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Archive for Dezember 2009

HowTo Screencasts erstellen

2009-12-13 2 Kommentare

Für meinen letzten Artikel habe ich einen Screencast erstellt. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen. Daher möchte ich hier eine Anleitung geben, wie man unter Windows einen Screencast erstellt. Diese Anleitung mag erstmal aufwändig klingen, aber das meiste davon muss man nur einmal machen und ich bespreche hier alle wichtigen Einstellungen. Wenn CamStudio erstmal eingerichtet ist, kann man einen kurzen Screencast schon in rund 20 Minuten vorbereiten, aufnehmen und hochladen.

Zunächst braucht man eine geeignete Software. An kostenloser Open-Source-Software existiert da keine allzu große Auswahl. Ich habe mich für CamStudio entschieden, in der Version, die ich gerade auf dem Rechner hatte. Diese meldet sich als „2.5“, es dürfte sich um eine Beta-Version handeln, die gibt es hier.

Darüber hinaus braucht man rund 10 MB pro Minute für die Rohdaten und man sollte ein Mikrofon/Headset haben.

Wie bei jedem Programm gehe ich zunächst durch die Einstellungen und Menüs, um mir einen Überblick zu verschaffen. Unter Options sollte man einstellen:

  • Bei Video Options den CamStudio Lossless Codec (ggf. muss man den erst von der CamStudio-Seite installieren)
  • Bei Cursor Options sollte man den tatsächlichen Cursor anzeigen lassen (show actual cursor), und ich finde „highlight cursor“ auch extrem sinnvoll. Selbst wenn man es eigentlich nicht benötigen würde, kann man Klicks nur sichtbar darstellen lassen, wenn diese Funktion aktiv ist. Das ist extrem sinnvoll, weil der Nutzer dann sieht, wann geklickt wurde. Dazu stellt man „Enable visual click feedback“ ein, stellt eine helle (z. B. weiß-gelb) für die Highlight-Farbe und eine knallige Farbe (volles Gelb) für left button color und eine andere knallige Farbe (z. B. Rot) für right button color ein.
  • Audio sollte man vom Mikrofon aufnehmen lassen, damit man die Aktionen live erklären kann, unter „Audio Options – Audio options for microphone“ sollte man einen brauchbaren Codec auswählen. 22.05 kHz, mono, 16-bit und MPEG Layer-3 beim Kompressionsformat sind recht gut. Stereo sollte man meiden, weil normalerweise das Mikrofon eh nur Mono aufnimmt. Auf jeden Fall muss man beim Test darauf achten, ob das Audio nachher beim fertig hochgeladenen Video auch aus beiden Kopfhörern herauskommt – wenn man die Sprache nur von einer Seite hört, ist es extrem unangenehm und ablenkend und auch ein ansonsten guter Podcast wird so unbrauchbar.
  • Autopan, also die Anzeige eines sich automatisch verschiebenden Bildausschnitts, sollte man ausschalten, wie man das Problem eines zu großen Bildschirms im zu kleinen Video löst, steht weiter unten
  • Die Programmoptionen stellt man nach Belieben ein, wenn man eine kleine Festplatte hat, kann man da auch ein anderes Laufwerk für temporäre Dateien angeben
  • Tastenkombinationen kann man einstellen, muss man bei meiner Methode aber erstmal nicht

Unter Effects – Options kann man ein Wasserzeichen einbauen, wenn man unbedingt will. Den Aufnahmemodus sollte man meiner Meinung nach auf AVI setzen (über die Symbolleiste).

Dann kommen wir zum wichtigsten Punkt – der Auswahl der aufzunehmenden Region. Videos werden meist in kleinen Youtube-Fenstern angezeigt. Es macht daher oft wenig Sinn, den ganzen Bildschirm mit einer Auflösung von oft weit mehr als 1024×768 aufzuzeichnen. Stattdessen sucht man sich ein kleineres Gebiet aus, platziert dort die Fenster, die aufgezeichnet werden sollen, passt ihre Größe entsprechend an und prüft, ob alle verwendeten Dialogfenster dort auftauchen, wenn man sie öffnet. Manche lassen sich verschieben und merken sich die neue Position, manchmal muss man den Aufnahmebereich anpassen. Ich empfehle, diesen Bereich nicht zu groß zu wählen – ansonsten wird das Video verkleinert, und man erkennt die Menüpukte nicht mehr. Wenn man den Bereich klein genug wählt, passt sich das Fenter an, verkleinert den Datenbereich (bei Word eben den Textbereich), aber die Menüs bleiben lesbar. Das geht natürlich nicht bei allen Programmen so gut, aber mehr als 1024×768 sollte das Video nicht groß sein. Wer einen zweiten Bildschirm hat, kann den ja auf eine niedrige Auflösung einstellen und das Video dort aufnehmen. Für eine gute Videoqualität sollte man eine von Youtube (oder eben dem Portal, wo man das fertige Werk hochladen will) empfohlene Größe nehmen, z. B. 640×480. Die Region stellt man mit „Region – Fixed Region“ und angekreuztem „Fixed Top Left Corner“ ein.

