Kabale und Liebe

Alternatives Ende zu "Kabale und Liebe"

Fünfter Akt, erste und letzte Szene

(Ort, Personen und Anfang wie Originalszene, später kommen auch Ferdinand, der Präsident und Wurm)

Luise sitzt im Zimmer und droht mit Selbstmord. Miller versucht, sie davon abzubringen.

Miller: Du darfst es nicht tun! Es ist die schlimmste aller Sünden! Du kannst nicht derart vor Gott sündigen und dich in die Hölle bringen!

Luise: Dann darf Gott mir auch nicht die lebendige Hölle auf Erden bereiten. Wie kann er es bloß zulassen, dass mir so etwas Schreckliches widerfährt? Ich ertrage es nicht länger. Mit Gott habe ich es mir eh verspielt. Ich habe einen falschen Eid auf ihn abgelegt, ich werde eh in die Hölle kommen. Und gegen die Ewigkeit, die ich im Feuer der Hölle leiden werde, sind die Jahre, die ich hier auf Erden noch verbringen könnte, nichts.

Miller: Was sagst du da, o Luise? Gott vergibt auch den Sündern. Er kann dir deinen Eid vergeben! Du musst deine Sünde nicht noch verstärken, in dem du Hand an dich selbst legst.

Luise: Wenn Gott mir den Eid vergeben kann, so muss er mir auch vergeben, dass ich die Qualen auf Erden nicht aushielt.

Miller: Bedenke auch, was du mir damit antust! Du bist der einzige Lichtfleck in meinem elendigen Leben, und diesen letzten Lichtfleck willst du nun auslöschen, ihn mir nehmen? Wenn du Hand an dich selbst legen willst, dann lege sie auch an mich, hier ist ein Messer! (Hält ihr ein Messer hin)

Luise (nimmt das Messer): Du verlangst viel, Vater, und es grämt mir, es zu tun. Aber wenn es dein Wunsch ist, so möchte ich dir diesen nicht versagen. (Ersticht ihren Vater)
Ich habe nun die zweitschlimmste Sünde begangen, jetzt bleibt mir nur noch die letzte, schrecklichste. (Rammt sich das Messer in die Brust, verfehlt aber ihr Herz)

Ferdinand (betritt den Raum, bemerkt tödlich verletzte Luise): Was ist geschehen? Luise, was hast du dir getan? Wo ist dein Vater? (Bemerkt die Leiche des Vaters) Was hast du getan? Wie konnte das geschehen? Du hast also den Brief geschrieben. Du hast mich betrogen und belogen. Du hast mein Herz mit diesem Brief durchbohrt wie deines Vaters Herz mit dem Messer. Luise, ist das wahr? Ich wollte dich töten, und du hast es vorausgeahnt.

Luise (leise, mit schmerzverzerrtem Gesicht): Ja, ich habe den Brief geschrieben, aber…

Ferdinand (unterbricht Luise): Du hast es getan. Du hast mich tatsächlich verraten, es ist wahr, du hast mich betrogen. Du hast mich nicht geliebt. Ich brauche deine Liebe, doch ich kann sie nicht bekommen. Es ist eine zu große Schande für mich. Ein Bürgermädchen schafft es, mich zu hintergehen, ohne dass ich etwas merke, bis zu dieser schrecklichen Wendung. Der Schmerz ist zu groß, ich hatte es befürchtet. Nein, Nein, ich halte es nicht mehr aus. (Nimmt Gift aus seinem Ring) Du aber, elende Schlange, stirb qualvoll an deinem ungeschickten Stich!

Luise (so laut sie noch kann, dennoch leise): Nein! Man hat mich dazu gezwungen. Dein Vater hat es getan. Er hat meine Eltern entführt, und Wurm hat mir daraufhin deutlich gemacht, dass sie nur zu retten seien, wenn ich den verwünschten falschen Brief schreibe. Ich spreche die Wahrheit, jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren. Ich habe auf die Hostie den falschen Eid abgelegt, über die Erpressung zu schweigen, meinen Vater, mich selbst und nun dich getötet, Gott kann mir so viele Sünden nicht verzeihen.

Ferdinand: Oh nein, es ist zu spät, wir sind nicht mehr zu retten. Ich vergebe dir, du hattest keine andere Wahl. Welch schreckliches Schicksal hat uns mein grausamer Vater beschert. Mir wird schwindelig, ich habe nicht mehr viel Zeit. Es ist alles meine Schuld. Ich hätte nicht glauben dürfen. Lass mich dir wenigstens diese letzte Gnade erweisen, du verdienst keinen qualvollen Tod, du darfst nicht auch noch diese Sünde meinetwegen auf dich laden. (Tötet Luise mit einem Degenhieb)

(Der Präsident und Wurm treten auf)

Präsident (noch in der Tür): Was hast du getan, Wahnsinniger? Die ganze Familie ausgelöscht! Nur, weil diese Bürgerdirne dir nicht treu geblieben ist.

Ferdinand: Nicht ich, Du hast sie getötet. Ich weiß alles. Du hast mich hintergangen, nicht sie – sie war mir immer treu. Du hast sie, ihren Vater und mich auf dem Gewissen, Unglücklicher, doch ich werde dein Leid mindern.

Präsident: Ich habe nur seinen (deutet auf Wurm) Rat befolgt, mir hast du keine Schuld zuzuschreiben. Ich habe nur getan, was nötig war, um dich vor diesem Flittchen zu schützen. Noch war sie dir nicht fremdgegangen, aber sie hätte es gewiss getan!

Ferdinand: Du gibst es also zu? Gut, du bekommst, was du verdienst, Mörder. Kein Gericht auf Erden vermag dir eine gerechte Strafe zu geben, soll nun Gott dich richten. Denke daran, dass du fünf Menschen auf dem Gewissen hast, deinen Sohn, deinen elendigen Berater, Luise, ihren Vater, und nun dich selbst. (Versetzt dem Präsidenten einen Degenstich mitten ins Herz) Und wohin willst du gehen, Wurm? Dein Name spricht Bände über deine Gesinnung. Elendig spuckst du Gift, und dann willst du dich verkriechen. Du hast mit deiner Giftmischerei die meiste Schuld. Nur du bist noch schlimmer als mein Vater. Schade, dass ich nicht lang genug leben werde, um deinen Tod zu genießen. (Nimmt das Messer, mit dem Luise ihren Vater getötet hat) Dieses Messer, was mir letztendlich mein Lebensglück und damit mein Leben geraubt hat, soll nun auch dein Ende sein. (Er sticht Wurm das Messer zwischen die Rippen, dieser sinkt mit schrecklich schmerzverzerrtem Gesicht und röchelndem Atem nieder)
Es ist nun auch für mich Zeit, zu sterben. Meine Beine werden schwach, das Gift wirkt, oh welch schreckliches Schicksal hat uns alle um unsere glücklichen Leben gebracht! (Er bricht zusammen, es wird dunkel, der Vorhang fällt, es ist still. Man hört nur das Röcheln von Wurm)

  1. Anonymous
    2011-09-13 um 18:17 UTC

    nicht schlecht :) ich würd nur noch die sprache teilweise etwas zeitgenössischer formulieren Bsp: dünkte statt dachte etc. (in meinem ende hab ich den präsidenten sterben lassen)

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