC

    Ich nutze Adblock gar nicht sondern nur NoScript. Auf Spiegel Online sehe ich dadurch dennoch keine Werbung, weil alles über Scripte oder Flash läuft…

  4. k.p.b.
    2010-03-22 um 15:33 UTC

    Full Ack! Ohne „BetterPrivacy“ Firefox Addon gegen die Flash Supercookies und Add Block+ gehe ich schon lange nicht mehr ins Internet. – Keiner hat das kommerzielle Gesocks gebeten seinen Werbemüll im Internet zu verbreiten. Ich kann auch ohne SpOn usw. leben. Ansonsten ist mein Wahlspruch: Wer mich bewirbt der stibt!

  5. Mike Nolte
    2010-03-22 um 16:25 UTC

    100% Zustimmung.

  6. 2010-03-22 um 16:41 UTC

    Und lernt endlich mal, das Netz auch zu nutzen, um abseits von Datensammlungen eure Benutzer kennenzulernen. Besser als je zuvor könnt ihr nämlich in den Dialog treten.

  7. Christian
    2010-03-22 um 20:41 UTC

    Hi Jan,

    netten Pamphlet. Vor allem den Teil mit „keine Schnüffelei“ finde ich toll. Wieso schnüffelt die VG Wort bei allen deinen Blogbeiträgen mit? Immer noch die große Hoffnung, dass irgendwann wieder ein Erfolg kommt, und du Geld dafür kassierst, dass jemand einen Beitrag von dir liest? Ich mein, das hat ja schon mal geklappt.

    Sorry, aber über Werbung maulen und dann hintenrum abkassieren ist absolut pfui-bah!

    • Jan
      2010-03-22 um 22:41 UTC

      Nicht nur in meiner Datenschutzerklärung, sondern seit heute auch im hier sogar verlinkten Artikel über Google Adsense weise ich ausdrücklich darauf hin und verlinke den entsprechenden Artikel zu VG-Wort-Pixeln hier im Blog, in welchem ich den Einsatz von VG-Wort-Pixeln ausdrücklich nochmal ankündige. (Nachtrag: In der Datenschutzerklärung hat der Link doch tatsächlich gefehlt, ist jetzt drin, der Hinweis stand natürlich schon vorher drin.) Mangelnde Transparenz kannst du mir also kaum vorwerfen. In diesem Artikel erkläre ich auch die Policy der VG Wort, welche ausdrücklich besagt, dass die IP des Nutzers nicht gespeichert wird. Darüber hinaus setzt die VG Wort keine Cookies ein. Es kann sein, dass ich mich hier geiirt habe. Ich gehe dem gerade nach!

      Allerdings hoste ich mein Blog nicht selbst, was zur Folge hat, dass die IP des Nutzers auch an wordpress.com geht und an Dienstleister, die wordpress.com eingebaut hat. Und diese setzen teilweise sogar Cookies. Das könnte ich nur ändern, wenn ich mein Blog selbst hosten würde, was neben dem finanziellen Aspekt auch einen ziemlichen Aufwand mit der ständigen Updaterei und Absicherung von der WordPress-Software einhergehen würde. Daher werde ich das nicht tun. Ergänzung: Deswegen sehe ich das VG-Wort-Pixel auf dieser Seite als völlig unproblematisch an. Die VG Wort bekommt übrigens die gleichen Infos wie jeder Hoster, von dem ein eingebundenes Bild stammt, oder Youtube bei eingebetteten Videos, wie sie in vielen Blogs vorkommen. Nur speichert sie weniger. An den bereits erwähnten Stellen biete ich Nutzern allerdings Hilfe beim Selbstschutz an und erwähne auch explizit, wie man die VG-Wort-Pixel blocken kann. Ich gebe sogar die Servernamen an, damit man die nicht selbst raussuchen muss.