Im nicht verwendeten Bereich kann man dann das Aufnahmefenster platzieren, um ohne Störungen die Aufnahme bequem per Maus steuern zu können. Von dort kann man auch Notizen, Annotationen etc. steuern bzw. in den Aufnahmebereich ziehen.

Ein weiterer Vorteil dieser Lösung ist es, dass nicht so leicht versehentlich Dinge mit aufgezeichnet werden, die man eigentlich nicht veröffentlichen möchte. Bei meinem Word-Tutorial hat man beispielsweise die Liste der zuletzt geöffneten Dokumente gesehen, die hätte ich vorher löschen müssen, wenn einer der Dateinamen irgendetwas enthalten hätte, was ich auf keinen Fall veröffentlicht haben will. An dieses Problem sollte man immer denken. Neben den „zuletzt geöffnete Dokumente“-Listen können auch Desktop-Icons, Lesezeichen in der Firefox-Lesezeichensymbolleiste, offene Fenster (z. B. beim Umschalten mit Alt-Tab) usw. Informationen enthalten, die man nicht im Netz sehen möchte. Besonders hervorzuheben ist hier die Firefox-„Awesomebar“, also die neue Adressleiste, die bei jeder Eingabe in History und Bookmarks sucht und alle Treffer sofort anzeigt. Da kann beim Tippen schon mal was zum Vorschein kommen, was man nicht im Screencast haben will! Gerade für Browser-Vorführungen bietet sich daher an, ein separates Profil zu verwenden. Firefox kann mit dem Parameter -no-remote mehrfach gleichzeitig mit unterschiedlichen Profilen gestartet werden.

Da es recht aufwändig ist, diese Videos nachzubearbeiten, sollte man Störungen vermeiden. Telefon ausgehängt/abgestellt? Auch ein im Nebenraum läutendes Telefon kann einen aus dem Konzept bringen. Auch Programme, die Popups erzeugen, sollten ausgeschaltet werden. Alternativ kann man den Aufzeichnungsbereich so wählen, dass die Popups da nicht hineinreichen. Auch so sollte man natürlich damit rechnen, dass man den Podcast mehrfach sprechen muss – das ist meist schneller, als zu versuchen, daran herumzueditieren. Lange Screencasts sollte man möglichst in Teilen produzieren und dann zusammenführen. Geeignete Software dafür könnte z. B. VirtualDub sein.

Sobald man alles fertig hat, sollte man unbedingt ein paar Sekunden mit Sprache, Maus und allem Drum und Dran aufnehmen, speichern, auf die Zielplattform (z. B. Youtube) hochladen und prüfen. Es wäre extrem ärgerlich, nach einem gelungenen 10-Minuten-Screencast zu merken, dass das Mikro nicht angeschlossen oder falsch eingestellt war.

Den Text, den man sprechen möchte, sollte man ablesen können, damit man sich nicht verspricht. Entweder neben dem Aufnahmebereich, oder auch direkt darin als Beispieltext (bietet sich gerade z. B. bei einem Word- oder einem Wiki-Tutorial an). Blindtext bekommt man hier.

Die fertigen AVIs kann man übrigens direkt bei Youtube hochladen und die Qualität ist auch sehr gut, zumindest wenn man den Aufnahmebereich passend (640×480 Pixel groß) gewählt hat. Die Bildqualität sieht direkt nach dem Hochladen erstmal katastrophal aus, sobald Google/Youtube das Video aber fertig verarbeitet hat, wird es richtig gut.

