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Der paranoide Hacker

2010-01-15 71 Kommentare

Eine kurze, fiktive Geschichte zur Anonymität im Netz

Ein junger Hacker steigt nachts an einem Vorstadbahnhof in seinen Regionalzug ein. Müde lässt er sich im komplett leeren Waggon auf einen der Sitze fallen. Als er seinen Rucksack auf den Boden stellen will, fällt ihm ein Schnellhefter auf, der auf dem Boden liegt. Vorsichtig hebt ihn auf. Er sieht sich um, weit und breit niemand zu sehen. Die erste Seite ist leer mit einem roten diagonalen Streifen, doch als er umblättert, sieht er sofort die großen Markierungen in roter Farbe: GEHEIM – amtlich geheimgehalten.

Beim Blättern sieht er, dass es sich um genaue Pläne zum Aufbau einer totalen Überwachung und Zensur des Internets handelt. Ihm ist klar, dass das Material so schnell wie möglich an die Öffentlichkeit muss. Er macht sich jedoch keine Illusionen – wenn derjenige erwischt wird, der das Material veröffentlicht hat, wird ihm das nicht gut tun. Nervös sieht er sich um. Keine Überwachungskameras im Zug. Am Bahnhof, wo er eingestiegen ist, auch nicht, und seitdem fährt der Zug durch den Wald. Gesehen hat ihn niemand. An seinem Heimatbahnhof wird um diese Uhrzeit auch niemand sein, und die einzige Überwachungskamera dort wurde noch nicht repariert, seit er sie eigenhändig sabotiert hat. Sein Handy hatte er eingeschaltet auf dem Schreibtisch vergessen.

Er packt seine Digitalkamera aus und stellt erfreut fest, das der Akku noch fast voll ist und die Speicherkarte noch mehr als genug Platz bietet. Er vergewissert sich nochmal, allein im Waggon zu sein und fotografiert die Seiten ab. Dann lässt er die Akte in seinem Rucksack verschwinden. Er weiß, dass um diese Zeit eine Station nach der, wo wo er aussteigt, jede Menge hoffnungslos betrunkener Fußballfans auf ihren Zug warten, die den Zug meist übel zurichten – wenn jemand die Akte vermisst, wird er sie zuerst bei denen suchen.

Als er aus dem Zug aussteigt, überlegt er, wie er die Akte loswerden könnte. Er nimmt das Papier aus dem Schnellhefter, wirft beides in einen Papierkorb am verlassenen Bahnsteig und zündet ihn an. Brennende Papierkörbe sind in der Gegend nichts, was irgendwie auffällig wäre. Mit einem Stock zerkleinert er die Asche. Zufrieden sieht er beim Weg nach Hause die Überwachungskamera, die immer noch eine dicke Schicht schwarzer Farbe auf der Linse hat, und freut sich, dass der aufziehende Regen nicht nur viele Spuren verwischen wird, sondern auch die Asche im Papierkorb endgültig in eine schmutzige Brühe verwandelt.

Daheim angekommen, packt er die Digitalkamera aus, startet eine Live-CD, um keine Spuren auf der Festplatte zu hinterlassen, und entfernt sorgfältig die EXIF-Daten in den JPEG-Dateien. Die bereinigten Kopien landen wieder auf der Speicherkarte, und zwar auf oberster Ebene, falls der Browser den Pfad mitsendet. Dann versteckt er die Speicherkarte und wartet einige Tage ab, bevor er wieder von der Live-CD startet. Kurze Zeit später hat er sich über TOR zu einer kostenlosen JAP-Kaskade verbunden. Nachdem er nochmals mit einem Hexeditor überprüft hat, dass die Bilder keine EXIF-Metadaten mehr enthalten, startet er einen BitTorrent-Client, welcher wahllos über seine Anonymisierungskette Daten hoch- und herunterlädt, um Traffic zu erzeugen. Er lädt die Bilder bei einem Bilderhoster hoch und schickt die Links über einen anonymen Web-to-News-Dienst an einige Newsgroups. Danach überschreibt er die Speicherkarte 35 mal mit Zufallsdaten. Er überzeugt sich in den Logs der Firewall, dass nichts auch nur versucht hat, an der Anonymisierungkette vorbei Daten zu versenden, schaltet den Laptop aus, trennt ihn vom Netz und entfernt den Akku. Sicherheitshalber entnimmt er die Speicherkarte, legt diverse viel zu hohe Spannungen daran an, schlägt sie klein und spült die Reste in der Toilette herunter. Dann startet er wieder seinen Rechner und wirft memtest86 an, bevor er sich schlafen legt. Die ganze Nacht lang regnet es in Strömen.