      Ich weiß nicht, worauf sich das „hat ja schon mal geklappt“ bezieht, aber meine Beiträge werden öfter gelesen als du zu denken scheinst und die Startseite zählt für die VG Wort auch (für alle Beiträge). Ob ich Geld bekomme, hängt vor allem davon ab, wie die VG Wort die Grenzen setzt. Bisher habe ich von der VG Wort jedenfalls noch keinen Cent gesehen, weil die erst in der Mitte des Jahres anfangen, sich ums Vorjahr zu kümmern.

      Dass ich übrigens nicht den Profit vor das Wohl der Nutzer setze, sieht man schon daran, dass ich per RSS die kompletten Artikel anbiete. Die Aufrufe in Feedreadern zählen nämlich nicht.

      Falls es dir übrigens nicht aufgefallen ist, weil du meinen Artikel nichtmal richtig gelesen hast, beschwere ich mich nicht über Werbung allgemein, sondern über Werbung, die nervt und/oder schnüffelt. Beides sehe ich bei den VG-Wort-Pixeln nicht als gegeben an.

  8. M.
    2010-03-22 um 23:39 UTC

    Mein Adblock bleibt an – ganz egal, wie sich die Werbung verändert!
    Warum sollte ich mir irgendwelche (meinetwegen „dezente“) Werbung ansehen, wenns auch ohne geht??

    • Jan
      2010-03-23 um 00:07 UTC

      Weil die dezente Werbung nicht nervt und sogar gelegentlich interessant oder hilfreich sein kann. Jetzt, wo du schon Adblock hast, ist die Entscheidung nachvollziehbar. Aber wenn es wirklich nur noch dezente, im Hintergrund gehaltene Werbung gäbe – würdest du dir die Mühe machen, auf einem neuen Rechner Adblock zu installieren?

      Das Argument im Spiegel-Artikel (Werbung hilft, kostenlose Angebote zu finanzieren) ist außerdem durchaus valide, solange die Werbung fair und dezent bleibt, kann man sie IMHO leben lassen. Nur wenn der Seitenbetreiber meint, für mehr Profit mich wirklich nervende Dinge zu tun, habe ich kein Problem, die Werbung zu entfernen, obwohl ich dem Seitenbetreiber damit schade.

      Ich vermeide doch nicht aktiv, Leuten einen Gefallen zu tun, solange mir das nicht schadet. Wenn die Leute aber Spaß dran haben, anderen Leuten ins Gesicht zu spucken, werde ich ihnen die Freude nicht bieten…

  9. Christian
    2010-03-23 um 05:54 UTC

    Jan :
    Nicht nur in meiner Datenschutzerklärung, sondern seit heute auch im hier sogar verlinkten Artikel über Google Adsense weise ich ausdrücklich darauf hin und verlinke den entsprechenden Artikel zu VG-Wort-Pixeln hier im Blog, in welchem ich den Einsatz von VG-Wort-Pixeln ausdrücklich nochmal ankündige.

    Wie schaffe ich es, den Artikel über den Pixel vor dem eigentlichen Artikel zu lesen? Und hast du das Geld wirklich so nötig, dass du die Daten deiner Besucher an die VG Wort weiterreichst? Wo kommen die VG Wort-Cookies auf meinem Rechner her, wenn nicht von der VG Wort?

    Ich bleibe dabei: Über Werbung anderer lästern und dann selber hintenrum Nutzer an die VG Wort melden in der Hoffnung, Gelder der Pauschalabgaben abzugreifen ist extrem scheinheilig.

    • Jan
      2010-03-23 um 13:19 UTC

      Nein, du kannst den Artikel über das Pixel nicht vor dem eigentlichen Artikel lesen, genausowenig wie du den Artikel über die von WordPress automatisch eingebauten cookiesetzenden Statistikdienste.

      Ja, ich kann Geld gut gebrauchen. Ich hab wegen den Cookies gerade nochmal nachgeschaut. Es scheint tatsächlich ein Cookie zu geben. Ich gehe dem aktuell nach.