Für einige Themen sind Screencasts besser geeignet als für andere. Ich persönlich finde (wie vermutlich viele andere, die routiniert mit Computern umgehen können) eine einfache Auflistung von anzuklickenden Menüpunkten oder einzugebenden Befehlen, die ich selbst im selbst gewählten Tempo lesen kann, deutlich angenehmer, als ein Video. Das gilt natürlich erst recht für so Sachen wie die Wikisyntax. Mag sein, dass es Leute gibt, die sich sowas lieber erklären lassen, aber ich gehe davon aus, dass für die meisten eine „Quelltext – Ergebnis“-Gegenüberstellung wie die hier deutlich besser ist. Gerade für Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die sich an völlige Anfänger richten und die man ansonsten mit dutzenden Screenshots bebildern müsste, kann ein Screencast aber nicht nur besser, sondern auch einfacher zu erstellen sein.

Dieser Artikel ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Es ist meine persönliche Meinung, die ich mir aus Erfahrungen mit dem Schauen von Podcasts (was fand ich schlecht/gut), dem Betreuen wenig erfahrener User und der Erstellung des genannten Podcasts gebildet habe. Weitere Anregungen und natürlich auch Kritik per Kommentarfunktion sind herzlich willkommen.

Richtig Zeilennummern einfügen bei Word

2009-12-13 20 Kommentare

Weil das Einfügen von Zeilennummern in Microsoft Word gut versteckt ist, und selbst wenn man es findet noch einige Stolperfallen warten, habe ich mal eine Anleitung erstellt. Für Anfänger gibt es sogar einen sogenannten Screencast, also eine Videoanleitung:

(Youtube-Direktlink)

Die Anleitung gilt für Word 2003 und sollte auch auf frühere Versionen, zumindest Word 2000, anwendbar sein. Wie es bei der neuen, verhunzten 2007er funktioniert, die nicht einmal mehr richtige Menüs hat, weiß ich nicht. UPDATE: Seitenlayout -> Zeilennummern, Zeilennummerierungsoptionen sowie Seitenlayout -> Umbrüche sind die „Menü“punkte jetzt.

Die Einstellungen zur Zeilennummerierung finden sich unter Datei – Seite einrichten. Wenn man jedoch damit arbeitet, nummeriert man entweder das ganze Dokument oder man bekommt oft unerwünschte Seitenumbrüche rein. Will man das vermeiden, muss man die Abschnitte manuell definieren.

Um die Zeilennummern nur für den Abschnitt festlegen zu können, muss man Word erklären, dass das ein eigener Abschnitt ist. Dazu fügt man jeweils einmal direkt vor den ersten Absatz (also vor das erste Wort) des zu nummerierenden Abschnitts und einmal in die Leerzeile hinter dem letzten Absatz einen Abschnittsumbruch ein. (Wenn man ohne Leerzeilen arbeitet, muss der Umbruch vermutlich vor dem ersten Zeichen des nächsten  Absatzes eingefügt werden.) Dazu klickt man an die entsprechende Stelle und wählt dann jedes Mal Einfügen – Manueller Umbruch, Abschnittsumbruch fortlaufend und klickt auf OK. Man sollte mit dem „umgedrehtes P“-Symbol in der Symbolleiste die Sonderzeichen einblenden, damit man die Umbrüche sieht. Störende Leerzeilen kann man jetzt entsorgen, aber bitte nicht die Absatzmarke zwischen vor dem zweiten Abschnittsumbruch! Indem man genau die vorgegebenen Positionen verwendet, werden die Zeilen korrekt nummeriert (d.h. es werden keine Leerzeilen vor- oder nachher mitnummeriert) und die letzte Zeile wird nicht „auseinandergerissen“, falls Blocksatz verwendet wird.

Sobald die Abschnitte festgelegt sind, klickt man in den entsprechenden Abschnitt, also zwischen die gesetzten Markierungen, geht auf Datei – Seite einrichten, wählt die Registerkarte Layout, vergewissert sich dort, dass unten bei „übernehmen für:“ automatisch „aktuellen Abschnitt“ eingetragen wurde, und klickt auf „Zeilennummern„. Dort setzt man das Häkchen für „Zeilennummern hinzufügen„, stellt die Parameter ein (meist möchte man für längere Texte ein größeres Zählintervall, wenn man nur jede 5. Zeile nummerieren möchte trägt man hier eine 5 ein) und wählt „jeden Abschnitt neu beginnen“. Dadurch können auch mehrere Texte in einem Dokument nummeriert werden, und bei beiden beginnen die Zeilennummern mit 1. Dann noch zweimal auf OK klicken, und die Zeilennummern stehen links neben dem Text. Wenn man natürlich als Zählintervall fünf einstellt, aber erst drei Zeilen hat, sieht man nichts. Wenn man später Text einfügt oder umformatiert, werden die Zeilennummern natürlich angepasst – man muss nur darauf achten, dass man zusätzlichen, zum nummerierten Abschnitt gehörenden Text auch vor den Abschnittsumbruch schreibt.