Eine Woche später ist im Internet eine hitzige Diskussion über die Dokumente entbrannt. Trotzdem wiedersteht der paranoide Hacker der Versuchung, auch nur die geringste Andeutung zu machen, die ihn verraten könnte. Zufrieden grinsend will er sich übermüdet ins Bett legen – es ist schließlich schon sechs Uhr früh -, als jemand an der Tür klopft. Bevor er zur Tür kommt, kommt diese ihm schon mit lautem Splittern entgegen. Zwei Stunden später, vor Müdigkeit inzwischen alles doppelt sehend, wiederholt er auf dem Polizeirevier auf jede Frage immer wieder den Satz „Ich mache von meinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.“

Durch welchen Fehler hat der Hacker seine Anonymität zerstört, wie ist man ihm auf die Schliche gekommen? Welchen Sinn hatten die einzelnen Schritte, die er unternommen hat? (Antworten bitte über die Kommentarfunktion.)

Ich rechne damit, dass es mehr als eine Lösung geben wird, da ich sicher auch nicht an alles gedacht habe. Die Geschichte und die (hoffentlich zahlreichen) Antworten sollen zeigen, dass wirklich gute Anonymität schwer zu erreichen ist, und ein paar wenig Punkte aufzeigen, an denen sowas schief gehen kann.

Wusstest du, …
… dass Browser beim Dateiupload den Dateinamen oder auch den ganzen Pfad mitsenden können?
… dass oft daran gedacht wird, die digitalen Spuren zu verwischen, die analogen (Fingerabdrücke, Zeugen) aber oft vergessen werden?
… dass viele Leute erwischt werden, weil sie prahlen oder sich verquasseln und dabei Täterwissen zeigen?
… dass Arbeitsspeicher teilweise noch Minuten nach dem Ausschalten nicht komplett gelöscht ist?
… dass verbrannte Dokumente oft noch rekonstruierbar sind, wenn die Asche nicht bewegt wurde?
… dass man bei der Polizei immer von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen sollte?

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Kurzgeschichte: Leben in Watte

2009-03-31 1 Kommentar

Tagelang war der Zugriff vorbereitet worden. Die Männer gehen in Stellung. Es ist drei Uhr morgens. Ein Hund bellt hinter der verschlossenen Wohnungstür. Der Rammbock trifft auf die Holztür, welche splitternd den Weg freimacht. Der Hund greift an. Zwei Feuerstöße. Der Hund und sechs Patronenhülsen fallen den Beamten vor die Füße.

Die Männer stürmen die Wohnung, mit ihren Waffen im Anschlag. Es ist dunkel. Das einzige Licht kommt von den Taschenlampen an den Waffen. Die Lichtkegel huschen über die Wände und durch die Zimmer. Eine völlig überraschte und verwirrte Frau im Schlafanzug wird angeleuchtet. Mehrere Lichtkegel richten sich auf sie. Sie starrt regungslos in die Läufe der Waffen. Die Polizisten rufen: „Runter! Auf den Boden!“ Doch der Satz ist noch nicht einmal beendet, als einer der Männer schon bei der Frau steht.