      Update 1: SCH*****. Cookies werden tatsächlich gesetzt. Ich versuche jemanden von der VG Wort ans Telefon zu bekommen.

      Update 2: Hab bei der VG Wort jemanden erreicht. Bis Ende der Woche soll ich eine Information bekommen, ob auch eine cookiefreie Variante eingerichtet wird. Ich werde vermutlich um Feedback bitten, tendiere aber klar dazu, die Pixel rauszuwerfen, wenn keine cookiefreie Variante kommt.

  10. 2010-03-23 um 16:59 UTC

    Hallo Jan,

    schöner Beitrag zu dem Thema. Ich kann dir in großen Teilen zustimmen. Ich setze selber seit Jahren Adblock plus ein. Grund für mich waren, wie du auch beschrieben hast, übertriebene Animationen, Sound und allen voran die Layer Ads.

    Etwas schwieriger wird es für mich bei dem Thema Cookies, da ich mich beruflich auch schon mit dem Thema Affiliate Marketing auseinander gesetzt habe. Hier sind die Cookies Grundvoraussetzung, dass diese Art der Kundenwerbung funktioniert. So machen diese es vielen Produktvergleichsangeboten (z.B. http://geizhals.at/deutschland/ ) erst möglich mir diesen Service anzubieten. Da wäre für mich die Frage, wie kann man es schaffen die entsprechende Beratungsleistung dort zu tracken und den Dienstleister zu vergüten?

    • Jan
      2010-03-23 um 19:05 UTC

      @gheed: Ich hab ja ausdrücklich nicht ausgeschlossen, dass ein Cookie gesetzt wird, wenn ein Klick auf die Werbung erfolgt. Wo benötigt man für Geizhals eigentlich technisch zwingend einen Cookie? Bis zum Shop kann doch alles über URL-Parameter des angeklickten Links und der Weiterleitungen gehen. Ab da muss natürlich ein wie auch immer geartetes Sessionmanagement des Shops greifen. Da sehe ich Cookies als unproblematisch an, genau dafür sind sie ja da.

  11. dot tilde dot
    2010-03-24 um 00:58 UTC

    kurz gesagt:

    wenn ich bock drauf habe. es liegt in eurer macht. sorgt dafür, liebe werber und euer publizistisches umfeld. sobald ich bock drauf kriege, schalte ich eure super geile werbung ein. versprochen.

    bis dahin: http://www.youtube.com/watch?v=6cwZrI9kFwM

    .~.

  12. hallohirn
    2010-03-24 um 13:47 UTC

    oh ja, tolle helden seid ihr. schon mal daran gedacht, dass es für viele seitenbetreiber keine andere möglichkeit als werbung gibt, sich zu finanzieren? natürlich existieren im netz nervige werbeabarten! seiten die mich schon mit einem layer begrüßen, dessen „close“ button zum werbeclick führt, verlasse ich gleich wieder. wie wäre es einmal mit dieser konsequenz, liebe werbekritiker? seiten mit nerviger werbung meiden? oder doch lieber den content nehmen aber null gegenleistung in form der akzeptanz von werbeeinblendungen geben? FUCK OFF!

    • Jan
      2010-03-24 um 18:05 UTC

      @16 (hallohirn): Falls es dir nicht auffällt, spreche ich mich nicht gegen Werbung aus. Im Gegenteil, ich gebe sogar Ratschläge, wie die Werbebranche dafür sorgen könnte, dass weniger Adblocker eingesetzt werden.