Erstellt wurde das obige Video übrigens mit CamStudio, einer Open-Source-Anwendung. Ein Tutorial, wie man solche Videos erstellt, werde ich hoffentlich irgendwann auch schreiben und posten.

Ankündigung: Vortrag „Liquid Democracy“, Flashmob Abmahnwahn

Ich möchte auch hier mal kurz zwei Veranstaltungen ankündigen (leider etwas spät):

Am Freitag abend, dem 11.12. (morgen) findet in Darmstadt an der TU ab 20 Uhr ein Vortrag über „Liquid Democracy“ statt. Liquid Democracy ist ein interessantes Konzept, wie direkte und indirekte Demokratie miteinander verbunden werden könnten, um aus beidem die Vorteile herauszuholen. Details gibt es beispielsweise hier, dort stehen auch weitere Termine, die in einigen Städten in NRW stattfinden. Ort: Hörsaal 123 im Gebäude S1 03 („Altes Hauptgebäude“, Hochschulstraße 3)

Am Samstag (12.12.) findet in Frankfurt um 14 Uhr ein Flashmob gegen den Abmahnwahn am Brunnen auf der Zeil statt. Nähere Infos gibt es unter diesem Link – dort findet man auch das Schild, was man ausdrucken und mitbringen sollte. (Wer es nicht mehr schafft, sollte trotzdem kommen und versuchen, sich ein Schild zu schnorren)

Und nochmal als Erinnerung: Gerade für solche Sachen und für sehr kurze Hinweise auf lesenswerte Artikel ist eigentlich mein neues, separates Miniblog gedacht. Das liest aber scheinbar noch kaum jemand. Den Feed gibts hier.

Ankündigung: Zweites (Mini-)Blog

Ich verweise immer wieder darauf, dass dieses Blog keine Linkliste ist, und veröffentliche hier eher längere Artikel. Dadurch gehen leider auch einige Dinge verloren, zu denen es nicht viel zu sagen gibt, die also definitiv keinen Blogbeitrag abgeben, aber die trotzdem wichtig sind und viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Ich habe daher ein zweites Blog eingerichtet, in welchem ich je nach Tagesform solche Sachen posten würde. Es ist ein Zwischending zwischen Blog und Twitter – die Beiträge werden recht kurz sein, ich möchte aber nicht auf 140 Zeichen beschränkt sein. Die Beiträge werden (hoffentlich) deutlich häufiger kommen als hier im Blog. Die Schnittmenge zwischen diesem Blog und dem Mini-Link-Blog wird gering sein, auch wenn ich vielleicht ab und zu zuerst „drüben“ kurz über ein Thema schreibe, welches ich, sobald ich Zeit habe, dann wieder hier aufgreife. Ein paar Beispiele, was ich da so posten werde, stehen schn drin.

Zum Blog gehts hier lang, man kann aber auch einfach nur den RSS-Feed abonnieren.

Ich werde aber auch nur Sachen da posten, die ich für besonders wichtig halte und/oder wo ich der Meinung bin, dass sie zu wenig in den Medien beachtet werden und bekannter werden müssten. (Beispielsweise wenn CDU-ler beim Wahlbetrügen oder Kinderpornosammeln erwischt werden, seltsame verbraucherfeindliche Urteile veröffentlicht werden oder es sonst was wirklich Interessantes gibt.)

Das Ganze wird von Stil her leicht an Fefes Blog angelehnt sein. Ob ich langfristig Kommentare zulassen werde weiß ich noch nicht.

Feedback ist natürlich gerne gesehen.