Er wirft sie zu Boden. Sie schlägt hart auf. Ein Zahn landet auf dem Teppichboden. Der Mann dreht ihr die Arme auf den Rücken. Sie schreit vor Schmerz. Er fesselt sie mit einem Kabelbinder. Er zieht sie fest, bis es nicht mehr geht. Das Plastik schneidet sich in ihre Handgelenke. Er reißt sie nach oben. Die Männer schleifen sie aus der Wohnung. Noch immer sind einige Läufe auf sie gerichtet. Sie wird in einen Streifenwagen gesteckt.

Die Männer sind erleichtert. Endlich ist sie gefasst. Auf dem Revier wird sie direkt verhört. Stundenlang. Immer wieder werden ihr die Fotos gezeigt. Blutige Leichen. Sie wird angeschrien. Aus allen Augen schlägt ihr purer Hass entgegen. Sie ist völlig verwirrt, bringt kein Wort heraus. Sie soll endlich gestehen, wiederholen die verschiedenen Beamten immer wieder. Sie stottert: „Ich hab damit nichts zu tun“. Sie wird unsanft hochgerissen. Zu einer Zelle geschleppt. Hineingeworfen. Sie fällt auf die kalten, harten Kacheln. Sie fällt in Ohnmacht.

Sie wacht auf, als zwei Männer sie hochheben. Es ist hell. Durch das vergitterte Fenster fällt blendendes Licht. Sie wird in einen Streifenwagen gesetzt. Auf jeder Seite ein Bewacher. Sie halten sie mit schmerzhaftem Griff fest. Der Wagen fährt in einem Konvoi, aber nicht lange. Sie wird hinausgezerrt. In ein Gebäude geschleppt, dann in einen Gerichtssaal. Sie ist wie betäubt. Sie stellt keine Fragen. Der Staatsanwalt listet in Stichworten eine Reihe von Mordfällen auf. Sie sagt kein Wort. Sie nimmt das Urteil kaum wahr. In der Zelle der Untersuchungshaftanstalt versucht sie sich zu sammeln. Ihr Kopf dreht sich. Ihr wird schwindelig. Sie fällt auf das Bett. Ihr wird schwarz vor den Augen.

Ein älterer Mann weckt sie. Er stellt sich als Anwalt vor. Sie versucht zu verstehen was mit ihr passiert ist. Er erklärt ihr, dass sie zahlreicher Morde bezichtigt wird. Auch Polizisten. Daher der Hass. Die Beweise sind erdrückend, sagt der Anwalt. Eindeutige DNA-Spuren. Hoffnungslos. Ein verlorener Fall. Der Anwalt kann ihr keine Hoffnung machen. Er geht wieder. Die Zellentür schließt sich. Sie ist allein. Verzweifelt.

Nacht für Nacht träumt sie von einem elektrischen Stuhl. Sie weiß, dass es die Todesstrafe hier nicht mehr gibt, aber dennoch wacht sie jede Nacht auf. Schweißgebadet. Verängstigt. Der Arzt gibt ihr Tabletten. Auch welche gegen den Schmerz. Die Schulter ist geschwollen.  Den ganzen Tag sitzt sie in der Zelle und denkt nach. Sie weint. Sie weiß nicht, was sie getan hat. Sie rastet aus und schlägt gegen die Zellentür. Der Wächter schreit sie zusammen. Auch hier nur Hass. Überall.

Sie erfährt lange nichts neues. Die Ermittlungen laufen. Der Anwalt kann ihr nichts neues sagen. Angehörige hat sie nicht. Monate später wird sie abgeholt. Zum Prozess. Sie beteuert ihre Unschuld. Die Staatsanwältin trägt die Beweise vor. Die Angeklagte schweigt. Der Anwalt auch. Es gibt nicht viel zu sagen. Die Spuren sind eindeutig. Die Staatsanwältin plädiert auf lebenslänglich. Mord. Besondere Schwere der Schuld. Der Anwalt bringt seinen Antrag kaum über die Lippen. Er betont, dass nur die DNA-Spuren auf seine Mandantin zeigen. Freispruch, beantragt er. Aus Mangel an Beweisen. Sie hat das letzte Wort. Sie beteuert ihre Unschuld. Die Richter ziehen sich zurück.

