Jan Schejbal

“Es lebe die Freiheit!”

Überwachung und Grundrechte in den Unterhaltungsmedien

Verfasst von Jan am 2007-06-03

Eine Sache, die mir in letzter Zeit sehr auf den Keks geht, ist, dass die Unterhaltungsmedien die Bevölkerung immer mehr an die Überwachung gewöhnen, statt vor den Gefahren zu warnen. Hier mal ein Beispiel:

30.5. 20:15 Sat1 Es kommt die Folge “Paradies” der Serie “GSG9″. Ein Menschenhändlerring wird verfolgt. Um die Täter zu stellen werden einfach so (!) die Mautdaten genutzt. (In der Realität ist das klar gesetzeswidrig) Dabei wird es auch noch dargestellt, als ob es sich um einen Routinefall handelt. Bei dieser Darstellung handelt es sich um keinen Einzelfall, im Gegenteil, Überwachungsmaßnahmen werden immer häufiger gezeigt. Durch diese dauernde Berieselung wird die Bevölkerung langsam aber sehr zuverlässig daran gewöhnt, dass Überwachung ganz normal ist und nicht kritisiert werden muss. Ein weiterer Punkt ist, dass die dargestellten Fälle so gut wie immer erfolgreich verlaufen und grundsätzlich positiv dargestellt werden – die Gefahren und Nachteile von Überwachung werden gezielt verschwiegen. (Auch wenn lobenswerte Ausnahmen zeigen, dass es auch anders geht.) Interessant wäre es, festzustellen, ob diese Darstellungen “von selbst” entstehen oder vieleicht sogar von irgendwem gezielt gefördert werden.

Ein weiterer Fall, ebenfalls aus der oben genannten Folge: Einige GSG9-Leute beschweren sich (Zitat eventuell nicht wörtlich): “Dem Täter können wir nichts tun, aber abwarten, dass die Opfer sterben, können wir” (nachdem ein Täter sich weigert, über den Verbleib der Opfer auszusagen). Diese Aussage hat zwar nichts mit Überwachung zu tun, sondern mit sonstigen Grundrechten. Und in diesem Fall gibt es sogar ein reales Vorbild, welches der dargestellten Situation sehr nahe kommt: Den Fall Daschner. Daschner hat angeordnet, einen Täter zu foltern, um so an Informationen über den Aufenthaltsort des Opfers zu bekommen. Dieses Verhalten wurde später für eindeutig rechtswidrig erklärt. Beim Zitat aus der Serie handelt es sich um einen Fall, der dem Fall Daschner ziemlich entspricht. Dadurch, dass die Äußerung von einem der “Helden” der Serie kommt und sie einfach so im Raum stehengelassen wird, wird der normale Zuschauer dazu animiert, ihr ohne Nachzudenken zuzustimmen. Dies führt im Endeffekt dazu, dass derartige Grundrechtsverletzungen auch in der Realität leichter akzeptiert oder sogar gefordert werden.

Selbstverständlich ist es das Recht eines jeden Drehbuchautors, derartige Dinge in sein Drehbuch zu schreiben. Selbstverständlich darf ein Fernsehsender so etwas senden. Aber dennoch halte ich es für unverantwortlich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegenüber, derartige “Ideale” zu verbreiten.

Interessant finde ich auch, dass gewisse Politiker zwar das gutheißen oder nichtbestrafen von Straftaten in Computerspielen unter Strafe stellen wollen – wenn man diesen Maßstab an die obige Sendung anlegen würde, wäre sie verboten. Seltsamerweise kommen diese Forderungen gerade von den Politikern, die sich für die Abschaffung von Grundrechten einsetzen…

UPDATE: Es geht auch anders und besser. NUMB3RS vom Donnerstag, dem 14.6.2007, 22:15o, 2007-06-14 22:15 hat z. B. viele umstrittene Technologien erwähnt (z. B. RFID-Tags für Schüler), aber gleich kritisiert (Es fielen unter anderem die Worte “Big Brother” und “1984″ und die Figuren äußerten klar ihre Zweifel), und es wurden sogar sehr konkrete Gefahren aufgezeigt – ein Amokläufer hat das zur Anwesenheitskontrolle gedachte System der Schule gehackt und dazu benutzt, um schnell und gezielt herauszufinden, wo seine Ziele waren.