Kategorien:Piraten, Site-News

Demobericht 3.12.2009 Frankfurt

2009-12-03 7 Kommentare

Am Vortag war das besetzte Casino der Uni Frankfurt geräumt worden. Die Unileitung hat den Besetzern damals Sachbeschädigung in sechsstelliger Höhe vorgeworfen, die Studenten dementieren, dass die Sachbeschädigungen so schwerwiegend waren und weisen darauf hin, dass es die Taten einzelner waren. Bilder seien nicht beschädigt oder beschmiert worden, lediglich die Rahmen bzw. Gläser hätten Farbe abbekommen. Dafür warfen sie der Polizei vor, mit deutlich übertriebener Gewalt vorgegangen worden zu sein, die Presse wurde bei der Räumung definitiv behindert (Vorhang zugezogen, Presse rausgeworfen). Ich kann die gegenseitigen Vorwürfe nicht bewerten, da ich nicht dabei war, und wünsche an dieser Stelle auch keine Diskussion darüber. Unter den Studenten konnte man hören, dass am Vandalismus wohl schon einige beteiligt waren, aber die Polizei auch regelrechte Hetzjagdten durch die Stadt veranstaltet haben soll.

Aus diesem Anlass fand am 3.12.2009 ab 18 Uhr in Frankfurt eine Demontration gegen die gewaltsame Räumung statt. Die Veranstalter (bzw. die Leute am Megaphon) machten deutlich, dass sie nicht mit der Polizei kooperieren würden: Auf die Aufforderung, eine Marschroute bekannt zu geben, gabs nur die Ankündigung, dass sie das nicht tun werden, und nach einigen Redebeiträgen mit einem schlechten Megaphon ging es dann los. Die Polizei zeigte sich erstaunlich zurückhaltend, vermutlich, weil sie nicht an weiterer Kritik in den Medien interessiert war. Es formte sich eine Art „schwarzer Block“, mit langen Transparenten vorne und an den Seiten und durch ein Seil verbunden, welcher jedoch immer mehr durch andere Teilnehmer „verdünnt“ wurde, es entstand ein fließender Übergang. Zu Beginn der Demo kam es zu einer einzelnen kleinen Rangelei mit der Polizei, bei der scheinbar auch Pfefferspray eingesetzt wurde. Von Festnahmen habe ich zumindest nichts gehört. Danach ging die Demo weitgehend unspektakuär und vor allem glücklicherweise auf beiden Seiten friedlich weiter.

Die Polizei filmte nicht durchgehend, aber doch gelegentlich die Demo. Auf Nachfrage wurde als Begründung angegeben, dass aus der Menge ja durchaus Straftaten begangen würden, nämlich Vermummung, Bedrohung und Körperverletzung. Es waren sicherlich einige Teilnehmer vermummt, aber nicht besonders viele. Die „Bedrohung“ soll laut Aussage eines Polizisten in Form von „ich fick dich! ich fick deine Mutter!“ geschehen sein, während die Körperverletzung Tritte gegen Polizeibeamte unter dem Fronttransparent hindurch gewesen sein sollen. Aber die Aufnahmen würden ja zügig nach der Demo gelöscht – allein schon deswegen, weil die Polizei nicht das Geld hätte, die Daten zu speichern bzw. den Speicherplatz dafür zu mieten (!).

Die Polizisten haben meist Abstand zur Demo gehalten, wenn man auf dem Bürgersteig ging und Polizisten vorbeiwollten, haben sie einen auch nicht einfach umgerempelt, sondern meist höflich gebeten, durchgelassen zu werden (ja, eigentlich traurig, dass man das nicht als Selbstverständlichkeit ansehen kann). Einige Male waren einige Polizisten sehr nah am Fronttransparent, was aber meiner Meinung nach weniger auf „Provokation“ sondern auf Desorganisiertheit zurückzuführen ist – ich habe den Zuruf eines Polizisten an seine Kollegen aufgeschnappt, der grob „ja wenn dann müssen wir alle Abstand halten“ lautete (und danach wurde auch Abstand gehalten). Die meisten Polizisten drumherum waren auch recht freundlich, auch als jemand sie nach Art eines Reporters fragte, warum sie denn die Uni besetzen würden und ob sie schon Forderungen gestellt hätten (ich glaube der Beamte hat den Witz nicht verstanden oder es zumindest gut verborgen und mitgespielt).

Rund vier Clowns waren fleißig dabei, die Polizisten mit harmlosen, lustigen Aktionen zu „belagern“ und die Demo zu unterhalten. Wie die Polizisten da ernst bleiben konnten, ist mir ein Rätsel.