  13. horstpetermueller
    2010-03-24 um 22:13 UTC

    ich bin auch für einen sensiblen umgang mit werbung, bin aber trotzdem gegen die blinde benutzung von adblockern und deren blacklists. man sollte selbst entscheiden, was nervt und was nicht.
    ich sehe diesen beitrag in gesamtheit einschl. der kommentare übrigens auch eher pro-werbeindustrie…

  14. 2010-03-26 um 02:18 UTC

    Ich stimme ganz zu. In der Tat habe ich einen eigenen Artikel zu dem Thema in der (langen) Pipeline. Einige andere Stichpunkte, die ich vorhabe zu inkludieren:

    o Werbeblockierung braucht keinen Verlust mit sich zu bringen: Pay-per-view ist ungewöhnlich und ineffektiv, und viele Benutzer wurde nie tatsächlich Klicken.

    o Falls Werbeblockierung unethisch wäre, dann ist es auch falsch Fernsehprogram bei Werbung zu wechseln.

    o Es kann argumentiert werden, dass die Prinzipien des Webs _in sich_ Werbeblockierung ethisch machen. Historisch und praktisch holt man sich den Inhalt hinter einem URL—einen Zwang alle Referenzen weiterzuverfolgen besteht nicht. Mit einem Textbrowser (etwa Lynx) wäre dies sogar unmöglich.

  15. 2010-03-26 um 17:22 UTC

    Ich glaube, prinzipiell hast Du recht mit dem was Du sagst und die agressive Werbung führt zwar immer mehr dazu, dass man beim Wegklicken (wenn sie sich denn überhaupt wegklicken läßt) aus Versehen auf die (von der Werbung) gewünschte Seite gelangt. Aber viele Nutzer sind genauso schnell von der Zielseite weg wie auch von der Seite, die die Werbung implementiert hat.

    Um schnellere Effekte zu erreichen sind die richtige Adresse also nicht die Werbeschaffer, sondern die Werbesetzer: „Lieber Webmaster, wenn deine Seite mehr nervt als nutzt, komme ich nie wieder und empfehle sie erst auch nicht weiter. Setze also nur Werbung, die du deinen Lesern zumuten magst und rede dich nicht damit raus, dass du die Werbung ja nicht machst, sondern nur setzt.“

  16. hm
    2010-03-26 um 23:20 UTC

    Wer heult denn hier? Lächerlich.

  17. Nora
    2010-04-03 um 02:40 UTC

    „Das Argument im Spiegel-Artikel (Werbung hilft, kostenlose Angebote zu finanzieren) ist außerdem durchaus valide, solange die Werbung fair und dezent bleibt, kann man sie IMHO leben lassen.“
    Werbung hilft bei vielen Angeboten nicht nur bei der Finanzierung, sie ist die einzige Quelle. Ohne Werbung = kein Online-Journalismus. Wie wärs mit konsequenten Handeln und die jeweiligen Seiten einfach meiden?
    Übrigens sind die Seitenbetreiber auch nicht alleine für die dargestellte Werbung verantwortlich, da diese wohl eher selten selbstständig Kampagnen buchen, sondern dafür einen Vermarkter haben. Der bucht aber auch nicht für eine, sondern möglich alle Seiten in seinem Angebot — passt sich eine Seite nicht den Standards an, hat sie gelitten.

    „o Werbeblockierung braucht keinen Verlust mit sich zu bringen: Pay-per-view ist ungewöhnlich und ineffektiv, und viele Benutzer wurde nie tatsächlich Klicken.“
    Pay-per-click gilt afaik für Google, Vermarkter setzen allgemein auf Pay-per-View.