Die Richter kommen wieder. Schuldig, lautet das Urteil. Lebenslänglich. Mord. Besondere Schwere der Schuld. Keine Reue. Sie bricht weinend zusammen. Sie wird abgeführt. Im Gefängnis zeigen alle Wärter ihren Hass. Der Anwalt legt keine Berufung ein. Sinnlos.

Ein Jahr später. Sie ist völlig verwahrlost, mit den Nerven am Ende. Zweimal hat sie versucht, sich umzubringen. Der Anwalt taucht auf. Spricht von neuen Erkenntnissen. Macht ihr Hoffnung. Sie glaubt ihm nicht. Sie hat aufgegeben. Ein neuer Prozess beginnt. Sie versteht immer noch nicht warum sie im Gefängnis ist. Sie versteht den Prozess nicht. Es ist ihr egal. Sie sagt kein Wort. Sie hört nicht zu. Der Anwalt redet und redet. Der Richter spricht sie frei. Sie merkt es nicht. Sie starrt ins Leere. Als ihr die Handschellen abgenommen werden, bleiben ihre Hände verschränkt. Erst im Gespräch mit dem Anwalt begreift sie, was passiert ist. Die Spuren waren falsch. Ein Irrtum.

Sie wird aus dem Gefängnis entlassen. Der Anwalt ruft ihr ein Taxi. Sie fährt zu ihrer Wohung. Die Tür ist ersetzt. Sie hat einen Schlüssel bekommen. Sie schließt auf. Auf dem Teppich im Flur ist immer noch eine Blutlache. Hundeblut. Sie erinnert sich. Ihr geliebter Blacky. Tot. In ihrem Schlafzimmer findet sie ihren Zahn. Alles ist zerwühlt, als hätten Einbrecher gewütet. Auf dem Boden liegt ein gelber Zettel. Durchsuchungsprotokoll. Es klopft an der Tür. Sie öffnet. Ein Stapel Post liegt auf der Fußmatte. Post von fast 2 Jahren. Die Nachbarin, die die Post dort abgelegt hat, zieht schnell die Tür hinter sich zu. Die Frau sieht zitternd die Post duch. Werbung, Kontoauszüge, Rechnungen, Mahnungen. Eine Kündigung. Ihr Job ist weg. Ihr Konto überzogen. Sie hat niemanden mehr. Sie hat ihr ganzes Leben verloren.

Die Nachbaren sprechen nicht mit ihr. Am nächsten Tag steht die Presse vor der Tür. Sie schlägt die Tür zu. Die Reporter belagern das Haus. Sie hat keine Hoffnung mehr. Fast zwei Jahre im Knast. Nichts mitbekommen. Wie soll sie einen neuen Job finden? Mit dem Lebenslauf?

Ein Nachbar klingelt. Sie antwortet nicht. Er klopft. Sie antwortet nicht. Er ruft. Sie antwortet nicht. Er gibt auf. Geht. Eine Woche später wird die Tür aufgebrochen. Nachbarn haben sich über Gestank beschwert. Sie liegt in der Badewanne. Tot. Mit offenen Pulsadern. Auf dem Boden liegt eine Schachtel Wattestäbchen verteilt. Sie hat sie selbst verpackt, in der Firma, wo sie zwei Jahrzehnte gearbeitet hat. In der Firma, in der sie auch die Wattestäbchen verpackt hat, die sie schließlich der Morde überführten, die sie nie begangen hatte.

Der Fernseher läuft. Die Firma ist insolvent. Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe. Am Ende des Berichts wird in einem halben Satz das Schicksal der Wattestäbchenpackerin erwähnt. Als sie verhaftet und verurteilt wurde, liefen die Berichte über eine Woche. Jetzt jedoch ist nach zwei Tagen alles vorbei. Weit weg, in einem hell erleuchteten unterirdischen Raum, nimmt ein Beamter ein Backupband aus einem Laufwerk. Er nimmt einen Stift und beschriftet es sorgfältig. „DNA-Profile (Erkennungsdienst)“. Er legt es in einen Tresor und schließt ihn. Der Server, aus dem das Band stammt, vergleicht das nächste Wattestäbchen mit der Datenbank.