Als es durch etwas engere Gassen ging, kam es zu Provokationen, da die Polizei sich zwischen den Demonstrationszug und die geparkten Autos quetschen wollte. Der „schwarze Block“ vorne war darüber nicht sehr erfreut und machte das auch sehr deutlich, die Polizei hätte hier vielleicht aber auch umsichtiger reagieren können. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es aber nicht, und später verzichtete die Polizei auf diese Art der Begleitung. Provokationen des schwarzen Blocks unterblieben bis auf gelegentliche Parolen wie „BRD – Bullenstaat – wir haben dich zum Kotzen satt“ auch fast vollständig.

Als eine Teilnehmerin einen Beamten, der scheinbar irgendeine leitende Funktion hatte, fragte, wie sie denn an die Dienstnummer eines Polizisten kommen könnte, antwortete dieser, man solle den Polizisten fragen. Auf die Entgegnung, dass dieser nicht antworten würde, kam nur ein „Tja, dann haben Sie halt Pech gehabt“ und der Beamte entfernte sich. Das macht noch einmal deutlich, dass eine deutlich sichtbare eindeutige Kennzeichnung von Polizisten im Einsatz dringend nötig ist. Viele Beamte trugen unterschiedliche Handschuhe, unter anderem mit deutlich sichtbaren Protektoren. Ob welche davon die teilweise verbotenen Quarzhandschuhe waren, konnte ich nicht beurteilen.

Am Ende der Demo, als die Polizeikräfte sich schon langsam zurückzogen, kam es zu wiederholten Provokationen einiger weniger Teilnehmer, es flogen auch Böller. Die Polizei ignorierte das einfach (und dank Schutzkleidung ohne die geringsten Probleme), was sich als gute Wahl erwies. Insbesondere über die Böllerwürfe waren zahlreiche Studenten nicht sehr erfreut und taten ihren Unmut auch lautstark kund. Um ca. 22:00 Uhr entfernten sich die Polizisten und die Demo ging in eine Party im Café KoZ über.

Ich war mit Piratenparteifahne anwesend und hielt mich zunächst hinten auf, später ging ich nach vorn und packte meine Fahne meist zusammen, wenn ich ganz vorne war, da das schließlich keine Piratenpartei- sondern eine Studentendemo war. Als der schwarze Block anfing, reine Antifa-Parolen zu rufen, packte ich die Fahne doch aus. (Ergänzung: Weil das missverstanden werden könnte – deutlich abgetrennt vom „schwarzen Block“ natürlich, die Parolen waren für mich nur das Zeichen, dass es akzeptiert wird, wenn anwesende Gruppen deutlich machen, dass sie auch da sind.) Ein Organisator/Ordner/Veranstalter sprach mich freundlich an und bat mich, mit der Fahne nach hinten zu gehen, da sei es in Ordnung, aber vorne könnte ein falscher Eindruck entstehen. (Ich blieb vorne, aber packte selbstverständlich die Fahne zusammen, was ok war.) Zumindest für Studentendemos in Frankfurt kann ich, was Parteifahnen betrifft, folgendes empfehlen: Im Hintergrund halten, und möglichst die Fahne nur auspacken, wenn auch andere Fahnen zu sehen sind – und natürlich nicht mit einem halben dutzend Fahnen auftauchen. So wird deutlich, dass man die Demo unterstützt, aber es entsteht nicht der Eindruck, die Demo „übernehmen“ zu wollen. Und natürlich, wenn man angesprochen wird, dass die Fahne lieber nicht gezeigt werden soll, sich auch dran halten.

Die Piraten unterstützen die Forderungen des Bildungsstreiks und setzen sich natürlich gegen Polizeigewalt ein. Eine klare Position zur Besetzung von Unigebäuden gibt es meines Wissens nach nicht. Zum Vandalismus muss ich mich hoffentlich nicht allzu sehr äußern, den fanden auch die meisten Studenten schlecht. Meine eigene Position ist da ziemlich ähnlich, bei den Besetzungen habe ich mir auch noch nicht wirklich eine Meinung gebildet. Es kommt vor allem darauf an, was besetzt wird und wie so eine Besetzung läuft.

Abschließend lässt sich nur sagen, dass das eine wunderbar gelungene, friedliche Demo war, auf der wir relativ gut durch große Teile der Stadt laufen konnten. Vielen Dank sowohl an die Teilnehmer als auch an die Polizei, die beide größtenteils auf größere Provokationen verzichtet haben und sich auch nicht so einfach provozieren ließen! Ob nach 22:00 Uhr noch etwas passiert ist, kann ich natürlich nicht sagen.

