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Wunderbar kulant

Ein anderes Blog, The Content, schreibt in diesem Beitrag, wie freundlich Aplle iTunes doch sei. Man kann die einmal dort gekaufte (!) Musik in bestimmten Ausnahmefällen, z. B. wenn man sie duch einen Festplattencrash verliert, neu herunterladen. Man muss die Musik, die man einmal gekauft hat, nicht nochmal kaufen, weil man sie aufgrund des wunderbaren Kopierschutzes nicht sichern konnte. Ist das nicht ein wunderbare freundliches Angebot?

Anscheinend ist Apple der Meinung, man würde für die Musik und die Rechte, sie zu hören zahlen, und nicht für den Download selbst. Denn wenn man für den Download und nicht die Musik zahlen würde, wären andere Portale, die die Musik kostenlos zum Download anbieten, vollkommen legitim und in Ordnung. Ein anderer Hinweis darauf, dass man nicht für den Download und die Datei, sondern für die Rechte zahlt, ist der Einsatz eines Kopierschutzes, der sicherstellt, dass man die legal gekaufte (!) Musik nicht auf beliebige mp3-Player kopieren kann, sondern nur auf den überteuerten iPod.

Andererseits kommt es mir so vor, als ob Apple doch der Meinung wäre, dass man für die Datei selbst und nicht für die Rechte, die Musik zu hören, zahlt. Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass es als Ausnahme und nicht als Selbstversändlichkeit gilt, dass man sich die Musik, die man gekauft und bezahlt hat, neu herunterladen kann. Die Kosten dafür liegen bei Apple ja wohl nahe null.

AUFWACHEN! Im Moment steht der Musikhörer vor der Wahl: Er kauft sich einen Song legal bei Apple iTunes, zahlt dafür Geld, kann damit nicht das machen, was er will, sein Recht auf Privatkopie wird durch den Kopierschutz so oder so ausgehebelt, unterwegs kann er die Musik nur auf einem iPod, nicht aber auf einem normalen mp3-Player hören, und wenn er die Musik verliert, die er aufgrund des Kopierschutzes nicht vernünftig sichern konnte, kann es sein, dass Apple so gnädig ist und ihn nicht nochmal zahlen lässt. Oder er zieht sich den Song einfach aus dem Internet, hat eine mp3-Datei, mit der er machen kann was er will, kann sie sichern, und selbst wenn er sie verliert, hat er erstens nichts dafür bezahlt (von daher keinen direkten Schaden) und kann sich das Stück zweitens jederzeit neu herunterladen. Natürlich ist es illegal, aber dafür fallen viele Nachteile weg, die man beim legalen Kauf hat. Vieleicht sollten die Musikhändler (und die geldgierige Musikindustrie, der die Preise nicht hoch genug sind) darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller wäre, einen faireren Kompromis zu finden. (Und Apple scheint da noch deutlich fairer als andere Händler zu sein) Denn z. B. Linux-Benutzer haben oft nicht sehr viele Möglichkeiten, DRM-geschützte Musik abzuspielen – zumindest keine legalen.

Meiner Meinung nach sollte jeder Online-Musikladen die Möglichkeit, die bereits gekaufte Musik beliebig oft neu herunterzuladen, als eine Selbstverständlichkeit beinhalten. Vieleicht wäre es sogar vernünftig, komplett auf irgendwelche Kopierschutzmechanismen zu verzichten und die Dateien im mp3-Format zu verkaufen. Maximale Kompatibilität, der Benutzer kann die gekaufte Musik so benutzen wie er will, und die Kunden (nicht Feinde, auch wenn man den Eindruck hat, die Musikindustrie würde ihre Kunden als Feinde ansehen) wären zufriedener. Raubkopien in den Tauschbörsen wird es so oder so geben. Ob jemand die mit digitalen Wasserzeichen versehene Onlineshop-Version nehmen würde, um sie weiterzuverbreiten, wage ich mal zu bezweifeln. Und wer eine illegale Version herunterladen will, wird sich davon, dass die iTunes-Dateien DRM-verseucht sind, nicht stören – der holt sich einfach eine saubere mp3, die jemand anderes anbietet. Von daher könnten vielleicht die Musikshops ihre Kunden zufriedener machen, ohne dass die Raubkopien zu stark vereinfacht würden. Nur die legale Privatkopie wäre dann wieder problemlos möglich. Und dieses gesetzliche Recht mag die Musikindustrie nicht. Wahrscheinlich genauso wenig wie Steuern. Die sind auch lästig. Und gehören auch dazu, wenn man etwas verkauft. Nur hat die Musikindustrie es anscheinend nicht begriffen, dass, wenn man gigantische Gewinne mit Musik einfährt, man die Privatkopien zu tolerieren hat, auch wenn sie die Gewinne von absolut astronimisch auf astronomisch reduzieren.

Und bevor hier jemand kommt, dass die armen Künstler wegen der Raubkopien verhungern müssten und um ihren gerechten Verdienst gebracht werden – nein. Nicht durch die Raubkopien. Durch die geldgierige Musikindustrie. Die bei Downloads von den Tantiemen Beträge für Verpackungskosten und beschädigte CDs abzieht.

Was ein Glück, dass ich keine Musik höre. (Wirklich. Keine. GAR KEINE. Auch keine freie Musik.) Aber aufregen tut es mich trotzdem.

Kategorien:Newskommentare
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