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Archive for Mai 2006

Übermut kommt vor dem Fall

2006-05-31 2 Kommentare

Ein bekannter Bittorrent-Tracker, die "Pirate Bay", auf dem sich diverse Torrents zu allen Arten von Software, Filmen etc. befanden, ist anscheinend von der schwedischen Polizei lahmgelegt worden. Wie diverse Nachrichtenquellen berichten, hat die Polizei die Server beschlagnahmt. Eigentlich ist ja nichts besonderes dran, da regelmäßig irgendwelche mehr oder weniger bekannten Download- und Torrentseiten aus dem Netz verschwinden. Eigentlich.

Das besondere in diesem Fall ist nicht nur, dass The Pirate Bay ziemlich groß war und viele Nutzer hatte. Nein, die Seite prahlte noch vor kurzem damit, dass sie nach schwedischem Recht nichts illegales tue (es wurden nur die Torrents verbreitet, also kleine Dateien, die von den Bittorrent-Programmen benötigt werden, Quellen für den eigentlichen Download zu finden. Diese Torrents enthalten selbst keine urheberrechtlich geschützten Inhalte, allerdings helfen sie den Benutzern dabei, eben diese Inhalte illegal herunterzuladen und zu verbreiten). Anscheinend ist sich, wie in den Nachrichtenartikeln zu lesen ist, die schwedische Polizei auch nicht sicher, trotzdem sitzen zwei der Betreiber vorerst hinter Gittern schwedischen Gardinen. Wenn man den Aussagen der Tracker-Betreiber trauen darf, hat Schweden also theoretisch recht knappe Regelungen im Bereich des Urheberrechts, allerdings wohl auch im Bereich der Durchsuchungen und Beschlagnahmen. Denn wenn sich die Polizei selbst nicht sicher war, ob die Server illegal genutzt wurden, sollte sie eigentlich keine Beschlagnahme durchführen.

Hoffentlich wird jetzt zumindest klar, wie die Regelungen in Schweden wirklich aussehen. Entweder es zeigt sich, dass die Seite legal ist (dann dürfte die Publicity, die dieser Vorfall erregt hat, den Schaden durch den Ausfall ausgleichen), oder aber die Aussagen der Betreiber stellen sich als unwahr heraus. Für ersteres spricht allerdings, dass die Seite recht lange offen blieb, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Seiten auch auf Aufforderung der Urheberrechtsinhaber keine Torrents entfernte und durchaus diesen bekannt war, wie die auf der Seite veröffentlichten Schreiben von Anwälten zeigen. Diese wurden außerdem nicht gerade freundlich zurückgewiesen. (Auf ein Schreiben als PDF gab es eine 1 MB große BMP-Datei mit einem mit der Maus gekrakelten Hinweis "I can use annoying formats to", unterschrieben mit dem Nickname eines Betreibers; anderen Anwälten wurden Gummiknüppel für Sexspielchen empfohlen, mit denen sie ihre Zeit sinnvoller verbringen sollten.) Weiterhin scheint es in Schweden tatsächlich eine Partei, die sich offen gegen das Urheberrecht einsetzt, zu geben. Auf deren Website findet sich ein kurzer Hinweis auf Englisch:

The Pirate Bay and Piratbyrån taken down by police

Swedish police has today taken all the servers of The Pirate Bay into custody, along with the servers of a number of other unrelated web hotel customers. The polise chose to do this despite the fact that the services provided by the world's largest bittorrent tracker has been deemed fully legal in Sweden.Piratbyrån, a swedish pro-pirate lobby organisation, also got their servers taken, since they where located in the same server rack.

Three operators of The Pirate Bay are in police custody, and can not currently be reached for comment.

Es hat also auch noch den Server einer Lobbyorganization für Softwarepiraten (lustig, dass es so etwas gibt) und noch ein paar andere Server erwischt.

Jedenfalls hoffe ich, dass, falls sich die Aktivitäten von Pirate Bay als rechtmäßig herausstellen, die Polizei mit einer in dem Fall hoffentlich zu leistenden Entschädigung die Server erstmal finanzieren darf.

Einige Blogs berichten inzwischen auch darüber, vieleicht finden sich dort bald neue Informationen.

UPDATE: Laut einem Artikel auf Golem.de haben die USA vieleicht etwas "nachgeholfen".