Die Geschichte ist erfunden. Sie orientiert sich am Fall des „Phantoms von Heilbronn„. Dabei wurden aufgrund verunreinigter DNA-Proben zahlreiche Taten einer unbekannten weiblichen Person zugeordnet, die mit fragwürdigen Maßnahmen wie Speichelproben bei Verkehrskontrollen gesucht wurde. Die Geschichte spielt mit dem Gedanken was hätte passieren können, wenn eine dieser „freiwilligen“ Speichelproben auf die vermeintliche Täterin hingewiesen hätte, bevor die Kontamination des Probenbestecks klar wurde. Sie zeigt eindrucksvoll die Gefahren vermeintlich unfehlbarer Fahndungstechniken und riesiger Datenbanken. Der Schluss weist nochmal darauf hin, dass sich an der fragwürdigen Praxis, möglichst viele DNA-Proben zu sammeln, vermutlich nicht viel ändern wird.

Terroranschlag in Bad Homburg

2007-09-05 5 Kommentare

Die Medien beschäftigen sich derzeit primär mit der Verhaftung dreier Terroristen, die offenbar einen Sprengstoffanschlag planten. Dabei gab es in Bad Homburg am 5.9.2007 gegen 8 Uhr deutscher Zeit einen leider erfolgreichen Terroranschlag, an dem vermutlich sogar Behörden und/oder die Deutsche Bahn beteiligt waren. Dabei gab es mindestens 50 Opfer, und das sind die, die ich selbst zählen konnte. Da der Anschlag mehrere Kilometer weite Auswirkungen hatte, ist jedoch anzunehmen, dass die tatsächliche Anzahl der Opfer deutlich höher liegt. Dabei wurde bedeutende Infrastruktur lahmgelegt.

Wie genau der Anschlag ablief, ist derzeit unbekannt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass als Tatwaffe eine besonders simple Einrichtung verwendet wurde, vermutlich handelte es sich um einen handelsüblichen Rucksack oder eine Tasche bzw. einen Koffer. In Folge dessen wurde der Bahnhof Bad Homburg – auch für durchfahrende Züge – gesperrt. Unabhängig davon, ob die „Tatwaffe“ absichtlich oder versehentlich auf dem Bahnhof liegen gelassen wurde, ist der größte Schaden also durch die (Über-)Reaktion der Behörden entstanden. Der Berufsverkehr wurde in der Region eine halbe Stunde stark behindert.

Hier sieht man, dass Terror nicht von Terroristen ausgeht, sondern von denen, die überreagieren und dadurch wirklichen Schaden anrichten. Vermutlich hat es sich einfach um einen vergessenen Koffer gehandelt und nicht um einen Terroranschlag. Erst durch das Verhalten der Behörden wurde Schaden und Schrecken erzeugt. Und Terror ist nichts anderes als Schrecken, wer es nicht glaubt, möge in einem lateinischen Wörterbuch nachschlagen. Wer sind hier also die Terroristen?

Ich werfe den Behörden natürlich nicht vor, vorsätzlich zu handeln, ich glaube, so weit sind wir noch lange nicht. Allerdings ist dringend ein Umdenken nötig. Denn wenn es so weiter geht, wird es nicht lange dauern, bis Terroristen anfangen, auf diese Art und Weise Terroranschläge zu verüben. Die dafür nötigen Werkzeuge (leere Koffer) können erschreckenderweise im Internet oder im Handel für weniger als 30 EUR teils schon im Dreierpack bezogen werden! (Verbietet Koffer – Jetzt!)