    „o Falls Werbeblockierung unethisch wäre, dann ist es auch falsch Fernsehprogram bei Werbung zu wechseln.“
    Der Vergleich hinkt gewaltig, da das Umschalten bei TV-Werbung eher dem sofortigen Wechsel der Webseite bei aufleuchtenden Flash-Layer entspricht. Passender wäre in deinem Kontext, wenn du bspw. das TV-Signal „hackst“ (Beispiel zur Verdeutlichung!) und dir das Rennen bei RTL ohne Werbung anschaust. Dann empfängst du Leistung von RTL (Übertragung der F1, für die du sonst bei Pay-TV zahlen musst), beteiligst dich aber nicht an der Finanzierung. Denn RTL finanziert die Übertragungsrechte nur durch Werbeeinnahmen.
    Selbes Spiel bei Webseiten: Server und Redaktionen müssen bezahlt werden, dazu darf man sich noch mit Vermarktern rumschlagen. Google Adsense ist zwar dezent, wird aber trotzdem geblockt und reicht ohnehin nicht aus. Ein wirklich gutes Geschäft macht da nur Google, für Seitenbetreiber sind die Erlöse allein nicht ausreichend.
    @Jan
    Deine Vorschläge sind nachvollziehbar (Flash, Sound, Cookies) bis verdammt richtig (Viren), aber selbst bei deren Einhaltung würde trotzdem geblockt werden und obendrein würd es momentan mit der Finanzierung düster ausschauen.
    Die Leute blocken, warum? Weil es einfach zu realisieren ist und man keine Strafe zu befürchten hat, Unrechtsbewusstsein wird sich schön geredet — man schaltet ja ab, sobald die Werbung nicht mehr nervt. Das ist dann vermutlich irgendwo kurz vor „praktisch keine Werbung“, wenn überhaupt, und für diese Werbung zahlt kein Aas und es lässt sich erst recht keine Seite finanzieren.
    Alternativen zu Werbung? Bezahlinhalte finden alle noch viel beschissener, Spenden sind ein Witz, um laufende Kosten zu decken und dann wirds schon so langsam eng — mittelfristig führt um Online-Werbung kein Weg herum.

    Also, sei konsequent und besuch einfach die Seiten nicht mehr, deren Werbung dir auf den Sack geht. Das ist konsequent und absolut legitim, Adblocker sind dagegen erschlichene Leistung.

    • Jan
      2010-04-04 um 03:27 UTC

      Das mit dem Vermarkter ist mir zwar bekannt, aber gerade große Seiten dürften da durchaus die Freiheit haben, Vorgaben bezüglich der Werbeformate zu machen. Wenn es dem Vermarkter nicht passt, verliert er halt einen sehr großen Kunden.

      Der Vergleich mit dem Umschalten beim Fernsehen passt durchaus – du forderst, dass man die werbeverseuchten Seiten gar nicht mehr besucht, das wäre aufs Fernsehen übertragen „wegschalten und nicht mehr zurückkommen“. Normalerweise schaltet man (bei brauchbaren Sendungen) nach der Werbung aber durchaus wieder zurück. Dadurch entfernt man auch nur die Werbung und bekommt die Inhalte trotzdem. (Eine Alternative dazu wäre das Vorspulen bei einer Videoaufnahme.)

      Natürlich würde es Werbeblocker auch gegen dezente Werbung geben. Nur – würden sich dann so viele die Mühe machen, ihn zu installieren? Das Problem ist, dass 20% schwarze Schafe mit Nervwerbung reichen, und der Werbeblocker ist dann drin und erschlägt alles. Deswegen ja mein Vorschlag mit der Whitelist.

      Befremdlich finde ich die Aussage „weil man keine Strafe zu befürchten hat, Unrechtsbewusstsein wird sich schön geredet“ – als ob es kriminell wäre, Werbung zu blocken, und man nur davonkommt weil man nicht erwischt wird. Um auf das Fernsehbeispiel zurückzukommen würde das bedeuten, dass die Zuschauer gefälligst in den Werbepausen wie Zombies vor der Glotze hocken zu bleiben haben und natürlich nicht wegschalten dürfen. Fehlt nur noch die Forderung nach einer Söldnertruppe die das durchsetzt.

  18. 2010-04-29 um 21:51 UTC

    Meine Meinung dazu! http://www.geeks-online.de/adblocker-machen-das-internet-kaput/
    Website Blocker sind ok, aber Adblocker nicht! Ganz oder gar nicht besuchen, das ist meine Meinung.

    • 2010-05-03 um 00:56 UTC

      Ich habe eine etwas ausführlichere Antwort dort gegeben, mit dem Kern, dass Deine Argumentation irreführend ist. (Was nicht automatisch heißen soll, dass die Kurzform, die Du hier schreibst, unhaltbar wäre.)