UPDATE 2: So, die Site ist wieder online, wie Filesharing News berichtet. Herzlichen Glückwunsch zum "erfolgreichen" Bust! *lol* Die Bekanntheit der Seite dürfte jetzt immens gestiegen sein. Normalerweise macht es nichts aus, wenn Warezseiten durch die Nachrichten bekannt werden, denn meist sind sie dann weg. In diesem Fall allerdings haben die Pirateriegegner einen gründlichen Griff in ein ziemlich vollgeschissenes Bahnhofsklo geschafft. Die Seite ist bekannt, und sie läuft weiter, und falls sich die Durchsuchung als unberechtigt herausstellt, könnten wir bald einen staatlich "subventionierten" Bittorrent-Tracker zu sehen bekommen.

UPDATE 3:  Gründe, warm The Pirate Bay down ist und wie lange die Lösung dauert – vom Blog der Seite:

Just some stats…

… here are some reasons why TPB is down sometimes – and how long it usually takes to fix:

Tiamo gets *very* drunk and then something crashes: 4 days
Anakata gets a really bad cold and noone is around: 7 days
The US and Swedish gov. forces the police to steal our servers: 3 days
.. yawn.

Kategorien:Newskommentare

Vom Regen in die …

Traufe oder Trockenheit? Das ist die Frage – Nach Ubisoft hat der Publisher CDV nun beschlossen, statt des sehr umstrittenen und auch bei Käufern (also zahlenden Kunden) für Aufregung sorgenden Kopierschutzes StarForce lieber TAGES einzusetzen. Ob dieser Kopierschutz jedoch besser ist, ist mir nicht klar. Es ist definitiv nicht so stark in Verruf geraten, scheint weniger Probleme zu machen und zumindest keine Computer zu beschädigen, wie dies Starforce oft vorgeworfen wird. Allerdings ist dieser Kopierschutz meines Wissens nach nicht so stark verbreitet wie Starforce, was bedeuten könnte, dass die Fehler bloß nicht entdeckt werden.

Unabhängig davon, ob sich der Kopierschutz nun als besser oder schlechter erweist – was zählt, ist, dass wieder einmal ein Publisher eingesehen hat, dass es besser ist, ein paar Raubkopien zu riskieren (soweit ich weiß gilt Tages zwar als gut, aber weniger stark als Starforce), dafür aber keine zahlenden Kunden mehr zu verärgern. Denn während man von einem saueren Raubkopierer, der sich das Spiel zwar nicht kopieren kann, es sich aber auch nicht kauft, keinen Nutzen hat (im Gegenteil: Der Raubkopierer hilft sogar, das Spiel bekannter zu machen, indem er es Freunden weiterempfiehlt – die es eventuell kaufen!), sind ehrliche Kunden, die aufgrund des Kopierschutzes einen Boykott starten, ein eindeutiger Schaden. Das scheinen auch die Verantwortlichen begriffen zu haben. Natürlich wird es auch Verluste durch Raubkopierer, die sich das Spiel jetzt kopieren können und es sich deswegen nicht kaufen, was sie sonst getan hätten, geben. Allerdings dürften diese Verluste deutlich geringer sein, als die durch den Imageschaden bei ehrlichen Kunden.

Endlich fangen die Hersteller an zu merken, dass es besser ist, Kunden nicht wie kriminelle zu behandeln. Denn sonst sind am Ende die Raubkopierer noch besser dran – und das kann nicht das Ziel eines Kopierschutzes sein.

Kategorien:Newskommentare

Datenschutz: Recht des Stärkeren

2006-05-30 1 Kommentar

Wie viele Medien (Tagesschau, Heute.de, FAZ, Spiegel Online, Heise, Golem) berichteten, hat der Euröpäische Gerichtshof die Weitergabe von unzähligen persönlichen Daten von in die USA einreisenden Passagieren durch die Fluggesellschaften nun verboten, und bestimmt, dass das Abkommen, welches dieses festlegt, innerhalb von eines Monats gekündigt werden soll. Bis das jedoch Wirkung zeigen wird, kann noch etwas Zeit vergehen: Danach läuft erst einmal eine neunzigtägige Kündigungsfrist, und selbst danach übermitteln die Fluggesellschaften die Daten lieber vorerst weiter, um Landeverboten vorzubeugen.