Sicher werden einige jetzt sagen, dass die Gefahr besteht, dass doch eine Bombe in einem Koffer ist und dass man deswegen immer solche übertriebenen Maßnahmen treffen muss. Genauso könnte sich aber in jeder herumliegenden Coladose ein Sprengsatz verstecken, und es rückt trotzdem kein Bombenräumkommando an, um jeden Tag die Straßen zu fegen. Und unter jedem achtlos weggeworfenen Papiertaschentuch könnte eine Mine liegen. Maßnahmen gegen solche Bedrohungen machen Sinn, wenn die Bedrohung so groß ist, dass sie die Schäden durch die Gegenmaßnahmen übersteigt, z. B. im Irak. Wir sind hier aber nicht im Irak. Mülleimer sind übrigens recht beliebte Bombenverstecke. Ist das ein Grund, sämtliche Mülleimer (am Besten vom Bombenräumkommando) abmontieren zu lassen? London hat es getan, und braucht jetzt Kameras, um zu verhindern, dass die Menschen einen Müll auf die Straße werfen. Die Anti-Terror-Maßnahmen verursachen meist mehr Schäden, als sie verhindern – siehe das völlig sinnfreie Verbot, 1 Liter Flüssigsprengstoff in einer Flasche an Bord eines Flugzeugs zu nehmen, während 1 Liter Flüssigsprengstoff in 10 Fläschchen zu je 100 ml inkl. Beutel zum Mischen völlig ok sind.

Allerdings – und hier muss ich der Aussage, die Schäuble (in einem anderen Kontext) gemacht hat, leider zustimmen: Es macht einfach keinen Sinn, mit sachlichen Argumenten zu arbeiten. Eine noch so kleine Terrorgefahr reicht aus, damit die Bevölkerung sämtliche sinnfreien Maßnahmen fordert, die jemandem einfallen können.

Ich möchte wieder einmal auf den Verkehr hinweisen: Jedes Jahr gibt es ca. 5000 Verkehrstote in Deutschland. Wenn man sämtliche Kraftfahrzeuge verbieten würde, dürfte diese Zahl deutlich sinken. Dennoch schlägt keiner diese „logische“ Lösung vor, da hier offensichtlich ist, dass die Nebenwirkungen unvertretbar wären. Bei Anti-Terror-Maßnahmen hingegen sind oft nur relativ kleine Einschränkungen (hier und da mal ein Flughafen für ein paar Stunden lahmgelegt oder ein paar abstrakte, nicht unmittelbar spürbare Bürgerrechte abgeschafft) zu spüren. Da Terroranschläge immense Wirkung auf die Öffentlichkeit haben (eigentlich ohne wirklichen Grund – ein Terroranschlag mit 5 Toten verdient eigentlich nicht viel mehr Aufmerksamkeit, wie ein Fahrer, der mit Tempo 180 einen vollbesetzen PKW rammt und die Insassen tötet), werden die nicht so stark spürbaren Maßnahmen dagegen eingesetzt, egal ob sie wirksam sind oder nicht und egal, wie viel Schaden sie anrichten. Das ist der Terrorismus. Die Toten sind nur ein Mittel zum Zweck.

Außerdem: Wie gerade auch am aktuellen Fall zu sehen ist – Terror verhindert man nicht am Tag des geplanten Anschlags, sondern im Vorfeld.

Weswegen ich unter diesem Betreff schreibe? Natürlich ist der Titel reißerisch. Ich will damit zeigen, wie sinnfrei solche Maßnahmen sind, und dass sie eigentlich nichts anderes als erfolgreicher Terror sind. Im Gegensatz zu „richtigem“ Terror finden sie jedoch leider zu wenig Echo in den Medien (zu obigem Vorfall habe ich genau eine Quelle gefunden), denn wenn über jeden dieser Fälle berichtet würde, würde schnell klar werden, dass solche Aktionen ein ernsthaftes Problem darstellen – im Gegensatz zur „Terrorgefahr“. Früher hätte man den Koffer einfach ins Fundbüro gebracht. Heute wird das Bombenräumkommando gerufen.