Das Verhalten des Unipräsidenten im Hinblick auf „Aussperren der Studierenden aus ihrer Uni“, den Elitarismus dort, das Konzept der Stiftungsuniversität etc., kommentiere ich hier mal lieber gar nicht, weil ich mich über den sch*** sonst zu sehr aufregen müsste. Es erklärt vielleicht auch die Verwüstung, die bei der Besetzung des Casinos entstanden ist.

Witz des Tages:
Warum unterscheiden sich die Angaben der Polizei und der Veranstalter über die Teilnehmerzahlen von Demos immer so stark?
– Die Polizei zieht von ihrer Zahl die V-Leute und Provokateure ab.
(Nein, das ist nicht auf diese Demo bezogen)

Neues Design

2009-12-01 4 Kommentare

Wie sicherlich schon viele bemerkt haben, habe ich dem Blog ein neues Design verpasst. Bisher hatte ich eine Abneigung gegenüber Designs mit fester Breite, die den Bildschirm nicht voll ausnutzen, weil ich meist auf relativ kleinen Bildschirmen arbeite. Allerdings wurde ich darauf hingewiesen, dass auf großen Bildschirmen Designs mit variabler Breite (wie ich es bisher hatte) unerträglich lange Zeilen produzieren. Ich wusste, dass es nicht so toll ist, nachdem ich mir aber das Blog mal mit Browsershots auf einem etwas größeren Bildschirm simuliert hatte, war ich schockiert, wie schlimm das aussieht. Deswegen habe ich jetzt ein Design mit fester Breite gewählt, welches meiner Meinung nach auch noch allgemein besser aussieht.

Weiterhin hat das neue Design endlich eine Trennung zwischen Kommentaren und Trackbacks, sodass Verweise auf weiterführende Blogs sich nicht mehr mit der Diskussion vermischen – ein Feature, was ich schon lange vermisst habe.

Leider hat das neue Design nur eine statt wie bisher zwei Sidebars, sodass das seitliche Menü etwas länger und unübersichtlicher wird. Beim Konfigurieren der neuen Sidebar bin ich auf eine nette neue Funktion von WordPress.com gestoßen: Jetzt kann man dieses Blog auch per E-Mail abonnieren! (Ich empfehle weiterhin, den RSS-Feed zu verwenden, weil sich Beiträge desöfteren auch mal ändern, gerade wenn ich direkt nach dem Abschicken noch Fehler entdecke.)

Im Rahmen des Umbaus der Sidebar habe ich auch einen neuen Button für die Piratenpartei entworfen. Der Button kann im Piratenwiki als PNG oder SVG heruntergeladen werden, Weiterverwendung und Verbesserung ist natürlich erwünscht. Durch das vektorbasierte SVG-Format kann der Button beliebig skaliert werden und wird trotzdem noch eine gute Qualität haben.

Das alte Design hatte technisch die Navigationselemente vor dem eigentlichen Inhalt – das fiel insbesondere in der Druckansicht deutlich auf, weil man erstmal ein paar Seiten Navigation vor dem eigentlichen Inhalt hatte. Auch wenn auch dieses Design kein brauchbares Druck-CSS hat und die Druckansicht immer noch ziemlich schlecht aussieht, ist es immer besser als das, was ich früher hier hatte. Auch die Internetausdrucker kommen also auf ihre Kosten. (Ja, ich hab mein Blog schon öfter ausgedruckt gesehen. Leider.)

Feedback, Verbesserungsvorschläge, Lob und Kritik sind natürlich willkommen. Ich bitte aber zu Bedenken, dass ich bei WordPress.com nur aus vorgefertigten Designs auswählen und ein paar Sachen anpassen kann. Auf den CSS-Code habe ich keinen Zugriff, ich kann nur die Elemente der Sidebar auswählen, anordnen und konfigurieren und ein paar Sachen im Design einstellen (z. B. was alles angezeigt werden soll). Ich persönlich bin mit dem neuen Design sehr zufrieden. Das Theme heißt übrigens INove, ist von mg12/NeoEase und kann bei WordPress.com-gehosteten Blogs über den Thememanager aktiviert oder für ein selbst gehostetes Blog zusammen mit ein paar anderen schönen Themes auf der Website des Autors heruntergeladen werden.