Ich vermute, dass der einzige Unterschied, den dieses Urteil machen wird, darin liegt, dass die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam wird und außerdem klar wird, dass der Datenschutz nicht beliebig missachtet werden darf. Letzteres wird meiner Meinung nach leider duch ein neues Gesetz wieder relativiert, welches die Weitergabe der Passagierdaten (vieleicht in leicht abgewandelter Form) dennoch wieder erlaubt, um es sich mit der großen USA nicht zu verderben. Und eben dies ist meiner Meinung nach falsch:

Wenn etwas gegen die Grundrechte verstößt, sollte man die Grundrechte nicht anpassen, um dies zu erlauben, nur weil ein großes Land das so will. Vielmehr sollte man meiner Meinung nach hart bleiben, und vor allem den Fluggesellschaften die Datenweitergabe unter drakonischen Strafen (Geldstrafen pro Verstoß in Höhe des mehrfachen Preises eines Flugtickets, Landeverbote in Europa) verbieten. Wenn die USA dann der Meinung sein sollten, Landeverbote zu erteilen (was ich für sehr unwahrscheinlich halte), wäre es – trotz der katastrophalen Auswirkungen aud die europäische Wirtschaft – meiner Meinung nach nötig, im Gegenzug Landeverbote für amerikanische Fluglinien in der EU zu beschließen. Nur weil die USA eine Großmacht sind, heißt es nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss. Und ein derartiges Landeverbot würde den USA vermutlich schnell vor Augen führen, dass in der heutigen globalisierten Welt alle, auch die USA, darauf angewiesen sind, miteinander zu kooperieren. Und wenn erst einmal klar würde, dass diese Regelungen eingeführt wurden, um Grundrechte zu schützen, und das bei den Amerikanern auch so ankommen würde (was ich allerdings auch bezweifle), würde vermutlich die Zustimmung der amerikanischen Bevölkerung zu derartigen Maßnahmen schnell sinken.

Aufgrund der Folgen, die (für beide Seiten) Landeverbote hätten, bezweifele ich, dass die USA überhaupt diesen Schritt gehen würden. Aber aufgrund der minimalen Gefahr, dass dies doch passieren könnte, und der Bemühung um gute internationale Beziehungen (ergo Beziehungen zu den USA) sowie der generell niedrigen Anerkennung, die der Datenschutz genießt, gehe ich davon aus, dass die EU brav irgendeine Möglichkeit finden wird, die Datenweitergabe fortzusetzen und damit den Wahnsinn der USA weiter zu unterstützen, statt endlich zu zeigen, dass es reicht. Schade.

(Nein, ich habe nicht vor in die USA zu reisen – nach diesem Artikel erst recht nicht…)

Kategorien:Newskommentare

Gerechtigkeit – Schluss mit der Abmahn-Abzocke!

2006-05-29 1 Kommentar

Gewisse Firmen und ihre Anwälte verdienen sich mithilfe überteuerter Abmahngebühren gerne mal eine goldene Nase. Nun scheint es genug Beschwerden beim Justizministerium gehagelt haben, dass die Justizministerin Zypries die gängige Praxis kritisiert hat – siehe Golem-Nachricht. Es wurde sogar angedeutet, dass eventuell "Mittel des Berufsrechts", also vermutlich Verlust der Zulassung (!) bei Missbrauch von Abmahnungen eingesetzt werden könnten. Wäre meiner Meinung auch richtig so. Nur einige Rechtsanwälte scheinen Zypries dafür ausgebuht zu haben – warum wohl? Zitat aus dem verlinkten Golem-Artikel:

"Das sind Sie der überwältigenden Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen schuldig, die ihren Beruf einwandfrei ausüben", so Zypries mahnend an die versammelten Anwälte. Diejenigen, die sich angesprochen fühlten, verkündeten ihren Unmut laut eines Berichts des Kölner Stadt-Anzeigers mit Buh-Rufen.

Um noch eines klarzustellen: Ich bin auch der Meinung, dass es sich bei den Abmahnabzockern um eine Minderheit handelt. Und auch, dass diese Minderheit gerne noch "etwas" kleiner werden sollte. Nämlich nicht vorhanden.

Ach ja: Falls jemand sich über das Wort "Abzocke" aufregen will: .

Kategorien:Newskommentare

Aktuelles: Vorratsdatenspeicherung

Aus aktuellem Anlass: Es gibt vieleicht doch noch eine Chance, die Vorratsdatenspeicherung zu verhindern:
heise online – Bürgerrechtler fordern Bundestag zur Abstimmung gegen Vorratsdatenspeicherung auf

Ein Wiki, welches sich mit dem Thema befasst, findet sich hier.