  19. JoeDalton
    2010-11-13 um 07:14 UTC

    Ein augezeichneter Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft. Ich war vor Jahren noch ganz ohne Werbeblocker unterwegs, was sich änderte, als die Layer und Animationen begannen überhand zu nehmen. Gegen Standbilder habe ich nichts, aber keine Animationen! Heute geht es gar nicht mehr ohne Werbeblocker, insbesondere Flashblocker. Das hat man davon, wenn man den Bogen überspannt.

  20. 2012-02-24 um 14:38 UTC

    Ich finde den AdBlocker klasse und nutze ihn auf jeder Seite und bin super dankbar, den Entwicklern gegenüber, dass man uns von dieser lästigen Werbung befreit hat!

  21. Uwe
    2012-03-13 um 22:27 UTC

    Super Beitrag, so gut geschrieben, das er sogar den schlimmsten Werbesünder zum überlegen bringen sollte.
    Ich selber nutze AddBlock, Ghostery (der übrigens auf dieser Seite auch 5 Verfolger gefunden hat) und natürlich NoScript. Ich surfe wieder froh und glücklich ohne nervige Werbung.

  22. 2012-04-16 um 13:05 UTC

    Mir geht diese ganze „Kostenlos-Und-Werbefrei-Mentalität“ langsam wirklich auf den Keks und halte sie auch für scheinheilig. In weiten Teilen stimme ich „Nora“ zu. Wer der Meinung ist bestimmte Seiten seien völlig werbeüberladen, was viele in der Tat sind, möge diese doch einfach nicht besuchen. Dann werden die Seitenbetreiber ihr handeln von ganz alleine überdenken bzw. diese Dienste würden früher oder später eingestellt. Stellt sich nur die Frage, wo man dann noch so schön kostenlos Musik laden oder Kinofilme schauen kann. Darüber machen wir uns dann aber lieber keine Gedanken…

    In der Realität sieht es doch so aus: Fast jede Seite, abgesehen von absatzorientierten Produktseiten und wenigen anderen, ist auf Werbung angewiesen um sich finanzieren zu können.

    Keine Werbe = So gut wie keine guten kostenlosen Inhalte. So einfach ist das.

    Ich wette, dass sich die meisten Leute, die sich über Onlinewerbung aufregen mindestens genauso über kostenpflichtige Inhalte ärgern würden. Es ist halt die immer gleiche, ins Nichts führende Diskussion.

    Als kleiner Vergleich und Denkanstoß: Fast jeder regt sich über TV-Werbung auf, schaut trotzdem Fern und es gibt nur etwa 4 Mio. Pay-TV Kunden in Deutschland. Das also zum Thema Zahlungs- und in diesem Fall Doppelmoral. Da regen wir uns doch dann bitte lieber weiter über GEZ-Gebühren auf, die zumindest ein Mindestmaß an Werbereduzierung und qualitativ gehobenem Angebot ermöglichen.

  1. 2010-03-23 um 09:52 UTC
  2. 2010-03-23 um 10:13 UTC
  3. 2010-03-23 um 11:01 UTC
  4. 2010-03-23 um 12:50 UTC
  5. 2010-03-23 um 17:03 UTC
  6. 2010-03-23 um 17:20 UTC
  7. 2010-03-23 um 18:02 UTC
  8. 2010-03-23 um 20:08 UTC
  9. 2010-03-23 um 20:56 UTC
  10. 2010-03-24 um 10:34 UTC
  11. 2010-03-24 um 13:26 UTC
  12. 2010-03-24 um 18:05 UTC
  13. 2010-03-26 um 09:01 UTC
  14. 2010-03-27 um 16:47 UTC
  15. 2010-04-02 um 22:06 UTC
  16. 2011-08-14 um 20:48 UTC
  17. 2014-02-03 um 13:51 UTC

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