Kulturelle Missverständnisse

2006-09-10 1 Kommentar

Als die Archäologen sich zum ersten Mal die Satellitenbilder ansahen, konnten sie ihren Augen nicht trauen. Aus der Epoche waren keine derartigen Bauwerke bekannt. Die Menschen der damaligen Zeit legten üblicherweise keinen großen Wert auf gigantische Bauten, und das meiste aus ihrer Zeit war verlorengegangen, weil sie ihre Informationen nicht dauerhaft speicherten. Warum sie dies taten, war unbekannt, sie schienen eine sehr weit entwickelte Kultur gewesen zu sein, doch dies war längst Vergangenheit. Die Städte waren zerfallen, von den Straßen konnte man kaum noch Spuren finden. Aber diese Einrichtung war anders. Sie war aus massivem, festem Stein. Es war die einzige auf der ganzen Welt. Auf den Steinen waren in einer antiken Sprache Botschaften eingemeißelt, die die Jahrtausende überdauert hatten – leider konnte sie niemand übersetzen. Es waren auch Bilder eingemeißelt, anscheinend ein Versuch, primitiven Kulturen eine Botschaft zu übermitteln. Sie zeigten die schmerzverzerrten Gesichter von Menschen. Vermutlich handelte es sich um einen Versuch, jeden abzuschrecken und eine rituelle Stätte oder etwas ähnliches zu schützen. So wenig Wert die damaligen Menschen – vor über 5000 Jahren – auf dauerhafte Monumente legten, dies musste etwas einzigartiges sein. Hinter einer Wand aus gigantischen Blöcken fanden sich Massen an Geröll, offenbar ein Versuch, die Gegend unwirtlich und unbewohnbar zu machen und jede nachfolgende Generation davon abzuhalten, die rituelle Stätte zu betreten. Die Grabungen wurden jedoch mit modernster Technologie fortgesetzt, und inzwischen konnte der Großteil des Gerölls beseitigt werden. Darunter befand sich eine massive Platte aus hartem, schwarzen Gestein, welche sich in der Sonne aufheizte und den Aufenthalt dort nahezu unmöglich machte. Ein derart großes, ausgeklügeltes und aufwändiges System, Eindringlinge fernzuhalten, ist in der Geschichte einzigartig. Durch Sprengungen war es jedoch möglich, die massive Platte zu durchbrechen. Während dieser Arbeiten wurden sowohl weitere Steintafeln, anscheinend mit Drohungen, entdeckt. Tausende identische Tafeln waren im gesamten Gebiet verstreut. Ein verschütteter Schacht wurde entdeckt und ausgegraben. In einer großen Tiefe wurde eine Kammer entdeckt, die mehrere große, metallische Objekte enthielt, deren Zweck bis heute unbekannt ist. Einige der Objekte sind warm, die Ursache für dieses Phänomän ist unbekannt. Die Kammer wurde vor 15 Jahren zuerst für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und stellt heute den zentralen Teil des Antikermuseums da. Es wird gemutmaßt, dass die Antiker hier eine zentrale Stätte ihrer Kultur hinterlassen haben. Einige der eiförmigen Gebilde wurden unter großen Anstrengungen an die Oberfläche geholt und mit großem Aufwand geöffnet. In ihrem Inneren befand sich, geschützt und gepolsert, ein unbekanntes Material, welches jedoch keine besonderen Eigenschaften zu haben scheint. Vermutlich hatte diese Stätte eine rituelle Bedeutung, die uns für immer verschlossen bleiben wird. Die Kammer kann täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang besichtigt werden. Wir weisen Sie darauf hin, dass von einigen Personen am Eingang oft verbreitete Behauptungen, die Kammer sei gefährlich und jeder, der sie betritt, würde sterben, keine wissenschaftliche Grundlage haben. Es handelt sich hierbei um die Verschwörungstheorien von leichtgläubigen Personen, die anscheinend auf die Behauptungen der Antiker, die Eindringlige fernhalten sollten, hereingefallen sind.

Diese Geschichte basiert auf einer Begebenheit, die in einigen Jahrtausenden wirklich passieren könnte. Mehr Informationen finden sich hier.

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