Ein Beispiel, wie gefährlich Vorratsdatenspeicherung sein kann und warum sie jeden etwas angeht (auch die, die "nichts zu verbergen" haben!), kann man hier sehen.

Kategorien:Newskommentare

Lizenzbedingungen

2006-05-29 1 Kommentar

So kann man auch dafür sorgen, dass die Presse nur das schreibt, was ein Unternehmen will: Laut einem Artikel von Golem bekommen Verlage nur dann eine Lizenz, die Betaversion von Microsofts neuem Office auf die Heft-CDs zu bringen, wenn sie Microsoft erlauben, über den Inhalt der Artikel mitzubestimmen. Das würde bedeuten, dass jede Computerzeitschrift, die die Beta bringt, keinen kritischen Artikel mehr veröffentlichen kann, sondern praktisch nur noch Schleichwerbung für Microsoft. Langsam denke ich wirklich, dass in der heutigen Welt einiges nicht mehr stimmt.

Auf den Heft-CDs soll außerdem keine Open-Source-Software enthalten sein dürfen, damit die Leser der Zeitschriften nicht auf die Idee kommen, das teuere MS Office mit dem kostenlosen Open Office zu vergleichen. Microsoft hat wohl Angst, dass ihr Produkt nicht gut genug ist.

Jedenfalls bin ich der Meinung, dass ein Unternehemen, was es nötig hat, zu solchen Maßnahmen zu greifen, echt verzweifelt sein muss. Umso schlimmer finde ich es, dass die c't anscheinend die Beta auf der Heft-CD gehabt haben soll, was die Befürchtung in mir weckt, dass diese Zeitschrift (die ich bisher für neutral, vernünftig und vertrauenswürdig gehalten habe) jetzt weniger von unabhängigen Redakteuren, sondern mehr von Microsoft-Schleichwerbern geschrieben wird. Ehrlich gesagt hätte ich es von der ct am wenigsten erwartet, so einen Vertrag zu unterschreiben – ich hätte gedacht, die ct würde mit sowas sofort an die Öffentlichkeit gehen. Hoffentlich liegt das daran, dass Microsoft so etwas erwartet und von der ct keinen Knebelvertrag verlangt hat. Falls es nicht daran liegt, schade. Denn dann gibt es wieder eine gute Computerzeitschrift weniger für mich. Ich werde dranbleiben und versuchen, eine Liste der Zeitschriften, die eventuell so einen Vertrag unterschrieben haben, zusammenzustellen. Hilfe über die Kommentare ist erwünscht (bitte mit Quellenangaben). Jedenfalls weiß ich dann, welche Zeitschriften ich nicht mehr lesen werde…

UPDATE: Es gibt jetzt eine Stellungnahme von der c't-Redaktion.

UPDATE 2: Ich habe einen Kommentar im Heise-Forum plaziert, der meine Meinung verdeutlicht. Hier der nochmal Wortlaut des Kommentars:

Meiner Meinung nach wäre jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, dennoch eine bestimmte Vorgehensweise korrekt, angebracht und wünschenswert. Dass es sich um einen Griff ins Klo gehandelt hat und es vermutlich schlauer gewesen wäre, auf die Veröffentlichung der Beta zu verzichten und stattdessen über diesen Vertrag zu berichten, ist wohl klar. Egal ob nun die Computerbild übertrieben hat oder nicht.

Da dieser Vorfall, egal was genau nun stimmt, definitiv sowohl für den Ruf der c't als auch den von Microsoft (wegen unlauterer Beeinflussung von Medien) sicherlich nicht positiv ist, wäre es wohl keine schlechte Idee, den Vertrag wirklich offenzulegen, und zwar vollständig, um zumindest etwas Vertrauen zurückzugewinnen. Wenn eine Klausel das verbietet, könnte man MS bitten, der Aufhebung dieser Klausel zuzustimmen, da eine offene Klärung vermutlich eher dazu beiträgt, den aus diesem Vorfall entstehenden Schaden zu reduzieren. Wenn das, was die Computerbild schreibt, Unsinn ist, dann sollte ja weder MS noch Heise etwas gegen eine Offenlegung des Vertrags haben. Die würde ja nur zeigen, dass Computerbild Unsinn geschrieben hat und die Glaubwürdigkeit der c't und den Ruf von MS retten.

