Gute Idee – deswegen wird’s nix

Golem.de berichtet, dass eine Firma nun die Möglichkeit anbieten will, die legal bei Downloaddiensten angebotenen Filme auf DVDs zu brennen, damit man sich die auch im eingen Player und nicht nur am Rechner ansehen kann. Das würde die Beliebtheit dieser Dienste vermutlich steigern, und um es in einer Sprache auszudrücken, die vieleicht auch die Filmindustrie versteht: DAS WÜRDE VERMUTLICH GEWINN (=GELD) BRINGEN.

Leider ist die Filmindustrie bekannt dafür, dass sie gute Ideen scheitern lässt. Ich denke, dass es hier auch so sein wird. Die Gründe sind einfach:

  • Es geht darum, das Filme gebrannt werden. Filme brennen ist böse. (Ja, ich denke, die Filmindustrie ist zu dumm, einen Unterschied zu machen. Wobei. Zwischen legalen und illegalen Downloads haben sie ihn auch schon erkannt- legale Downloads werden nicht nur weil sie Downloads sind als böse angesehen. Könnte also doch klappen)
  • Die DVDs können vieleicht mit einem Kopierschutz versehen werden (wenn auch wohl kaum mit einem sehr wirkungsvollen), aber sie können nicht davor geschützt werden, dass der Kunde sie Freunden ausleiht. Eigentlich ist ja nichts schlimmes daran, jeder kann und darf es auch mit einer gekauften DVD machen. Aber die Contentindustrie will sollche Rechte einschränken, da der Freund die DVD ja dann vieleicht nicht kauft. Den Werbeeffekt, den sowas hat, (und daraus resultierender GEWINN, also GELD) vergisst die Contentindustrie dabei. Jedenfalls denke ich, wird der wohl nicht sehr gute Kopierschutz und das fehlende DRM der Hauptgrund sein, warum das nötige „OK aus Hollywood“ nicht kommen wird. Oder es wird nur mit DRM-fähigen Playern gehen. Die aber keiner hat und sich auch keiner kaufen wird. Die kaufen sich dann lieber einen DivX-fähigen Player und ein neues DSL-Modem und bestellen sich noch ein bisschen Bandbreite dazu, damit die illegalen, aber uneingeschränkten und kostenlosen Downloads besser laufen.

Die Contentindustrie vergisst, dass sie eine ernstzunehmende Konkurrenz hat. Aufgrund mangelnder Werbung ist dies nicht die kostenlose Musik und freie Filme. Nein – die Raubkopien. Und es ist schwer, etwas illegalem, aber kostenlosem, Konkurrenz zu machen. Wenn man schon beim Preis hinterherhinkt, darf man nicht auch noch bei anderen Sachen wie Bequemlichkeit oder Nutzbarkeit schlechter sein, sonst hat man keine Chance (und damit auch keinen GEWINN, also kein GELD). Wenn die Contentindustrie will, dass die Kunden ihre Downloadportale den illegalen Versionen vorziehen, muss sie außer der Legalität noch andere Vorteile bieten, statt Nachteile in Form von DRM.

UPDATE: Anscheinend gibt es bei der Filmindustrie noch vernünftige Leute. Laut Golem scheint es nun tatsächlich diesen Dienst zu geben, sogar die Preise liegen unter denen von Kauf-DVDs, sodass es sich für die Kunden trotz des Downloadaufwandes und der Traffic- und Materialkosten vieleicht lohnt.

UPDATE 2: Die Filmindustrie scheint nun laut Golem doch dem Einsatz von CSS, also einem kompatiblen, aber sehr schwachen Kopierschutzes zuzustimmen. Hat damit das Prinzip der Musik- und Filmindustrie „Es ist uns egal ob und wie der Kunde es abspielen kann – hauptsache man kann es auf keinen Fall kopieren“ vieleicht doch noch ein Ende gefunden? Vieleicht, aber trotzdem wird man vermutlich die DVDs nicht mit heutiger Hardware brennen können. (Brenner müssen vieleicht, Rohlinge sicher angepasst werden – siehe Heiseforum). In dem Fall wird also wieder nix. Mein Tipp an die Filmindustrie: Vollständiger Verzicht auf Kopierschutz – die zahlenden Kunden werden es euch danken und vieleicht werden dann mehr Leute das als Alternative zum illegalen, aber kostenlosen und kopierschutzfreien Download sehen. Zu dem Zeitpunkt, wo der Film offiziell auf DVD kommt, kursieren meist im Internet eh schon Raubkopien in DVD-Qualität, daher wird es den Raubkopierern nicht soo sehr helfen. Nur der Privatkopierer, der sein früher nicht so eingeschränktes Recht auf Privatkopien nutzen will, wird das wieder können. Das will die Filmindustrie zwar nicht, aber vieleicht wäre es vernünftig einzusehen, dass das eben zum Vertrieb dazugehört. Wenn die Filmindustrie per Gesetz vor die Wahl gestellt würde, einen Film gar nicht oder nur ohne Kopierschutz und mit Recht auf beliebig viele (!) Privatkopien, würde sie ihn dennoch rausbringen – denn Gewinn bringt es auch so genug! Es ist nicht nötig, die Rechte der Menschen zu beschneiden, nur um die eigenen Gewinne noch weiter zu steigern!

UPDATE 3: Golem berichtet nochmals ausführlich über die Probleme mit CSS

UPDATE 4: Und jetzt über die Lösung: Die DVDs sollen über sogenannte Kiosk-Lösungen, also fest installierte Brennstationen, wo die Kunden sich die DVDs abholen können, gebrannt und verteilt werden. Ich versteh zwar nicht den Sinn der Sache, der ja eigentlich war, sofort bequem daheim die DVDs zu bekommen, aber was solls. Ich sehe auch den großen Unterschied zu Videotheken/DVD-Läden nicht. Der Preis wird es wahrscheinlich auch nicht sein. Vermutlich will die Filmindustrie nicht einsehen, dass das ganze nicht funktioniert und versucht noch so viel wie möglich zu retten, auch wenn es nicht mehr geht. Allerdings sehe ich den Unterschied zwischen legalen und illegalen Downloads. Legale Downloads kosten Geld, und man kann sie bisher immer noch nur am PC anschauen. Illegale Downloads kann man sich auf DVDs brennen, die fast jeder Player abspielt, die auch nicht beim kleinsten Kratzer kaputtgehen, weil der Kopierschutz die Fehlerkorrektur zerstört hat, und es kostet nichts. Ist aber illegal. Und da wundert sich die Filmindustrie, dass die Leute raubkopieren?

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