10 Antworten zu “Überwachung und Grundrechte in den Unterhaltungsmedien”

  1. Ecki sagte

    Mir ist das auch schon aufgefallen. Während früher die Tatort (oder sonstwas) Kommissare immer mit ihren Vorgesetzten zu kämpfen hatten, um einen Verdächtigen zu überwachen, werden jetzt so ganz einfach Speichelproben, Fingerabdrücke und ähnliches mitgenommen, ohne das dem vermeintlichen Täter darüber Bescheid gegeben wird.
    Die Fragen, die sich mir stellen, sind folgende: Spiegelt der Krimi die Realität wieder, wie sie bereits ist? Oder wird langsam die Realität angepasst, indem solche Maßnahmen zum vermeintlichen Standard erklärt werden?

  2. Kai K. sagte

    Klares Kontra.
    Am Ende des Tages betreibst Du mit dieser Haltung Einschraenkung der Kunstfreiheit.
    Das vertraegt sich nicht sonderlich mit dem im linken Frame prangernden Logo der Piratenpartei.

    Wenn Du Dich schon ueber so Kleinigkeiten bei GSG9 echauffierst, was erst sagst du zur US-Serie 24, zu CSI, NCIS… Zu unterstellen, Autoren und Sender verfolgten mit der Darstellung fiktionaler Ermittlungsarbeit ein gewisses Ziel (hier: mentale Vorbereitung auf weitere Aushöhlung freiheitlicher Grundrechte und des Datenschutz) halte ich fuer Paranoid.

    Es ist Unterhaltung.

    Wenn Du moechtest, dass Unterhaltung und Kunst gewissen Vorstellungen (Deinen) zu entsprechen habe, stellst Du Dich nicht besser als die Verbieter und Zensoren und Jugendschuetzer unseres Landes

  3. mopzz sagte

    Krass… Ja es wäre wirklich interessant ob das nicht von Regierungsleuten “unterstützt” wird, dass sie die Leute gegenüber diesem Verhalten abstumpfen. Könnte man ja dann schon fast mit Gehirnwäsche gleich setzen…

  4. Jan sagte

    @Kai:
    Ich habe geschrieben:
    Selbstverständlich ist es das Recht eines jeden Drehbuchautors, derartige Dinge in sein Drehbuch zu schreiben. Selbstverständlich darf ein Fernsehsender so etwas senden. Aber dennoch halte ich es für unverantwortlich
    und dazu stehe ich. Der Punkt ist, dass hier eindeutig illegale Dinge (die Mautdatenfahndung) als normal und wünschenswert dargestellt werden, ohne auch nur zu erwähnen, dass es illegal ist.

    24 habe ich nicht viel von gesehen, in CSI geht es soweit ich weiß um konkrete Tatortermittlungen, und außerdem kenne ich mich mit amerikanischem Recht nicht besonders gut aus. In NCIS werden immer wieder illegale Handlungen dargestellt, allerdings sind diese fast immer klar als illegal erkennbar. Das ist zwar auch noch nicht ganz toll, aber IMHO noch vertretbar und viel besser als die Sache, die ich kritisiert habe: Da wird die Mautdatenfahndung als existierende ganz normale alltägliche und vor allem legitime Ermittlungstechnik dargestellt, und das gerade in einem umstrittenen Bereich, von dem die meisten Normalbürger nicht allzu viel Ahnung haben dürften. (Sogar ich musste recherchieren, ob die Mautdaten inzwischen nicht zur Fahndung freigegeben sind.) Deswegen finde ich gerade diesen Fall so kritisch. Dennoch handelt es sich nur um ein exemplarisches Beispiel, weil es mir gerade in diesem Fall besonders aufgefallen ist.

    Ich halte es übrigens für zwar möglich, aber unwahrscheinlich, dass diese Darstellungen gezielt der Gewöhnung an Überwachung dienen sollen. Was es bedeuten würde, falls dies so wäre, hat Mopzz ganz gut dargestellt.

    Im Gegensatz zu den “Verbietern, Zensoren und Jugendschützern” fordere ich aber nicht, dass so etwas verboten wird und keiner es senden darf. Ich weise darauf hin, dass ich es für unverantwortlich halte. Ich habe übrigens nichts dagegen, wenn Spielehersteller aufgefordert werden, keine gewalttätigen Spiele zu produzieren, sofern dies nicht mithilfe von Drohungen durchgesetzt wird, ich habe nur etwas gegen Verbote. Da ich davon ausgehe, dass Drehbuchautoren nicht daran denken, welche unbeabsichtigten Effekte es haben kann, wäre es gut, sie daran zu erinnern. In vielen Serien kommt auf so eine Aktion dann immer wenigstens ein “Ist das nicht illegal” “Na und?”, um zu zeigen, dass das nicht so ganz in Ordnung ist, was da gemacht wird. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich vieleicht einen offenen Brief, weil so ein Posting alleine nicht viel Wirkung hat.

  5. bluejax sagte

    interessanter denkansatz, werd ma in zukunft extra drauf achten!

  6. infowars sagte

    die massenmedien dienen ganz klar zur konditionierung des volkes….
    wer das nicht mehr sehen kann…bei dem hat es schon geklappt!
    http://infowars.wordpress.com/2007/01/10/neue-staffel-von-24-zeigt-massenterror-und-konzentrationslager/

    die 24 produzenten wurden sogar offiziel vom cia oder so gelobt für ihre konditionierungsarbeit.

    in der ersten serie von 24 geht es fast in jeder folge darum zeugen zu foltern…. vom guten jack bauer…
    genauso in dem ganzen csi-shit…. achtet einfach mal darauf… wie oft verdächtige, explizit aufgefordert werden, auf ihre rechte zu verzichten…zu ihrem gunsten…ich schau echt selten rein… aber die trefferquote ist trotzdem hoch…. überzeugt euch einfach selber…

    die technik des tv allein ist schon ein mindcontrolinstrument…die flickerrate wurde extra so eingestellt, das sie den zuschauer in einen tieferen trancezusatand als schlaf bringt….eine art scheintod…. also absolut offen für suggestionen…. (unser hirn hat keine firewall)…

    die funktiopn des tv ist eigentlich kein geheimnis…. nicht umsonst soll in china jeder ein tvgerät besitzen von der regierung aus gesehen.

    guter artikel jan und du liegst richtig! definitiv !

    hier noch mehr beweise über den einfluss der militärindustrie im film…:
    http://infowars.wordpress.com/2006/10/31/operation-hollywood/

  7. Jan sagte

    @ Inforwars:
    Dass die Flickerrate des Fernsehens zu einem tranceartigen Zustand führen soll, habe ich auch schon gehört, allerdings nicht verifiziert. Ich bezweifel aber sehr, dass das Absicht ist (sofern es überhaupt stimmt), ich schätze die normale Erklärung (technisch bedingt) als realistisch ein.

    Beim CSI-Zeug wird wohl leider die Realität mit dem “Rechte verzichten” dargestellt, ich glaube auch in Wirklichkeit werden die Leute so oft aufgefordert, auf alle Rechte zu verzichten.

  8. binischkinooderwas sagte

    hm traurig aber ist die normale entwicklung. naja, ich bin froh daß es nicht mehr so ist wie vor ein paar hundert jahren noch, als die leute echt alles gegeben haben damit ein paar wenige in saus und braus leben können.

    heutzutage haben wir wenigstens (noch) halbwegs sauberes trinkwasser (hormone und rostschutzmitteln usw sind ja weitgehend vernachlässigbar) und man kann in manchen teilen der welt immer noch gefahrlos auf der strasse spazierengehen..

    und wenn das nicht mehr geht kann man sich ja hoffentlich wieder halbwegs straffrei um seine eigene sicherheit kümmern. irgendwie hat die menschheit immer überlebt.

    also noch viel spass beim fernsehkucken und politiker machenlassen!

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