Im Moment, denke ich, glauben die Meisten der c't kein Wort, wenn es um diese Sache geht. Deswegen wird, wenn der Vertrag nicht offengelegt wird, die öffentliche (und auch meine!) Meinung eher gegen die c't tendieren. Die Unabhängigkeit und kritische Betrachtung war das, was die c't und heise für mich interessant und wertvoll gemacht haben. Wenn ich (und andere) nun den Eindruck haben, dass diese Glaubwürdigkeit zugunsten einer Auflage (!) riskiert wird, ist das definitiv nicht gut. Wenn der Vertrag nicht offengelegt wird, ist es meiner Meinung nach ein klares Zeichen, dass eine Offenlegung eben nicht entlastend wirken würde, da ja sonst nichts gegen eine Offenlegung sprechen sollte. Und daher würde, während eine Offenlegung den Ruf von c't UND MS bessern könnte, eine weitere Geheimhaltung ziemlich sicher das Gegenteil bewirken.

Kategorien:Newskommentare

Internetzensur – auch in Deutschland!

2006-05-28 2 Kommentare

Heute.de berichtet über eine Kampagne gegen Internet-Zensur. (Golem hat eine etwas detiliertere Nachricht hier) Nichts besonderes, oder? Eine Menschenrechtsorganization will Menschen in weit entfernten Ländern helfen und sammelt dafür Unterschriften. Viele werden jetzt denken: Was geht mich das an? Tja, mehr als man denkt. Denn nicht nur in totalitären Regimes findet Internet-Zensur statt. Um Zensur zu finden, muss man nicht so weit schauen. Es reicht, wenn man in Deutschland bleibt. Und ich meine jetzt nicht ein paar Proxies, die irgend eine Firma, Schule, Bibliothek oder sonst jemand aufgesetzt hat, um unliebsame Inhalte aus dem eigenen Netz schwerer erreichbar zu machen (was eh ein vergebliches Unterfangen ist…). Nein: Ich rede von Zensur, die so richtig schön von Behörden angeordnet wird. Gibt es nicht in Deutschland? Irrtum. Noch nie von gehört? Gut – dann bitte mal einen Blick auf das Datum des Artikels werfen. Über drei Jahre ist es schon her.

Zugegebenermaßen, es hat „nur“ ein paar Neonazi-Seiten erwischt. Allerdings könnte man das ganz leicht auch auf andere Seiten ausweiten. Politisch unliebsame Seiten. Daher bin ich der Meinung, dass es keine derartigen Maßnahmen geben darf. Gar keine. Es ist besser, ein paar Neonazi-Seiten ungesperrt zu lassen (zumal die Sperren eh umgangen werden können und die Bekanntheit dieser Seiten eher steigern werden), als die Gefahr zu riskieren, die entsteht, wenn man anfängt, Grundrechte auszuhöhlen. Die haben nämlich einen bestimmten Zweck – den Schutz der Demokratie und Freiheit. Ich bin nicht der Meinung, dass die bewusst amateurhaft durchgeführte Sperrung dieser paar Seiten eine großartige Zensur, vergleichbar z. B. mit den Aktionen in China darstellt. Aber ich denke, man (bzw. das Bundesverfassungsgericht) sollte solche Bemühungen bereits im Keim ersticken. Die im Artikel „Linktipps“ verlinkten Seiten befassen sich zum Teil mit dieser Zensur. Hier noch ein zwei Links direkt zum Thema: CCC Odem

Und wie soll es weitergehen? Nun ja, eventuell alle ungeeigneten Seiten. Erst mal die jugendgefährdenden Seiten, um Zustimmung zu sammeln. Dann vielleicht die der NPD? Vielleicht die der Republikaner? Ach, und die der Opposition kann man ja auch gleich verschwinden lassen… – SO weit wird es hoffentlich nie kommen. Aber bedenklich finde ich es schon

Also: Bevor man sich um andere Länder kümmert, kann man sich erst mal vor der eigenen Haustür umschauen…

UPDATE: Laut Golem versuchen nun einige Bundesländer ebenfalls Sperrmaßnahmen gegen illegale Wettanbieter einzuführen. Allerdings ist es wohl eher eine Frage der Zeit, bis sie auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden.